Zahlen zum Genderdingens

So, da gab es also wieder Zahlen zum Genderdingens und aus diesem Anlass schreibt jemand in der Zeit:

„Nach der Geschlechterrolle befragt, die sie am ehesten beschreibt, gaben darin 3,3 Prozent der deutschen Bevölkerung an, entweder ein anderes Geschlecht zu haben als bei ihrer Geburt zugewiesen oder sich schlicht nicht als weiblich oder männlich zu definieren. Das heißt: Knapp 2,5 Millionen Deutsche haben keine Lust, sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen zu lassen.“

Daher hier an dieser Stelle mal fürs Protokoll: Auch Cis-Personen haben in der Regel „keine Lust, sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen zu lassen“.

Habe ich schon gesagt, wie sehr ich die Dümmlichkeit so vieler Texte aus dem deutschen Lifestylefeuilleton zu feministischen Themen hasse?

(Im Zeit-Magazin muss dazu noch ein schlimmerer Text erschienen sein, wenn Hengameh recht hat. Zum Glück hinter einer Paywall, sodass ich ihn nicht lesen muss).

10 Gedanken zu „Zahlen zum Genderdingens

  1. Gibt es irgendwo einen Link zu dieser Studie? Die Zahlen stehen im krassen Widerspruch zu anderen Schätzungen des Anteils an Transpersonen.

    Ich vermute stark, dass die Frage sehr schwammig formuliert war oder aber von der Zeit-Autorin massiv fehlinterpretiert wurde.

  2. @Cero – Ich könnte mir denken, dass es in der Zeit-Umfrage nicht nur um „echte“ Transsexuelle_transgender ging, sondern generell um die Plausibilität von Geschlechterrollen. Es gibt ja vielleicht auch Frauen, die sagen „Ich fühle mich eigentlich eher wie ein Mann“, obwohl sie nicht trans sind. Die wären wohl hier ebenfalls gemeint. Das Ganze ist aber tatsächlich etwas konfus angelegt, finde ich auch.

  3. Was ist denn an diesem Zitat dümmlich? Bitte mehr Argument als Pöbelei.

  4. @kerstin lueck – Was an dem Zitat dümmlich ist, steht ja in dem Blogpost. Ich kann es aber gerne auch noch einmal hier hin schreiben: Es ist Unsinn, anzunehmen, dass das Durchbrechen von geschlechterspezifischem Rollendruck in einer Korrelation zu Trans und Cis steht, also zu vermuten, dass Transpersonen mehr Geschlechtsrollenklischees hinterfragen als Cispersonen. Ebenso wie Cispersonen sich den Rollenerwartungen an ihr GEschlecht anpassen oder verweigern können, können (und tun) das Transpersonen.

    Deshalb ist es hochgradiger Bullshit zu schreiben: „Knapp 2,5 Millionen Deutsche haben keine Lust, sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen zu lassen.“ und diese 2,5 Mio mit Trans oder Non-Binary-Personen zu identifizieren. Die Anzahl von Trans- und Non-Binary lässt keinen Rückschluss auf die Zahl derer Zu, die „sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen nicht in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen lassen“.

    Aber diesen oberflächlichen und undurchdachten Zusammenhang herzustellen entspricht natürlich einem weitverbreiteten Klischee im Mainstream, der an dem Thema uninteressiert ist. Dümmlich finde ich es, wenn Journalistinnen solche Klischees einfach nachplappern, anstatt ihr Publikum sachkundig aufzuklären. Um beim Thema feministischer Theorie sachkundig zu sein, muss man halt schon ein bisschen Interesse und Zeit und Mühe aufwenden anstatt nur einfach irgendwas zu „meinen“.

  5. Hallo, ich habe den ZEIT-Artikel, über den Hengameh schreibt, gelesen. Lang und zäh und nichts Neues darin: Wenn eine (angebliche) Minderheit Anerkennung wünscht, soll sie doch bitteschön eine politisch korrekte, höfliche, vorsichtige und nicht-verletzende Debatte führen, niemals die Geduld verlieren oder sogar absichtlich provozieren, sonst KANN man das ja nicht ernst nehmen.
    Das Schlimmste für mich ist jedoch die Behauptung, ohne eindeutige Geschlechts-Identität oder -zuschreibung lebe mensch in einem „Niemandsland“.

    Niemand.

  6. @Niemanda schreibt: 21. Juni 2017 um 17:45

    Doch ist jemand „da“: Ich begrüsse diese Position:
    NIEMALS lebt ein MENSCH in einem Niemandsland, auch nicht ohne eindeutige Geschlechts-Identität.
    Das sind Hirngespinste von Semiwissenschaftlern, die dabei sind, sich von ihrem eigenen Gegenstand Mensch sehr weit zu entfernen.
    Kein Mensch lebt je in einem Niemandsland, es sei denn, man redet ihn dorthinein …

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