Provokation und Skandal

So dargestellt zu werden, muss man erst mal aushalten: In dieser Karikatur wird Victoria Woodhull wegen ihres Eintretens für freie Liebe als "Mrs. Satan" gezeichnet.

Aus Anlass all der Millionen Jahresrückblicke, bei dem meines Wissens nicht einer ohne den Sarrazin auskam, habe ich ein paar Tage lang über den Unterschied oder das Verhältnis von Skandal und Provokation nachgedacht. Ausgangspunkt war ein Tweet, den ich am 6. Januar nach einer spontanen Eingebung rausgeschickt hatte: „These: Skandal ist gut, Provokation ist schlecht. #geistesblitz“

Wie komme ich darauf? Beides, Skandal wie Provokation, sind quasi „Stilmittel“ des politischen Handelns, und zwar solche, die außerhalb der formalisierten Institutionenpolitik von Parteien, Parlamenten, Ausschüssen und Wahlen stattfinden. Sie bringen die „öffentliche Meinung“ mit ins Spiel, den ungeregelten Diskurs, die Schlagzeilen, die Aufregung, die Emotionen, das „Unsachliche“. Und es gibt eine Seite daran, die mir gut gefällt – eben das Ungeregelte, das Unvorhersehbare, und vor allem dass hier oft Akteure oder Akteurinnen eine Rolle spielen können, die keinen Posten haben, die nicht ihren Standort in der Hierarchie haben und also „von Amts wegen“ eigentlich gar nicht dazu befugt sind, etwas zu bewegen. Doch wie die Sarrazin-Epsiode gezeigt hat, gibt es auch negative Aspekte dabei: Den Populismus, das Instrumentelle, die Bildzeitung.

Mich interessiert das Thema schon länger, weil Skandale ja gerade in der Politik der Frauen eine große Rolle spielen oder zumindest gespielt haben (seit der Emanzipation ist die ganze Angelegenheit ein bisschen braver geworden). Denken wir nur an die „Wir haben abgetrieben“-Aktion. Oder an noch früher: Die Frauen, die Hosen anzogen und rauchten, als sich das für Frauen noch nicht gehörte. Ich habe mich speziell mit Victoria Woodhull beschäftigt, einer amerikanischen Aktivistin des 19. Jahrhunderts, die den Skandal geradezu ins Zentrum ihres politischen Handelns gestellt hat, indem sie ohne Rücksicht auf Mainstream-Meinungen für freie Liebe eingetreten ist.

Meine These ist nun, dass die positiven und die negativen Aspekte dieser Art, „unordentlich“ Politik zu machen, entlang der Unterscheidung zwischen Provokation und Skandal gefasst werden könnten, und ich würde sogar sagen, dass der Skandal eher der Politik der Frauen, die Provokation eher der Politik der Männer zuzuordnen ist (in einem nicht-biologistischen Sinne natürlich).

Das Gemeinsame ist, dass ein Verhalten in der öffentlichen Meinung heftige, meist kritische Reaktionen auslöst. Dass es Schlagzeilen macht, dass die handelnden Personen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die sie für dieselben Ideen bei nicht-provokativem oder nicht-skandalösem Auftreten nicht gehabt hätten.

Aber es gibt eben auch wichtige Unterschiede. Der Wichtigste: Die Provokation zielt auf diese Aufregung ab, hat sie gewissermaßen eingeplant, oder mehr noch: Die öffentliche Aufregung ist der eigentliche Zweck des Handelns, das Handeln nur das Instrument, mit dem die Aufmerksamkeit erregt werden soll. Der Skandal hingegen entsteht dann, wenn es um das, was man tut, selbst geht, und die öffentliche Aufregung nur eine Folge davon ist, dass dieses Handeln von der Mehrheitsmeinung als skandalös empfunden wird.

Zum Beispiel: Wenn eine Frau Hosen anzieht, weil sie das bequem findet, und andere sich darüber aufregen, dann löst sie möglicherweise einen Skandal aus. Wenn einer Frau es eigentlich egal ist, ob sie Hosen oder Röcke anzieht, aber eine Hose anzieht, um eine Diskussion über Kleidernormen auszulösen, dann provoziert sie.

Oder anders gesagt: Der Skandal deckt etwas auf, macht etwas zum Thema (meist eben im Sinne eines Vorwurfs) das von der Mehrheit als falsch oder unmoralisch empfunden wird. Deshalb sind die meisten Skandale auch mit „Enthüllungen“ verbunden. Die Provokation hingegen muss nicht aufgedeckt werden, sie sucht ja selber die Öffentlichkeit.

Deshalb war das Handeln von Victoria Woodhull zum Beispiel Skandalpolitik und keine Provokation. Ihren „provozierenden“ Reden über die freie Liebe war nämlich eine Enthüllung vorausgegangen: Zeitungsreporter hatten in ihrem Privatleben herumgesucht und herausgefunden, dass sie mit zwei Männern unter einem Dach lebte. Skandal! schrieben sie in ihren Zeitungen, So eine ist das!

In solch einer Situation hat die Betroffene zwei Möglichkeiten. Sie kann – wie normalerweise üblich – auf diese Enthüllungen mit Vertuschung, Verleugnung, Abwiegelung reagieren (wie es zum Beispiel Bill Clinton tat). Oder sie geht, wie Victoria Woodhull, in die Offensive: Statt nun die Brave zu spielen, um ihre Reputation zu retten, trat sie erst recht öffentlich für freie Liebe ein.

Auch die „Wir haben abgetrieben“-Kampagne war in diesem Sinne Skandalpolitik: Es ging darum, zu einer verbreiteten Praxis – Frauen treiben ab – auch öffentlich zu stehen. Nicht länger zu hoffen, dass „es nicht herauskommt“ oder „es“ heimlich zu tun oder im Ausland. Sondern öffentlich zu sagen, Ja, ich habe abgetrieben, und den Skandal und gegebenfalls andere Konsequenzen auszuhalten. Den „skandalösen“ Sachverhalt also zu politisieren im Hinblick auf eine Veränderung, die man anstrebt.

Während Skandalpolitik also reagiert auf eine Differenz zwischen der eigenen Praxis, den eigenen Überzeugungen und einer Mehrheitsmeinung, die diese Praxis und diese Überzeugungen für falsch hält, ist die Provokation agierend. Hier soll die Aufregung ja gerade hervorgerufen werden, um den eigenen Überzeugungen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Der Wirbel um Sarrazin war dafür ein gutes Beispiel. Denn die Differenz zwischen seinen Thesen und der allgemeinen Mehrheitsmeinung ist ja (leider) gar nicht so besonders groß. Ohne seine provozierenden Zuspitzungen, ohne seine Anspielungen auf „Juden-Gene“ und andere Reizthemen, hätte es womöglich gar keine Aufregung gegeben (was ich wiederum für einen Skandal halte, aber das wäre ein anderes Thema).

Natürlich ist diese Trennung im konkreten Fall nicht scharf und eindeutig, aber von ihrem grundlegenden Prinzip her ist sie sehr scharf und eindeutig. Und ich bleibe dabei: Skandalpolitik (also öffentliche Kritik auszuhalten, wenn man von einer Sache überzeugt ist, und den Konsequenzen nicht aus dem Weg zu gehen) ist gut, weil auf diese Weise tatsächliche Differenzen aufgezeigt, thematisiert, und die Beteiligten dazu gebracht werden, diese Kontroverse nicht zuzudecken, sondern auszutragen. Provokationspolitik (also demonstrative Aktionen, die den Zweck haben, Aufregung zu erzeugen) sind schlecht, weil sie meistens vom eigentlichen Thema ablenken und Konflikte unnötig banalisieren und zuspitzen, anstatt nach Vermittlungen zu suchen, die zu einer Lösung führen könnten.

Eine gute Möglichkeit, Skandal und Provokation zu unterscheiden, ist übrigens folgende Testfrage: Wie würden es die Beteiligten finden, wenn die öffentliche Aufregung ausbliebe? Wären sie dann zufrieden – oder wären sie enttäuscht? Wer Skandalpolitik betreibt, wäre  zufrieden. Hätte nach der „Wir haben abgetrieben“-Kampagne alle Welt gesagt: Na gut, habt ihr eben abgetrieben, macht doch, was ihr wollt – dann wären diese Frauen sicher mehrheitlich zufrieden gewesen. Denn das hätte ja bedeutet, dass die Diskrepanz zwischen ihrem Anliegen (dass die Entscheidung über eine Abtreibung von der jeweiligen Frau selbst getroffen werden soll) und der allgemeinen Meinung nicht mehr allzu groß ist. Oder hätte die amerikanische Öffentlichkeit sich nach den Enthüllungen über das Privatleben von Victoria Woodhull achselzuckend abgewendet und gesagt: Soll sie doch machen, was sie will, es kann doch jeder nach eigenem Gutdünken Sex haben – dann wäre das ja genau das gewesen, wofür sie eingetreten ist.

Bei der Provokation hingegen funktioniert das nicht. Hätte niemand über Sarrazins Buch geschrieben, hätten nicht Legionen von „Gutmeinenden“ aufgeregte Kommentare geschrieben, wäre er nicht in gefühlt Zweimillionen Talkshows eingeladen worden, dann wäre seine Kalkulation nicht aufgegangen. Dann wäre es einfach nur ein dummes Buch mehr gewesen, aber es gibt so viele dumme Bücher, auf eines mehr oder weniger kommt es dabei auch nicht an. Und ich wette, der Autor wäre weniger zufrieden gewesen, als er es jetzt ist (und auch weniger reich).

Auf Provokationen nicht zu reagieren, ist eine schwierige Übung, weil man sich leicht dem Vorwurf aussetzt, „die Bösen“ einfach machen zu lassen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die jede Reaktion, auch die gut gemeinte, die Sache nur noch schlimmer macht und dem Provokateur in die Hände spielt. Worauf es ankommt ist, einerseits die wirklichen Skandale aufzudecken (in diesem Fall wäre das vielleicht gewesen, dass jemand wie Sarrazin überhaupt solche Posten haben konnte), und andererseits den Mut zu haben, die Skandale, die man selbst mit einem gar nicht provokativ, sondern nur ernst gemeinten Handeln möglicherweise auslöst, auch durchzustehen.

Wobei die eigentliche Kunst dann darin besteht, sich selbst und dem eigenen Begehren auch in dieser Situation treu zu bleiben. Da heißt, soviel Standfestigkeit zu zeigen, wie nötig ist. Aber eben nicht mehr. Also nicht über den Skandal hinaus in Provokation zu verfallen.


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12 Gedanken zu „Provokation und Skandal

  1. Und, hoffe ich habe es nicht zu sehr überlesen und wiederhole nun nicht zu sehr eine Deiner Aussagen: Ein Skandal (den man ja auch provozieren kann ;-)), ist meist eine Situation, die dritte von sich aus dazu bringt, zu reagieren und eben einen Skandal zu diagnostizieren. Oder eben auch nicht. Der Skandalvermerker entscheidet freiwillig und leidlich selbstbestimmt, ob er nun wirklich einen Skandal sehen/erleben will. Der vermeindliche Verursacher ist da erst mal (relativ) unschuldig.

    Eine Provokation versucht den Provozierten fremd zu steuern und zu einer Reaktion bewusst zu nötigen.

    Äh, meine ich mal so ins blaue mitgedacht…

  2. @Chräcker – ja genau. Beim Skandal liegt der aktive Part beim „Skandalbemerker“, bei der Provokation beim „Provokationsverursacher“. Das wäre die These. Was wir als politisch Handelnde zu entscheiden hätten wäre also: Was mache ich, wenn andere ein Verhalten von mir skandalisieren? (Dazu stehen). Und was mache ich, wenn mich jemand provozieren will? (Nicht drauf eingehen). Und was mache ich, wenn ich etwas Skandalöses beobachte? (Drauf hinweisen, öffentlich machen)

  3. Auf den ersten Blick finde ich die Unterscheidung
    Skandal/Provokation sehr schön herausgearbeitet (weil Du sie anhand
    von diskursiven Bewegungen diagnostizierst und nicht nur einfach
    zuschreibst). Die Wertung allerdings – aber das bleibt auch erst
    eine vorschnelle Krritik – das eine sei besser als das andere
    erscheint mir etwas zu sehr von Deiner eigenen Position
    abhängig.

  4. Provokationen ins Leere laufen zu lassen, kann eine gute Strategie sein. Aber wenn sie eine gewisse Wirkungsschwelle überschritten haben, funktioniert das nicht mehr. Mag sein, dass Sarrazins Buch nicht weiter aufgefallen wäre, wenn es nicht diesen mächtigen medialen Anschub erhalten hätte. Den hat es aber erhalten. Und anders als in anderen Fällen (z.B. bei der „Bild“/“Spiegel“/“FAZ“-Kampagne für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung) ist das auf gewaltige Resonanz gestoßen. Spätestens ab diesem Punkt war Schweigen nicht mehr die „bessere“ Strategie. Spätestens da war es wichtig, dass auch andere Stimmen laut wurden.

  5. Ich finde diese Unterscheidung sehr problematisch. So problematisch wie alle Unterscheidungen, die sich in auf eine „Intention“ des Kommunizierten beziehen. Man kann nämlich immer noch nicht in die Hirne hineingucken und muß Intentionen erraten- also meist unterstellen. Und das tust du dann auch bei Sarrazin. Und hier wird die Unterscheidung Skandal und Provokation sofort wohlfeil.

    So wenig ich all dem Kram zustimme, den Sarrazin schreibt, finde ich es zunächst erstmal eine perfide Unterstellung, dass er das alles gar nicht selbst meinen würde, sondern nur auf die Wirkung aus ist. Wir können das nicht wissen und es zu unterstellen ist eine nichtfalsifizierbare und deswegen nicht gegenargumentierbare Anschuldigung.

    Ebenso gut lassen sich die anderen Unterscheidungskritierien anwenden. Der von Sarrazin öffentlich ausgetragene Rassismus ist ebenso wie die Abtreibung damals eine heute gängige gesellschaftliche Praxis, die aber ungern öffentlich zugegeben wird. Und ebenso wie die „Wir treiben ab“-Kampagne die Frauen hat es das Rassistenherz in Deutschland freier schlagen lassen, nach dem „Deutschland schafft sich ab“ in den Bücheregalen stand. Da gibt es qualitativ keinen Unterschied.

    Es ist alles eine Frage des Standpunktes und der jeweiligen Unterstellung der Intention, wie man also die Dinge als Skandal oder als Provokation einordnet.

    Darüber hinaus halte ich es überhaupt für wenig sinnvoll da eine Grenze zu ziehen, die dann auch noch zwischen „guter“ oder „schlechter“ Provokation/Skandal unterscheiden will. All diese Ansätze würden nur dazu führen die jeweilige andere Seite als illegitim zu brandmarken. Das kann nun wirklich niemand wollen.

    Ich glaube, Trollereien (um mal einen anderen Begriff einzuführen) sind nicht gut oder schlecht. Aber sie sind notwendig. Auch wenn man selbst getrollt wird, wie im Falle Sarrazin, sollte man das anerkennen.

    Trolle sind nichts anderes als Meinungsspekulanten, wie die Spekulanten an der Börse. Alle hassen sie, aber in wirklichkeit halten das System stabil (oje, das wird wieder Haue geben, von leuten, die keine Ahnung von Wirtschaft haben). Sie testen hier aus, oder dort aus, ob ein Wert, eine Einstellung, eine Meinung etc. „überzeichnet“ ist und wetten dagegen. Überzeichnet meint, dass eine Einstellung innerhalb einer Gruppe allgemein als Konsensn oder als besonders verbreitet und stark betrachtet wird, obwohl er es vielleicht gar nicht so eindeutig ist. Als Troll spekuliert man dagegen, testet an und im schlimmsten Fall löst man eine Lavine aus, wie Sorros oder Sarrazin.

    So gesehen war auch Sarrazin wichtig. Ich jedenfalls habe es zuvor nicht für möglich gehalten wie breit der rassistische Konsens in Deutschland ist. Das sollte man aber schon wissen, wenn man über Politik diskutiert.

  6. @mspro – Du hast recht, ich kann nicht wissen, was Sarrazins Intention war, aber ich kann beim politischen Handeln wissen, was meine Intention ist. Es ist dieser Aspekt, der mich an dem Thema interessiert. Also Unterscheidungskriterien zu finden, nicht um objektiv zu entscheiden, ob etwas, das jemand anderes tut, eine Provokation oder ein Skandal ist, sondern um Anhaltspunkte für das zu haben, was ich selber tue. Ich habe ja auch geschrieben, dass es im konkreten Fall schwer zu unterscheiden ist.

    Die Fälle, die ich geschildert habe, waren als Beispiele gedacht, die illustrieren sollten, was ich meine. Sicherlich war die Abgetrieben-Kampagne für einige der Initiatorinnen auch als Provokation gedacht. Was ich sagen will, ist: Der Anteil an solchen Aktionen, der Provokation ist, ist schlecht, und der Anteil, der das Aushalten und Austragen eines Skandals ist, ist gut. Gut und schlecht nicht als moralische Kategorien, sondern im Hinblick auf das Vorwärtskommen in der Diskussion. Ich will also keine „Grenzen ziehen“, sondern Unterscheidungkategorien für mein Urteil haben. Nicht im Sinne von legitim/illegitim, sondern im Sinne von sinnvoll/sinnlos.

    Es bleibt natürlich jedem das Recht, sinnlose Sachen zu machen. Aber ich muss das ja nicht gut finden, und vor allem möchte ich selber meine Zeit nicht mit sinnlosen Sachen verschwenden. Dementsprechend finde ich Trollereien (ja, das ist wohl eine Unterform der Provokation) nicht notwendig, sondern schädlich. Und Meinungen werden meiner Meinung nach sowieso überbewertet (haha).

    @radierer – Da bin ich mir nicht so sicher. Nichtstun als politische Strategie wird imho sehr unterschätzt. Dazu habe ich in meinem Text „Über das Böse“ mal was geschrieben – http://www.antjeschrupp.de/das_boese.htm

  7. PS: Gerade im Umgang mit Trollen ist übrigens das Nichtstun (die Beziehungsverweigerung) die einzig mögliche/sinnvolle Umgangsweise. Ist jedenfalls meine Erfahrung.

  8. Ja, so kann man durchaus darüber nachdenken – obwohl die Trennschärfe nicht 100 Pro durchzuhalten und Provokation nicht per se „schlecht“ ist… Eine ähnliche Trennung versuche ich im „Lexikon“ für „Katastrophe“ herzustellen – denn für die Medien ist ja heute jeder angebrannte Toast eine K., wo Ungeschick, Unglück oder das schöne alte Wort „Ungemach“ durchaus ausreichten.

  9. @Antje Schrupp – „Nichtstun als politische Strategie wird imho sehr unterschätzt.“

    Einverstanden. Es ist aber nicht in jeder Situation die angemessene Strategie. Es ist eine von mehreren strategischen Handlungsoptionen.

    Und nicht zu schweigen muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, reflexartig zu reagieren und in die vom Provokateur vorgesehene Rolle zu schlüpfen.

    Der Text über das Böse verspricht spannend zu werden. Ich werde mir Zeit für das Lesen nehmen und freue mich darauf.

  10. Ich hab mich ziemlich schwer damit getan zu verstehen was du meinst … zuerst fand ich ähnlich wie mspro, dass du etwas zu viel über die Intentionen und individuellen Betroffenheiten anderer Leute mutmaßt. Du meinst zwar, das wäre nicht so, sondern es würde dir mehr um die Bewertung des eigenen Handelns gehen, aber dafür finde ich die Beispiele und auch dein Hinweis auf Trollereien recht unpassend.

    Jedenfalls, mal von diesem Gedanken der Bewertung des eigenen Handelns ausgegangen, scheint deine These ja zu sein, dass Provokation nicht als politisches Mittel taugt. So gesehen find ich den Gedanken und die Herleitung recht interessant, aber wirklich eine Begründung für diese Position vermisse ich noch – Ich habe Provokation auch jenseits des nackten Überlebens immer für ein sehr geeignetes Mittel gehalten, Leute mit anderen Realitäten zu konfrontieren.

  11. @Adrian – Ja, ich habe Provokation vorher auch für ein taugliches Mittel gehalten, aber inzwischen bezweifle ich das. Weil ich denke (und der Sarrazin-Fall war nur der Anlass, das aufzuschreiben), dass Provokation die eigentlichen Konflikte auf etwas Nebensächliches verschiebt und damit politische Auseinandersetzung nciht befördert, sondern erschwert oder sogar verhindert. Und dann dachte ich aber wieder, dass die Alternative aber auch nicht sein kann, Konflikte auf „Friede-Freude-Eierkuchen“-Niveau zu verharmlosen. Daher die Idee, den Skandal entgegenzusetzen. Und der wesentliche Unterschied könnte dann eben sein, dass man bei Skandalpolitik bei den eigenen authentischen und echten Wünschen und Ideen bleibt, während man sich bei der Provokation quasi auf die möglichen Reaktionen der „Gegner“ ausrichtet und deren Reizschema einkalkuliert. Ich denke, dieser Punkt ist es, der hier Aufmerksamkeit verdient.

  12. @Antje Hm, du entscheidest hier wieder für andere mit welcher Intention sie was gemacht haben. Außerdem kann ich Skandalpoitik (im Gegensatz zu Provokation gesehen) ja nicht proaktiv machen, sondern nur als Reaktion. Und schließlich ist eine Kampagne die die Reaktionen der Leute einplant für mich eher eine gut geplante als eine die nicht von den eigenen Bedürfnissen her kommt.

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