Der Konditor und die Fachverkäuferin

Man kann ja über den Sinn und Unsinn von Blogcharts vieles sagen, aber auch bei den Unsinnigsten gibt es manchmal Fundstücke. Über @annnalist erfuhr ich gestern von einer skurrilen Veranstaltung namens „Frauen Blog-WM 2011“, an der sich lauter Blogs beteiligen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Aber sonntags morgens im Bett bei Regen hat man ja Zeit für sowas, und so blätterte ich mich mal durch, und wurde auch schon im zweiten Blog fündig mit ganz prächtigem Material für hier.

In ihrem Blog „Narrare“ stellt die Journalistin Silke Liebig-Braunholz ein Video vor, mit dem der Deutsche Konditorenbund für seine Ausbildungsberufe Konditor (sic!) und Fachverkäuferin (sic!) wirbt. Produziert wurde das laut Liebig-Braunholz von Studenten (und Studentinnen? Ich fürchte, ja!) der „Köln International School of Design“ in einem dreiwöchigen Projekt. Herausgekommen ist eine unglaubliche Ansammlung von Geschlechterklischees inklusive halbnackter Frauen, die aus Kisten steigen.

Es ist zum Haare raufen, und man möchte diesen angehenden Möchtegern-Designer_innen zurufen: Schaltet Ihr auch manchmal euer Gehirn ein, bevor ihr war produziert? Nur ein bisschen? Und was sind das für Dozenten oder Dozentinnen, die das durchgehen lassen?

Meine Meinung: Note 6, setzen. (Und hoffentlich erwägt niemand hier eine Lehre als Fachverkäuferin im Konditorenhandwerk. Mädels: Da verdient man nix. Und außerdem ist man in diesem Beruf offensichtlich von lauter Dösduddeln umgeben!)


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10 Gedanken zu „Der Konditor und die Fachverkäuferin

  1. Die Bäcker (und Bäckerinnen) scheinen echt verzweifelt Nachwuchs zu suchen… In meiner Lieblingsbäckerei fand ich jüngst auch eine Broschüre, in der Mädchen als Bäckereifachverkäuferin und Jungen als Bäcker angeworben werden sollten. Dabei wird die Bäckerei selbst jetzt von der Enkeltochter des Gründers geleitet, und auch sonst wurden in leitenden Positionen in erster Linie Frauen vorgestellt. Vielleicht finde ich die Broschüre ja noch, aber nicht am Sonntag. Sie war deutlich seriöser, und ohne fast nackte Frauen. Es gab aber keine Angaben über das zukünftige Gehalt.

  2. Bei Aldi Süd hat man das inzwischen verbessert, da gab es früher auf der Webpage Männer und Frauen als Azubis, im Management hingegen nur einen Krawattentypen mit dickem Audi. Mittlerweile haben sie es mehr durcheinander gestaltet.

    Ursache oder Wirkung? Vielleicht sind solche Broschüren ja auch erfolgreicher, weil sie der Zielgruppe irgendwie besser entsprechen. Vielleicht schreckt es die zukünftigen Azubis ab, wenn man ihr Weltbild ankratzen möchte? Was würdet Ihr tun, wenn Ihr einen Azubi braucht? Ich würde vermutlich auch Nummer sicher gehen.

    Ansonsten ist das natürlich überall so: Arzt und Arzthelferin, Fleischer und Fleischereifachverkäuferin, … das zieht sich durch. Beim Arzt (oder Zahn- oder Tierarzt) kommt natürlich noch hinzu, dass man dafür ein nicht gerade komfortables Studium absolvieren muss, aber im Handwerk… vielleicht ist es das, Verkäuferin ist eben kein Handwerk. Frauen im Handwerk? Schon mal irgendwo gesehen? Ich nicht.

    (Zum Thema Aldi ist dieser alte Post von mir immer noch aktuell: http://zwei.drni.de/archives/725-Das-Mathematikverstaendnis-der-Werbefuzzis.html – hat aber nix mit Männer und Frauen zu tun.)

  3. @DrNI Ich glaube, beim Studium haben Frauen mittlerweile mehr Gleichberechtigung erreicht als im Handwerk. Ausnahme sind die technischen Fächer.

    Ich habe jetzt die Broschüre im Internet gefunden. Der Einleitungstext ist „politisch korrekt“ – Bäckereifachverkäufer/in, Bäcker/in, Filialleiter/in, die vorgestellten Jugendlichen passen klar ins Klischee (Jungen lernen Bäcker, Mädchen Bäckereifachverkäuferin), und das wirklich Interessante sind die Erwachsenen: Ausbildungsleiterin, Chefin.

    http://www.steinecke.info/steinecke_azubi_web.pdf

  4. Soso, Narrare ist also ein unsinniges Blog. Nett so etwas von Journalisten-Kollegen zu lesen. Noch nie davon gehört? Komisch: Wir haben uns über Twitter bereits ausgetauscht! Nun ja, im weltweiten Netz ist alles möglich, da lassen nicht „Möchtegern-Designer_innen“ die Sau raus.

  5. @Silke – Wo habe ich geschrieben, dass Narrare ein unsinniges Blog ist? Mein Blogpost beschäftigte sich allein mit dem Video. Und die Vokabel „unsinnig“ bezog sich auf diese Frauenblog-WM. Die finde ich allerdings unsinnig. Aber das bedeutet ja nicht, dass die daran beteiligten Blogs unsinnig sind.

  6. Allerdings, um das noch klar zu stellen, finde ich die Frauenblog-WM nicht unsinniger als alle anderen Blogcharts auch 🙂 _ und ich wollte eigentlich sagen: Jede Gelegenheit, neue Blogs kennen zu lernen, ist doch gut. Das kam vielleicht etwas flapsig rüber, das geb ich zu.

  7. @Antje: Gleich im ersten Satz hast du es geschrieben: „Man kann ja über den Sinn und Unsinn von Blogcharts vieles sagen, aber auch bei den Unsinnigsten gibt es manchmal Fundstücke.“ Das bezog sich aber wohl auf die Blogcharts? Ok, dann lies bitte auch meine Ausführungen zu dieser WM – wahrlich ein Schwachsinn, zu dem ich mich nie wieder überreden lassen werde: http://bit.ly/lveVjv

    Eure Ausführungen hier auf der Seite zum Video der Konditoreninnung finde ich höchst interessant. Das sollten die Auftraggeber mal lesen. Das Video ist in der Tat nicht richtig durchdacht, deshalb musste ich es auch vorstellen.

  8. @Antje ja, der Werbesspot ist mehr als schlecht. aber das:

    „Und hoffentlich erwägt niemand hier eine Lehre als Fachverkäuferin im Konditorenhandwerk. Mädels: Da verdient man nix. Und außerdem ist man in diesem Beruf offensichtlich von lauter Dösduddeln umgeben!“ (genauso wie „Möchtegern-Designer_Innen“)

    hättest Du Dir sparen können. sowas unsachliches kenne ich von Dir gar nicht. ich verstehe deine Verärgerung über das Video, aber bleib bitte so wie Du bist.
    (ich bin selbst keine Feministin. Dein Blog ist einer der ganz wenigen zum Thema Feminismus, den ich lese. die anderen (deutschsprachigen) feministischen Blogs strotzen meist vor Arroganz, falscher „Härte“, Selbsterrlichkeit etc. und, tut mir leid, aber dieser Kommentar passt eher zu den Anderen.)

    zum Thema: insgesamt ist der Spot arg daneben, in allen Bereichen, da liegt wohl Verzweiflung der Branche in der Luft. generell sind Handwersberufe für junge Leute nicht mehr interessant. daher ist es hier, da sie ja meist als „Männerberufe“ gelten, besonders schwierig, Frauen auf diese Berufe aufmerksam zu machen.

    andererseits: da eben das Handwerk so dringend Nachwuchs braucht, wäre das doch wirklich die Chance, endlich das Klischee (harte, schwere, körperliche Arbeit = typisch Männerarbeit) wegzukriegen. mit solch einem Werbevideo schaffen sie das sicherlich nicht. tja.

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