Mörderinnen

mörderinnenMörderinnen faszinieren, denn sie verstoßen nicht nur gegen die Moral und die Gesetze, sondern auch gegen Weiblichkeitsnormen. Deshalb werden sie in Filmen, in Krimis und in den Medien groß rausgebracht, während Mörder hingegen fast schon langweilig, weil so normal sind.

Dabei sind die Frauen, so könnte man die Statistik interpretieren, eigentlich ziemlich gut darin, andere Menschen umzubringen: Der Anteil der von ihnen insgesamt verübten Gewaltverbrechen beträgt zwar, über Kulturen und Zeitepochen hinweg ziemlich stabil, bloß ungefähr zehn Prozent. Ihr Anteil an „erfolgreich“ zu Ende gebrachten Tötungen hingegen satte zwanzig Prozent.

Das ist eine der Zahlen, die man aus diesem Band erfährt. Er versammelt Beiträge einer interdisziplinären Tagung Ende 2011 zum Thema „Mörderinnen: Verbrechen – Körper – Inszenierung“ an der Uni Siegen. Die unterschiedlich interessanten Texte beschäftigen sich mit allen möglichen Darstellungen von Mörderinnen, von Amazonen über Kindsmörderinnen à la Gretchen bis hin zu Bette Davis als schwestermordender „Baby Jane“ oder einer grandios metzelnden Lady Snowblood.

Deutlich wird, dass es nicht nur Unterschiede darin gibt, wie Mörderinnen und Mörder wahrgenommen werden, sondern auch darin, wie sie handeln: Frauen töten – anders als Männer – fast ausschließlich in ihrem privaten Umfeld. Fast immer ist ihr Opfer der Ehemann oder Beziehungspartner, ansonsten ihre eigenen Kinder (wobei die Juristenterminologie unterscheidet zwischen „Neonatizid“ und „Infantizid“, wieder was gelernt) oder, an dritter Stelle, ihnen anvertraute Menschen wie etwa im Fall von Pflegerinnen, die ihre Patient_innen umbringen. So gut wie nie töten Frauen Fremde, oder aus Habgier, oder weil sie andere dominieren möchten. Das fast einzige Motiv tötender Frauen ist, dass sie sich aus belastenden Beziehungsstrukturen befreien möchten.

Daraus ergeben sich für mich eine Menge Fragen: Was führt Menschen dazu, Beziehungen auf so eine krasse Weise zu „beenden“? Wie sollten wir (moralisch, juristisch, soziologisch, politisch) mit diesen Fällen umgehen? Welche Strafen sind da angemessen, welche Präventionsmaßnahmen erfolgversprechend? Und – im Kontext der Fragestellung dieses Buches – wie wird das in Kulturproduktionen, in Romanen, Filmen, Opern verhandelt und beantwortet?

Leider nehmen die meisten Beiträge nicht diese Perspektive ein, sondern sind mal wieder auf den Olle-Kamellen-„Männervergleich“ fixiert. Also auf die Frage, warum Frauen so „anders“ morden als Männer. Als sei die Art und Weise, wie und warum Männer töten, irgendwie normal und also das, woran sich das weiblichen Morden bitteschön zu orientieren hätte.

Natürlich zeigen sie – Überraschung! – dass die Art und Weise, wie sie (nicht) töten den Frauen anerzogen bzw. diskursiv konstruiert ist. In Teilen des feministischen Diskurses wird offenbar von einer Vermännlichung der weiblichen Mordpraxis sogar die Weltrevolution erhofft. So lässt Thea Dorn in ihrem Roman „Die Hirnkönigin“, in dem es um eine Serienmörderin geht (der Anteil der Frauen ist bei Serienmorden noch deutlich niedriger als bei Morden insgesamt), die ermittelnde Journalistin sagen: „Eine wirklich gewalttätige Frau, eine Frau, die durch und durch skrupellos, böse ist, würde diese Gesellschaft heftiger erschüttern als alle Revolutionen.“

Really? I don’t think so. In emanzipierten Zeiten wäre das doch nur der Beweis dafür, dass seitens der Frauen keine Irritationen des Status Quo zu befürchten sind.

Nicht, dass so ein Szenario ganz chancenlos wäre. Neuere Untersuchungen lassen vermuten (hoffen? oder doch eher befürchten?) dass sich das weibliche Tötungsverhalten dem der Männer allmählich annähert: 15- bis 20-jährige Mädchen, so wird eine Studie des Deutschen Jugendinstituts zitiert, würden inzwischen ebenso häufig zu Gewalt neigen wie ihre männlichen Altersgenossen.

An der Durchschlagkraft der Emanzipation ist also nicht zu zweifeln. Aber vielleicht ist es trotzdem noch nicht ganz zu spät, auch mal die Frage zu stellen, warum eigentlich so vergleichsweise viele Männer morden und Gewaltverbrechen begehen? Ob und wie ihnen das anerzogen wird, wie wir alle gemeinsam das diskursiv konstruieren und was sich dagegen vielleicht unternehmen ließe?

Denn, ehrlich gesagt, mich wundert es nicht, dass Mörderinnen so faszinierende Gestalten sind: Frauen, die Gewalttaten verüben, verstoßen nämlich nicht nur gegen Weiblichkeitsbilder, sie verstoßen vor allem auch gegen Menschlichkeitsbilder. Genauso wie übrigens Männer, die gewalttätig werden. Der Punkt bei den Männern ist eben nur, dass sie, wenn sie anderen Gewalt antun, NICHT unbedingt gegen Männlichkeitsbilder verstoßen. Im Gegenteil, sie bestätigen damit unter Umständen ihre Männlichkeit sogar noch. Und das ist das eigentlich „Unnormale“ bei diesem ganzen Thema, wenn man so will, und außerdem ein echtes gesellschaftliches Problem.

PS. Ein Klischee stimmt übrigens nicht, dass nämlich Frauen in der Regel die Leute vergiften würden. Ihre liebste Mordwaffe ist das Messer, ein Fünftel von ihnen tötet mit bloßen Händen (Schläge, Drosseln Würgen) und ebenso viele wählen eine Schusswaffe. Von wegen Arsen und Spitzenhäubchen.

Hyunseon Lee, Isabel Maurer Queipo (Hg): Mörderinnen. Künstlerische und mediale Inszenierungen weiblicher Verbrechen. Transcript, 2013, 369 Seiten, 33,99 Euro.

 

PPS: Gerade bekomme ich von einer Leserin den Hinweis auf diese Seite, und in der Tat ist es merkwürdig, dass politische Attentäterinnen in dem Band gar nicht vorkommen, obwohl es doch eine ganze Reihe davon gibt/gegeben hat und sie auch in Kulturproduktionen bearbeitet wurden.

29 Gedanken zu „Mörderinnen

  1. „Arsen und Spitzenhäubchen“ (übrigens ein genialer Film) setzt ja sogar noch einen drauf. Denn unter einer Mörderin wird sich nahezu jeder eine jüngere Frau (ich sag‘ mal unter 40) vorstellen. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer erfolgreicher Filme, die das Klischee der „alten Frau“ gründlich auf den Kopf stellen und widerlegen. Ich nenne nur mal „Ladykillers“, die Miss-Marple-Reihe und natürlich auch „Harold and Maude“. Allerdings fällt mir kein Film außer „Arsen und Spitzenhäubchen“ ein, in dem alte Frauen zu Mörderinnen werden. Meist ist es genau umgekehrt: In vielen Filmen wird versucht, eine alte Frau durch Mord loszuwerden. Klassisches Beispiel: „Schmeiß die Mama aus dem Zug“.

    Noch etwas, was oben nicht ganz deutlich wurde. Du schriebst: „Das fast einzige Motiv tötender Frauen ist, dass sie sich aus belastenden Beziehungsstrukturen befreien möchten.“ Dazu gehören eben nicht nur die Beziehungen zu Männern (oder anderen Frauen), sondern auch die zu den eigenen Kindern! Manche sehen im Mord den einzigen Ausweg aus belastenden Beziehungen. Und die, die nicht einmal diesen Ausweg sehen, tendieren dann wahrscheinlich zum Selbstmord.

  2. Wieso sollten die Aggressionen der Frau/en von Natur aus anders angelegt sein?
    Sie sind nur Systemmäßig, kulturell wie sozial jeweils, zum „Wohle“ der Sippe/Männer/Familie/Gesellschaft, etc. reglementiert/ kontrolliert worden. Mit den „zeitgemäßen“ Sanktionen.

    Wenn Frauen das leibliche Kind/die Kinder töten, liegen meiner Ansicht nach, weitgehende Probleme in der eigenen Familie vor. Der/die jeweiligen Partner und auch die „Verantwortlichen“ der Gesellschaftsformen sind nicht in Lage/nicht Willens o f f e n die, oft aussichtslosen Gefühle auszusprechen und somit zu erkennen, wie Lösungen daraus zu finden.
    In früheren Zeiten aus Unwissenheit, heute oft – immer noch – aus Berechnung heraus, der unwissend/manipuliert gehaltenen Mehrheit gegenüber. Es fehlen immer noch adäquat ausgebildete, wie Empathie fähige Mitmenschen in den verantwortlichen Berufen. Vor allem mit guter, den Aufgaben entsprechender Bezahlung!

    Frauen, die sich Revolutionären, etc. anschlossen/-schließen oder selbst Revolution machen/machten und töten/töteten, konnten für sich keine andere Möglichkeit finden, sich auszudrücken, ihren – oft – berechtigten Aggressionen, konstruktive Umsetzungen zu geben, wie auch bei den geschichtlichen Morde/Tötungen.

    Solange auch in unserer Zeit, Frauen untereinander/miteinander wenig dazu beitragen enorme Wissenslücken in Bezug auf Partnerschaft/en/Kind/er/Familie/en/Sex, wie dergleichen zu beheben und offen auszusprechen – nicht nur in den sozialen Bereichen – werden Frauen morden/töten.

    Welche Strafen sind da angemessen, welche Präventionsmaßnahmen?

    Zu den Präventionsmaßnahmen gehört zuerst die Offenheit wie Selbstverständlichkeit mit allen Themen der privaten Bereiche, nicht nur was die Vielfalt der Sexualität anbelangt, sondern auch über die Erlernung zu Fähigkeiten eines gelungenen Alltags mit meinen Mitmenschen, Arbeitspartnern_innen, etc.. wie umfassende Hilfe für die Betroffenen, wie deren Angehörigen, bei Inhaftierung/Verwahrung der Frauen, denn die Verurteilungen wie Bestrafungen müssten ebenfalls von, mit mehr Empathie ausgebildeten Richtern_innen/Rechts-/Staatsanwälten_innen/Ärzten_innen vorgenommen werden.

    Es ist noch eine Menge zu tun – nicht nur – in Deutschland!

    Liebe Antje Schrupp, wieder einmal ein hervorragendes Thema. Wünsche ein gutes NEUES JAHR 2014 mit vielen aktuellen Themen.

  3. Interessanter Artikel.

    Bei der folgenden Aussage möchte ich allerdings vorsichtig widersprechen:

    > Frauen töten – anders als Männer – fast ausschließlich in ihrem privaten Umfeld.

    Soweit ich weiß finden Tötungsdelikte insgesamt ganz überwiegend im privaten Umfeld statt. Raubmorde (es gab im Jahr 2012 ganze 21 Raubmorde in Deutschland) und Auftragsmorde sind doch eher eine Ausnahme und eine statistische Seltenheit, so dass ich davon ausgehen würde, dass auch Männer ganz überwiegend im privaten Umfeld töten. Es mag zwar noch einen graduellen Unterschied zwischen „ganz überwiegend“ und „fast ausschließlich“ geben, ob man daraus jedoch einen wesentlichen Unterschied konstruieren kann, halte ich für zweifelhaft.

  4. Meine ehemalige Chefin hat sich recht intensiv mit dem Geschlechterverhältnis in Bezug zum Töten auseinandergesetzt. Sie sprach (und schrieb tw.) von basalen Stereotypen, die tief in die kulturelle Grundstruktur eingebettet sind. Ein zum Thema Töten besonders relevantes Stereotypenpaar seien „die Mutter“ und „der Krieger“. Frauen seien damit in unserer Kultur ganz grunlegend mit der Macht zum Leben geben assoziert und als Gegenstück dazu sind Männer mit der Macht und Fähigkeit zum Töten ausgestattet. Ihre Analysen des Tötens ergaben, dass Frauen in Institutionen des Tötens, z.B. im Militär oder im Schlachthaus, an allen möglichen Prozessen (meist begleitend oder dienend) beteiligt seien, nur vom aktiven Tötungsprozess seien sie ausgeschlossen. Der große Wiederstand Frauen in der Bundeswehr den Dienst an der Waffe zu erlauben, ist ein Hinweis auf die Tabuisierung des weiblichen Tötens.
    Zum Motiv, dass sich Frauen durch Mord meist aus belastenden Beziehungen befreien, passt auch die uralte Untersuchung von Emile Durkheim zum Suizid. Er fand heraus, dass der große Anteil weiblicher Suizide eben jenes Motiv hatten.
    Ich habe mal eine Untersuchung gelesen, wo anhand der Analyse von Polizeiakten eruiert wurde, dass viele weibliche Mörderinnen ihrer Partner angaben, der Auslöser für die Tat sei gewesen, dass der Partner ihr Heimtier getötet habe. Das habe ihnen gezeigt, dass sie in ernster Gefahr seien und dass der Partner seine regelmäßigen Morddrohungen bald wahr machen werde. In der Tat scheint es einige Evidenz zu geben, dass Männer, die ihre Partnerin töten, zuvor nicht selten zuerst das Heimtier töten. (Insgesamt gesehen haben Metaanalysen ergeben, gibt es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Tiere und gegen Menschen. Ein Tierquäler kann also ohne weiteres für Menschen völlig ungefährlich sein und umgekehrt.)

  5. @Kristian – Ja, das mit dem „privaten Umfeld“ war missverständlich, ich hätte eher „im intimen Umfeld“ schreiben müssen. Frauen töten fast ausschließlich Beziehungspartner und Kinder, plus Pflegeanvertraute, während das „private Umfeld“ der Männer noch etwas breiter aufgestellt ist, also auch Freunde, Bekannte, Kollegen, Geschwister, Konkurrenten, Eltern usw. umfasst. Dass Männer gänzlich Fremde töten, ist auch eher selten, das stimmt.

  6. Irene – Was in Ihrem Artikel nicht erwähnt wurde, ist, dass Mörderinnen stärker bestraft werden als Mörder. Wäre vielleicht mal interessant, darüber zu schreiben.

  7. ja, schon ein spannendes Thema
    „Das fast einzige Motiv tötender Frauen ist, dass sie sich aus belastenden Beziehungsstrukturen befreien möchten.“
    interessant ist dabei die Frage, warum die Mörderinnen aber nun gemordet haben? Es gibt ja sehr viele Menschen (Männer wie Frauen) in Beziehungen, die sie belastend finden. Trotzdem töten die Wenigsten. Warum also gerade ein Mord? Man kann sich ja auch scheiden lassen, Kinder weggeben usw.. Sind diese Alternativen für die Täterinnen nicht sichtbar gewesen? Erschienen sie den Täterinnen unerträglich/ nicht umsetzbar?

    „Der Punkt bei den Männern ist eben nur, dass sie, wenn sie anderen Gewalt antun, NICHT unbedingt gegen Männlichkeitsbilder verstoßen. Im Gegenteil, sie bestätigen damit unter Umständen ihre Männlichkeit sogar noch.“
    Das hängt glaube ich sehr stark davon ab, gegen wen Gewalt ausgeübt wurde. Soweit ich weiß genießen Gewalttäter im Gefängnis hohes Ansehen unter den Mithäftlingen, wenn sich die Gewalt gegen Stärkere richtete, z. B. die Polizei, eine andere Gang usw. Umgekehrt werden solche Gewalttäter verachtet, die sich an Schwächeren vergreifen, z. B. Frauen und Kinder. Andererseits ist ja gerade im Gefängnis Gewalt ein häufiges Mittel, das zur Machtdemonstration benutzt wird, also scheint es doch einen Zusammenhang zwischen Männlichkeitsbildern und Gewalt zu geben (vorrausgesetzt, man sieht bestimmte Zustände in Gefängnissen als Ausdruck von Männlichkeit, was ja auch nicht unbedingt so sein muss)

    „Neuere Untersuchungen lassen vermuten (hoffen? oder doch eher befürchten?) dass sich das weibliche Tötungsverhalten dem der Männer allmählich annähert: […]
    An der Durchschlagkraft der Emanzipation ist also nicht zu zweifeln.“
    dieser Zusammenhang, der (an vielen Stellen) zwischen Emanzipation und weiblicher Kriminalität gezogen wird, ist aus meiner Sicht zweifelhaft, weil damit oft gesagt wird, dass sich weibliches Verhalten dem männlichen angleiche. Gewalt ist aber kein männliches Verhalten. Zwar sind die meisten Gewalttäter Männer. Aber die wenigsten Männer sind Gewalttäter. Wie kann etwas „typisch männlich“ sein, was auf 99% der Männer gar nicht zutrifft?

    „Ein Klischee stimmt übrigens nicht, dass nämlich Frauen in der Regel die Leute vergiften würden. Ihre liebste Mordwaffe ist das Messer, ein Fünftel von ihnen tötet mit bloßen Händen (Schläge, Drosseln Würgen) und ebenso viele wählen eine Schusswaffe.“
    wurde auch geschrieben, wie diese Waffen von Frauen verwendet werden? Das Klischee lautet ja „Frauen morden heimtückisch“. , wobei der Giftmord nur eine Variante davon ist. Heimtückisch wäre es ja auch, wenn ich jemanden im Schlaf ersteche..

    „Was in Ihrem Artikel nicht erwähnt wurde, ist, dass Mörderinnen stärker bestraft werden als Mörder.“
    das kann eigentlich zumindest in dieser Formulierung gar nicht sein, weil es für Mord immer nur eine Strafe gibt: lebenslänglich. Haben Sie vielleicht noch die Quelle dieser These?

  8. wir müssten uns glaube ich darüber verständigen, ob wir hier mit Mord sämtliche Varianten der absichtlichen Tötung meinen oder zwischen Mord und Totschlag differenzieren. Dann würde eine Diskussion über ein mögliches unterschiedliches Strafmaß auch Sinn ergeben.

  9. Wie sieht es denn mit Beate Tschäpe aus? Das ist doch mal ein interessantes und aktuelles Beispiel für die mediale Inszenierung einer Mörderin. Ein großer Teil der Faszination, die Tschäpe offenbar auf viele Leute ausübt (Faszination und Schrecken wie so oft in inniger Verbindung und mit einer gehörigen Ladung erotischem Subtext) besteht ja gerade darin, dass es sich hier um eine Frau handelt, der man so etwas wie eine autonome Gewalttätigkeit unterstellen muss. Also genau die Art von Gewalttätigkeit, die das dominante Genderstereotyp exklusiv den Männern zuschreibt. Auch wenn sie nur allmählich und bruchstückhaft zu Tage gefördert wird – bis jetzt lässt die Geschichte der NSU-Morde eine Deutung Tschäpes als „tötender Frau, die sich aus belastenden Beziehungsstrukturen befreien will“ kaum zu. Die mediale Attraktion dieser Figur scheint eben gerade im schillernden Schwanken zwischen adretter Frisur und betont weiblich codiertem Styling bei den Gerichtsterminen einerseits und der männlich codierten ‚kaltblütigen‘ Gewalttätigkeit an den Tatorten andererseits zu bestehen.

  10. @Susanne – Ja, das stimmt, das ist ein gutes Beispiel. Wie gesagt, es ist schade, dass „politische“ Mörderinnen in dem Buch gar nicht vorkommen, aber sie hätten definitiv ein eigenes Kapitel verdient. Am Beispiel der RAF hatten wir das ja auch schon mal.

  11. @Antje – ja die RAF-Frauen sind auch so dargestellt worden. Besonders Gudrun Ensslin. Es gibt dazu einen spannenden Aufsatz von Claire Bielby über die Darstellung von Terroristinnen in den Medien, besonders im Spiegel. („The Hard Body of the Violent Terrorist Woman,“ in Hard Bodies, Berlin/Wien: Lit-Verlag 2011, 178-196.)

    Bielby zeigt darin, wie die medialen Bilder eine (sicher auflagensteigernde ) Skandalisierung der Frauenkörper erzielen, indem sie das Stereotyp der Leben spendenden Mutter direkt mit der ‚undenkbaren‘ (weil nicht sein kann, was nicht sein darf) Idee der skrupellos tötenden Mörderin verknüpfen. Der Gipfel ist eine Fotografie, die eine Frau mit einer vor den Bauch geschnallten Bombenattrappe zeigt. Dabei ist wichtig, dass es sich um eine Attrappe handelt – so kann man die weibliche Gewaltbereitschaft nämlich auch noch prima als Penisneid bagatellisieren.

    Andere Strategien sind die Pornographisierung und Infantilisierung der Terroristinnen. Die Botschaft ist hier ganz klar: Auch Frauen, die töten, werden immer nur durch ihr Verhältnis zur hegemonialen symbolischen Ordnung definiert.

  12. @Antje – “Der Punkt bei den Männern ist eben nur, dass sie, wenn sie anderen Gewalt antun, NICHT unbedingt gegen Männlichkeitsbilder verstoßen. Im Gegenteil, sie bestätigen damit unter Umständen ihre Männlichkeit sogar noch. Und das ist das eigentlich „Unnormale“ bei diesem ganzen Thema, wenn man so will, und außerdem ein echtes gesellschaftliches Problem.”

    Die Konstruktion von Männlichkeit durch Gewaltausübung hat wohl seine Wurzeln mit im Militär und Soldatentum, welches in der Vergangenheit hohe gesellschaftliche Anerkennung genoss.
    Töten/Morden galten (und gelten) als ‘legitimes Mittel zur Feindbeseitigung’, und wurde mit Auszeichnungen belohnt.

    Durch die ‘68er Rebellion’, Frauen- u. Friedensbewegung, in deren Folge sich auch Kriegsdienstverweigerungs-Verfahren u. sog. Ersatzdienste etablierten sind solche Männlichkeits(vor)bilder für viele Männer nicht mehr attraktiv.
    Seit 2001 stehen nun alle militärischen Laufbahnen in den deutschen Streitkräften für Frauen offen. Das ist im Zuge der sog. Gleichstellungspolitik folgerichtig, für mich aber kein Ausdruck von Emanzipation, wenn Frauen nun auch von Berufs wegen legal töten und Männer und Frauen jetzt ‘gleichberechtigt sterben‘ dürfen.

    Dass der Ansehens- und Statusverlust des Militärs mit Frauen als Soldatinnen (und aktuell mit einer Verteidigungsministerin) wett gemacht werden soll um die Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft zu fördern und Frauen (wie Männer ) sich über diesen ‘Karriereweg’ aufgewertet und geschmeichelt fühlen, erfüllt mich mit Schrecken. Ob Tucholsky seinen umstrittenen Satz heute auch auf Frauen übertragen würde: “Soldat_innen sind Mörder_innen” oder ob er davon ausginge, dass Frauen Militär und Kriegshandwerk humanisierten?

  13. @Wilhelm Will Helm: Frauen werden tatsächlich für Tötungsdelikte härter bestraft. Warum? Weil die aktuell juristisch gültige Definition von Mord (die übrigens immer noch aus der NS Zeit stammt) immer noch die sog. „niederen Beweggründe“ einschließt, wie Habgier oder eben Heimtücke. In der Praxis sieht das dann so aus: Ein körperlich überlegener und brutaler Mann erschlägt seine Frau? =Totschlag (max. 10 Jahre). Die gleiche Frau tötet verzweifelt ihren Peiniger? =vermutlich Mord, weil sie ihn wohl nur überwältigen kann, wenn er hilflos ist (z.B. schläft). Das gilt dann als heimtückisch und damit als Mord

    Viele Grüße
    Georg

  14. @rano64
    ok, in dem ursprünglichen Post kam es so rüber, als ob Frauen für dieselbe Tat schwerer bestraft würden als Männer und das ist ja nicht der Fall. Auch ein heimtückisch tötender Mann würde wegen Mordes einfahren. Dass Frauen aufgrund körperlicher Unterlegenheit zu Heimtücke greifen und deshalb wegen Mordes und nicht Totschlag verurteilt werden, sehe ich ehrlich gesagt nicht als gravierendes Unrecht an. Die Frage, die sich MörderInnen hätten stellen müssen, war nicht, wie sie das Opfer auf andere Weise hätten umbringen können, sondern wie sie eine Lösung hätten finden können, ohne jemanden zu töten. Insofern ist es egal, ob der Täterin die Tötung nur mittels Heimtücke möglich war. Sie hätte ihn ja nicht umbringen müssen, sondern könnte sich auch trennen.

    Bei anderen Straftaten kann ich ja auch nicht mit meinen geringen körperlichen Fähigkeiten argumentieren. Wenn ich in massiver Geldnot bin (beispielsweise wegen einer Drogenabhängigkeit) und zu ungeschickt für einen Taschendiebstahl wäre, müsste ich das Opfer vielleicht mit einer Waffe bedrohen, um an das Geld zu gelangen. Dann kann ich ja auch nicht sagen, dass ich wegen eines normalen Diebstahls verurteilt werden möchte, weil ich ja nichts dafür kann, so grobmotorisch zu sein.

    Mir ist natürlich auch klar, dass das sehr theoretisch ist. Die Täterinnen in diesen sog. „Haustyrannenfällen“ haben oft jahrelang größtes Unrecht erlebt und sind sehr verzweifelt und sahen – warum auch immer – keinen anderen Ausweg. Der Mord ist natürlich nicht zu rechtfertigen, aber menschlich nachvollziehbar schon. Insofern sehe ich den Automatismus Heimtücke – lebenslänglich auch kritisch. Andererseits hat die Rechtsprechung für solche Fälle durchaus Möglichkeiten entwickelt, sofern diese im Einzelfall angemessen erscheinen (sog. „Rechtsfolgenlösung“). Grundsätzlich finde ich es aber richtig, dass Heimtücke zu schweren Strafen führt, denn diese Vorgehensweise ist für das wehrlose (weil arglose) Opfer besonders gefährlich ist und erfordert deshalb m. M. n. auch mehr Abschreckung.

  15. wie so oft gefällt mir sehr gut, wie hier diskutiert wird. vielen dank auch für den hinweis und die sicht auf das buch.

    seitdem ich vor jahren mal etwas schlimmes erlebt habe, was langwierig juristisch aufgearbeitet werden musste, gruselt mir bei solchen geschichten nicht mehr nur vor den taten und den menschen, die sie begehen, sondern auch vor der leichtigkeit des redens darüber.

    ich glaube nicht an einen unterschied zwischen inszenierung bzw. konstruktion und ihrer analyse. bis auf die haltung des analysierenden menschen zu seiner tätigkeit sehe ich da oft das selbe.

    warum der hinweis? einfach um zu zeigen, in welchen räumen solche diskussionen stattfinden. da lebt mehr stilles leid als den umsichtigsten bewusst sein kann. und damit meine ich jetzt nicht, dass einzelne vergessen werden. da fehlen dimensionen.

    ich beneide jede einzelne von ihnen um ihre mutige meinungsfreude. verlieren sie sie nicht, aber bitte schauen sie, wo sie hintreten. der schmerz wird gewiss heruntergeschluckt.

    .~.

  16. … die mordende Frau bzw. Totschlägerin ist doch das Endergebnis von vielen voran gegangenen Impulsen und Prozessen. Die Umstände einer Tat werden letztendlich nicht wirklich gewertet. Eine Frau und Mutter, die ihr eigenes Kind umbringt (aktiv oder passiv), versucht sich, wie oben angeführt, aus dieser (mit drückender Verantwortung verknüpften) ‚Beziehung‘ zu lösen. Allerdings sagt so eine Tat doch immer noch weniger über die Person aus, als vor allem über das soziale Umfeld in dem sie lebt. Jede Art von Gräuel, auch die von Männern verübte, ist ein Indikator für die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse.
    Der Mörder bzw. die Mörderin genießt in unserer Kultur eine Art anerkannte Akzeptanz. Was nicht heißt, dass die Taten akzeptiert werden, sondern die Existenz von Mordenden gehören fast unhinterfragt zu unserem Gesellschaftsbild. Gewalttaten werden wie ein nicht zu stoppendes Naturereignis aufgefasst und nicht prinzipiell geächtet. Im Gegenteil mir drängt sich der Eindruck auf, dass noch nie so viel gemordet wie heutzutage – in der Literatur, in jeder erdenklichen Form der aktuellen Medien – virtuell ist der Mord chic.
    Natürlich nicht nur der Mord an sich, sondern jede andere Form der Gewalt oder die meist in Materialschlachten mit Kollateralschäden ausartende Action. Wir nennen es Unterhaltung. Die mordende und gewalttätige Frau hat hier fast bereits die anteilige Gleichberechtigung erreicht, die ihr in der realen Gesellschaft noch „fehlt“.

  17. Man tut so, als ob es niemals eine Margret Thatcher (eine Mörderin und Verbrecherin), eine Condoleeza Rice(eine noch größere) oder eine Lynndie England (was die tat, könnte ein Mann niemals tun) gegeben hätte.
    Außerdem soll man in diesem Zusammenhang durchaus erwähnen, daß ein gewisser Adolf Hitler mehrheitlich von Frauen gewählt wurde und das Abscheulichste, das die Menscheit hervorbrachte, weibliche KZ-Aufseherinnen waren.

  18. @Stephanie
    „Die Umstände einer Tat werden letztendlich nicht wirklich gewertet. Eine Frau und Mutter, die ihr eigenes Kind umbringt (aktiv oder passiv), versucht sich, wie oben angeführt, aus dieser (mit drückender Verantwortung verknüpften) ‘Beziehung’ zu lösen. Allerdings sagt so eine Tat doch immer noch weniger über die Person aus, als vor allem über das soziale Umfeld in dem sie lebt.“

    Also gerichtlich werden die Umstände hoffentlich schon gewertet, denn die genauen Verhältnisse und Motive können den Unterschied zwischen Totschlag und Mord ausmachen, wie z. B. Folgendes zeigt (Zitat Wikipedia) „Eifersucht ist als niedriger Beweggrund zu betrachten, wenn der Täter nach seinen Beziehungen zu der ,geliebten‘ Person und nach den konkreten Lebensumständen keinen menschlich begreiflichen Anlass“ zu seiner maßlosen Eifersucht hatte und sein Handeln vielmehr durch [krasse] Eigensucht und [hemmungslose] Triebhaftigkeit“ getrieben wurde“.
    Oder siehe auch den minder schweren Fall des Totschlags: http://dejure.org/gesetze/StGB/213.html
    Beziehungen und subjektive Elemente rund um die Tat spielen im Strafrecht eine viel viel größere Rolle, als man gemeinhin vermuten würde.

    Die medialen Darstellungen sind da wesentlich platter, aber auch bei männlichen Tätern. Ich denke, die Medien haben gerne Stereotypen, weil diese für das Publikum leicht verdaulich sind. Wäre ja auch blöd, wenn man sich anstrengen müsste um Mordmotive zu verstehen und am Ende gar zu dem Schluss käme, dass die Tat in der speziellen Situation der Täterin/ des Täters nachvollziehbar ist. Auch das gibt es nämlich.

  19. Natürlich wird „die Tat“ vor einem Gericht bewertet, schließlich soll sie ja auch im Rahmen der gängigen Parameter, die unsere Vorstellungen von Recht und Unrecht umfassen, geahndet werden. Und heutzutage werden auch schon mildernd die Umstände betrachtet, die zu einer Tat führten. Belangt wird der aktive Täter. (Die passiven „Täter“, die diese Taten zugelassen haben und die den Normalanteil unserer Gesellschaft bilden, werden in unserem Rechtssystem eher nicht erfasst.) Eine verurteilte TäterIn, wird (vorübergehend) aus dem gesellschaftlichen Umfeld entfernt und auf die eventuelle Frage nach dem ‚Warum‘ gibt es kaum eine nachhaltige Antwort
    Unser Rechtssystem ist imhoi ein Teil des Problem, da es auch Gewalt ausübt. Ich weiß, dass wird nicht gern gehört. Aber so ist es nun mal, es ist der berühmte Teufelskreis – Gewalt, die einen Mensch verübt, um sich aus einem unerträglich scheinenden Lebensumstand zu befreien, wird selbstverständlich durch die Gewalt der entsprechenden Legislative und Exekutive gemaßregelt und bestraft.
    Das Rechtssystem greift nach Vollendung einer Straftat und es gibt keine wirkliche gesellschaftskulturelle Prävention. So kennen wir es und so ist es allgemein akzeptiert.
    Diese Akzeptanz wird nahezu überall gepflegt und zelebriert. Es ist zwar furchtbar, was alles so passieren kann, aber wir sind nicht nur alle darauf konditioniert damit zu leben, sondern ein jeder beteiligt sich mehr oder minder an der wunderbaren Welt des Grusels und der Verruchtheit. Unsere Fernsehkultur u.ä. ist durchzogen von familienfreundlich aufbereiteter Gewalt. Krimivorabendserien schießen wie Pilze aus dem Boden, zum Teil humorig unterlegt, so dass das Grauen eines Mordes uns nicht zu sehr belastet. Die Drehbuchschreiber präsentiert uns ohne Unterlass die hemmungslos mordende, totschlagende, betrügende und tricksende Täterin. Aus Beziehungsdramen und den subjektiven oder wirtschaftlichen Elementen eines (konstruierten) Fall wird ein netter Krimi gestrickt und am Ende wird gefühlte 90% mal eine Totschlägerin oder Mörderin überführt. Die virtuelle Welt produziert vermutlich hierzulande weitaus mehr schwere Straftaten, als es sie in der realen Welt tatsächlich gibt.
    „Mörderinnen faszinieren, denn sie verstoßen nicht nur gegen die Moral und die Gesetze, sondern auch gegen Weiblichkeitsnormen…“ – ist es also tatsächlich nur eine Faszination, die ja bekanntermaßen gern in dem Satz gipfelt: „Frauen sind auch nicht die besseren Menschen!“ oder lenkt diese Art des Umgangs mit der tatsächlich straffällig werdenden Frau von anderen gesellschaftlichen Kriterien ab?
    Noch ein Wort zur Mordwaffe. Auch eine Frau greift (ob virtuell oder real) zu einem vertrauten Gegenstand – Messer liegen in ihrer Reichweite vermutlich ständig herum – und wieviele Frauen haben wohl eine Pistole im Schublädchen? Und wenn sie schießen, wie oft ist es ihre eigene Waffe? Die „mordende Durchschnittsfrau“ wird auch nicht zu Gift greifen, da ihre Schulkenntnisse in der Regel (hoffe ich) nicht dazu ausreichen und die Bezugsquellen auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt sind.

  20. Stephanie ich möchte dir zustimmen, für mich ist das übergeordnete Thema die „Gewalt an sich“ egal von wem letztlich verübt, von Frauen oder Männern, natürlich lässt sich trefflich über die Unterschiede zwischen Frauen und Männern spekulieren, letztlich geht es um die Gewalt, die dann letztlich zur Tötung führt. Für mich sind die „Ursachen“ einerseits das erlernte Verhalten, die gesellschaftlichen Bedingungen(Arm und Reich, Gier etc.), erlittene Gewalt und natürlich die staatliche Form der Gewalt und Tötung, die sich im Militär ausdrückt. Darüber hinaus gilt aber auch das Prinzip von Freiheit und Verantwortung. Ich kann entscheiden, ob ich ein Mörder oder Schulbusfahrer werden will.
    Übrigens ist auch unsere Sprache voll von Gewaltmetaphern. Wir „kämpfen“ für den Frieden, für die Umwelt, etc. Wir leben unser Leben, als ob all unsere Handlungen den Einsatz von Gewalt erfordern(Humberto Maturana)

  21. @Stephanie
    „(Die passiven „Täter“, die diese Taten zugelassen haben und die den Normalanteil unserer Gesellschaft bilden, werden in unserem Rechtssystem eher nicht erfasst.) Eine verurteilte TäterIn, wird (vorübergehend) aus dem gesellschaftlichen Umfeld entfernt und auf die eventuelle Frage nach dem ‘Warum’ gibt es kaum eine nachhaltige Antwort“
    Also gerade bei Tötungsdelikten wird die Vorgeschichte nach dem was ich so höre sehr gründlich aufgearbeitet. Was meinst du mit „passiven Tätern, die den Normalanteil bilden“? (also auch Leute wie Du und ich). Ich höre das oft, gerade aus feministischer Richtung, kann mir darunter aber nichts vorstellen. Hast du vielleicht ein Beispiel?

    „Unser Rechtssystem ist imhoi ein Teil des Problem, da es auch Gewalt ausübt. Ich weiß, dass wird nicht gern gehört. Aber so ist es nun mal, es ist der berühmte Teufelskreis – Gewalt, die einen Mensch verübt, um sich aus einem unerträglich scheinenden Lebensumstand zu befreien, wird selbstverständlich durch die Gewalt der entsprechenden Legislative und Exekutive gemaßregelt und bestraft.“
    Zunächst einmal sollten wir nicht alle Taten vorschnell als Befreiungsschläge bezeichnen und somit relativieren. Auch in solchen Fällen, in denen sich jemand befreien möchte, ist ja irgendwo im Denken der TäterIn ein Element, das dazu führt, dass sie ihre Bedürfnisse über das Leben eines anderen Menschen stellt.
    Und daneben gibt es natürlich auch TäterInnen, die schlicht und ergreifend aus egoistischen Motiven handeln. Zum Beispiel Geldgier oder auch Bequemlichkeit (so eine Scheidung ist doch sehr stressig. Da heuert man/frau auch schon mal lieber einen Auftragskiller an, um „das Problem“ zu beseitigen“). Das mit der Gewalt, ich glaube, da sind wir einfach unterschiedlicher Meinung. Ich sehe das nicht problematisch und finde, wer einen anderen Menschen tötet, hat es verdient, zu leiden. Das Recht begrenzt und regelt dieses Leiden und ist stets an die Würde des Menschen aus Art. 1 GG gebunden und insofern nicht mit „normaler“ Gewalt vergleichbar, die ja gerade auf die Verletzung dieser Würde abzielt.

    „Es ist zwar furchtbar, was alles so passieren kann, aber wir sind nicht nur alle darauf konditioniert damit zu leben, sondern ein jeder beteiligt sich mehr oder minder an der wunderbaren Welt des Grusels und der Verruchtheit. Unsere Fernsehkultur u.ä. ist durchzogen von familienfreundlich aufbereiteter Gewalt.“
    Woher diese Faszination (die auch mich zuweilen betrifft) kommt, weiß ich auch nicht so genau. Es gibt Leute die sagen, es hinge damit zusammen, dass wir Angst vor Gewalt und Kriminalität haben und uns deshalb damit beschäftigen wollen. Um es zu verstehen und durchschauen zu können. Freilich wollen wir das auf eine Art tun, die uns nicht ängstigt und so greifen wir zur Unterhaltungsindustrie.
    Dazu kommt, finde ich noch, dass Morde oft vorkommen, wenn die emotionalen Verstrickungen besonders heftig sind und irgendeine Grenze bei der Täterin/dem Täter erreicht ist. Es geht also oft auch um die Frage, wie viel der Mensch ertragen kann im Bereich Beruf, Beziehung, Freundschaft. Dabei geht es natürlich nicht nur um offensichtliche Ungerechtigkeiten durch andere Menschen (was die tötende Person ja leider immer indirekt entlastet), sondern auch um verzerrte Weltbilder, Schicksalsschläge und vieles mehr.

  22. @Wilhelm Will Helm – „Woher diese Faszination (die auch mich zuweilen betrifft) kommt, weiß ich auch nicht so genau.“ – Neige da zur tiefenpsychologischen Deutung, womit ich meine, dass z.B. ‚das sich schön gruseln‘ vor dem Bildschirm einem einerseits die eigenen Mordpotentiale (nicht immer bewusst) widerspiegelt und gleichzeitig die Projektion nach Außen Entlastung verschaffen kann. Schließlich bin nicht ich es, die da Mordstaten begeht, sondern die/der/das Fremde. Umso notwendiger sich des ‚Fremden in mir‘
    bewusst anzunähern. Leider lenkt eine reißerische Medienaufmachung eher davon ab.

  23. Weltweit gesehen werden und wurden schon immer junge Männer zum Töten ausgebildet und die Jungs bekommen Spielzeugwaffen.

    Wenn Frauen ihren Mann töten kann es auch durchaus wegen Habgier sein. Ich denke das physische Gewalt, gerade Mord, fuer Frauen nicht so leicht in Frage kommt weil sie es einfach nicht gelernt haben und weniger zu ihrem Leben gehoert.

    Fast jeder Mann auf der Welt ist an Waffen ausgebildet worden, das sollte man auch nicht vergessen.

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