Was unterwegs verloren gegangen ist

Zur Zeit lese ich das Buch „Wir wollten die Welt verändern“, in dem Aktivistinnen der Dortmunder Frauenbewegung der 1970er Jahre ihre Erinnerungen an diese Zeit zusammengetragen haben. Es ist sehr interessant zu lesen, vor allem wenn man die damaligen Quellentexte und Anliegen vergleicht mit dem, was sich seither verändert hat – und was nicht.

So zitiert Gisela Trappe in ihrem Beitrag einen Text der Frauen-Aktion Dortmund aus dem Jahr 1976, der die Aktionen zur Abschaffung des § 218 in einen größeren Zusammenhang stellt. Darin wird zum einen deutlich, dass es den Frauen damals nicht darum ging, die generelle „Straffreiheit“ für Abtreibungen zu erreichen, sondern sie bestanden darauf, dass die ethische Problematik ungewollter Schwangerschaften nichts ist, was der Rechtsstaat regulieren sollte, sondern dass die Entscheidungen auf einer anderen Ebene und vor allem von den betroffenen Frauen selbst abzuwägen sind.

Außerdem wird klar, dass diese Aktionen eng verknüpft waren mit weiter reichenden Vorstellungen für eine Neuorganisation von Erwerbs- und Hausarbeit. In den Worten von damals liest sich das so:

Wir wollen Teilzeitarbeit und Babyjahr für Männer und Frauen. Aber was nützen uns Babyjahr und Halbtagsarbeit für den Mann, solange die Frau erheblich weniger Lohn bekommt und der Mann deshalb schon aus finanziellen Gründen ganztags arbeiten muss. Wir brauchen daher Gleichstellung der Frau in Ausbildung und Beruf und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wir wollen Kinder. Sie sollen unter den bestmöglichen Umständen aufwachsen können. Dazu gehören gute Kinderkrippen, Kindergärten, Ganztagsschulen und gerade auch kinderfreundliche Wohnungen für wenig Geld. (S. 45)

Interessant an dieser Aufzählung ist, was davon inzwischen – 35 Jahre später – verwirklicht ist, und was ganz in Vergessenheit geraten ist. Ganz oben auf die politische Agenda gerückt sind inzwischen die Forderungen nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ und die nach Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagsschulen. Sicher, beides ist noch nicht verwirklicht, aber dass es wünschenswert und notwendig ist, wird von kaum noch jemandem in Frage gestellt.

Ganz in Vergessenheit geraten sind hingegen die Sache mit der Halbtagsarbeit und die mit den kinderfreundlichen Wohnungen für wenig Geld. Es ist ja doch sehr bemerkenswert, dass die Dortmunder Frauen damals keineswegs einfach gleichen Lohn für Frauen und Zugang zur Erwerbsarbeit gefordert haben, sondern dass sie das in den Kontext einer Neuorganisation von Familien- und Erwerbsarbeit stellten, die beide Seiten unter Frauen und Männern gleichmäßiger verteilen wollten: Jede erwachsene Person, so ihre Vorstellung, sollte halbtags erwerbsarbeiten und halbtags sonstwas tun, zum Beispiel sich um Kinder kümmern. Eine aus damaliger Sicht durchaus vernünftige und logische Forderung, denn schließlich ging ja alle Welt zu Zeiten der Hausfrauenehe selbstverständlich davon aus, dass ein Einkommen für zwei Erwachsene plus Kinder reicht. Ökonomisch wäre das also ein Nullsummenspiel gewesen.

Und an dieser Stelle erst kommt die Forderung nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ ins Spiel, denn bei ungleichen Löhnen geht die Rechnung nicht auf, weil das Halbtagseinkommen der Frau den Ausfall des halben Männereinkommens nicht ausgleichen kann. Herausgekommen bei all dem ist jedoch, dass man heute für normal hält, dass beide Eltern Vollzeit erwerbstätig sind – was ich ja kürzlich erst anhand eines entsprechenden BGH-Urteils kritisiert habe. Die feministische Forderung nach ökonomischer Anerkennung und Aufwertung von Familienarbeit ist in ihr Gegenteil verkehrt worden, nämlich dazu, dass man Familienarbeit für nicht existent erklärt, zum Privatvergnügen, das die Gesellschaft nichts angeht.

Damit eng zusammen hängt natürlich die soziale Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm, die in den letzten 35 Jahren ja keineswegs ab-, sondern zugenommen hat. In den unteren Lohngruppen reicht ein Einkommen (oder zwei halbe) auch mit gleichem Lohn für Frauen nicht mehr aus, weil die Männer in diesen Berufsgruppen heute weniger verdienen als damals. Die Angleichung hat hier, wenn überhaupt, nach unten stattgefunden. Und in den höheren Einkommensgruppen stellt sich die Frage nicht, weil sie es sich leisten können, Familienarbeit „outzusourcen“, an schlecht bezahlte Migrantinnen in der Regel. Eine Dynamik, die noch dadurch erschwert wird, dass Reich und Reich untereinander heiratet, ebenso wie Arm und Arm.

Und Forderungen nach „kinderfreundlichen Wohnungen für wenig Geld“ hab ich schon gar nicht mehr gehört. Schließlich leben wir doch in einer freien Marktwirtschaft, nicht wahr?

Hanne Hieber (Hg): Wir wollten die Welt verändern. Dortmunder Feministinnen erinnern sich. Ingrid Lessing Verlag, Dortmund 2011.


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27 Gedanken zu „Was unterwegs verloren gegangen ist

  1. „Jede erwachsene Person, so ihre Vorstellung, sollte halbtags erwerbsarbeiten und halbtags sonstwas tun, zum Beispiel sich um Kinder kümmern. “

    Ich kann mich gut erinnern!

    Nebenbei ist dabei zu bedenken: Dies wurde zu einer Zeit gefordert, als Frauen traditionsbedingt noch kaum an den Benefits der Vollzeit-Karriere teil hatten…

  2. Ist seit einigen Jahren nicht die Rede davon, das damals sei das „sozialdemokratische Zeitalter“ gewesen? Sich daran zu erinnern kann nur gut tun: Gesellschaftliche Zusammenhänge – sie sind Randfragen geworden. Gewinnmaximierung: Ja. Darum geht es heute. Mir scheint es manchmal so, dass das auch die Spiritualität ergriffen hat.
    Zuerst Gottes Reich suchen, dann soll uns alles andere zufallen – ja, da gibt es eine gesellschaftliche Dimension…

  3. Ich denke, es gilt nur teilweise, dass Familienarbeit für nichtexistent erklärt wird. Die andere Seite ist, dass sie professionalisiert wird. Das, was danach noch übrig bleibt, wird für nichtexistent erklärt.

  4. Ich habe mich neulich mit einem etwas älteren Freund über Studentenjobs unterhalten. Vor 30 Jahren hat er rund 15 Mark verdient, ich vor knapp 20 Jahren 18 Mark. Und heute gibt es 7 bis 9 Euro. Und alle finden das normal, obwohl die Mieten in den Uni-Städten um ein Vielfaches höher sind als vor 30 Jahren.

    Das ist wahrscheinlich auch ein Grund, warum sich in den Siebzigern leichter irgendwelche alternativen Projekte aufbauen oder rumkünstlern konnte, es war leichter finanzierbar.

  5. Über welche Studentenjobs reden wir hier? Als Werkstudentin hab ich 10-13€ gekriegt, an der Uni tatsächlich nur 9, allerdings wird dort für jede Stunde Tutorium/Übung auch eine volle Stunde Vorbereitung bezahlt, ebenfalls 9€ auch wenn die meisten sich sehr sicher nicht so lange vorbereiten.

  6. Wir redeten von diversen Neben- und Hilfstätigkeiten, die man als Student/in in München so machte. (Wir haben weder Ingenieurwissenschaften noch BWL studiert.)

  7. Liebe Antje Schrupp,
    schon seit einiger Zeit wollte ich mich einmal bei Ihnen melden. Ich schätze Ihren Blog sehr und bekomme immer wieder neue Denkanstöße. Mein Kompliment also …
    Ich habe die Zweite Frauenbewgung noch live mitbekommen, mitgemacht – und im Übrigen über den Matriarchats-Diskurs in der Zweiten Deutschen Frauenbewegung, inkl. der Geschlechterideologien promoviert.
    Und wenn Sie nun zurückblicken, was sich zum eher Positiven geändert hat, was verloren ging, sehe ich mich natürlich erinnert an die 70-er Jahre. Ich konnte mein Philosophie-Studium ohne BAFöG durchziehen, mit 101 teils absurden, teils „normalen“ Jobs. Das waren auch meistens keine guten Jobs (Büro, Post, Kneipe), aber es gab sie immerhin. Der Verdienst war nicht hoch, aber immerhin so, dass ich mit Halbtagsarbeit eine eigene Wohnung finanzieren konnte, mich selbst versorgen.
    Und heute scheint es diese Jobs eben nicht mehr zu geben; die Lebenskosten wie Miete etc. sind erheblich gestiegen. Ich weiß nicht, ob ich heute mit meinem damaligen, sehr bescheidenen Lebensmodell ein Studium noch finanziell verkraften könnte – eher nicht.
    Oft habe ich mich gefragt, was „wir“ damals übersehen oder vergessen haben. Ja, ein Teil unserer Forderungen ist umgesetzt und durchgesetzt. Aber: Es ist nicht gelungen, hier werde ich pauschal, die Wirtschaftsform zu ändern oder die damaligen Verhältnisse zu behalten. (Wie auch?)
    Die 70-er Jahre waren „gute Zeiten“ mit geringer Arbeitslosigkeit, fairen Löhnen; die 35-Stunden-Woche war bereits durchgesetzt.
    Manchmal staune ich, wie schnell der Abbau im sozialen und kulturellen Bereich ging, nämlich ab Mitte der 80-er Jahre. Wie schnell Privatisierungen durchgesetzt wurden, wie schnell der Sozialstaat den Bach runterging, wie schnell kaputtgespart wurde und umgewertet.
    Es bleibt „nur“ die Frage, was wir dagegen hätten tun sollen und können. Wie die große Politik, die Wirtschaftspolitik umformen, bestimmen? Und darauf weiß ich leider keine Antwort …
    Liebe Grüße
    Helga

  8. Vielen Dank für diesen Post. Mein Mann und ich versuchen, dieses Modell zu leben – also zwei Teilzeitstellen zu vereinbaren, da wir die Kinder nicht in die Ganztagsbetreuung geben wollen, das klassische Modell aber ablehnen. Es ist aus den bereits genannten Gründen nicht immer ganz einfach und ich ärgere mich regelmäßig, dass dieses Modell in der Politik keinerlei Beachtung findet. Vielmehr empfinde ich es so, dass inzwischen Eltern, die ihre Kleinkinder nicht in die Krippe geben wollen, mehr und mehr verunglimpft werden. Was beispielsweise im Zuge der Debatte über die Herdprämie (zu der man ja stehen kann, wie man will), über Eltern und besonders Frauen, die ihre Kleinkinder zuhause behalten, gesagt wurde, war nicht mehr schön.

  9. @ Helga: Schwierige Fragen!

    Ich frage mich, wer jetzt mit „wir“ gemeint ist – die Feministinnen der Siebziger? Viele hatten ja eine gut bezahlte Festanstellung gefunden und die Veränderungen selbst nicht richtig gespürt, oder auch mit einer Erbschaft kompensiert. Mein Eindruck ist, dass das böse Erwachen erst mit Hartz IV begann. Seitdem kennt auch die relativ gut abgesicherte Feministin irgendwen, der oder die sich mit absurden Schikanen herumschlagen muss.

    Insgesamt würde ich den Linken der Siebziger teilweise vorwerfen, auf einem ideologischen Ego-Trip gewesen zu sein, zuviel gewollt und dabei die Realität aus den Augen verloren zu haben. Man wollte das System stürzen und womöglich den neuen Menschen hervorbringen, und das Resultat war, dass nicht mal der Status quo gehalten werden konnte.

    Nicht wenige der arrivierten Siebziger-Linken stecken heute ihren gut ausgebildeten, aber prekär beschäftigten Kindern Geld zu, was bedeutet, dass prekäre Beschäftigung eine Art Privatsache geworden ist.

  10. @Irene,
    ja „wir“ halt als die „fortschrifttlichen“ Kräfte, um im Ton der 70-er zu bleiben 🙂 … Die Feminstinnen, die Linke überhaupt.
    Ich habe z.B. keinen von den guten Jobs mehr abgekriegt, dazu bin ich zu „jung“ (geb. 1955), habe nicht flott genug studiert, da eine Berufsausbildung vorher und permanente Jobs neben dem Studium.
    Ich sehe das so, dass die Jahrgänge bis ca. 1953 meistens in recht guter Arbeit gelandet sind, danach wurde es schwieriger.
    Ich gebe Dir Recht, dass viele LInke und Feministinnen dann wohl auch satt waren.
    Aber ich weiß nicht, ob da etwas richtig zu machen gewesen wäre mit den Forderungen. Richtiger und konsequenter oder auch praxisorientierter.

    Ich habe eher den Eindruck, dass so viel zugestanden wurde, wie halt noch ging und tragbar und erwünscht war, was ins System passte. An einer weiter veränderten und gerechteren Gesellschaft bestand dann wohl nicht allzu viel Interesse, gerade nicht unter der Kohl-Regierung – da ging der Abbau im sozialen und kulturellen Bereich so richtig los.
    Insofern war meine Frage eher hypothetisch; bzw. ich kann mir nicht vorstellen, wie mehr möglich gewesen wäre – und lande damit gleichzeitg bei einer Kapitalismus-Kritik, die natürlich antiquiert und a-histoirisch wirkt. Aber ich komme zu keinem anderen Schluß.

    In den 90-er Jahren (und somit noch vor Rot-Grün, wo es dann mit HartzIV wirklich derb wurde) war in den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht mehr viel möglich. Viele aus meinem (akademischen) Umkreis arbeiteten damals sehr gut bezahlt in online-Reaktionen, bis auch diese Blase platzte; die anderen hielten sich mit Zeitverträgen oder (Schein-)Selbständigkeit über Wasser. Und dann gibts natürlich die, die geerbt haben.

    PS. Gerade die einstigen online-Redakteure sind nun weitgehend arbeitslos.

    LG

  11. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit haben wir, es liegt an den Frauen, weil diese nicht nach dem Gehalt schauen, es gibt keien Diskriminierung aufgrund des Gehalts. Desweiteren könnte es längst soweit sein, das beide Elternteile Teilzeit Arbeiten und sich beide um die Kinder kümmern. Auch hier scheitert es mal wieder an dem unwillen der Frauen. Während Männer sich trotz Vollzeitstelle mehr in die Familienarbeit eingebracht haben, tun Frauen nichts, damit der Mann beim Geldverdienen entlastet wird. Ganz im gegenteil, die Arbeitsstunden von Frauen gehen immer weiter züruck, im schnitt auf unter 20 Stunden die Woche. Es ist nur logisch, das dann der Mann ganztags arbeiten muss, irgendwoher muss das Geld kommen. Also, liebe Frauen, geht mehr Arbeiten, dann können Männer sich mehr in die Familie einbringen.

  12. @antje
    Genau hier wird der Fehler gemacht. Die Erwerbsquote ist gestiegen, aber die Arbeitszeit der einzelnen Frau, insbesondere mit Kinder, ist gefallen. Im Schnitt auf unter 20 Stunden in der Woche. Wie soll auch die Arbeitsleistung der Männer im Haushalt steigen, wenn keine Zeit mehr zur verfügung steht? Wenn man die Überstunden weglässt, allein dann schon arbeiten Männer mehr als Frauen. Zieht man die Überstunden noch hinzu, sieht es ganz düster aus, Überstunden werden in den allermeisten Fällen von Männern geleistet. Dann noch die nicht registrierten überstunden, z. B. in der IT, dort ist es ganz normal, sich ausserhalb der Arbeitszeit fortzubilden, dazu muss man sich dann durch so was durcharbeiten: http://www.amazon.de/MCITP-Windows-Server-Administrator-CorePack/dp/3866459998/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1325234932&sr=1-1

    Hier könnten Frauen abhilfe schaffen, dazu müssten sie aber mehr als 20 Stunden in der Woche arbeiten, dann könnten Männer ihr Pensum in der Erwerbsarbeit mindern und sich mehr in die Familie integrieren. Die zweite möglichkeit wäre eine Männerförderung, die den Gehaltsausfall des Mannes ausgleicht, wenn dieser in Teilzeit geht.

  13. @imion – Hast du für diese Zahlen irgendwelche Belege? Also dafür, dass die Arbeitszeit der einzelnen Frau zurückgegangen ist? Das würde mich, wenn es so wäre, in der Tat interessieren. Dass Frauen weniger Überstunden machen als Männer, glaube ich sofort. Ich glaube aber nicht, dass das in direkter Korrelation mit dem Arbeitsvolumen der Frauen zusammenhängt. Außerdem helfen hier statistische Durchschnittswerte nicht viel weiter, da muss man sich die Einzelfälle anschauen. Gerade in dem Zusammenhang spielt ja auch die Höhe des Einkommens eine Rolle. Meistens sind ja Paare entweder beide gut oder beide schlecht verdienend. Hab ich hierzu mal gebloggt: https://antjeschrupp.com/2011/03/29/gleich-und-gleich-ergibt-arm-und-reich-so-ein-mist/

  14. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,593774,00.html

    von 29,1 Stunden die Woche auf

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13112901/Wochenarbeitszeit-von-Muettern-ist-gesunken.html

    ca. 20 Stunden in der Woche, innerhalb von nur drei Jahren. Wie soll ein Mann da Zeit für die Familie aufbringen, wenn er das Geld ranschaffen muss? Nach einer umfrage hätten 97% der Väter gerne mehr Zeit mit ihrer Familie, sie können aber nicht, weil das Arbeitspensum es verhindert.
    http://www.presseportal.de/pm/80722/1636537/gfk-umfrage-deutsche-vaeter-wollen-mehr-zeit-mit-ihren-kindern-gemeinsame-vater-kind-momente-sind

    „Ich glaube aber nicht, dass das in direkter Korrelation mit dem Arbeitsvolumen der Frauen zusammenhängt.“
    Doch, würden Frauen eben mehr arbeiten, auf gut 30 STunden, dann könnten im gegenzug die Männer ihre Arbeitszeit reduzieren, weil Frauen dann mehr Geld verdienen würden.

  15. @imion – Diese Studien sind interessant, in der Tat. So ganz vergleichbar sind die Zahlen aber nicht, denn soweit ich es verstehe, werden nur die Mütter, die überhaupt arbeiten, verglichen. Wenn man alle Mütter (also auch die, die gar nicht erwerbstätig sind) nehmen würde, dann wäre die Zahl der Erwerbsarbeitsstunden sicher angestiegen (weil früher ja mehr Mütter überhaupt nicht erwerbstätig waren). Die Frage ist nun, was man mit dem Ergebnis macht bzw. wo die Ursachen dafür liegen. Man könnte auch andersrum argumentieren: Wenn mehr Väter ihre Stunden reduzierten, dann könnten die Mütter mehr Stunden arbeiten. Generell bin ich der Meinung, dass es überhaupt mehr Teilzeitmöglichkeiten geben müsste.

  16. „So ganz vergleichbar sind die Zahlen aber nicht, denn soweit ich es verstehe, werden nur die Mütter, die überhaupt arbeiten, verglichen.“
    Aber daum geht es ja, die nicht arbeitenden Mütter sind ja noch viel schlimmer, es geht allein um die Tatsache, das Männer sich nicht in die Familie einbringen kann, weil Mütter so wenig arbeiten.

    „Wenn man alle Mütter (also auch die, die gar nicht erwerbstätig sind) nehmen würde, dann wäre die Zahl der Erwerbsarbeitsstunden sicher angestiegen (weil früher ja mehr Mütter überhaupt nicht erwerbstätig waren).“
    Wenn man die nicht erwerbstätigen dazu nimmt, dann sinkt eher die Arbeitsstundenzahl, oder verstehe ich gerade etwas falsch?

    „Man könnte auch andersrum argumentieren: Wenn mehr Väter ihre Stunden reduzierten, dann könnten die Mütter mehr Stunden arbeiten.“
    Nein, das geht nicht, woher soll das Geld kommen, bis die Mutter einen entsprechenden Job gefunden hat?

    „Generell bin ich der Meinung, dass es überhaupt mehr Teilzeitmöglichkeiten geben müsste.“
    Absolut. Wie soll das aber funktionieren, wenn bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer nur Frauen gemeint sind? Wie soll das funktionieren, wenn die Gesellschaft in Männern nur den Zahlesel sieht, der sich bis zum bitteren Ende totzuschuften hat?

  17. Aber daum geht es ja, die nicht arbeitenden Mütter sind ja noch viel schlimmer

    Schlimmer? Wenn jemand in politischen Diskussionen dermaßen unsachlich auf die Lebensformen anderer Leute losgeht, vermute ich persönliche Motive, die in den eigenen Beziehungen und Enttäuschungen begründet sind.

  18. @irene
    Schau dir den Kontext des „schlimmer“ mal an, dann verstehst du es besser. Ansonsten ein sehr guter einstieg, so direkt mit einer Beleidigung. Chapeau

  19. @imion – Ja, aber es sinkt nicht die Zahl der Erwerbsstunden von Müttern allgemein. Mal vereinfacht an einem Beispiel:

    1970 arbeiten von 10 Müttern 3 Vollzeit, 1 Halbtags, 7 6 gar nicht, gibt insgesamt 140 Stunden, also 14 Stunden pro Mutter, aber 35 Stunden pro erwerbstätige Mutter.
    2010 arbeiten von 10 Müttern 2 Vollzeit, 6 Halbtags, 2 gar nicht, gibt insgesamt 200 Stunden, also 20 Stunden pro Mutter, aber 25 Stunden pro erwerbstätige Mutter.

    Das heißt, die Erwerbsarbeitsstunden von Müttern insgesamt – also wenn man die nicht erwerbstätigen mit einrechnet – sind angestiegen (von 14 auf 20 Stunden), die der erwerbstätigen Mütter hingegen gesunken (von 35 auf 25 Stunden). Die beiden von dir verlinkten Artikel rechnen nur letzteres aus, hingegen würden mich mal Zahlen zu ersterem interessieren.

    Wie kommst du übrigens auf die Idee, dass im Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie „immer nur die Frauen gemeint sind“? Ich bin ja viel bei frauenpolitischen Veranstaltungen, und da ist immer immer immer immer (für meinen Geschmack schon viel zu viel) das Thema, wie man Männer und Familienarbeit zusammenbringen kann.

  20. @antje Schrupp
    Da mittlerweiel so viele Mütter erwerbstätig sind, denke ich, das es uninteressant ist, nicht erwerbstätige Frauen mit aufzunehmen. Hilft ja auch nicht weiter, es bleibt immer noch das Problem des einzelnen, das es für Männer nur möglich ist, sich mehr in die Familie einzubringen, wenn sie mind. aut zumindest Teilzeit reduzieren können. Entweder geschieht das durch eine gezielte Förderung, oder aber Mütter müssen mehr Arbeiten, also ihr Arbeitspensum ehrhöhen. In deinem zweiten Beispiel ist ja auch eine Vollzeitstelle weggefallen 😉

    „Wie kommst du übrigens auf die Idee, dass im Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie „immer nur die Frauen gemeint sind“?“
    Schau dich mal beim Familienministerium um. Desweiteren die Diskussion um Frauen in Führungspostionen, nur dort findet sich die Forderung, das Beruf und Familie vereinbar sein müssen, nur bei Frauen.

    „(für meinen Geschmack schon viel zu viel) “
    Und da stellen sich bei mir die Nackenhaare zu berge. Wir leben zusammen in einer Gesellschaft, es war von anfang falsch, nur auf ein Geschlecht zu schauen, daher resultieren viele der heutigen Probleme.

  21. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Bevor es gleich auf die Straße geht: Die Blogschau

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