Wie die Psychoanalyse der Demokratie die Politik ausgetrieben hat

Den Piraten wird momentan gerne vorgeworfen, dass sie keine Inhalte hätten. Mal abgesehen davon, ob das stimmt, finde ich die Inhalte gar nicht das Wichtigste an den Piraten.

Viel wichtiger ist, dass sie Diskussionen darüber anstoßen, wie in einer Demokratie die Ansichten und Meinungen der Vielen übersetzt werden können in konkrete politische Projekte – Liquid Feedback ist ein praktischer Versuch, das anders zu organisieren als mit dem einen Kreuzchen alle paar Jahre. Auch das Pochen auf Transparenz in politischen Prozessen betrifft weniger den Inhalt von Politik als vielmehr deren Verfahrensweisen.

Und genau das – nämlich die Frage, auf welchen Grundlagen wir eigentlich das organisieren, was meist so irgendwie schwammig „Demokratie“ genannt wird – ist, glaube ich, die drängendste Frage.

Die übrigens erst mal gar nichts mit dem Internet zu tun hat. Das wurde mir klar, als ich in den letzten Tagen eine wirklich ganz fantastische vierteilige BBC-Dokumentation gesehen habe, die schon ein paar Jahre alt ist. Sie zeigt, wie sich die westliche Demokratie im Lauf des 20. Jahrhunderts eigentlich nie darauf eingelassen hat, dass die Menschen in ihrer Pluralität politische Prozesse aushandeln.

In „The Century oft the Self“ erzählt Adam Curtis, wie die psychoanalytischen Theorien von Sigmund Freud im Verlauf des 20. Jahrhunderts in der Werbeindustrie und in der Politik eingesetzt worden sind.

Es ging dabei immer auch um die Frage, ob man den Massen eigentlich überhaupt zutrauen kann, sich politisch rational zu verhalten. Sie wurde meistens mit „Nein“ beantwortet. Entweder wurde versucht, die Leute irgendwie ruhig zu stellen, damit die Politiker unbehelligt regieren können (am Anfang des Jahrhunderts) oder aber Politik erschöpfte sich darin, herauszufinden, was sich die Masse der Menschen gerade so wünschte und den Ergebnissen der Meinungsumfragen hinterherzustolpern (am Ende des Jahrhunderts).

Freud hatte ja die Vorstellung entwickelt, dass im Unbewussten ein gewaltiges aggressives Potential von Emotionen schlummert, das gefährlich werden kann (Nazideutschland schien das zu bestätigen). Freuds Neffe Edward Bernays hatte dazu die Idee: Wenn wir die Menschen zu „guten Konsumenten“ machen, machen sie keine Revolutionen.

Schon in den 1920ern hatte Bernays (der Erfinder der „Public Relations“) im Auftrag großer Konzerne vorgemacht, wie man Menschen dazu bringen kann, Produkte zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht brauchen, indem man an ihre unbewussten Sehnsüchte appelliert und diese mit Produkten verknüpft. Zum Beispiel brachte er Frauen dazu, Zigaretten zu kaufen, indem er das öffentliche Rauchen mit der Wahlrechtsbewegung und weiblicher Unabhängigkeit verknüpfte – Hammer, dass das tatsächlich funktionierte. Das alles wird im ersten Teil der Doku-Reihe erzählt.

Im zweiten Teil geht es um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier war neben Bernays auch Anna Freud maßgeblich, die Tochter von Sigmund Freud. In dieser Zeit gab es einen massenhaften Aufstieg der Psychoanalyse. Sie diente dazu, Menschen „anzupassen“ an die Gegebenheiten, ihnen „Anomalien“ auszutreiben. Konformismus war angesagt in den Fifties.

Erzählt wird in diesem Teil auch, wie Bernays mit seinen PR-Strategien im Auftrag der Bananenindustrie einen Putsch in Guatemala inszenierte und es auch ganz generell schaffte, die Industrie und den unbegrenzten Konsum (und nicht die Politik) als Garanten für Freiheit zu etablieren – als direkten Affront gegen Präsident Roosevelt und seinen „New Deal“, der noch dem Ideal einer wirklichen Demokratie anhing. Auch mit Gehirnwäsche und regelrechter „Umprogrammierung“ von Menschen wurde experimentiert, finanziert und beauftragt von der CIA.

Doch gegen Ende der 1960er kam es in der Gesellschaft zu einem Aufstand gegen den Konformitätsdruck. Dies erzählt die dritte Folge:

Leute wie Herbert Marcuse und Wilhelm Reich argumentierten, dass nicht ein „unbewusst-unzivilisierter“ menschlicher Wesenskern eine Bedrohung für die Gesellschaft sei, sondern dass vielmehr der Zwang zur Konformität, der die Persönlichkeit unterdrücke, das Gefährliche sei.

In der Folge entstanden Versuche, dieses „eigentliche Selbst“ frei zu lassen, die Gefühle nicht mehr zu unterdrücken, sondern rauszulassen. Allerdings wurde dieses „wahre Selbst“, um das es da ging, sehr schnell entpolitisiert. Ging es anfangs noch um den Protest gegen eine Gesellschaft, in der nur der Konsum zählt und es keine Solidarität und Gemeinschaftlichkeit gibt, entstand sehr bald die Vorstellung, dass man auf der Suche nach dem „Selbst“ nicht nur gesellschaftliche Normierungen ablegt, sondern am Ende sozusagen ein „leeres Blatt“ ist, das man dann nach Belieben neu beschriften kann, nach dem Motto „Erfinde dich selbst“.

Die Befreiung von Zwängen wurde so zur Legitimierung dafür, nur nach dem persönlichen Glück zu streben und sich um das allgemeine Gute gar nicht mehr kümmern zu müssen. Auf dieser Folie entstand dann die „Lifestyle“-Industrie mit dem Versprechen, die nötigen Produkte für dieses „individuelle Selbst“ zu verkaufen. Und genau diese auf Individualität und persönliche Selbstfindung Wert legenden Gruppen waren es, die 1980 den Reagans und Thatchers zum Sieg verholfen haben.

Was aber bleibt von der Demokratie übrig, wenn die Menschen nur noch nach ihrem individuellen Glück streben ist? Dies erzählt der vierte Teil der Reihe:

Hier wird gezeigt, wie die „linken“ Parteien (Clinton in den USA, Blair in UK) umgebaut wurden von Arbeiterparteien mit einer bestimmten inhaltlichen Position hin zu „Meinungsforschungsparteien“, die – genau wie die Werbeindustrie – versuchten, die Bedürfnisse der Leute herauszufinden, um ihnen dann genau das zu versprechen.

Update: Man weist mich gerade darauf hin, dass das ungenau formuliert war: In Wirklichkeit wurden natürlich nur die Wünsche und Meinungen der Wechselwähler_innen befragt, weil die den Ausschlag geben. Die Ansichten des „Stammpublikums“ der Labor Party hingegen spielten dabei keine Rolle, da deren Stimmen sicher waren.

Auf diese Weise gelang es ihnen tatsächlich, wieder Wahlerfolge zu erzielen. Aber eben um den Preis, dass sie die Politik letztlich abschafften. Sie selbst haben das freilich nicht so gesehen: Sie glaubten, diese Art des Populismus sei „wahre Demokratie“, denn: Was ist denn falsch daran, den Leuten zu geben, was sie wollen?

Curtis zeigt sehr richtig, dass hier ein Denkfehler liegt: Denn zur Politik gehört, dass wir unterschiedliche Ansichten unter der Fragestellung diskutieren, in welcher Gesellschaft wir leben möchten. Befragt man nur einzelne Leute nach ihren Wünschen, werden sie auch nur ihre individuellen Wünsche preisgeben. Eine konsistente Politik lässt sich daraus nicht ableiten.

Während Bernays in den zwanziger Jahren noch argumentiert hatte: „Wir lullen die Leute in Konsumismus ein, damit die Politiker unbehelligt regieren können“, so ist mit „New Labor“ die Politik (im Sinne von: Organisierung der Gesamtheit der Gesellschaft) vollkommen tot, denn nun machen sich nicht mal mehr die Politiker Gedanken über das allgemeine Gute, sondern stolpern nur den Wünschen der Leute hinterher.

Und da diese Wünsche notwendigerweise disparat und widersprüchlich sind – weil es viele verschiedene Leute sind – kommt nicht einfach eine „falsche“ Politik heraus (in dem Sinne, dass sie nicht Gutes, sondern Schlechtes bewirkt), sondern schlicht unsinnige Politik, die heute dies macht und morgen jenes. Hauptsache immer die Meinungsumfragen, die nächsten Wahlen im Blick.

Was ich an den Piraten nun so spannend finde ist, dass sie tatsächlich wieder so etwas wie politischen Diskurs organisieren wollen. Diskussionen, bei denen sich Menschen darüber auseinandersetzen, was ihrer Ansicht nach dem allgemeinen Guten entsprechen würde. Nicht Lobbyismus eben, nicht bloßes Machtstreben, sondern Politik im eigentlichen Sinne.

Womit ich nicht sagen will, dass das in anderen Parteien und an anderen Orten nicht geschehen würde und auch nicht, dass das den Piraten schon wunderbar gelingt.

Aus vielerlei Gründen  (einer davon ist die Wiedervereinigung, die staatliche Interventionen erforderlich machte, ein anderer ist unser Wahlsystem, das auch kleinere Parteien zulässt und nicht nur einen Kampf zwischen zwei Blöcken inszeniert) ist die Lage der Politik in Deutschland meiner Ansicht nach nicht ganz so „PR-dominiert“ wie im angelsächsischen Raum.

Aber die Probleme, die in dieser Dokureihe aufgeworfen werden, erhellen auch vielerlei, was hierzulande passiert ist.

tl;dr? DANN SCHAUT EUCH DIE VIDEOS AN!!!

(allein schon wegen der fantastischen Zeitdokumente).

38 Gedanken zu „Wie die Psychoanalyse der Demokratie die Politik ausgetrieben hat

  1. Das, was ich an der Geschichte der Demokratie im 20. Jahrhundert am spandendsten finde (ich wundere mich dass du das nicht explizit sagst) ist, wie unfertig und dynamisch das Verhältnis zwischen Mensch und Gemeinschaft ist. Der Mensch hat seinen Platz in der Demokratie noch lange nicht gefunden. Ich halte das für eine der wichtigsten Triebkräfte hinter dem Erfolg der Piraten.

  2. Seit kurzem interessiere ich mich wieder für Psychoanalyse, nachdem ich mich jahrelang – oder jahrzehntelang (ich werde alt) – von ihr ferngehalten habe – aus diversen Gründen. Grund ist vor allem ein Professor, den ich schätze, der sich sehr stark auf die Psychoanalyse stützt.

    Das wichtigste, was ich bisher gelernt habe: Im Idealfall fördert die Psychoanalyse die Selbstreflexion. Nicht die Suche nach dem „wahren Selbst“, sondern eben das Überdenken der eigenen Position, Gefühle, Meinungen etc.

    Aber die Filme werde ich mir trotzdem ansehen.

  3. ein wunderbarer bericht, die grundlage unserer westlichen politik ist die massenbeeinflussung unter dem motto YES WE CAN hier ist der wahn alles im griff haben zu wollen eine perfekte welt zu schaffen, damit zerstören wir uns selbst und den anderen http://www.physik.as/ die piraten sind eine erste antwort, sie haben noch kein fertiges programm, sind also offen für mehr meinungen, und sind daher nicht in erster linie an macht interessiert, sondern an vernetzung: http://www.youtube.com/watch?v=KtU9-tU0z0M und hier kommt das zur anwendung was prof. dr. peter dürr sehr deutlich darstellt, es geht um die erweiterung durch dialog ohne vorbedingungen, was richtig ist und was nicht, denn viele von uns reden nur mit einem maulkorb, und sind daher nicht wirklich offen für das gegenüber http://www.youtube.com/watch?v=pdv1rQUfrks&feature=relmfu
    was martin buber in idealistischer verklärung so bezeichnet: „… Nur wer den anderen Menschen selber meint und sich ihm zutut, empfängt in ihm die Welt. Nur das Wesen, dessen Anderheit, von meinem Wesen angenommen, ganz existenzdicht mir gegenübersteht, trägt mir die Strahlung der Ewigkeit zu. Nur wenn Zwei mit allem was sie sind zueinander sagen: „DU BIST ES!“ ist Einwohnung des Seienden zwischen ihnen.“ Martin Buber: Zwiegespräche, Traktat vom dialogischen Leben in „Eros“ Heidelberg 1978, S.60

  4. Leider überzeugt mich der Artikel überhaupt nicht, ist die Psychoanalyse an sich gemeint oder die Psychoanalyse überhaupt? Wie kann eine Theorie eine Demokratie beeinflussen, ist Freud persönlich schuld, weil er lieber nicht aufgeschrieben hätte was er dachte? oder doch die Theorie an sich die sich in die Hirne von Menschen geschlichen hat und jetzt jede Menge Unheil anrichtet und Schuld daran ist, dass unsere Demokratie nicht so läuft wie sie sollte.

  5. Ohne hier den Parteien zu sehr das Wort reden zu wollen, aber als Agitatoren unserer nicht umsonst „repräsentativ“ benamten Demokratie ist deren Argument doch gerade, daß mit einer direkteren Demokratie dem Populismus Tür und Tor geöffnet werde. Und so idealistisch der Piratenansatz zu politischen Prozessen auch ist, rundweg von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit einer inhaltlichen Vereinnahmung nun nicht.

  6. Es geht doch nicht um Schuld, sondern es geht um Analyse und Analyse ist das Aufteilen in immer kleinere Teile, doch sie geht nicht von der Ganzheit aus, so meint die Psychoanalyse es gäbe etwas zu verbessern. Und da gibt es dann den Wettkampf und die Konkurrenz, die uns nicht in der Einheit lässt, die wir vor der Psychoanalyse waren. Ich kannte eine junge Frau 26 Jahre alt, die überdurchschnittlich begabt war, und begann eine zweijährige Psychoanalyse wg. ihres Vaterkonflikts, sie setzte diese Analyse bei einem männlichen Psychoanalytiker fort und ließ sich danaich in eine psychatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen, dann startete sie ihren ersten Selbstmordversuch, erneuter Aufenthalt auf der geschlossenen Station in der Psychiatrie, danach der zweite jedoch erfolgreiche Versuch sich von dieser Erde zu verabschieden. Ich traf sie einige Zeit vorher und sie schilderte mir, dass sie jede Nacht zwei Stunden laufen müsste, weil sie den Horror der sie verfolgt nicht aushalten können, und doch wusste sie, da gibt es irgendentwas in ihr, was sie trägt, doch das scheint sie sich für nach dem Tod aufgehoben zu haben. Auf ihrer Beerdigung flatterten ständig zwei Schmetterlinge über ihrem Grab und in der Schule neben an sang eine Klasse ein Lied was sie betrag, obwohl die Kinder nicht wussten, dass da eine Beerdigung war. Ich will damit sagen, wenn ich diesen Hintergrund der Einheit nicht deutlich genug spüre, bin ich von allen Erklärungsversuchen der Welt abhängig, die jedoch falsch sein müssen, weil es nur ein Teilwissen ist, wer perfekt sein will, tötet sich oder wie Breivik, gnadenlos andere, und kann da ein Psychoanalytiker helfen?

  7. danke für den hinweis, du weißt, ich finde immer spannend, was du schreibst. die filme werde ich mir gelegentlich bestimmt ansehen. dass die psychoanalyse zu einer anpassungsmaschinerie werden kann, das sehe ich auch so. aber sie hat wie alle großen bewegungen mindestens zwei seiten. und wurde sicherlich für machtinteressen missbraucht. es geht ja auch darum jenseits der polarisierungen „interessen der einzelnen – interessen der allgemeinheit“, ‚“mann-frau“ etc. etc. und den damit verbundenen stereotypen zu gelangen. im besten falle verhilft die psychoanalyse dazu die widersprüche zu sehen und soweit sie _noch _ nicht zu verändern sind, gut auszuhalten, was eben gerade nicht anpassung bedeutet. und vor allem auch nicht manipulation. ich schätze sie insofern sehr, als sie den blick auf das unbewusste (das immer ein anderes sein kann, zeitbedingt) auch das gesellschaftliche unbewusste (was zu freuds zeit z.b. die rolle der frau war) lenkt und insofern auch dazu beigetragen hat, dass frauen das bewusstsein von der notwendigkeit entwickelten sich selbst zu befreien. patientinnen die feministinnen geworden sind oder psychoanalytikerinnen die auf freuds thesen zur weiblichkeit reagierten … was ich gerade auch in meinem neuen buch ‚lilith_neuland. sprache feminismus poesie‘ in einigen abschnitten bespreche. na jedenfalls bin ich gespannt, was die filme zeigen …

  8. @Bettina – Ja, ich denke, das war auch eine typische USA-Situation. Freuds Neffe hat die Psychoanalyse dort eben „promoted“, sodass sie schon in den 30ern und 40ern in die Alltagskultur eingedrungen war. Das war in Europa ja ganz anders, wo sich vor allem Intellektuelle mit dem Thema beschäftigt haben und daran anknüpften. Ich glaube, Freud selbst hätte sich ziemlich im Grabe herumgedreht, wenn er das noch erlebt hätte…

  9. „Aber eben um den Preis, dass sie die Politik letztlich abschafften. … Denn zur Politik gehört, dass wir unterschiedliche Ansichten unter der Fragestellung diskutieren, in welcher Gesellschaft wir leben möchten.“

    Ich denke, das ist ein merkwürdiges Verständnis von Politik. Ist die Frage nach der „Gesellschaft, in der wir leben wollen“ eine – oder sogar schlechthin die – politische Frage? Kann man das nicht ebenso als kulturelle, ökonomische oder sogar religiöse Frage auffassen?

    Ich denke, man überfordert Politik mit solchen visionären Fragen, insbesondere, wenn man diese mit den unterschiedlichen Ansichten und Interessen verbindet. Politik hat genug damit zu tun, im Innern einer Gesellschaft ein halbwegs friedliches Mit- oder Nebeneinander zu organisieren, und den im Innern erreichten Konsens nach außen abzusichern, und zwar ganz und gar auf das Hier und Jetzt und nicht auf irgendwelche visionären Vorstellungen von Gesellschaft bezogen.

    Deshalb haben Blair und Obama die Politik auch nicht abgeschafft, sie haben für eine gewisse Zeit eine neue Form gefunden, diesen Konsens zu finden. Mit den Piraten kommt eine neue Form von Politik ins Siel, die neue Möglichkeiten für diese Konsensfindung anbietet, mehr nicht.

  10. @Jörg – Ich denke nicht, dass Politik diese Frage beantworten muss oder auch nur Antworten dafür anbieten muss (das wäre wirklich eher die Aufgabe von Kultur oder Religion oder Ökonomie), aber dass dies der Maßstab sein sollte, an dem sich politische Akteur_innen orientieren sollten und nicht „Wie werde ich wiedergewählt“ oder „Was wollen die Leute von mir hören“ oder „Wessen Interessen will ich mal vertreten“.

  11. Aber wer stellt solche normativen Ansprüche an Politik und mit welcher Rechtfertigung? Ich denke, es reicht völlig, wenn Politik das alltägliche Miteinander der Gemeinschaft stabilisiert.

    Ich weiß ja, Sie stehen ein wenig in der Tradition von Hannah Arendt, und das, was Arendt in „Was ist Politik?“ geschrieben hat, klingt auch in Ihrem Text hier ein bisschen an. Politik, wie sie sein sollte, als Realisierung von Freiheit („Der Sinn von Politik ist Freiheit.“). Ich habe das auch schon oft gern zitiert. Aber das ist eben ein normativer Anspruch, den man begründen muss, bevor man denen, die ihn nicht erfüllen oder akzeptieren, die „Abschaffung der Politik“ vorwirft.

  12. Nun ich finde, wer sich mit Hannah Arendt beschäftigt sollte sich auch die Überlegungen von Hans Peter Dürr zu Gemüte ziehen, denn er geht mit seiner Ansicht über den Politikbegriff hinaus, weil er begriffen hat, dass Politiker nicht wirklich auf die Bürger hören, sondern in einer Gesellschaft in der Massenmanipulation betrieben wird anderen Kräften gehorchen müssen. Also Menschen, die es in Kauf nehmen, dass Millionen durch Atomenergie verseucht und getötet werden: http://www.youtube.com/watch?v=pdv1rQUfrks&feature=relmfu Und deshalb ist Dürr heute mit vielen anderen in der Friedensbewegung, die dieses atomare Holocaust was man mit dem Iran vor hat zu verhindern. Ich höre da keine Bundeskanzlerin, die diese Schritte unterstützt: http://www.friedenskooperative.de/themen/iranerkg.htm Oder die Kriegstreiber von früher: Deutschland wird am Hindukusch verteidigt, ein SPD-Verteidigungsminister, also das soll man wählen können? Menschen, die nicht fähig sind andere Menschen friedlich zu erreichen, weil es ihnen wie das der Exbundespräsident Horst Köhler aufgedeckt hat, um wirtschaftliche Interessen geht und nicht um Menschenrechte. Wer fördert denn diese Undemokratie? Unser Bündnisverpflichtungen, unter dem Motto, die Menschen im Westen sind die „Besseren“?

  13. Zu Deiner Überschrift: “Die Psychoanalyse hat der Demokratie die Politik ausgetrieben” dachte ich sogleich:’ Hat nicht auch der Kapitalismus der Psychoanalyse die Politik ausgetrieben? ‘ Sehr richtig finde ich die Feststellung , wo Du darüber sprichst, dass nicht wenige AnhängerInnen der Psychoanalyse diese zur Konditionierung und Anpassung an gewünschte vorherrschende Verhältnisse benutzt haben (und wohl auch weiter nutzen). Dass die Psychoanalyse als Anpassungsmedium missbraucht werden kann ist unstrittig. Die Werbepsychologie spricht da ja Bände, wofür Freud allerdings nicht in Haftung genommen werden kann. ( Mein Vorwurf an Freud ist da ein anderer: Stichwort Ödipus).
    Das Bedürfnis, die Menschen einzulullen und zu konditionieren, hat nichts mit der Psychoanalyse per se zu tun, wie denn der Konsumismus nicht nur eine Einlullungsstrategie ist, sondern im Wesen des Kapitalismus liegt. Dies zu erkennen und zu reflektieren ist wiederum ein Verdienst der weiterentwickelten Freud’schen Denkmodelle und Theorien.

  14. @Axel-valentin – Hm, könntest du vielleicht mal etwas zurückhaltender sein und nicht in praktisch jedem deiner Kommentare irgend ein Video von Hans Peter Dürr verlinken? So langsam bekomme ich den Eindruck, er ist ein Guru und du in den Fängen seiner Sekte gelandet 🙂

  15. @Ute Plass – In diesem Film wird das in Teil 2 behandelt, und vor allem die Haupt-Verantwortung dafür Anna Freud gegeben. Inwiefern das stimmt, kann ich nicht sagen.

  16. @Antje – Zu Anna Freud – Hauptverantwortung für was? Psychoanalyse als ideologisches Anpassungsmedium?

  17. @Ute – Ja. Interviewt wird ein Mann, dessen Vater (als Kind) Anna Freud in den 50ern eine Analyse machte, bei dem ihm u.a. (angebliche) homosexuelle Neigungen abgewöhnt werden sollten. Anna Freud hatte wohl relativ viel Einfluss. Der Ansatz wonach Psychoanalyse helfen soll, sich an die gesellschaftliche Normalität anzupassen, wurde auch bei traumatisierten Weltkriegssoldaten angewandt…

  18. @Ute -Ja, da wurde gesagt, dass sie mit einer Frau zusammenlebte (wenn ich es richtig verstanden habe, der Mutter des betreffenden Jungen sogar), aber das heißt ja nicht, das sie offen lesbisch war. Den Artikel les ich gleich mal.

  19. @antje
    nun ja ein Physiker ein Guru da hatte ich viele LehrerInnen die zu meiner Erweiterung dienten, doch bei den ganzen Spielen geht es doch darum, nicht um Ausgrenzung und leider erlebe ich das durch Schmalspurdenken noch sehr häufig,

  20. @ Ute Plass
    „Dass die Psychoanalyse als Anpassungsmedium missbraucht werden kann ist unstrittig. Die Werbepsychologie spricht da ja Bände, wofür Freud allerdings nicht in Haftung genommen werden kann. ( Mein Vorwurf an Freud ist da ein anderer: Stichwort Ödipus)“

    . Mit dem Stichworten „Psychoanalyse als Anpassungsmedium missbrauchbar“ stimme ich überein, was meinst Du mit dem Ödipuskomplex und der falschen Sichtweise von S. Freud?

  21. @Axel-valentin Tigges – das ist ein anderes Thema und betrifft die These
    Freuds vom sex. kindlichen Begehren gegenüber dem andersgeschlechtlichen Elternteil in der sog. ödipalen Phase, welche dazu beigetragen hat, den realen sex. Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene in die Phantasiewelt des Kindes zu projizieren.

  22. …beschaeftigt man sich mit der Psychoanalyse der anderen, begibt man sich oft in die Flucht sich nicht mit der eigene zu beschaeftigen. das wahre Leben laesst man dann lieber an sich vorbei ziehen….dies ist oft einfacher..
    … aber ’sex‘ immer wieder als Aufhaenger ein zu bringen?
    Warum erzaehlt man nicht von seinen eigenen Erfahrungen, sodass andere davon lernen koennen, gewarnt werden!? anders sollte man das Wort nicht mehr gebrauchen….. die Welt ist vergiftigt genug!
    Gute Vorbilder sind gefragt! Spricht aber jemand davon was er denkt richtig gemacht zu haben, wird er als ein was ? …………..!, bezeichnet…..!

  23. @boehme,juelis – verstehe nicht, was du sagen willst. Psychoanalytsiche Denkmodelle sind ja dazu da, damit mensch sich selber klarer ´verstehen lernt bis hin zur Erkenntnis wie fraumann vermeiden lernt in die selbst gestellten Fallen hineinzutappen. Das hilft ungemein,um Entgiftungsprozesse, individuell, wie kollektiv, zu befördern, bzw. was noch erstrebenswerter ist, die Vergiftungen erst gar nicht entstehen zu lassen.
    Und was ‚gute Vorbilder‘ in diesem Zusammenhang sein könnten – nun denn: Her damit!

  24. …zu 25: zur bestaetigung der -oedipalen phase- habe ich bei freunden erleben muessen, dass ein 7 -8 jaehriges maedchen, so in ihren vater verliebt war, dass sie ihn heiraten wollte. der vater antwortete dann: aber das geht nicht, ich bin schon mit Mamma verheiratet! die kleine hatte ganz schoen was zu verarbeiten! wie das entstehen kann?! meine meinung dazu: zu naher, anhaltender, verliebter, kuschliger koerperkontakt zum kind und zu viel kussen, busserln, ob sie es moegen oder nicht! Bei meinen kurzen kontaktzeiten, konnte ich leider nicht viel erreichen -um nicht definitief rausgeworfen zu werden-, aber endlich konnte ich dem kind klar machen, dass es sich nicht kuessen lassen muss, wenn es es nicht wollte u.s.w.! also, hatte es schon einmal eher angeholt: beizeiten kinder loslassen, sodass sie sich in sich normal weiter entwickeln koennen!

  25. 27 „Psychoanalytische Denkmodelle sind ja dazu da, damit mensch sich selber klarer ´verstehen lernt bis hin zur Erkenntnis wie fraumann vermeiden lernt in die selbst gestellten Fallen hineinzutappen“
    Ja nur was klarer wird hilft nicht das Unbewusste zu beherrschen. Und es geht nicht um die Macher, die etwas verbessern wollen, sondern dem Erkennen, es ist ganz normal wenn der Sohn die Mutter begehrt und die Tochter den Vater, was unnormal ist, das es Eltern gibt, die darauf eingehen und nicht dafür sorgen, das Heranwachsende nicht in diesen Isolationsfallen bleiben. Diese Verantwortung kann man den Erwachsenen nicht nehmen. Löwenkinder balgen auch im ihren Erwachsenen doch Inzest ist da kein Thema. Es geht ja nicht darum unsere Körperfeindlichkeit zu fördern, sondern zu wissen wohin ich wie gehöre? Lernen das die Kinder bei zerissenen intellektualisierten Eltern? Ich glaube, dass da Naturvölker einen natürlicheren Zugang hatten, wo Heranwachsende keinen Partnerersatz spielen mussten, sondern Initiationsrituale praktizierten, um neue Wege gehen zu können.

  26. …ein grosses Mango ist m.e.auch, dass die Kinder gegenwaertig ohne Grosseltern aufwachsen muessen, weil die Wohnungsplanung fuer u.a. Grosfamilien in den hintergrund gerutscht ist!
    Junge Eltern sind meisstens auf sich selber gestellt,
    obwohl sie selbst noch von den Eltern lernen koennen sollten.
    und einen gewissen Rueckhalt haetten, wenn Naehe gegeben waere..

    Ein anderes sei hier vielleicht noch vermerkt:
    beizeiten den Kindern anderen gegenueber, Respect zu vermitteln?!

  27. Wenn Respekt nicht nur die Anpassung bedeutet, an die ich mich ohne das zu reflektieren angepasst habe, vermittle ich durch „mein Sein“ Respekt, denn das ist die Grundlage der Erhaltung der Art, Mäuse bauen z.B. keine Mausefallen, das tun nur die, die den Respekt verloren haben, doch sie meinen sie könnten das so weiter machen und das ist ein Märchen so wie dies hier eine Lösung zeigt:

    Gott ist unbeschreiblich, jedoch weiblich…

  28. … zeitens des schreibens und nachdenkens ueber „Respect‘ noch dies:

    gefaehrlich ist, wenn „Respectspersonen“ ‚Respect vom Kind‘ verlangen, diese aber keinen vor dem Kind selber haben.
    (indem sie es misleiden und misbrauchen durch eben eigene Fehlentwicklung usw.)
    Deshalb denke ich, dass ‚Elternschulung‘ ein groesserer Platz eingeraeumt werden muesste!

  29. Wenn ich mich noch ein wenig in die Diskussion einklinken darf:

    Die hier aufgezeigten BBC-Beiträge sind wirklich interessant: Sie zeigen die manipulative Macht, der die Menschheit unterliegt. Salopp gesagt: Wir werden nach Strich und Faden verschaukelt. Wahlen sind eine Farce. Den Massen wird auf’s Maul geschaut, und dann werden von PolitikerInnen die Parolen verkündet, die besonders gut ankommen. Wenn man dann gewählt ist, dann wird sowieso das gemacht, was die Strippenzieher im Hintergrund für gut erachten.

    Schön, wie die Tochter von Eli Berrnays die Menschenverachtung ihres Vaters entlarvt: Für ihn seien die Menschen nur dummes Volk gewesen. Seinen amerikanischen Mitbürgern redet er z.B. die kommunistische Bedrohung durch Guatemalas Regierung ein. (Sie hatte sich erdreistet, die United Fruit Company zu enteignen und eine Landreform zu planen.) Es werden antiamerikanische Demos in Guatemala inszeniert (von Eli Bernays), um Stimmung unter den Amerikanern zu machen. CIA-Piloten werfen Bomben ab – und es wird als Aktion guatemaltekischer Freiheitskämpfer ausgegeben. Am Ende steht der Sturz der Regierung. Die daraus folgenden Unruhen fordern tausende von Menschenleben.

    Genau dasselbe Muster erleben wir doch seit Jahren: Ex-Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Lybien, … Syrien und Iran stehen weiter auf der Liste. Im eigenen Land werden wir durch sog. Terrorismus manipuliert. Der linke Terror steht seit seinen Ursprüngen unter der Regie des Verfassungsschutzes (Mittelsmann u.a.: Peter Urbach). Im Moment wird die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback erneut verhandelt http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=30240; es gibt Hinweise auf einen Täterkreis, der nie wegen dieser Tat zur Rechenschaft gezogen wurde, sondern offensichtlich durch eine „schützende Hand“ gedeckt war. Die Abläufe bei diesem Gerichtsverfahren sind grotesk (http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/02vor-ort/stammheim-verena-becker-prozess/): Die Bundesanwaltschaft versucht ausdauernd, offensichtlich ernsthafte Zeugenaussagen zu diskreditieren. Es zeigt sich, dass eine Fülle an Indizien und Hinweisen bereits unmittelbar nach dem Attentat überhaupt nicht verfolgt wurden.

    Auch für den Terror aus der rechten Ecke gibt es Mutmaßungen, dass die Aktionen unter den Augen mächtiger Strippenzieher stattfinden: z.B. bei Oktoberfestattentat oder NSU.

    Der Mensch ist leichtgläubig. Das hat mit Freuds unsinniger Theorie nur insoweit etwas zu tun, als Freud Nutznießer dieser Leichtgläubigkeit war und er es so schaffen konnte, Menschen für sein Glaubenssystem zu gewinnen. Mit seiner Doktrin vom „Ödipuskomplex“ – groteske „Verkehrung ins Gegenteil“, wenn man es an dem großartigen Text von Sophokles misst – erklärt Freud systematisch die Opfer von Gewalt zu Tätern. Wer als Kind sexualisierte Gewalt erlebt hat, der hat es ja nur selbst so gewollt. So „analysiert“ er es im Fall von „Dora“ = Ida Bauer, im „Bruchstück einer Hysterieanalyse“, 1905. Und so predigt es bis heute Freuds Nachfolger, Otto F. Kernberg 1997/99, damals Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, IPA: Eine Grundschülerin erlebt im Alter von (unkonkret) „unter 10 Jahren“ die sexualisierte Gewalt von Seiten ihres Vaters „in typischer Weise … als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter“; sie müsse „ihre Schuld tolerieren“. Mehr zu den gruseligen Details dieser verblödeten Kaste findet sich auf meiner Webseite.

    Der TAZ-Artikel, auf den hier verwiesen wurde, entspringt auch dieser blöden Freud-Gläubigkeit.

  30. Pingback: Die Schlüppi-Flagge wurde gehisst. Kurznachrichten KW 16. | Erdbeerfleisch

  31. Der Blog-Beitrag von Antje aus dem Jahre 2012 ist nach wie vor aktuell. Siehe: „Warum schweigen die Lämmer?“
    Thema dieses Vortrags sind Techniken, die dazu dienen, schwerwiegende Verletzungen moralischer Normen durch die herrschenden Eliten für die Bevölkerung moralisch und kognitiv unsichtbar zu machen.“
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150806_Mausfeld.pdf

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