Julian Assange, Schweden und die wildgewordenen Feministinnen

„Eine Feministin, eine Staatsanwältin und ein weiblicher Fan“ haben laut FAZ.net den Wikileaks-Gründer Julian Assange ins Gefängnis gebracht. Mit Vorwürfen, die – wie seit Tagen kopfschüttelnd von vielen Seiten erklärt wird – nach deutschem Rechtsempfinden und überhaupt nach gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar sind.

Assange ist in Schweden eines minderschweren Falles von Vergewaltigung angeklagt, obwohl er keine Frau gewaltsam zum Sex gezwungen hat, sondern lediglich ohne Kondom mit zwei Frauen schlief, die ihn jeweils in ihre Wohnung zum Übernachten eingeladen hatten. Ist diese Anklage ein Beispiel dafür, dass wild gewordene „Radikalfeministinnen“ es aber nun wirklich zu weit treiben, wie in vielen Internetkommentaren gemutmaßt wird?

Meiner Ansicht nach hat das Ganze weniger mit Feminismus zu tun als mit dem schwedischen Staatsverständnis und mit der dortigen Vorstellung, dass alles, was eine Gesellschaft kulturell und moralisch für richtig oder falsch hält, von Staats wegen durchgesetzt gehört. Während man in Deutschland „dem Staat“ gegenüber, aus historischen Gründen, im Allgemeinen eher skeptisch eingestellt ist, sehen die meisten Schwedinnen und Schweden den Staat positiv: nicht als Gegenpart zum „Bürger“, sondern als legitimen verlängerten Arm ihrer selbst.

Deshalb gibt es in Schweden wenig Datenschutz-Aktivismus, denn man ist der Meinung, der Staat werde schon verantwortlich mit den Informationen umgehen. Und deshalb ist dort die Bereitschaft, ordentlich Steuern zu zahlen, relativ hoch, weil die Menschen überzeugt sind, der Staat werde das Geld schon sinnvoll ausgeben. Man hat in Schweden auch wenig dagegen, wenn der Staat nicht nur unerwünschtes Verhalten verbietet, sondern auch erwünschtes Verhalten herbeiführt – berühmtes Beispiel sind die „Vätermonate“, die in Schweden erfunden wurden, und die bedeuten, dass Elterngeld nur dann in voller Höhe ausbezahlt wird, wenn Vater und Mutter ihre Erwerbsarbeit zu je gleichen Teilen unterbrechen.

In diesem Kontext des allgemeinen Vertrauens in „den Staat“ und seine Institutionen ist auch die Anklage gegen Assange zu sehen. Hintergrund ist hier das juristische Konstrukt einer „minderschweren Vergewaltigung“, die nach schwedischem Recht auch dann vorliegen kann, wenn sich das „Opfer“ während des Sexualaktes nicht eindeutig gewehrt hat oder sogar Zustimmung signalisierte.

Dass Gewalt nicht nur dann stattfinden kann, wenn sie körperlich ist, müsste sich doch inzwischen allgemein herumgesprochen haben. Es gibt strukturelle Gewalt, psychische Gewalt und so weiter. Gerade im Bezug auf Gewalt in intimen Beziehungen und im Zusammenhang mit Sexualität spielt das eine große Rolle, da die allermeisten Vergewaltigungen ja eben nicht im dunklen Park stattfinden, sondern von Verwandten, Bekannten und Freunden verübt werden.

Es ist jedenfalls durchaus denkbar, dass Assange zum Beispiel eine Einladung zur Übernachtung als Einladung zum Sex missverstanden hat und die betreffende Frau den Sex zwar nicht wollte, aber auch nicht lautstark dagegen protestierte, zum Beispiel aus Scham oder weil sie sich überrumpelt fühlte. Damit will ich, wohlgemerkt, nicht behaupten, dass es so gewesen ist. Wie es gewesen ist, können wir alle nicht wissen. Es könnte aber so gewesen sein. Und wenn es so gewesen wäre, dann wäre das Verhalten Assanges falsch gewesen. Er hätte eine Situation ausgenutzt, sich gegen die Bedürfnisse und Wünsche der betreffenden Frau ignorant gezeigt, und das wäre nicht in Ordnung gewesen.

Die Frage, um die es hier geht, ist: Wäre das ein Fall fürs Gericht?

Offensichtlich – die näheren Umstände des Gesetzes sind mir nicht bekannt – versucht man in Schweden tatsächlich, solche Settings nicht nur „moralisch“, sondern auch juristisch erfassen. Also jene komplexen Ebenen menschlicher Beziehungen, in denen zu es nicht klar und eindeutig um physische Gewaltanwendung geht (die den „Vorteil“ hat, dass man sie beweisen und nachweisen kann), sondern um subtile Dynamiken, die es einem Menschen ermöglichen, seinen Willen und seine Bedürfnisse unter Missachtung des Willens und der Bedürfnisse anderer auszuleben. Wie gesagt: Ob das im Fall von Julian Assange so war oder nicht, ist derzeit nicht bekannt, das herauszufinden wäre ja Thema eines eventuellen Prozesses.

In Schweden meint man, solche Dinge sind justiziabel, der Staat müsse sich darum kümmern. Nach dem Empfinden der meisten Menschen in Deutschland handelt es sich dabei eher um private Angelegenheiten nach dem Motto: Soll die Frau doch lernen, deutlich Nein zu sagen. Über dieses Staatsverständnis wäre also zu diskutieren. Als Anarchistin sehe ich persönlich das schwedische Modell ebenfalls skeptisch. Gerade das komplexe Phänomen „Gewalt in intimen Beziehungen“ lässt sich meiner Ansicht nach nicht juristisch in den Griff kriegen – warum habe ich kürzlich in einem Vortrag aufgeschrieben.

Zumal ja rechtliche Festschreibungen immer auch die Gefahr des Missbrauchs beinhalten – ein Thema, das die Frauenbewegung meiner Ansicht nach ruhig offensiver diskutieren könnte. Als in den 1990er Jahren die Debatten über Kindesmissbrauch geführt wurden, hat Katharina Rutschky das Thema „Missbrauch des Missbrauchs“ zur Sprache gebracht. Ich habe es immer schade gefunden, dass ihre Thesen in Frauenbewegungskreisen oft nicht diskutiert, sondern pauschal zurückgewiesen worden sind.

Auch im vorliegenden Fall ist es natürlich möglich, dass die Beschuldigungen gegen Assange falsch sind. Es ist möglich, dass der Sex einvernehmlich stattfand, und zwar nicht nur in dem (deutschen) Sinne, dass keine physische Gewalt angewendet wurde, sondern auch in dem (schwedischen) Sinne, dass Assange die Frauen nicht überrumpelte, dass er seinen Star-Status nicht ausnutzte und das Kondom nur deshalb wegließ, weil die Frau ebenfalls nicht wollte, dass er es benutzt. Und es ist natürlich auch möglich, dass es sich bei der Anklage um eine bewusste Diffamierung wegen Wikileaks und Co handelt.

Aber es ist eben auch das Gegenteil möglich: dass Assange seine eigenen Bedürfnisse über die der betreffenden Frauen gestellt hat. Und das würden wir hoffentlich alle falsch finden. Doch es wäre ein rein ethisches Vergehen, es wäre in Deutschland nicht justiziabel. In Schweden aber schon. Nicht, weil es da so viele Radikalfeministinnen gibt. Sondern weil man in Schweden dem Staat einfach ungeheuer viel Autorität gibt.

Update: Einen guten Überblick über die Diskussion gibt es bei der Mädchenmannschaft: http://maedchenmannschaft.net/was-schreib-ich-nur-uber-julian-assange/

 

PS: Dieser Artikel erschien auch in der Zeitung „Graswurzelrevolution“, GWR 355, Januar 2011.


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80 Gedanken zu „Julian Assange, Schweden und die wildgewordenen Feministinnen

  1. Über Kommentare freue ich mich, wie immer! Bitte wundert euch aber nicht, wenn es zurzeit mit dem Freischalten länger dauert: Ich bin im Urlaub und zwischendurch längere Phasen computerlos am Strand oder in Funklöchern unterwegs usw…

  2. Ja, die Schweden haben ihrem Staat ungeheuer viel Autorität gegeben. Für Problematisch halte ich es allerdings, wenn sich diese Autorität per Umsetzung des europäischen Haftbefehls plötzlich weit über die Grenzen des schwedischen Staats hinweg erstreckt. Sicher: Es ist um die Erweiterungspläne der EU in letzter Zeit aufgrund attraktiverer Themen etwas ruhig geworden. Die Autorität und Rechtsordnung gewisser Aufnahmekandidaten durch die Hintertür auch in Deutschland implementiert zu bekommen, könnte mir dennoch ein gewisses Stirnrunzeln entlocken.

    Im Übrigen habe ich gewisse Zweifel, ob wirklich so viele Menschen in unserem Kulturraum es für falsch halten, seine eigenen Interessen über die eines oder einer anderen zu stellen. Wenn auch stets anderes verlautbart: Letztlich scheinen die Anhänger der Philosophie Max Stirners die gesellschaftliche Mehrheit zu bilden – selbst, wenn die meisten diesen Namen noch nicht einmal gehört haben.

    Obrigado für die Gedankenanregung!

  3. Du, Antje, ich bin mir da nicht so sicher, dass ein solches Vergehen in Deustchland nicht auch justiziabel ist und tendiere schon dazu, die eigene Ethik zum Maßstab der Klageerhebung zu machen. Tatsächlich aber halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Tat (erzwungener ungeschützter Sex bei Einwilligung zum geschützten) auch in Deutschland und von einer Frau angezeigt wird, für eher gering. In Deutschland sind die Frauen nicht so mutig. Das hat vorallem soziale, politische und ideologische Gründe und Effekt der jahrsehntelangen patriarchalen, nachfaschistischen Repression gegen Frauen. Der Sex ohne Kondom zum Beispiel wurde Nadja Benaissa zur Straftat, weil sie dazu noch HIV-positiv ist und die Opfer Männer waren und keinerlei Hemmungen zeigten, sich auch auf dem Rechtsweg durchzusetzen. Ob eine Frau das anzeigen würde und nicht eher die Schuld bei sich suchen, weil sie sich nicht geschützt hat, kann man nur mutmaßen. Ich befürchte, es würden nur die wenigsten tun und die meisten aber die Schuld bei sich suchen.

    Insofern also für Schweden die Ethik Maßstab für die Strafanzeige ist, wäre das ein positives Beispiel. Bisher neigen ja vorallem Frauen dazu, toleranter zu sein als der Gesetzgeber wünscht. Männer sind auch da risikofreudiger, die zeigen jeden Kackmist an und überziehen dabei soagr gewaltig. Frauen haben – vermute ich – vielmehr Angst zu scheitern und nehmen sich sowieso weniger wichtig. Eine besondere Ehrfurcht vor einem autoritären Staat erkenne ich also unter Deutschen nicht, sondern nur die patriarchale Differenzierung in jene, die einen Staat (und auch alles andere) zum Durchsetzen ihrer Interessen (aus-)nutzen (Männer) und andere, Frauen, die auf ihre derartigen Möglichkeiten verzichten und es nur im Ausnahmefall machen und unter der Sicherheit tun, sich auch bitte wirklich durchsetzen zu können. Mir sind zum Beispiel Schilderungen von Sexerlebnissen bekannt, das waren Vergewaltigungen, aber die werden nicht zur Anzeige gebracht, weil diese Frauen überhaupt kein Unrechtsbewußtsein haben und es sogar toll finden, weil sie es eben geil zu finden haben und mittlerweile Richter davon abraten, solche Erlebnisse zur Anzeige zu bringen, weil die Tortur der Befragung und der Misstrauens ebenfalls erniedrigend und entwürdigend ist. Die schnallen aber auch garnicht, dass stockbesoffen von irgeneinem Kerl ungeschützt durchgevögelt zu werden, nicht Ausdruck ihrer Dummheit ist, sondern eine Straftat. Berichten Sie davon, sind zudem 100 000 Leute die erzählen, dass das doch total geil ist und witzig und eben nun mal so passiert und dass man darum eben nicht soviel trinken darf. Sollte sie es doch wagen, zur Anzeige zu schreiten, besorgen Vergewaltigungsmythen, vor denen auch die Polizei und Justiz nicht immun sind, den Rest: Eine Vergwaltigung wird anders bewertet, wenn das Opfer betrunken war (oder aufreizend gekleidet oder „Bereitschaft signalisierte“) In Deutschland ist die öffentliche Wahrnehmung ja schon so totalitärfrauenverachtend, dass nur der Verdacht, ein Opfer zu sein, den Tätervorwurf (Falschbeschuldigung) schon mit sich bringt, weil ihn irgendjemand mit Sicherheit vortragen wird. Meist passiert das in Rudeln. Anzunehmen, dass eine Frau, die gegen ein Mann einen Vorwurf auf sexualisierte Gewalt erhebt, tatsächlich die Wahrheit sagt, ist doch die Ausnahme, die man mit der Lupe suchen muß. So sehr sind wir schon von der frauenverachtenden, männerhörigen Ideologie und Medienhetze korrumpiert, dass es uns schwer fällt, einer Frau (!) zu glauben! Ihr zu glauben, dass sie die Wahrheit sagt (jedenfalls solange keine Fakten dagegen bekannt sind), sollte Basis feministischer Politik sein, denn alles andere ist Bevormundung und endet in Entmündigung.

    Dass ich es großartig finde, dass diese beiden Frauen das angezeigt haben, ist klar. Ich glaube ihnen ohne jeden Zweifel, dass es so passiert ist. Und ich halte die geshcilderten Vorfälle für ethisch verwerflich und auch für justiziabel. Ob es in Schweden dann zu Ermittlungen kommt und sich wirklich anhand der Sachlage eine Straftat erkennen läßt, entscheidet ein Gericht. Die Staatsanwaltschaft sieht den Verdacht als begründet an, um eine Befragung durchzusetzen. Gründe um an der Aussage der Frauen und an der Einschätzung der Staatsanwaltschaft zu zweifeln, sind mir nicht gegenwärtig. Ich bin zwar auch Anarchistin, lehne Herrschaft und das Prinzip Herrschaft ab, aber ich halte die Strafverfolgung für eine legitime Form der Interessenverfolgung der beiden Frauen (immerhin kein Anarchistinnen) durch die schwedische Justiz nicht für einen Ausdruck nationalistischer Politik oder Herrschaft, sondern für den gesunden Ausgleich einer in ihren rechten verletzten Partei gegen eine andere bei widersstreitenden Interessen und die Strafverfolgung ist die gängige Basis für Wiedergutmachung erlittener Schmach und Entwürdigung. Solange wir in einem Staat leben, ist nicht einzusehen, warum nur Männer ihn zum eigenen Vorteil nutzen (soweit ich weiß, führte Assange selbst einen erbitterten Sorgerechtsstreit um seinen Sohn) und Frauen sich vorallem zum Aushalten der Repression und Ohnmacht entscheiden. Herrschaft überwinden zu wollen, bedingt nicht, sich bis dahin wehrlos in diese beschissenen Verhältnisse zu fügen. Herrschaft überwinden zu wollen, erfordert zudem eine Position, von der man es kann. Dazu ist der Rechtsstaat ganz hilfreich und letztes Mittel zur Durchsetzung der Interessen. Abschaffen kann ich ihn ja trotzdem wollen, das fördert die Kreativität. Allerdings würde ich als Anarchistin sowieso auch heute auf die Kraft des Kollektivs bauen und auf die Zusammenarbeit mit staatlichen Repressionsorganen verzichten, um meine Interessen durchzusetzen, aber das erwarte ich nicht von Nochnichtanarchisten, so dass ich da hier und da für den Rechtsweg alles gute Wünsche.

    Kurzum: Die Autorität (eher: Macht) eines Rechtsstaates anzuerkennen, jedenfalls so lange es ihn gibt, und auch zum eigenen Vorteil zu nutzen, ist aus mind. 2 Gründen geboten.
    1. Weil ihn alle andere auch akzeptieren und oft sogar als einzige Autorität akzeptieren und darum nicht gegen rechtsstaatliche Entscheidungen widersprechen.
    2. Weil der deutsche Rechtsstaat (auch) zum Nachteil von Frauen und Kindern agiert und entsprechend in Stellung gebracht wird und Widerstand im System die eigene Position sichert.

  4. Interessante Kommentare und interessanter Beitrag.
    Nur leider hat es den Anschein, als die sog. Vergewaltigung von auf Assa.angesetzten CIA SPIONIEN inszeniert wurde. Auf die neusten Erkenntnisse von Info-Kopp– in meinem Blog mitgeteilt —weise ich hin. Danach war Frau Ana A. seit Jahren als CIA Agentin unter diversen Namen und Identitäten „tätig“.

  5. Das einzige was mir an der Sache stinkt ist tatsächlich nur Interpols eingreifen, die Hasstiraden aus den USA und einknickende Konzerne. Das hat alles aber nichts mit den Vorwürfen aus Schweden zu tun. Für sie muss er sich verantworten. Punkt.

  6. Ich verstehe auch nicht ganz, warum ständig und monokausal der Feminismus in dem Zusammenhang angeführt wird. Eine der Klägerinnen, Anna A., soll ausserdem noch christlich, sozial-demokratisch, linke Abtreibungsgegnerin, Tierrechtlerin sein. Man könnte jetzt auch einen verschwörerischen Artikel schreiben wie eine christliche Abtreibungsgegnerin hintergangen wurde und sie sich jetzt rächt.

    Also, für mich bleibt das alles Spekulation. Und auch wenn das sicher richtig ist, was du über das Schwedische Staatsverständnis schreibst, wäre so ein Fall sicher auch bei uns verhandelbar.

    Eigenartig ist allerdings der internationale Haftbefehl.

    Im übrigen ist mir neu, dass der Koop Verlag Gute Verschwörungstheorien macht, mal am Rande erwähnt 😀 Das machen Authoren wie Dan Brown doch weitaus besser.

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  9. Sorry Leute,

    aber was Ihr hier so über Feminismus und schwedisches Staatsverständnis ablasst und dann auch noch meint, J.A. muß sich vor der schwedischen Justiz verantworten und dann muß dort die Wahrheit festgestellt werden usw. …

    Das ist doch mitterweile vollkommen überholt.

    Es ist mittlerweile keine Spekulation mehr, dass das eine abgekartete Sache war, um J.A. mondtod (wenn nicht sogar gleich ganz tod) zu machen. Die unglaublichen Wahrheiten kann man schon mehrfach im Netz, auch bei seriösen Verlagen finden.

    Wer jetzt noch sagt, dass der Sexfall J.A. und WikiLeaks nichts miteinander zu tun haben, versteht wohl rein gar nichts …

    In Wirklichkeit geht es nicht um ein oder zwei Kondome, sondern darum, der Organisation WikiLeaks den Kopf ab zu schlagen. Aber selbst wenn es gelungen wäre, J.A. zu erledigen (was hoffentlich jetzt nicht mehr klappt), diese neue Art der Gegenwehr mit dem Leaken von entlarvenden Informationen wird sich sicherlich nie wieder aufhalten lassen …

  10. Vielen Dank für den differenzierten Kommentar zu den Vorwürfen wegen „minderschwerer“ Vergewaltigung (oder was auch immer der Fachausdruck dafür ist.) Ich rechne damit, dass wir in naher Zukunft mehr darüber erfahren werden, was zwischen Julian Assange und diesen beiden Frauen nun tatsächlich passiert ist – im Moment scheint mir das meiste, was darüber geschrieben wird, reine Spekulation zu sein, und die meisten Kommentatoren fühlen sich berufen, eindeutig Partei zu nehmen, sei es für Assange, der von völlig überdrehten Feministinnen gejagt würde, oder für die beiden Frauen, oder besser gesagt, gegen die Menschen, die das, was diesen Frauen widerfahren ist, nicht ernst nehmen: Auch wenn er keine Gewalt ausübte, so hat er doch gegen den Willen der betroffenen Frauen gehandelt, als er ungeschützen Sex mit ihnen hatte, obgleich sie auf einem Kondom bestanden. Insofern bin ich froh, über eine differenziertere Perspektive.

  11. AzUL
    @ liebe Antje :

    „Meiner Ansicht nach hat das Ganze weniger mit Feminismus zu tun “ dixit Antje Schrupp,

    Doch doch !

    man darf bitte niemals etwas and jmd vorwerfen aber auch genauso nicht widersprichen nach Gedanke oder Sympathie oder Bauchgefühle sondern bloß mit klare Beweise,

    Die klare beweise die ich auf die Blog(man muss schon schwedisch koennen ) auf eine von die beiden schwedische Frauen ( die Freundin sind ) nach mein Recherche gefunden habe, besagt, das die sie ohne das geringste Zweifel Radikal feministinnen sind !!!und sie sehen das man als Rache die Untreue mit sexuelle und gewaltige kriminelle vorwuerfen gegen die untreue Mann vorgehen soll um ihm harde zu bestrafen ! auch wenn er nicht schuldig ist ..

    genau was im Buch von ProfIN.Dr. Daphne Patai geschrieben wuerde !

    (Heterophobia: Sexual Harassment and the Future of Feminism (Rowman & Littlefield Publishers, 1998)
    http://www.amazon.com/Heterophobia-Harassment-Feminism-American-Intellectual/dp/0847689875

    also ganz unschuldig wie du liebe Anje darstellst von diese Radikale Feminismus sind die beide radikale schwedische Feministinnen auch nicht ! 😉

    Mit sonnige Gruesse aus Nord-Afrika
    Ticonius

    NS : Schoene Urlaub noch !

  12. Hallo Antje,

    Danke für diesen Artikel!

    Und Isis, es ist durchaus in Ordnung, das Du den beiden Frauen „ohne Zweifel“ glaubst. Ich selber kenne sie allerdings im Gegensatz dazu nicht, war nicht beim Vorfall „dabei“ und habe auch keine Zeugen gehört. Deswegen halte ich es grundsätzlich „im Zweifel“ erst einmal „für den Angeklagten“ wobei ich schon ebenfalls grundsätzlich der Meinung bin, das ein solcher sich erst einmal auch verantworten muß.

    Nur, ebenfalls grundsätzlich gedacht, ist bei dieser für mich extremen Übernahme der Staatlichen Rechtssorge eines im wahrsten Sinne des Wortes intimes Vorgehen (das ein Vergehen sein kann, aber nicht immer muß, selbst wenn ein Mann beim Sex dabei war!) doch sehr leicht, sich zeugenlose Rachegelüste (von Frauen UND Mannes Seite) und Verleumdungen hin zu geben.

    Offensichtlich kann jeder, der einen sexuellen Kontakt ohne Zeugen in Schweden hatte (die meisten meiner sexuellen kontakten waren solche), international per Haftbefehl gesucht und in der Presse vorgeführt werden. Das ist für mich kein Mittel zum Schutz für irgendwem.

  13. @Antje Schrupp:
    „Es wäre in Deutschland nicht justiziabel. In Schweden aber schon. Nicht, weil es da so viele Radikalfeministinnen gibt. Sondern weil man in Schweden dem Staat einfach ungeheuer viel Autorität gibt.“

    Ich denke, beide Sätze oben greifen zu kurz, man muss beides zusammen nehmen: – es ist in Schweden justitiabel, weil es so viele Radikalfeministinnen in staatlichen Funktionen gibt und der Staat hierdurch noch nicht sein Vertrauen verspielt hat.

    Die Staatsanwältin Marianne Ny, die an der Jagd auf Assange beteiligt war, beschreibt die „Zeit“:

    „Marianne Ny gilt darüber hinaus als besonders weitgehende Staatsanwältin. So hatte sie sich einst in einem Fall von Frauenmisshandlung dafür ausgesprochen, dass Männer, die von Frauen beschuldigt werden, aber nicht verurteilt sind, in jedem Fall vorsorglich eingesperrt werden müssten – um der Frau „Raum zum Nachdenken“ zu verschaffen. „Erst wenn der Mann gefangen genommen ist und die Frau in aller Ruhe Zeit bekommt, mit etwas Abstand auf ihr Dasein zu blicken, bekommt sie die Chance zu entdecken, wie sie behandelt wurde“, sagte sie damals.“

    Ein Beispiel, wie staatliche FunktionsträgerInnen radikalfeministische Veränderungen des Rechts anvisieren.

    Zu der „gezwungenen“ Sarah schreibt die Daily Mail:

    „Earlier this year, Sarah is reported to have posted a telling entry on her website, which she has since removed. But a copy has been retrieved and widely circulated on the internet.
    Entitled ‘7 Steps to Legal Revenge’, it explains how women can use courts to get their own back on unfaithful lovers.
    Step 7 says: ‘Go to it and keep your goal in sight. Make sure your victim suffers just as you did.’ (The highlighting of text is Sarah’s own.)“

    Nach einer Studie der Kriminologischen Forschungsgruppe der Bayrischen Polizei ist deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht !

    Missbrauch des Missbrauchs wird allerdings praktisch nie verfolgt.

  14. Bevor sich noch jemand wegen meiner beiden Fehler (mundtod = moundtot und tod = tot) beschwert, bitte ich vielmals selbst um Entschuldigung. Schade dass eine Korrektur nicht möglich ist …

    Und dann möchte ich Euch wenigstens noch die Auflösung als Link geben, warum Eure theoretischen Erklärungsansätze und durchgespielten Feminismus- und Rechtsauffassungsüberlegungen mittlerweile voll ins Leere gelaufen sind:

    http://www.jungewelt.de/2010/12-11/083.php

    Deutlicher geht es ja wohl kaum, dass die USA hier eine „illegale Hetzjagt“ veranstaltet, die gegen einen der wichtigsten Grundsätze ihrer eigenen Verfassung verstößt.

    Die USA werden derzeit offensichtlich von Betrügern und skrupellosen Egoisten regiert, die weltweit jegliche Straftat und alle erdenklichen Menschenrechtsverletzungen wohlwollend und nachdrücklich in Kauf nehmen, um sich ihre Macht zu zementieren und sich selbst auf Kosten wehrloser Menschen auf der Ganzen Welt zu bereichern …

    Es ist traurig, wohin unsere westilche Zivilisazion mittlerweile abgedriftet ist und ich hoffe für unsere Gesellschaft, dass sich diese Monster in der amerikanischen Politikelite noch irgendwie ausbremsen lassen …

  15. Und noch ein netter aktueller Link der zeigt, wohin Extremfeminismus führen kann, wenn es ausartet, wie in Schweden:

    http://www.abendblatt.de/hamburg/article1724658/Die-Jaegerin-und-der-Gejagte.html

    Und wenn ich dann die Leitsprüche „… Notizen rund um die Arbeit der sexuellen Differenz. Motto: Das Gegenteil ist genauso falsch!“ und „Aus Liebe zur Freiheit“ hier auf dieser Homepage lese, dann muß ich einfach enttäuscht sein, wie wenig man sich hier mit der „hässlichen Realität“ da draussen auseinander setzt und solche Vorgänge wie in Schweden auch noch versucht zu beschönigen oder „aus anderen Blickwinkeln zu betrachten“ um zu vermitteln, dass die schwedischen Feminismusauswüchse in deren Rechtssystem ja auch was Gutes haben …

    Ich bin übrigens „männlich“ und zu tiefst angewiedert, was da in Schweden abgeht …

    Für mich sind das „militante Feminismusauswucherungen“, die man lieber fürchten und verabscheuen sollte, statt sowas auch noch zu beschönigen …

  16. Als in Deutschland wohnender Schwede möchte ich hinzufügen, dass Schweden öfters was ähnliches über Deutschen denken: Die sind ein Stück „preußisch“ und ordnen sich ohne größere Einwände den Staat unter. Wer einen Uniform trägt, der hat das Sagen.

    Das Problem ist dann eher, dass die schwedischen Politiker, vorallem die sozialdemokratischen, gerne meinen Sie wüssten besser und hätten das Recht, die Bürger bevorzumunden.

    Zu bemerken ist auch, dass Schweden seine eigene Piratenpartei hat, dass Pirate bay aus Schweden stammt, und dass die Sozialdemokraten gerade die zweite Wahl in Folge verloren haben.

    Dann zu Feminismus: Feminismus ist nicht gleich Feminismus, und die meisten Feministen hier in Deutschland sind einigermaßen vernunftig, wenn es auch gerade in der Blogosphäre viele Ausnahmen gibt. Die schwedischen dagegen sind auch in prominenten Positionen in der Politik, in der öffenlichen Debatte, in dem Ausbildungswesen, was-auch-immer, öfters in ihrer eigenen Welt lebend, mit männlichen Bösewichtern, Patriarchat, und armen, unterdrückten Frauen—geschweige denn die armen Kindern, die von dem ersten Atemzug genuskodiert werden…

  17. Ein guter Kommentar, der allerdings zur falschen Zeit kommt. Denn: Über das Für und Wider des schwedischen Justizsystems, darüber, was eine Vergewaltigung ist, darüber, was man dem Staat zutraut, darüber soll man auf jeden Fall diskutieren. Ich glaube allerdings nicht, dass der Fall Assange mit dieser notwendigen Diskussion überhaupt etwas zu tun hat. Hier geht es um ganz andere Sachen, und ob das nun (Achtung: VT!) ein eingefädelter Deal war oder ob Assange sich tatsächlich etwas zu schulden kommen hat lassen, ist in diesem konkreten Fall gar nicht das Thema.

  18. Florian Roetzer erwaehnt bei Telepolis noch Folgendes (in einem Artikel der ansonsten unterirdisch war):

    „Der erste Vorwurf lautet, dass Anna A., eine der beiden Frauen, mit denen Assange nach Veranstaltungen nacheinander Sex hatte und denen das offenbar nicht gefallen hat, weswegen sie sich danach gemeinsam mit dem Vorwurf der Vergewaltigung rächen wollten (wenn es wirklich nur um eine private Angelegenheit geht), am 14. August zum Opfer eines „illegalen Zwanges“ wurde. Assange habe „mit Gewalt“ ihre Arme fest- und sie mit seinem Körper niedergehalten.“
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33799/1.html

    Letzteres waere mit ziemlicher Sicherheit auch in Deutschland strafrechtlich verfolgbar. Was nun wirklich vorgefallen ist, wissen am Ende nur die Beteiligten.
    Es gibt allerdings noch einen weiteren Fall, der sehr aehnlich abgelaufen ist – einvernehmlich am Anfang, dann Meinungsverschiedenheit bezueglich der Benutzung eines Kondoms, woraufhin sich JA ueber den Wunsch der betroffenen Frau, ohne Kondom keinen Sex zu wollen, mit Krafteinwirkung hinweggesetzt hat. Dieser Fall bleibt auf Wunsch der Betroffenen weiterhin unpubliziert, ich kann hier also nicht mit mehr als Geruechten dienen.

    Ansonsten ist die Bereitschaft, mit der Die Internetinsassen(TM) lieber an eine Verschwoerungstheorie (CIA!) oder die Rache eifersuechtiger Feminazis (ja, so beziechnet man Anna Ardin gerade) als einziger Ursache glauben, ist schon einigermassen deprimierend.

  19. Die Anklage selbst halte ich noch nicht für problematisch. Die spannende Frage ist, wie weit Schweden unter massivem außenpolitischem Druck ein faires Verfahren garantieren kann. Wiegen gute (und wichtige) außenpolitische Beziehungen mehr als ein einzelnes korrektes Verfahren? Da könnte der Staat ganz schön in die Zwickmühle kommen.

  20. Für einen schwedischen Mann wäre es m. E. wohl das Beste, vor dem Zubettgehen mit einer Frau zuerst einen achtseitigen Vertrag zu unterschreiben, in dem die Frau ihren Willen und ihr Einverständnis für den Coitus explizit bestätigt und in eine rechtsverbindliche Formel- den Vertrag nämlich- giesst (notariell vor Ort und vor dem Akt amtlich / notariell beglaubigt), damit aus ihm kein zweiter, dritter… zehnter… hundertster… tausendster… Assange wird. Nach den in Schweden geltenden Rechtsnormen würde ich als Mann gleich ganz auf den Geschlechtsakt verzichten und auswandern. Insofern haben wir es im Falle Schwedens schon mit einer Art von entartem Feminismus zu tun, dem jeder Bezug zur Lebenswirklichkeit abhanden gekommen zu sein scheint. Ich möchte auf jeden Fall kein Schwede sein, auf gar keinen Fall. Im Gegensatz zum allgemein gängigen Cliché der flotten Schwedinnen (70er-Jahre Soft Porno et al.), scheint die schwedischen Sexualität ein ausgeprochener Murks (geworden) zu sein. Überhaupt fände ich es sinnvoll, das gülden am Horizont glänzende Gleichberechtigungs-Tausendsassa-Wunderland Schweden einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ich befürchte nämlich, dass wir da noch auf eine ganze Reihe weiterer Absonderlichkeiten und Skurrilitäten stossen würden…

  21. Während man in Deutschland „dem Staat“ gegenüber, aus historischen Gründen, im Allgemeinen eher skeptisch eingestellt ist,

    Uh, ja. Nicht schlecht. Würde es nicht mehrere hundert Jahre deutsche Untertantengeschichte völlig auf den Kopf stellen. 😀

    Assange ist in Schweden eines minderschweren Falles von Vergewaltigung angeklagt, obwohl er keine Frau gewaltsam zum Sex gezwungen hat, sondern lediglich ohne Kondom mit zwei Frauen schlief, die ihn jeweils in ihre Wohnung zum Übernachten eingeladen hatten.

    AFAIK ist nicht einmal das sicher. In diversen Berichten wurde auch davon gesprochen, dass er sehr wohl ein Kondom beim Sex mit zumindest einer der beiden Frauen benutzt hätte, dieses aber gerissen sei. Das soll in Schweden dann allerdings immer noch Vergewaltigung sein. 😀

    Deshalb gibt es in Schweden wenig Datenschutz-Aktivismus, denn man ist der Meinung, der Staat werde schon verantwortlich mit den Informationen umgehen.

    Aber das ist in Deutschland doch ganz genauso. 95% vom Volk denken hier doch so. Datenschutz ist eine kleine Szene und Mehrheiten wissen nicht mal genau, was das überhaupt sein soll.

    In diesem Kontext des allgemeinen Vertrauens in „den Staat“ und seine Institutionen ist auch die Anklage gegen Assange zu sehen.

    Woher willst du das wissen? Das ist nicht plausibler als z.B. die Theorie, dass Anna Ardin und Sofia Wilén sich nur rächen wollen, weil sie ja auch erst zur Polizei gingen, als sie herausfanden das Assange mit ihnen beiden geschlafen hatte und ihnen das eventuell übel aufgestoßen ist. Zumal von Ardin ja sogar bekannt ist, dass sie Texte darüber schrieb, wie man sich „richtig“ an Kerlen rächt. Ob das, zusammen mit ihren Tweets, übrigens in der schwedischen Fallakte drinsteht?
    Man könnte genauso gut mit der Möglichkeit ankommen, dass die Ermittlungen doch nur durch Druck aus den USA wieder aufgenommen wurden, da man davon ausgehen muss, dass Asssange sofort in die USA überstellt wird, sollte England ihn ausliefern.
    Nichts von alledem ist wirklich komplett zu beweisen. Alles davon (und noch mehr) ist jedoch (mindestens derzeit) im Bereich des Möglichen.

    Es ist jedenfalls durchaus denkbar, dass Assange zum Beispiel eine Einladung zur Übernachtung als Einladung zum Sex missverstanden hat und die betreffende Frau den Sex zwar nicht wollte, aber auch nicht lautstark dagegen protestierte, zum Beispiel aus Scham oder weil sie sich überrumpelt fühlte

    Eine 31-jährige Feministin soll so unbedarft sein? Das klingt nicht sonderlich überzeugend. Selbst wenn es so war, dann sind ihre Tweets danach echt seltsam, wo sie mit Assange zusammen feiern geht etc. ich würde sagen sowas macht man nicht mit jemandem, wenn man von dieser Person derartig schamlos ausgenutzt worden wäre.

    Dass ich es großartig finde, dass diese beiden Frauen das angezeigt haben, ist klar. Ich glaube ihnen ohne jeden Zweifel, dass es so passiert ist.

    7 / Isi

    So ist also der Begriff „Femenazi“ erfunden worden! Ich wunderte mich bisher immer, wie jemand einen solch absurden Begriff konstruieren könnte.

    Dann schnell zu den, sicherlich immer griffbereit liegenden, Fackeln und Mistgabeln!

    Sie hob hervor, dass nach schwedischem Recht Nötigung oder Vergewaltigung in einem minder schweren Fall vorliegen kann, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl fühlt oder sich ausgenutzt vorkommt.

    http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E87EEE82032EB4D1785FF2CA29EE4814D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Dagegen sollte echt was getan werden, demokratisch ist sowas ja längst nicht mehr. Mit Vernunft, Augenmaß und Verhältnismäßigkeit braucht man da erst gar nicht mehr anfangen.

  22. Ich unke mal etwas webgekifft zum Verfahren gegen Assange in Schweden: Dann wird auch CIA-Verschwörung mit Beweismittelfälschung und Zeugenbeeinflussung vermutet. Natürlich sind Assanges Anwälte auch ihn beeinflusst oder inkompetent. Und natürlich ist Schweden eine Kolonie der USA, die dann das Verfahren zu deren Gunsten ausgehen lässt.
    Assange gestehen viele zu, unschuldig zu sein (Unschuldsvermutung) während das Rechtssystem Schwedens korrupt, unfair, unrechtsstaatlich, männerfeindlich und US-gesteuert sein soll? Auch ok, Staaten sind irgendwie böse und unterdrückerisch. Da regt sich immer mal von irgendwem Widerstand.

    Es geht doch schon lange nicht mehr um eine Straftat sondern darum, ob und wann ein Heiliger der Datennetze bestraft werden darf und durch wen. Assange ist der moderne Hackerheld, der aufdeckend Licht in das Dünkel der Staaten, Militäraktionen und Geheimdienste bringt. Eben ein smarter Lucifer, der ein Problem mit zwei gefallenen Engeln hat. Und dann nach Schweden muss, ein Rechtssystem, dass in seiner Undurchschaubarkeit und feministischer Verstrickung den Liebreiz eines unvollständigen IKEA-Bausatzes hat.

    Assange wird ein korrektes Verfahren bekommen, bei dem Fokus der medial auf dem Ganzen liegt. Stockholm ist nicht Guantanamo Bay. Und Assange ist nicht Hagbard, der sich mit finsteren kriminellen Mächten einliess und dann auf mysteriöse Weise tot war.

  23. Ich finde die ganzen Spekulationen für wenig hilfreich. Jeder bildet über die Vorfälle seine eigene Meinung. Dennoch möchte ich gerne auf den Post von Susanna eingehen:

    „Auch wenn er keine Gewalt ausübte, so hat er doch gegen den Willen der betroffenen Frauen gehandelt, als er ungeschützen Sex mit ihnen hatte, obgleich sie auf einem Kondom bestanden.“

    Ist es schwer Vorstellbar, wenn eine Frau auf ein Kondom besthet, dass das alles Gewaltlos und freiwillig ablaufen würde. Deshalb gibt es hier zwei Möglichkeiten:
    Entweder er ‚WAR gewaltätig, oder aber die Frauen waren damit einverstanden. Das zweite würde eben nach meiner Ansicht „freiwillig“ geschehen und würde die Grundlage einer Anklage entziehen.

    Gruß,
    -sem

  24. Du versuchst, Dich auf die Fakten zu beschränken und stellst dann doch Mutmaßungen an. Das gibt dem (ansonsten recht guten) Artikel leider einen faden Beigeschmack.

    A propos Fakten, Du schreibst „…dass er seinen Star-Status nicht ausnutzte…“. Das stimmt so nicht. Den Star-Status, wie Du ihn nennst, hatte er damals noch nicht, das kam erst später.

  25. @ Andreas (17):
    „Nach einer Studie der Kriminologischen Forschungsgruppe der Bayrischen Polizei ist deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht !“

    Das ist Unsinn! Ich empfehle Dir, die ganze Studie zu lesen und nicht bloß Textbausteine zu reproduzieren, deren Quelle leicht zu identifizieren ist.

  26. Wo genau die Grenzen zwischen Vergewaltigung und ein wenig „unentschlossenem“ Sex zu ziehen sind, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Schweden ist dabei sicherlich ein sehr strenges Land und Vergehen werden rasch geahndet. Auf der anderen Seite gewinnt man den Eindruck, dass die Schweden sexuell auch nicht so voreingenommen und daher offener als Leute anderer Länder sind. Das macht die Entscheidung bezüglich der Sache mit den beiden Schwedinnen, die Julian Assange angeblich vergewaltigt haben soll, noch schwieriger. Außerdem haben die beiden ihn ja bei sich übernachten lassen (wer macht dies mit einem Fremden, wenn man ihn nicht irgendwie anziehend findet?). Ich bin gespannt, welches Urteil das Ganze nach sich ziehen wird.

  27. kleiner Faketenchek, damit ihr beim ganzen Aufregen auch noch den Kontakt zur Realität behaltet.

    1. Das die Anklage auf dem Gefühl der Frauen beruht ausgenutzt worden zu sein und das es kein ausdrückliches Nein gab über das sich Assange hinweggesetzt hat, ist reine Spekulation von euch. (http://jungle-world.com/artikel/2010/49/42249.html)

    2. Es wurde kein Internationaler Haftbefehl gegen Assange ausgesellt. Schweden hat lediglich die Mitgliedsstaaten von Interpol aufgefordert bei der vollstrekung des Schwedischen(!!!!) Haftbefehls hilfe zu leisten. Das ist an sich ein relativ normaler Vorgang und wird auch bei Nichtmitgliedern von Wiki-Leaks so gemacht. (http://de.wikipedia.org/wiki/Assange)

  28. danke für Ihre Gedanken und Analyse dazu.

    in einem brief an den Guardian formuliert eine frau von der organisation „women against rape“ für mich am trefflichsten, was auch mich an diesem fall (speziell J.A.) bekümmert :

    Many women in both Sweden and Britain will wonder at the unusual zeal with which Julian Assange is being pursued for rape allegations (Report, 8 December). Women in Sweden don’t fare better than we do in Britain when it comes to rape. Though Sweden has the highest per capita number of reported rapes in Europe and these have quadrupled in the last 20 years, conviction rates have decreased. On 23 April 2010 Carina Hägg and Nalin Pekgul (respectively MP and chairwoman of Social Democratic Women in Sweden) wrote in the Göteborgs-Posten that „up to 90% of all reported rapes never get to court. In 2006 six people were convicted of rape though almost 4,000 people were reported“. They endorsed Amnesty International’s call for an independent inquiry to examine the rape cases that had been closed and the quality of the original investigations.

    Assange, who it seems has no criminal convictions, was refused bail in England despite sureties of more than £120,000. Yet bail following rape allegations is routine. For two years we have been supporting a woman who suffered rape and domestic violence from a man previously convicted after attempting to murder an ex-partner and her children – he was granted bail while police investigated.

    There is a long tradition of the use of rape and sexual assault for political agendas that have nothing to do with women’s safety. In the south of the US, the lynching of black men was often justified on grounds that they had raped or even looked at a white woman. Women don’t take kindly to our demand for safety being misused, while rape continues to be neglected at best or protected at worst.

    Katrin Axelsson

    Women Against Rape

    http://www.guardian.co.uk/media/2010/dec/08/wikileaks-rape-allegations-freedom-of-speech

  29. Hallo Frau Schrupp,
    bei Recherchen zu „Belegartikeln hinter einer Story“ die ich für ein „meist satirisches“ Gedicht brauche, kam ich auf ihren „Artikel zu Assange“, der mir allerdings sehr gut gefallen hat in seiner m.E. neutral-sachlichen Art, das Thema fair zu durchleuchten, was sie im Gesamterscheinungsbild – trotz „Aktivistin“ – für mich positiv von Alice S. unterscheidet. Mein Gedicht „Die Glocken sind… weg? Wie, ist denn schon… Ostern?“ befasst sich dann allerdings nur noch am Rande mit „diesem Vorgang J. Assange“. Allerdings verlinke ich am Ende eines Gedichtes auf versch. Seiten, die sich des jeweiligen Themas annehmen. Auch auf den ihren, wenn das für sie okay ist? (s.a.a.O.) Sonst mailen, wenn ich den Hinweis rausnehmen soll.
    Auch Assange wurde im Gedicht „Assange, Julian – Alles nur Psycho:……“ schon entsprechend „gewürdigt“, und auch unter der v.g.HP (Startseite, dann scrollen) eingestellt. Weiter findet „Frau“ bzw. „Mann“ dort auch ein „Gedicht der groberen Art“ zu Alice Schwarzer.
    Danke für’s Lesen.
    Freundliche Grüße
    Heinrich (Albert) Ellner
    DER authentische deutsche Dichter nach grober rheinischer Art

  30. @ serpentsembrace, #27

    „Entweder er ‘WAR gewaltätig, oder aber die Frauen waren damit einverstanden.“

    Ich halte allein die Vorstellung, dass irgendeine Frau zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem ihr unbekanntem Mann einverstanden sein sollte, für sonderbar. Schon diese Annahme, ist doch grotesk. Wenn jemand einen Diebstahl anzeigt, denkt man ja auch nicht automatisch an Versicherungsbetrug. Aber ausgerechnet bei Straftaten mit sexuellem Hintergrund schwingt mittlerweile der offene Verdacht, dass der Mann als Angezeigter das Opfer der moralischen Verkommentheit der weiblichen Anzeigenstellerin ist, immer durch die Medien. Die Unschuldsvermutung wird in Bezug auf das Opfer aufgehoben, wenn es weiblich und der Täter männlich ist. Das ist schon was ganz Besonderes, vorallem wenn es selbst in feministischen Blogs produziert wird.

    Und warum, außer zur Entlastung des Täters, sollte man ungeschützten GV auf Verlangen der Frau (dem Assange dann auch noch Folge leistet, als wäre er hilflos gegen die Begierden eine virenverrückten Vagina) überhaupt als Alternative denken und so als gleichwertige Möglichkeit in Betracht ziehen, dass eine Frau sich beim Sex mit einem Fremden die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten wünschen wollen würde (und mit Schwangerschaft, sofern sie diese nicht selbst verhüten) und ihn darum bittet, auf ein Kondom zu verzichten? Schon die Vorstellung, beide Frauen hätten darauf bestanden, ein AIDS-Risiko zu tragen, läßt mich staunen. Wie üblich ist das denn und wo?

  31. @Angelika

    Für eine Diskussion von Verurteilungsraten, Falschanmeldungen, usw, s. einen meiner letzten Beiträge: http://michaeleriksson.wordpress.com/2010/12/10/rape-statistics/

    Kurz: Die 10 % ist irreführend.

    „Yet bail following rape allegations is routine.“: Regelungen für „bail“ varieren sowohl zeitlich als auch geographisch, es ist aber nicht in sich bemerkenswert, dass es auch bei Vergewaltigung gewährt wird. Der Rechtsicherheit halber ist es sehr sinnvoll, dass „bail“ nur dann verweigert wird, wenn das Fluchtrisiko oder das Risiko von weiteren Verbrechen hoch ist.

    „ […]while rape continues to be neglected at best or protected at worst.“: Eher ist es umgekehrt so, dass die Rechte der Angeklagte vernachlässigt werden. (Sowohl in Schweden als in USA; die deutsche Lage ist mir nicht bekannt.)

    @icke

    1. ist zwar teilweise Spekulation, aber Spekulation, die stark durch das Verhalten der Frauen in der Zeit nach den angeblichen Verbrechen unterstützt wird. Auch haben die Aussagen über Tatsachenbehauptungen seitens der Frauen, die mich bislang erreicht haben, auf genau dies hingedeutet.

    @Anna

    Doch ist ein bedeutender Teil vorgetäuscht, und es ist durchaus möglich, dass die Summe der Falschanklagungen (inklusive Identitätsfehler in guter Glaube) die Hälfte überschreiten könnte. S. hierzu den Link oben.

  32. Danke für die erfreulich differenzierte Betrachtung, die auch vielen „Assange-Fanboys“ gut anstehen würde. Statt den Fall einer notwendigen gerichtlichen Klärung zu überlassen, werden im Vorfeld Komplotte gewittert und potentielle Opfer verunglimpft. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf …

  33. @Anna(29),

    die Studie ist im Internet vorhanden (http://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/vergewaltigung_und_sexuelle_n_tigung_in_bayern_bpfi.pdf) und jeder kann sich selber überzeugen, Zitat Seite 177:

    „Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten sind sich einig, dass deutlich
    mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden.
    Viele angezeigte Fälle lassen zwar die Vermutung einer Vortäuschung
    bzw. falschen Verdächtigung zu, berechtigen jedoch nicht zu einer
    entsprechenden Anzeige.““

    Das wird in der Folge auch nicht in Frage gestellt – es wird nur darauf hingewiesen, dass der tatsächliche Nachweis extrem schwierig ist, weil natürlich auch hier meist Aussage gegen Aussage steht.

  34. Hallo Isis,

    bin da etwas naiv in meinen Logikketten, aber alleine die Tatsache, das es immer noch „Pro-Kondome“-Aktionen gibt, sagt mir, das es durchaus noch üblich ist, beim Geschlechtsverkehr auf selbige zu verzichten. Nicht alle, nicht immer, aber durchaus noch im erkläglicher Menge. Alles ungeachtet des speziellen Falles des hiesigen Themas.

  35. Im Beitrag 37 wird von Andreas vorgeführt, wie die gern und oft vorgetragene Unwahrheit, dass „mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden“ zustanden kommt. In diesem Auszug wird nämlich lediglich ein (!) „Kommissariatsleiter im Zusammenhang mit unserer Aktenanalyse“ zitiert. Nur die Lektüre des Absatzes davor, trägt schon erheblich zum besseren Verständnis bei:

    Anzeigen wegen des Vortäuschens von Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen oder der falschen Verdächtigung wegen dieser Delikte werden von der Polizei relativ selten an die Staatsanwaltschaft abgegeben.
    Dies steht zunächst im Widerspruch zur Einschätzung der in den für Sexualdelikte zuständigen Kommissariaten der Kriminalpolizei beschäftigten Beamtinnen und Beamten, die teilweise von einer sehr hohen Quote an Vortäuschungen / falschen Verdächtigungen ausgehen, ohne dabei allerdings auf Forschungsergebnisse oder selbst erhobene Daten zurückgreifen zu können. So äußerte ein Kommissariatsleiter im Zusammenhang mit unserer Aktenanalyse:

    „Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten sind sich einig, dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden. Viele angezeigte Fälle lassen zwar die Vermutung einer Vortäuschung bzw. falschen Verdächtigung zu, berechtigen jedoch nicht zu einer entsprechenden Anzeige.“

    Die Erkenntnis, dass in einer frauenverachtenden Kultur, tatsächlich auch von Polizeibeamten Frauen verachtet, ist jetzt so neu nicht, aber hilfreich eben auch nicht. Korrekt verwendet ist dieses Zitat Beleg dafür, wie ungerecht und misogyn auch Beamte sind, wenn sie ohne Grundlage, annehmen, dass die Hälfte der Vergewaltigungsanzeigen vorgetäuscht sind. Fakten sind diese misogynen Unterstellungen aber nicht. Dass in einer frauenverachtenden Kultur Frauen verachtet, beweisen ja nicht zuletzt auch imemr wieder jene, die dieses Zitat sinnentstellend hervorkramen und es für einen Beleg eine Falschbeschuldigungsquote von mehr 50 % und den Beleg für die Durchtriebenheit der Frau und der Diskriminierung von Männern halten. Diese These von der immens hohen Falschbeschuldigungsquote (>50%) läßt sich weder aus der Aussage dieses Kommissariatsleiters herauslesen noch gibt es irgendwelches anderes Zahlenmaterial. Diese Haltung, diese Aussage ist lediglich Produkt sehr indivueller und weil es sich um Polizeibeamte handelt auch struktureller Frauenverachtung: Nicht mal, wenn ihnen Unrecht widerfährt, nimmt man sie ernst und unterstellt ihnen Böses. Das ist das absolut Allerletzte.

  36. Fakten:
    Viele Fälle werden gar nicht angezeigt

    Nach einer 2004 vom Bundesfamilienministerium veröffentlichten Untersuchung hat fast jede siebte Frau in Deutschland schon einmal sexuelle Gewalt erlebt. Nur etwa fünf Prozent haben überhaupt Anzeige erstattet. Eine EU-weite Studie, für die nationale Statistiken für den Zeitraum 2001 bis 2007 ausgewertet wurden, ergab, dass jährlich etwa 8000 Vergewaltigungen in Deutschland angezeigt werden. In 1400 Fällen pro Jahr wurde Anklage erhoben, die Verurteilungsquote lag bei 13 Prozent.

    Die Studie eines Forscherteams der Londoner Metropolitan University zeigt ausserdem, dass falsche Beschuldigungen nur ein Randproblem sind. «Entgegen der weit verbreiteten Stereotype, wonach die Quote der Falschanschuldigungen bei Vergewaltigungen beachtlich ist, liegt der Anteil bei nur drei Prozent. Auch in anderen Ländern ist das Problem Falschanschuldigung marginal und rangiert zwischen 1 bis 9 Prozent», fanden die Wissenschaftlerinnen Corinna Seith, Joanna Lovett und Liz Kelly heraus.

  37. @serpentsembrace

    Ich habe über meinen Kommentar nachgedacht, bevor ich ihn postete, und dann nur ein Drittel von dem gepostet, was ich ursprünglich geschrieben hatte. Auch ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es zugehen soll, dass ein Mann mit einer Frau ungeschützten Verkehr hat, obwohl sie es nicht will, und es dabei gewaltfrei zugeht. Ich bilde mir ein, dass ich immer wusste, ob ein Mann ein Kondom benutzt oder nicht, und in dem einen Fall, in dem ein Mann es nicht von sich aus anbot, habe ich es deutlich verlangt, und der Mann hat meinen Wunsch auch respektiert, nicht nur weil es mein Wunsch war, sondern auch, weil er wusste, dass das vernünftig ist. Aber ich weiß auch von vielen Paaren, die hin und wieder mal unvernünftig sind (und manchmal hat die Unvernunft Folgen), allerdings sind das dann Fälle, in denen beide einvernehmlich unvernünftig waren. Ich traue mir also ganz gut zu, in dieser Situation meinen Willen deutlich zu machen, und wenn der Mann sich darüber hinwegsetzt, wäre das wirklich Vergewaltigung und würde sich auch so anfühlen.

    Ich weiß aber auch, dass es viele andere Situationen gibt, in denen ich schon „ja“ gesagt habe, obgleich ich eigentlich „nein“ sagen wollte. „Können Sie am Samstag arbeiten?“ Eigentlich habe ich am Samstag eine Verabredung, aber ich kann sie verschieben, auch wenn ich weiß, dass das für die Person, mit der ich verabredet bin, etwas kurzfristig ist. Vielleicht ist so etwas den beiden Frauen auch passiert – dies scheint mir Antje mit dem Wort „überrumpeln“ ausgedrückt zu haben.

    Man kann lernen, nein zu sagen, und sich nicht überrumpeln zu lassen, aber es ist nicht einfach, da die Überrumpler oft genau wissen, welche Schwachpunkte sie angreifen müssen, um die Person zu überrumpeln.

    Was für mich am Beitrag von Antje Schrupp interessant war: Dass sie auf eine Grauzone aufmerksam machte. Ist es moralisch problematisch, jemanden zu überrumpeln? Ich denke schon. Ich denke, dass wünschenswertes Verhalten darin besteht, dass man den anderen nicht drängt, sondern ihm oder ihr Freiraum gibt, sich selbst zu entscheiden. Sollte es justitiabel sein, jemand anderen zu überrumpeln, oder sollten die Menschen lernen, nein zu sagen? Wünschenswert ist es schon, dass Menschen lernen, nein zu sagen, aber es gibt auch Situationen, in denen sie das Recht gegen Überrumpler schützt. Und im konkreten Fall, ungeschützter Sex gegen den Willen der Frau? Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt. Ich bin gespannt, was wir in den kommenden Wochen und Monaten an Details über den Fall lernen werden.

    P.S. Ich habe mir gerade noch einmal meinen ersten Kommentar (Nummer 14) durchgelesen, insbesondere den Satz, auf den du dich bezogen hast. Ich habe damit die Position mancher Feministinnen auf diversen Blogs zusammengefasst – es ist nicht meine eigene Position. Meine eigene Position ist, wie gesagt, irgendwie dazwischen.

    @Isi – es gibt viele Menschen, die gegen besseres Wissen auf ein Kondom verzichten – Männer und Frauen.

  38. @ Chräcker, #38

    Ja, leider, leider, leider muß es Männern noch beigebracht werden, dass ein Ja zum Sex mit einem Mann, von einer Frau verkündet, nicht zwanghaft bedeutet, sie zu schwängern oder – insofern sie verhütet oder außerhalb ihrer fruchtbaren Tage – mit Sperma vollzupumpen und leider, leider, leider müssen Männer immer wieder erklärt bekommen, dass Frauen nicht der vaginale Durst nach Sperma antreibt, Sex mit Männern zuzustimmen, sondern das Begehren eines liebenswerten Menschen, der nicht allein darum unsexy wird, weil er männlich ist, und vielleicht auch die simple Lust auf einen Orgasmus, zur Abwechslung mal mit einem Mann, erreicht werden soll. In androzentrischer Hegemonie neigen Frauen dazu mit weniger als dem Optimum zufrieden zu sein und darum, sind sie weniger konsequent was den Sex angeht und eher bereit, sich der androzentrischen Konvention unterzuordnen, die einer Frau per Interpellation veordnet, still zu halten und auf die milde Gnade eines Mannes zu hoffen, endlich mit Sperma „gefüttert“ zu werden.

    Dass es immer noch „Pro-Kondome“-Aktionen gibt, umschreibt die ganze Tragik des bundesdeutschen, androzentrischen Denk-Systems: Deutsche Männer haben noch nicht begriffen, dass Schwangerschaften und Gründe für Schadenersatzklagen oder Unterhaltsforderungen nicht der Grund sind, warum Frauen Männern (ohne Gesundheitsrisiko) begehren. Deutsche Männer aber sind immernoch versessen darauf, Frauen zu schwängern, um als „Zahlesel“ stilecht vor sich hinzuleiden.

  39. @Isi:

    Ja, und, wieso sollten unsere Polizeibeamten aus Frauenverachtung Frauen Unwahrheit unterstellen?

    Vielleicht ist es ja umgekehrt und Du unterstellst in Deinem aus Deinen Postings ja geradezu spritzenden Männerhass Männern eher einen herbeiphantasierte generelle Frauenverachtung ?

    Du musst das mal so sehen – so, wie Du Dich bisher mit Deinen Kommentaren zum Verhältnis von Männern und Frauen positioniert hast, werden die wenigsten Männer jemals freundlich zu Dir sein; Du musst aber deswegen nicht glauben, weil sie Dich nicht mögen, würden sie Frauen generell verabscheuen – das wäre nur dann der Fall, wenn Frauen mit einer Meinung wie Du sie hast die deutliche Mehrheit bilden würden ( klar mag es da den einen oder anderen Unglücklichen geben ).

    Im übrigen ist die Aussage, dass viele Vergewaltigungsvorwürfe klare Anhaltspunkte für Falschaussagen enthalten, für sich genommen aussagekräftig – wenn Du es als Merkmal der Befangenheit der Sachbearbeiter ansehen willst, dass diese Fälle nie zur Anzeige kommen ( obwohl dort klar der Grund der fehlenden eindeutigen Beweiskraft für kriminelles Verhalten der Frau angegeben wird ), kannst Du das ja gerne tun – nur, dann bitte konsequent.

    Natürlich haben Deine Forscherinnen nicht mehr Einsicht in den tatsächlichen Hergang als Sachbearbeiter und Staatsanwälte – man darf die Studie, die Du zitierst, schon rein ihrer methodischen Unmöglichkeit wegen getrost auf den Müllhaufen der Studien werfen, die feministischen Zwecken mehr verpflichtet sind als der Wahrheit.

    Ein Zitat aus einer Zeitung:

    „Eine EU-weite Studie, für die nationale Statistiken für den Zeitraum 2001 bis 2007 ausgewertet wurden, ergab, dass jährlich etwa 8000 Vergewaltigungen in Deutschland angezeigt werden. In 1400 Fällen pro Jahr wurde Anklage erhoben, die Verurteilungsquote lag bei 13 Prozent.“

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – von 8000 Vergewaltigungsanzeigen im Jahr enden nur 182 mit einer Verurteilung des Angeklagten, in den restlichen Fällen gibt es einen Freispruch; unterschiedlicher Güte zwar, aber einen Freispruch.

    Allein schon dies zeigt, dass Deine Wissenschaftlerinnen keine Wissenschaft betreiben und die Sachbearbeiter jedenfalls nicht allzu falsch liegen können.

  40. Übrigens, ganz interessant im Zusammenhang mit dem „Fall“ Assange:

    Aus wikipedia:

    „Auf 100.000 Einwohner kommen in Schweden pro Jahr 46,5 bei der Polizei angezeigte Vergewaltigungen.[22] Dies ist die höchste Quote in Europa und etwa vier Mal so hoch wie in Deutschland. In 13 Prozent der Fälle kommt es zu einer Anklage vor Gericht.[22]“

    Ausgerechnet Schweden liegt bei Vergewaltigungsdelikten an der Spitze – und die Meinungen sind wohl geteilt, welchen Grund das hat:

    „…weil Frauen sich hier eher trauen würden, zur Polizei zu gehen, sagen die einen. Weil Verurteilungen auch ohne ausreichende Beweise zustande kämen und in Schweden Dinge als Vergewaltigung definiert würden, die in anderen Ländern kein Straftatbestand seien, sagen die anderen …“

    Frage mich, wieso sich die beiden Sachen ausschliessen sollten? Es trifft wohl eher beides zu und bedingt und unterstützt einander sogar …

  41. @Isi #34

    „Ich halte allein die Vorstellung, dass irgendeine Frau zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem ihr unbekanntem Mann einverstanden sein sollte, für sonderbar.“

    Keineswegs: Dies mag durchaus eine Ausnahme sein. Erstens gibt es aber viele Menschen, die unter starke sexuelle Regung etwas kurzfristig denken. Zweitens gibt es viele Menschen, die etwas Blöde, Verantwortungslos, oder Uninformiert sind. Drittens geht es in diesem Falle um Groupies (und keineswegs um einen ihr unbekannten Mann), und solche sind u.U. willig ein gewisses Risiko auf sich zu nehmen, um eine möglicherweise einmalige Gelegenheit auszunutzen.

    Ob dies auf die aktuellen Frauen zutrifft wissen wir nicht. Klar ist jedoch, dass Deine pauschale Ausschliessung nicht einen kritischen Blick standhält.

    Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass Du den Kommentar, worauf Du Dich beziehst, verzerrst.

    @Isi #39

    Nein, das absolut Allerletzte ist, wenn man jedes Ereignis so herumdreht, dass es die These passt, statt die These objektiv zu prüfen. Genau diese Art von Argument keine ich zur Leide aus Schweden: Wenn jemand widerspricht, er ist Frauenfeind und spricht nur deshalb wider—der abweichende Meinung ist somit „Beweis“ für z.B. patriarchalischen Strukturen. Falls männliche und weibliche Säuglinge sich anders verhalten, tun sie dies nur weil sie schon genuskodiert worden wären—das eigentlich auf biologische Unterschiede Hindeutende ist somit „Beweis“ dafür, dass diesen üblen „Biologisten“ noch härter bekämpft werden müssen. Usw.

    @Isi #40

    Ohne direkten Zugang zu den Untersuchungen lässt sich nichts in Detail sagen. In groben jedoch:

    o Für mehr über Verurteilungsquoten, Falschanschuldigungen, und warum solche Zahlen typischerweise in der Irre führen, s. die schon von mir gelinkte Seite.

    o Sexuelle Gewalt und Vergewaltigung sind nicht dasselbe und die Zahlen dürfen nicht mit einander vermischt werden.

    o Liz Kelly ist als feministischer Aktivistin bekannt, und ihre Aussagen sind somit mit äußerster Vorsicht zu geniessen. Dies sieht man auch gut bei dem doppelten Behauptung, Falschanschuldigungen wäre ein Randproblem und ein Mythos—ist der Mythos doch eben, dass sie ein Randproblem wäre… Überhaupt rate ich zur Vorsicht bei Zahlen über z.B. Vergewaltigung, da es leider gravierende Probleme mit schlechter Forschung, Daten, die ohne Zusammenhang weitergeben werden, und übertriebene Rhetorik gibt—in Extremfall bis hin zu Zahlen, die letztendlich erfunden zu sein scheinen.

    o Zahlen wie 3, 7.5, oder 9 % werden meist in Fällen gegeben, wo es um eindeutig und einwandfrei feststellbare, bewusste Falschanschuldigungen geht. (Z.B. weil die Frau eine Lüge eingestanden hat.) Hierin sind nicht die vielen „vielleicht“ Fällen miteinbezogen (es besteht also eine Dunkelzahl). Auch nicht enthalten sind die Fällen, wo eine Vergewaltigung stattgefunden hat, aber aus versehen der Falsche beschuldigt wurde (was hochrelevant ist, wenn es zur Unschuldsannahme kommt).

  42. Wie oft kommt es vor, dass zwei Frauen gemeinsam zur Polizei gehen und eine „Beratung“ bezüglich ihres Beischlafs wünschen?

    Und dies dann noch umgehend an die Presse melden?

    Und dass, nachdem die zuständige Staatsanwätin die Untersuchung einstellt, eine neue Staatsanwältin mit dem „Fall“ betreut wird?

    Und wie oft wurde ein Internationaler Haftbefahl für solch einen Fall gestellt?

    Ob der meisten Beiträge hier, kann ich nur noch den Kopf schütteln 😉

  43. Ich nehme Bezug auf das Zitat im Beitrag 39, worin polizeibekannt und medienwirksam belegt ist, dass ein Kommissariatsleiter die Frauenverachtung bei Sachbearbeitern von Sexualdelikten erkennt, wenn und weil er feststellt: „Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten sind sich einig, dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden.“ Tatsächlich gibt es aber für diese Annahme (insofern sie denn stimmt, aber auch für Kommissariatsleiter gilt die Unschuldsvermutung und darum ist der Richtigkeit seiner Aussage zu glauben) keine Forschungsergebnisse oder selbst erhobene Daten, auf die dabei zurückgriffen werden kann. Das ist ein falsches und sehr tragisches, misogynes Vorurteil, das nur vor einem sexistischen Basisverständnis (Frauen lügen sowieso) und Frauenverachtung (die machen das um einem Mann zu schaden) funktioniert und nur darum reproduziert wird. Niemand sonst hat Anlass und Grund gegen anderslautende Erhebungen, einen solchen kontrafaktischen Unsinn zu behaupten, der vorallen weiblichen Opfern erheblichen Schaden zufügt und männliche Täter entlastet, weil genau diese Konstellation bei Sexualdelikten am häufigsten ist: ein Mann ist der Täter, eine Frau ist das Opfer. Vor diesem Hintergrund, ohne jeden Rückgriff auf eine seriöse Datenbasis (was schon allein darum nicht passieren wird, weil ein Rückgriff dieses Vorurteil widerlegen würde), trotzdem davon auszugehen (und das tun angeblich alle! Sachbearbeiter von Sexualdelikten), „dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden“, ist Frauenverachtung reinsten Wassers. Ein solches kontrafaktisches, frauenverachtendes Stereotyp ist eine verkleidete Fortsetzung der „weiblichen Hysterie“. Dass es die Strafverfolgung von Verbrechern behindert und aussetzt, weil den Hilfesuchenden Opfern von zuständigen Sachbearbeitern nicht wirklich geglaubt wird, wenn das angezeigte Sexualdelikt (mit über 50%iger Wahrscheinlichkeit) vorgetäuscht sein kann, interessiert natürlich jene, die Täter vor Strafverfolgung schützen wollen herzlich wenig. Kontrafaktisch und ohne jede Zahlenbasis, gegen Forschungsergebnisse und gegen Kritik, aber am Irrglauben festzuhalten, „dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden“Aber das Gegenteil ist der Fall: die Quote der Falschbeschuldigungen liegt unter dem Durchschnitt zu anderen Straftaten und bei ca. 3 % (europaweit 1-9%). Eine solche enorm Quote bei den zuständigen Sachbearbeiterin (100%) der angenommenen Unglaubwürdigkeit (>50%) ist mir zu anderen Delikten nicht bekannt. Und natürlich ist das ein Verfahrenshemmnis, wenn der den Vorfall aufnehmende Sachbearbeiter die Glaubwürdigkeit der Anzeigenstellerin schon im ersten verfahrensschritt in Zweifel zieht und eine Anzeige eben nicht voreingenommen aufnimmt, sondern davon ausgeht, dass „deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden“ und das soll ja für alle (!) zuständigen Sachbearbeiter von Sexualdelikten gelten.

    Man muß sich das mal als These auf der Zunge zergehen lassen: ein Kommissariatsleiter bestätigt in einer polizeiinternen Erhebung, dass alle (!) Sachbearbeiter von Sexualdelikten, die Opfer einer solchen Straftat für überwiegend unglaubwürdig halten und davon ausgehen, dass diese Opfer eigentlich Täter sind, weil sie jemanden unschuldig in Bedrängnis bringen, in dem sie eine Straftat vortäuschen und damit selbst straffällig sind. Allerdings werden diese Straftaten (angenommene Falschbeschuldigungen) dann nicht zur Anzeige gebracht, weil sich der Verdacht einer Falschbeschuldigung nicht erhärten läßt, aber eine Verfolgung der angezeigten Straftat findet dann auch nicht mehr statt, weil der Sachbearbeiter voreingenommen ist. Konsequenter kann man Straftäter nicht vor Strafverfolgung schützen: Man läßt Täterschützer die Anzeigen aufnehmen. Ein Richter, der übrigens bereits vor Verfahrenseröffnung und Beweiserhebung, nachweislich das Opfer und somit die Anzeige für überwiegend unglaubwürdig hält, würde wegen Befangenheit abgelehnt. Leider kann man das nicht für Sachbearbeiter machen und wie auch, wenn die nun mal alle so sind? Die Unterstellung, dass ausgerechnet die Opfer von Sexualdelikten mit der Anzeige eine Straftat der Falschbeschuldigung begehen, die ihnen aber in den allermeisten Fällen nicht nachgewiesen werden kann und auch keine Beweisführung erfolgt oder ein Urteil gesprochen wird (und auch kein Freispruch erfolgen kann), ist eine Vorverurteilung und der eigentliche Verlust der Unschuldsvermutung und diese Diskriminierungen wirken gegen Frauen, weil die meisten Opfer von Sexualdelikten weiblich sind. Das, was da oben steht, nachweislich!, dass alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten, das Opfer einer solchen Straftat überwiegend für Kriminelle halten, die den Rechtsstaat ausnutzen, um Männern zu schaden, ist das eigentliche Problem (Verlust der Unschuldsvermtung etc.) und der handfeste Beweis für die Diskriminierung von Frauen im Rechtssystem und sorgt für Kriminalisierung von Opfern, ohne dass sie sich juristisch dagegen wehren können: Gegen einen Sachbearbeiter von Sexualdelikten, der eine Anzeige nicht ordnungsgemäß aufnimmt, verschludert oder das Opfer kriminalisiert, kann man sich allenfalls beim Kommissariatsleiter beschweren und wie die drauf sind, sehen wir ja…

  44. @ Piwi, # 46

    Dass zwei Frauen gemeinsam zur Polizei gehen, halte ich für vernünftig. Als ich mal eine Anzeige erstattet habe, wollte der aufnehmende Beamte mich zum Fotoshooting als Aktmodell überreden. Ernsthaft. Und es ging dabei um einen Fahrraddiebstahl. Was eine Frau durchmacht, die eine Vergewaltigung erlebt hat und auf der Wache ausgelacht wird, weil „[a]lle Sachbearbeiter von Sexualdelikten […] sich einig [sind], dass deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht werden“, will ich mir nicht mal vorstellen. Da hätte ich gern jemanden bei mir, der mich wenigstens vor der Kriminalisierung als Falschbeschuldigerin schützt, weil ich dem Polizeiapparat vertraue und eine Straftat anzeige. Darum würde ich jeder Frau raten, NIE allein auf die Wache zu gehen, um ein Sexualdelikt anzuzeigen. Die Begründung liest man oben: Alle Sachbearbeiter von Sexualdelikten halten das in den meisten Fällen für ein Geständnis, selbst kriminell und hysterisch zu sein (O-Ton Kommissariatsleiter in München).

  45. Es geht doch schon lange nicht mehr um eine Straftat sondern darum, ob und wann ein Heiliger der Datennetze bestraft werden darf und durch wen.

    26 GwenDragon

    Für dich offenbar. Dir passt es doch nur nicht in den Kram, dass jemandem noch etwas wichtiger sein könnte, als das eine Thema, dem du alle anderen unterordnest.
    Mit Leuten die so denken, ist keine wirklich freie, faire Gesellschaft zu machen. Genau deshalb mögen viele die Arbeit von Wikileaks, denn da sieht es diesbezüglich völlig anders aus. Und in Zeiten immer wilder um sich greifenden Aktionismen beim völlig aus der Bahn geratenen Terror- und Sicherheitswahn gibt es nicht so oft Lichtblicke.

  46. @ Bob, #49

    Sobald wikileaks die Falschbeschuldigungslüge aufdeckt, wonach deutlich mehr als die Hälfte aller Sexualstraftaten vorgetäuscht werden, was so aber nur aus den Fingern gesaugter, frauenverachtender und opferverhöhnender Mumpitz ein paar durchgeknallter Frauenhasser und Antifeministen aus dem Hause Manndat ist, spiegele ich diese bedeutsame Depesche sofort. Eine Zensur des Internets ist übrigens genauso wahrscheinlich und bedeutsam wie das Verbot der BILDzeitung. Beides ist, da staatstragende Funktionen erfüllt werden, nicht zu erwarten: Das Internet oder die BILD zu beschränken, hieße den Nationalstaat um die Möglichkeit seiner täglichen Reproduktion zu berauben. Wer jetzt meint, davon wäre das Recht auf freie Meinungsäußerung bedroht oder gar die Demokratie, begründet mit der Zensurlüge schon den nächsten Veröffentlichungsbedarf.

  47. Isi, welche langsätzigen Gewalt ausstrahlende Sätze Du auch immer auf setzt: manche Männer und Frauen schlafen auch ohne Kondome ohne Krankheitswissensstand mit einander. Ich(!) kann in diesem Umstand nicht in 100% der Fälle ein klares Staatsrechtlich zu verfolgendes Gewaltverbrechen vermuten. DAS keine Kondome benutzt wurden beweist für mich erst einmal nichts. Egal was Du Männern und Frauen pauschal unterstellst und ob es wahr oder nicht ist.

  48. @ Andreas (39, 43): Deine obige Aussage: „Nach einer Studie der Kriminologischen Forschungsgruppe der Bayrischen Polizei ist deutlich mehr als die Hälfte der angezeigten Sexualstraftaten vorgetäuscht !“, ist schlicht und einfach falsch, wie Dir mittlerweile auch klar sein müsste (genauso wie die Behauptung der von Dir zitierten Daily Mail, es ginge bei den ‘7 Steps to Legal Revenge’ darum, „how women can use courts to get their own back on unfaithful lovers“). Es ist, wie Isi zutreffend schreibt, bezeichnend, wie die selektive Wahrnehmung bestimmter Personen über das Medium Internet vehement reproduziert wird und sich so verselbständigt.

    Dieser Mechanismus lässt sich am Fall Assange m.E. gut ablesen, wie @ Antjes letzter Lesehinweis zeigt. Dort wird auch dieser sehr lesenswerte Artikel verlinkt: http://www.salon.com/news/politics/war_room/2010/12/07/julian_assange_rape_accuser_smeared/index.html

  49. @Anna:

    Ja – das ist mir in der Tat klar; der Inhalt der Studie ist von mir – und von Herrn Hofmann, von dem ich die Info abgeschrieben habe – in der Tat nicht sachlich richtig wiedergegeben worden.

    Die Studie versteigt sich nicht zu Aussagen, die voraussetzen würden, dass die Verfasser mehr über den Tathergang wissen, als die Sachbearbeiter und die Staatsanwaltschaft.

    Man darf aber guten Gewissens voraussetzen, dass die Sachbearbeiter einigermaßen sichere Urteile abgeben und dass die Verurteilungsquote nicht ganz zufällig zustande kommt.

    Mit anderen Worten – es gibt da eine gewisse Glaubwürdigkeit, die von Isi ad hoc, aus Mangel an Argumenten, angezweifelt wird, weil ihr das Ergebnis nicht passt.

    Allerdings müßte Dir und Isi aus den gleichen Gründen auch klar sein, dass die von Isi zitierten Wissenschaftler, die eine unterübliche Falschaussagenquote bei Vergewaltigungen annehmen, genau die Grenzen übersteigen, die in der Studie geachtet wurden – Isi’s Wissenschaftlerinnen behandeln in Wirklichkeit Leute, die freigesprochen oder gegen die überhaupt keine Anklage erhoben wurde, als wären sie überführte Täter.

    Wenn man halbwegs reflektiert, welche sozialen Folgen es für die Männer hat, solchen Verurteilungen ohne rechtsstaatlichen Hintergrund ausgeliefert zu sein, kann man die drei Wissenschaftlerinnen ( und mit Ihnen Isi ) nur als ziemlich unverantwortliche Hetzerinnen bezeichnen.

    Also, bitte, Anna, auch wenn mein erstes Zitat dem Wortlaut nach falsch war – es war jedenfalls nicht dem Sinn nach falsch 😉 …

    Im übrigen – es wäre doch vielleich mal sinnvoll, dass Thema mit etwas kühlerem Blut zu betrachten; es ist nun einmal ein Thema, bei dem in der Regel Aussage gegen Aussage steht. Wir haben glücklicherweise den Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten.“ – wir wollen soviele Täter wie möglich überführen, aber eher, als dass wir einen Unschuldigen hinter Gitter werfen, lassen wir es zu, dass ein paar Täter frei rumlaufen.

    Was doch an der Diskussion, wie sie von feministischer Seite geführt wird, zum Kotzen ist, ist doch genau diese Infragestellung von Rechtsgrundsätzen, weil sie vordergründig sowieso nur Männern nutzen; Vergewaltigungen werden doch nur von Männern ausgeführt ( glaubt frau ), ich als Frau kann sowieso nie belangt werden – brauche ich da ein „im Zweifel für den Angeklagten“? Wenn ich einen Mann strafrechtlich belange, dann soll mir gefälligst geglaubt werden, auch ohne dass ich Beweise vorbringe – irgendeinen Grund ( meine Gründe sind immer gut), warum ich dem Typen an den Kragen will, gibt es schliesslich immer.

    Hey – genau diese verkommene Argumentation, wie sie bei Isi zu finden ist, ist der Grund, weswegen das Thema „Wieviele Vergewaltigungen sind vorgetäuscht“ so ein Gewicht bekommt.

    Dass möglichst viele Täter bestraft werden sollen und möglichst viele Opfer Ruhe finden sollen – das steht gar nicht zur Debatte, anders, als Du und Isi es annehmen. Liest man Euch, könnte man glauben, alle Männer wären froh, wenn Vergewaltigung kein Strafstatbestand wäre.

    Aber nein – es läßt sich nur kein Mann auf eure – man muss es einfach sagen – hysterische Emotionalität bei diesem Thema ein. Selbst Vergewaltigungsopfern dürfte die eher sauer aufstoßen.

  50. @Anna:

    „(genauso wie die Behauptung der von Dir zitierten Daily Mail, es ginge bei den ‘7 Steps to Legal Revenge’ darum, „how women can use courts to get their own back on unfaithful lovers“)“

    Nein, nach dem, was ich bisher gesehen habe, hat diese Person offen aufgefordert, Vergewaltigungsvorwürfe als Rachemittel einzusetzen – da weiss ich nichts anderes.

  51. So sinnvoll ich strenge Gesetze zum Thema Vergewaltigung finde, so zweischneidig empfinde ich es in diesem Fall. Eine Frau (überhaupt ein Gegenüber, aber ich bleibe mal bei der Kombination Mann-Frau) zu Sex ohne Kondom aufzufordern, ist moralisch verwerflich. Aber aus meiner Sicht klar keine Straftat. Es beinhaltet Drängen und Bitten, aber keine Drohung oder Einschüchterung. Nach der Art: Ach komm, ich bin ja gesund, habe bis jetzt immer ein Kondom genommen. Ausserdem hast du ja vorher gesagt, deine Tage seien eben vorbei, dann wirst du sicher nicht schwanger. Usw.

    Gehen wir davon aus, dass der Sex einvernehmlich war und die Frau als Feministin bekannt ist, war sie sehr wohl fähig, auf ein Kondom zu bestehen. Es gehört meines Erachtens zum Selbstverständnis als emanzipierte Frau, auf den Sex zu verzichten, wenn der Mann kein Kondom will (im Übrigen nimmt mich Wunder, wie das Gesetz bei 2 Männern ist. Konsequenterweise müsste es auch da leichte Vergewaltigungen geben). Wenn der Mann dazu drängt, auf das Kondom zu verzichten und die Frau trotzdem zum Sex einwilligt, dann soll sie danach auch dazu stehen, dass sie ihre Gefühle missachtet hat. Dafür ist sie selber verantwortlich. Siehe das Drängen oben. Die Methode ist unfair, keine Frage. Aber dagegen kann man sich wehren.

    Anders sehe ich es, wenn der Mann der Frau zu verstehen gibt, sie sei merkwürdig, wenn sie jetzt plötzlich nicht mehr will. Wenn er laut wird und sie dagegen protestiert und am Ende doch ja zum Sex sagt. Dies ist für mich Nötigung oder Drohung. Wenn der Mann dann sagt, der Geschlechtsverkehr sei in gegenseitigem Einvernehmen vollzogen worden, setze ich ein Fragezeichen.

    Letzteres hat jedoch normalerweise zur Folge, dass sich die Frau spätestens am nächsten Morgen unwohl fühlt. Und dann lädt sie den Mann nicht zu einer Party ein.

    Ich fasse zusammen: Eine als emanzipiert bekannte Frau, die einvernehmlichen Sex ohne Kondome hat, anschliessend eine Party für diesen Mann organisiert und danach zum Schluss kommt, sie hätte doch nicht auf den Schutz verzichten wollen, ist für mich wenig glaubhaft.

    Ob Assange (un)schuldig ist, halte ich offen, ich vermute, wir werden die Wahrheit nie erfahren. Alles in Allem kann ich nur festhalten, dass ich das schwedische Gesetz als einseitig empfinde und die staatliche Übernahme der Eigenverantwortung nicht feministisch finde. Ich stelle mir sogar die Frage, ob der Staat damit nicht den Frauen unterstellt, nicht für sich selbst einstehen zu können.

    Ebenso bin ich der Meinung, Emanzipation beinhalte das Recht, Nein zu sagen (zB zu Sex ohne Kondom), jedoch insbesondere auch die Pflicht, zu seinen Fehlern zu stehen. Eine Frau, die weiss, dass sie sich leicht zu etwas überreden lässt, das sie nicht will, vermeidet die entsprechende Situation oder übernimmt die Verantwortung.

  52. @Antje Schrupp
    „Die Frage, um die es hier geht, ist: Wäre das ein Fall fürs Gericht?
    Offensichtlich – die näheren Umstände des Gesetzes sind mir nicht bekannt – versucht man in Schweden tatsächlich, solche Settings nicht nur „moralisch“, sondern auch juristisch erfassen.“

    Vielleicht sollten Sie mal ein wenig zu den „näheren Umständen“ des Gesetzes recherchieren, bevor sie ihre Schlussfolgerungen ziehen. Sie können sich da in einer Reihe mit vielen „seriösen Zeitungen“ einreihen, die zu diesem Fall grundlegende Recherche schlicht vergessen haben und die in Artikeln suggerieren, Sex ohne Kondom würde in Schweden bestraft. Oder dass es genüge, wenn eine Frau sich nach dem Sex unwohl fühle, um sich der Vergewaltigung strafbar gemacht zu haben.

    Es ist meines Wissens überhaupt nicht so, dass die gegen Assange gerichteten Vorwürfe nur in Schweden strafbar wären. Das spezielle an Schwedens Sexualstrafrecht ist wohl die Tatsache, dass vieles was hierzulande unter Sexuelle Nötigung fällt, als Vergewaltigung (verschiedenen Grades) bezeichnet wird. Die Tatbestände und die Anforderungen scheinen mir aber nicht anders. Einfach mal googeln.

    Einen Wortlaut des Gesetzes gibt es z.B hier:
    http://www.interpol.int/public/Children/SexualAbuse/NationalLaws/csaSweden.asp

    Zwei Artikel über Besonderheiten von Schwedens Sexualstrafrecht

    http://m.sverigesradio.se/site/index.aspx?artikel=4231357&unitid=2054&offset=0

    http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~EC101D1FE20B644069DE467B3CC9C94F6~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    (Die FAZ hat es also doch noch hinbekommen, nachdem sie in einem vorherigen Artikel [„wie man in Schweden einen Mann belasten kann“] den Eindruck vermittelte „dass nach schwedischem Recht Nötigung oder Vergewaltigung in einem minder schweren Fall vorliegen kann, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl fühlt oder sich ausgenutzt vorkommt.“)

    Ein m.E. guter Artikel über „consensual“ und „unconsensual“.
    http://www.feministe.us/blog/archives/2010/12/06/some-thoughts-on-sex-by-surprise/

    Die Vorwürfe gegen Assange lauten soweit man weiss, dass er gegen den ausdrücklichen Willen der Partnerinnen kein Kondom benutze bzw. nicht mit dem Geschlechtsverkehr aufhörte, nachdem das Kondom abgerutscht war. D.h. Sie sagt „Stop“ und er macht trotzdem weiter. Natürlich ist völlig offen ob das auch wirklich so passiert ist, aber die Vorwürfe an sich sind zu recht strafrechtlich relevant. Wenn jemand zu Sex einwilligt, diesen Konsens aber an irgendeinem Punkt oder aufgrund nicht mehr eingehaltener Grenzen widerruft, dann hat der andere sich daran zu halten. Ob das jetzt die Bedingung des Verwendens eines Kondoms ist, oder die Ablehnung einer bestimmten Sexualpraktik usw. Eine Missachtung einer klaren Willensäusserung zum „Stop“ wäre doch auch im deutschsprachigen Raum gesetzeswidrig. Nur liefe es hier wohl unter sexueller Nötigung.

    Ausserdem gilt genauso wie bei uns in Schweden die Unschuldsvermutung. Die Anschuldigungen müssen Assange nachgewiesen werden, nicht umgekehrt. Er muss das Signal zu „stoppen“ unmissverständlich verstanden haben können etc.
    Ich stolperte vor ein paar Tagen über einen schwedischen blog, wo das in englisch debattiert wurde, leider finde ich ihn nicht mehr. Es ist schon etwas erschreckend, dass man diese Sachverhalte mit etwas googeln erfahren kann, da frage ich mich schon was so manche Journalisten eigentlich unter Recherche verstehen.

  53. PS:

    „Auch im vorliegenden Fall ist es natürlich möglich, dass die Beschuldigungen gegen Assange falsch sind. Es ist möglich, dass der Sex einvernehmlich stattfand, und zwar nicht nur in dem (deutschen) Sinne, dass keine physische Gewalt angewendet wurde, sondern auch in dem (schwedischen) Sinne, dass Assange die Frauen nicht überrumpelte, dass er seinen Star-Status nicht ausnutzte und das Kondom nur deshalb wegließ, weil die Frau ebenfalls nicht wollte, dass er es benutzt“

    …im „schwedischen Sinne“ ist es nicht strafbar für den Mann, wenn die Frau sich überrumpelt fühlt oder nur seines Star-Status wegen mit ihm ins Bett steigt. Das stimmt doch einfach schlichtweg nicht!

  54. Korrigenda:

    Wikipedia (Vergewaltigung, Deutschland)
    „Maßgeblich ist die innere Willensrichtung des Opfers. Abwehrhandlungen des Opfers sind für das Vorliegen einer Vergewaltigung nicht zwingend erforderlich. Die für die Strafbarkeit wegen Vergewaltigung erforderliche Gewalt im Sinne des § 177 Abs. 1 Nr. 1 StGB wendet der Täter jedoch nicht an, wenn das Opfer mit den sexuellen Handlungen zwar nicht einverstanden ist, er jedoch weder geleisteten noch von ihm erwarteten Widerstand seines Opfers mit einiger körperlicher Kraftentfaltung überwindet beziehungsweise verhindert. In diesen Fällen kommt eine Strafbarkeit wegen Vergewaltigung nur dann in Betracht, wenn der Täter dem Opfer entweder mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben droht (§ 177 Abs. 1 Nr. 2 StGB) oder dessen schutzlose Lage ausnutzt (§ 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB).“

    Heisst, es reicht nicht, nur klar und mehrfach „Stop“ zu sagen, der Täter muss zusätzlich Gewalt oder Zwang ausüben. Das heisst, wenn der Mann einfach „weiter macht“, die Frau „Stop stop stop“ sagt, sich aber nicht wehrt, dann ist es keine Vergewaltigung, noch sexuelle Nötigung. Ich nehme an, das soll dem Potential von Missverständnissen in so einer Situation Rechnung tragen.
    Hierzulande müsste Assange die Frauen also entweder mit Drohungen oder mit körperlicher Gewalt daran gehindert haben sich der Penetration zu entziehen.
    [Hätte also selbst auch noch ein wenig mehr „googeln“ sollen – *eingesteh*]

    Könnte hier ein Unterschied zum Schwedischen Sexualstrafrecht liegen? Zumindest nicht, was die Vergewaltigung anbetrifft (siehe links unten). Auch in Schweden wird der Zwang vorausgesetzt: „A person who by violence or threat which involves, or appears to the threatened person to involve an imminent danger, forces another person to have sexual intercourse….“ (Sexual Crimes, Section 1)

    In Sektion 2 wird jedoch sexuelle Nötigung angesprochen:
    „A person who, under circumstances other than those defined in
    Section 1, makes someone engage in a sexual act by unlawful
    coercion shall be sentenced for sexual coercion to imprisonment for
    at most two years.“

    Ich habe leider nirgends eine genaue Definition von „unlawful coercion“ gefunden. Die „anderen Umstände“ werden wohl auch nicht auf Abhängigkeitsverhältnisse wie z.b zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber etc abziehlen, da dies weiter unten unter „Sexual Exploitation“ gehandelt wird. Könnte hier vielleicht das „ausdrücklich nicht wollen, aber keinem Zwang begegnen“ darunter fallen? Das wäre dann ein Unterschied zum Sexualstrafrecht im deutschsprachigen Raum. Das ist aber nur Spekulation.

    Schwedisches Strafgesetzbuch mit Abschnitt Sexualstrafrecht
    http://www.regeringen.se/content/1/c6/02/77/77/cb79a8a3.pdf
    Informationsblatt über 2005 erfolgte Änderungen:
    http://www.sweden.gov.se/content/1/c6/04/67/97/334b059a.pdf
    Deutsche Übersetzung des Infoblattes:
    http://blog.ronniegrob.com/2010/12/09/was-bedeutet-vergewaltigung-in-schweden/

    Eine Schwedin behauptet in ihrem auf englisch übersetzten blog artikel, dass Schweden keine breitere Version von Vergewaltigung kenne:
    http://www.hannafriden.com/politik-samhalle/sweden-does-not-have-a-broader-definition-of-rape-assanges-charges-would-probably-have-been-the-same-in-the-us/

    Kommt hinzu, dass in manchen Artikeln auch schon die Rede von Vorwurf körperlicher Gewalt / Zwang war („Mit dem ganzen Körpergewicht hinunterdrücken etc“). Wenn der Vorwurf der Gewaltanwendung tatsächlich erhoben würde, wäre die Frage um die „spezielle“ Position Schwedens wieder hinfällig, da dies dann auch hierzulande unter Vergewaltigung fiele.

  55. @Antje Schrupp
    Den Artikel finde ich auch gut. Es entbehrt meines Erachtens nicht einer gewissen Ironie, dass die meisten „Qualitätsmedien“, welche Wikileaks oftmals zum Vorwurf machten, es bedürfe professioneller Recherche und Einordnung der publizierten Informationen – etwas, wozu nur „echte“ Journalisten im Stande wären – dass diese Journalisten dann aber grandios daran scheitern nur schon einen rechtlichen Sachverhalt in einem europäischen Land einigermassen korrekt darzustellen.

    Ich meine das Schwedische Strafgesetzbuch liess sich schon lange auf Interpol nachlesen oder sonstwo im Internet. Da hätte etwas „googeln“ gereicht. Natürlich, man hätte zur Kür schwedische Juristen anfragen können, oder Journalistenkontakte in dem Land. Aber lange reichte es nicht einmal zur Pflicht, man brauchte dazu keine schwedischen Sprachkenntnisse, keine Kontakte, keine Pressearchive…

  56. @ Andreas (54, 55): „Also, bitte, Anna, auch wenn mein erstes Zitat dem Wortlaut nach falsch war – es war jedenfalls nicht dem Sinn nach falsch“

    Die von dir zitierte Aussage ist die Aussage einer Einzelperson. Selbst wenn Dir diese Aussage plausibel erscheint, ist sie weder sachlich noch „dem Sinn nach“ richtig.

    „Nein, nach dem, was ich bisher gesehen habe, hat diese Person offen aufgefordert, Vergewaltigungsvorwürfe als Rachemittel einzusetzen – da weiss ich nichts anderes.“

    Das ist eine Falschinformation, wie Du z.B. in dem oben verlinkten Artikel von Jessica Valenti nachlesen kannst.

    Im Übrigen habe ich kein Problem mit der Unschuldsvermutung, die übrigens auch für den Vorwurf der falschen Verdächtigung gilt. Das ist gar nicht der Punkt. Ich habe ein Problem mit selektiver Wahrnehmung und bewussten Verfälschungen von Tatsachen, die dann unkritisch aufgenommen und weiterverbreitet werden, wie in Deinem Fall geschehen. Eine Lüge wird nicht dadurch wahr, dass sie häufig erzählt wird. Diesen Mechanismus prangere ich an und gebe Isi diesbezüglich recht. Das heißt nicht, dass ich ihr in allem, was sie sonst so schreibt, recht gebe, falls Du das angenommen haben solltest.

    Dass Du auf die persönliche Schiene abgleitest und mir „hysterische Emotionalität“ und anderes komisches Zeugs unterstellst, finde ich interessant. Ist da der Wunsch Vater des Gedankens?

  57. „…außerhalb ihrer fruchtbaren Tage – mit Sperma vollzupumpen und leider, leider, leider müssen Männer immer wieder erklärt bekommen, dass Frauen nicht der vaginale Durst nach Sperma antreibt, Sex mit Männern zuzustimmen…“

    Sperma=Biomüll?
    Vollpumpen?
    So geht Feminismus?
    Grusel!

  58. @Anja:

    Dass in der Untersuchung nicht jeder einzelne Sachbearbeiter zu Wort kommt, sondern deren Erfahrung von einer einzelnen Person zusammengefasst wird, ist in meinen Augen eine Trivialität ( das wird wohl immer so gemacht ), die nichts an den grundlegenden Aussagen der Sachbearbeiter ändert.

    Aus dem Artikel von Frau Valenti kann ich auch nichts entnehmen, was die positive Einstellung der einen Zeugin zu Falschaussagen im Dienste von Rachegelüsten widerlegt – ganz im Gegenteil; ausserdem glaube ich zu wissen, dass die eine andere Seite meint als die im Guardian erwähnte – aber das schaue ich noch einmal nach.

    Was die Unschuldsvermutung auch im Falle der falschen Anklage angeht, muss man hier feststellen, dass die Situation allerdings komplett asymmetrisch ist – nach Angaben der Sachbearbeiter solcher Fälle enthalten nicht die Ausagen der Angeklagten häufige Anläße, die die Vermutung der bewußten Falschaussage nähren, sondern die der Anklägerinnen.
    Des weiteren ist es so, dass auch Männer, die einen Freispruch erhalten oder gar nicht erst angeklagt werden, oft sozial ruiniert sind – während Frauen, die falsch Aussagen, praktisch nicht zur Verantwortung gezogen werden und sowieso keinerlei soziale Ächtung erfahren.

    Mit anderen Worten, das Risiko von Falschaussagen ist für falsch aussagende Frauen extrem gering, der Erfolgsfaktor sehr hoch ( nimmt man auch die gesellschaftliche Reaktion dazu ), weiter reflektieren die Aussagen der Sachbearbeiter eine hohe Zahl von Inkonsistenzen in Zeugenaussagen und die Verurteilungsquote spricht für sich.

    Demgegenüber habe ich die Forderung von Isi nach unbedingtem Glauben für Frauen – Beweislastumkehr oder Abkehr von „Im Zweifel für den Angeklagten“, zusätzlich mit dem billigen Geschwätz, dass Männer, die als Unbeteiligte über den Fall richten oder ihn auswerten sollen, „patriarchal“ voreingenommen wären, als „hysterisch emotional“ eingestuft.

    Ist es ja auch.

    Das heisst ja noch lange nicht, dass ALLE Frauen falsch aussagen – ganz unbestritten laufen viel zu viele Täter frei herum. Es sieht bloß keiner, wie man das ändern kann, ohne so leichtfertig wie Isi die eigene Menschlichkeit aufzugeben.

    Von „bewußter Verfälschung“ und „selektiver Wahrnehmung“ zu sprechen ist nun für mich auch schon ein wenig arg weit hergeholt – das ist noch nicht ganz „hysterische Emotionalität“, aber fast *g*.

  59. Wenn dann die Frau die Pille „vergisst“…..
    ist es auch Vergewaltigung?

    Beweis wäre die Schwangerschaft ?

    Soll das immer toller werden ?

  60. @ Aventin: Ich kenne durchaus ein paar Männer, die Dir – mehr oder weniger amüsiert – zustimmen würden, aus eigener Erfahrung…
    Für mich ist dieser Kommentarthread zu Antje Schrupps mit leichter Hand verfassten, klugen und gelassenen Anmerkungen sehr spannend: Wusste nicht, wie wenig sich geändert hat seit den Zeiten, als ich im Frauenbuchladen wegen meiner offensichtlichen Heten-Ausstrahlung nur geduldet wurde (rausschmeissen konnten sie mich nicht, denn ich bin ja eine FRAU). Und nun, zwanzig Jahre später, lese ich hier diese bissl arg histrionische Debatte… Hey, wie 20. Jahrhundert ist das denn alles? Ich konstatiere sehr merkwürdige Pendelausschläge – von lila Latzhosen über Powerfrauen und Fräuleinwunder und Alphamädchen zurück zur Schwanz-ab-Rhetorik revisited… In meinem Blog http://catinnovations.wordpress.com/ stelle ich öfter mal die FrauenFrage, aber, Jungs und Mädels: Wäre es jetzt nicht wirklich an der Zeit für eine neue Stufe im Diskurs? Ich nenne sie Post-Feminismus, aber nennt Ihr sie, wie Ihr wollt – der „kommende Aufstand“ wird ohne neues Denken wieder nicht kommen.

  61. @ Andreas (66): Es ist Weihnachten und viel zu tun. Ich probiers trotzdem nochmal kurz: Es ist amüsant, dass Du mir Hysterie unterstellst, wenn ich Dich darum bitte, auf der Basis von korrekten Fakten zu argumentieren. *ggg*

    Zu der Studie: Du solltest sie wirklich ganz lesen. Die Forscher_innen der Studie haben selbst Sachbearbeiterbefragungen durchgeführt und differenziertere Ergebnisse erzielt, die sich nicht unter der von Dir zitierten Aussage subsumieren lassen. Die Studie hat nicht ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Vergewaltigungsvorwürfe erfunden seien. Eine_r , welche_r das behauptet, rezipiert die Studie selektiv. Eine solche Darstellung stellt die Fakten falsch dar und ich bin geneigt zu glauben, dass das mitunter mit Absicht geschieht.

    Zu dem Zitat aus der Daily Mail (es ging um die Daily Mail, nicht um den Guardian ;)): Der ursprüngliche Artikel ist dieser hier: http://www.ehow.com/how_2296915_get-legal-revenge.html. Ich kann dort nichts finden, das erklärt „how women can use courts to get their own back on unfaithful lovers“. Du?

    Eine Möglichkeit, Falschbeschuldigungen zu vermeiden ist m.E. dieses Projekt: http://www.notruf.wtal.de/download/anonyme_spurensicherung.pdf. Ein Projekt mit Zukunft, hoffentlich.

    An alle: Schöne Feiertage!!

  62. @Anna:
    Nein, sie haben nicht „differenzierte Ergebnisse“ als die Sachbearbeiter erhalten, weil es gar nicht ihr Erkenntnisinteresse war, „differenziertere Ergebnisse“ als die Sachbearbeiter zu bekommen.

    Hier noch mal etwas interessantes, ein Interview mit einem Anwalt:

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11974806/492531/Der-Anwalt-Per-E-Samuelson-haelt-Julian-Assange.html

    Auch dieser Mann ist der Ansicht, dass der „Feminismus des Staates“ in Schweden dafür verantwortlich ist, dass in Vergewaltigungsprozessen wesentliche rechtsstaatliche Merkmale von Prozesse über Bord geworfen werden, wie man es übrigens auch in Deutschland beobachten kann ( z.B. das fast durchgehende Öffentlichkeitsverbot im Fall Kachelmann ).

  63. Offenbar redet sich Julian Assange gerade um Kopf und Kragen. Wenn es stimmt, dass er Schweden als das „Saudi Arabien“ des Feminismus bezeichnet, dann hat er ja wohl nicht alle Tassen im Schrank. Und je mehr momentan über den Fall bekannt wird, desto mehr scheint sich für mich abzuzeichnen, dass sich Assange offenbar tatsächlich über den erklärten Willen der Frauen hinweg gesetzt hat. Das heißt, es wäre dann tatsächlich eine Vergewaltigung gewesen, auch nach deutschem Strafrecht.

    Hier der Link zu einem Artikel über Assanges Interviews. http://jezebel.com/5718817/assange-sweden-is-the-saudi-arabia-of-feminism

  64. ^^^“[…]Und je mehr momentan über den Fall bekannt wird, desto mehr scheint sich für mich abzuzeichnen, dass sich Assange offenbar tatsächlich über den erklärten Willen der Frauen hinweg gesetzt hat. Das heißt, es wäre dann tatsächlich eine Vergewaltigung gewesen, auch nach deutschem Strafrecht. “

    bitte, bitte, ich kann es langsam nicht mehr hören bzw. lesen. Unschuldsvermutung, ja wo ist sie denn?

    ja, Julian Assange stellt sich selbst der Öffentlichkeit und muss nun mal damit leben, dass alle eine Meinung über seine Person, sein Verhalten und Wikileaks haben. trotzdem bleibe ich stur und will keine MEINUNG darüber hören ob er vielleicht schuldig oder unschuldig ist.

    noch nicht mal wegen seiner Person, sondern wegen aller Frauen, die tatsächlich vergewaltigt, genötigt werden. solche öffentliche Fälle und die damit verbundenen Diskussionen (siehe auch der berühmte Kachelmann-Prozess) tragen dazu bei, dass Opfer nicht zur Polizei gehen, bzw. gar nicht über Taten sprechen, weil sie Angst haben müssen, es glaubt ihnen niemand. es ist respektlos jeder Frau und jedem Opfer gegenüber.

    und je mehr ich die Diskussion über diesen Fall verfolge, desto mehr zeigt sich, dass viele bereits ein Urteil über ihn gefälllt haben und jede Nachricht, jedes Gerücht dieses Urteil „bestätigt“.

    die Unschuldsvermutung ist nicht Meinung, oder Argument. sie ist eine der wichtigsten Grundlagen für Freiheit und Demokratie.

  65. ^^ Menschen bilden sich nunmal eine Meinung, ich weiss.

    die Grundlage von Freiheit ist, für jeden, „Mach was Du willst, solang Du niemand anderen schadest.“ jeder weiss, wie es ist wegen irgendetwas beschuldigt, nicht unbedingt im strafrechtlichen Sinne, zu werden (wenn zwei sich streiten z.B.) obwohl er völlig unschuldig ist. und jeder weiss, wie schwierig es ist, sich gegen Anschuldigungen, Gerüchten und Vermutungen zu wehren. behandle andere so, wie Du auch behandelt werden willst (klingt für manche nach Predigt, für diejenigen, die die Erfahrung schon einmal gemacht haben ist es selbstverständlich.).

    was ich im letzten Kommentar schon ansprach: natürlich wird jemand wie Assange geliebt und gehasst, doch sollte jeder so viel charakterliche Stärke haben, sich von diesem menschlichen Eindruck nicht leiten zu lassen und weiterhin offen bleiben.

  66. Ich verstehe aber auch nicht, warum es „hoffentlich alle falsch finden“ wenn man seine eigenen Bedürfnisse über die der anderen stellt. Das mag politisch korrekt klingen, würde aber die Welt sofort zum stehen bringen.

  67. Pingback: False rape charges in Germany, Jörg Kachelmann « Michael Eriksson's Blog

  68. Ein wahres Wort, schon ist es eine VERSCHWÖRUNGSTHEORIE.
    (Früher war der Spruch anders.)

  69. Pingback: Anonymous

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