Abtreibungen als öffentliches moralisches Gut

Sophie Lewis wieder mal großartig an der Front der Debatten über eine Ethik des Schwangerwerdenkönnens!

„Das erzwungene Gebären lässt sich meiner Meinung nach am besten als die physiologisch invasivste Form des Zwangs zur Care-Arbeit verstehen. …

Zu leugnen, dass eine Abtreibung etwas Lebendiges tötet, gibt den Befürworter*innen erzwungener Schwangerschaften nur Boden unter den Füßen und zwingt Abtreibungsbefürworter*innen zu bizarren Verrenkungen aus Euphemismus, Entschuldigung und Selbstsabotage. Abtreibung tötet, aber im Gegensatz zu den allermeisten Formen des Tötens ist sie eine unverzichtbare Technologie für die kollektiven Gestaltung des guten Lebens.

Im Gegensatz zur großen Mehrheit der Tötungen sind Abtreibungen, ebenso wie Antibiotika, ein öffentliches moralisches Gut. Wenn der Humanismus diese zentrale, banale Realität der jahrtausendealten Praktiken unserer Spezies nicht berücksichtigen kann, dann müssen Schwangerschaftskommunist*innen mit dem Humanismus brechen….

Ich bitte darum, dass unsere kollektive Vorstellungskraft in den kommenden Jahren ein wenig Zeit darauf verwendet, darüber zu spekulieren, was – neben dem Recht, private Entscheidungen über die Schwangerschaft zu treffen, oder dem Recht auf medizinische Versorgung – Schwangere fordern könnten. Welche Freiheiten könnten Schwangere gemeinsam artikulieren und in Anspruch nehmen?

Lasst uns zusammen mit unseren nicht-weiblichen Cyborg-Holobionten-Genoss*innen vorsichtig lernen, die produktiven und auch antiproduktiven (sogar destruktiven!), liebenden und gewalttätigen, weltschaffenden und -verhindernden, amniotechnischen Kräfte der Anthrogenese zu nutzen, die nicht mit der Schwangerschaft enden, sondern sich auf das gesamte Netz des Lebens erstrecken.

Der Horizont der freien Anthrogenese ruft uns auf, das Leben bewusst herzustellen, einige Körper zu schaffen und für sie zu sorgen, während wir andere durch Sorgeentzug bewusst verunmöglichen. Wir sollten lernen, die Schönheit und die Kraft des Neins von Schwangeren zu feiern, ohne auf medizinische Gründe, Zwangslagen oder andere besondere Begründungen zurückzugreifen. Die Anti-Arbeit-Anthrogenese deromantisiert die Sorgearbeit und denaturalisiert das Menschliche, indem sie Solidarität praktiziert: Sie rechtfertigt den Entzug der Arbeitskraft von Schwangeren, egal aus welchem Grund – und auch ganz ohne Begründung.“

Ich bin Journalistin und Politologin, Jahrgang 1964, und lebe in Frankfurt am Main.

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