Philosophie des Körpers

philosophieMichela Marzano, Philosophieprofessorin in Paris, hat ein Buch geschrieben über die „Philosophie des Körpers“ – ein wichtiges Thema. Die gängigen Philosophen haben hat ja seit den alten Griechen mit einem Dualismus von Körper und Geist gearbeitet, eine Unterscheidung und Gegenüberstellung, die selbst dann, wenn sie problematisiert wurde, doch im Fokus des Interesses stand: der Körper als das, was uns im Materiellen festhält, was die menschliche Freiheit behindert. Und das gerne auch im Paket mit einer Verachtung den Frauen gegenüber, die, da auch der allerautonomste Mensch sein Leben dem Geborenwerden aus dem Körper einer Frau heraus verdankt, das Symbol schlechthin für diese Verhaftung ans Materielle sind.

Dass das „Ich“, das Subjekt, keinen Körper „hat“, sondern nur als Körper überhaupt existiert, diese Tatsache haben fast alle (westlichen) Philosophen entweder ignoriert oder zumindest bedauert. Und deshalb ist es sehr gut, dass Michela Marzano sich diesem Thema systematisch nähert. Ihre Analyse ist auch streckenweise sehr lesenswert, vor allem dann, wenn sie sich kritisch mit dieser Philosophietradition auseinandersetzt. Berührend zu lesen sind auch die Kapitel, in denen es um körperliche Qualen als Strategie zur Entmenschlichung von Opfern geht, am Beispiel der NS-Konzentrationslager oder der Philosophie de Sades.

An den Punkten jedoch, wo sie sich der Frage stellt, was eine „Philosophie des Körpers“ angesichts aktueller Technologien und Diskurse bedeuten würde, wird ihre Argumentation eher schwach. Die Frage nach der Körperlichkeit stellt sich ja heute neu, wo es durch chirurgische Eingriffe oder andere Technologien möglich geworden ist, Körper auf eine Weise zu verändern, wie das früher unvorstellbar war. Die „alten Philosophen“ hatten ja „nur“ die Frage zu klären, wie der Mensch damit zurechtkommen soll, nun mal mit diesem oder jenem Körper gesegnet oder gestraft zu sein (denn „tun“ konnte man früher nicht allzu viel). Heute hingegen geht es zusätzlich auch um die Frage, wie der Mensch den eigenen Leib technologisch gestalten soll oder nicht.

Marzanos Antwort lässt sich im Prinzip zusammenfassen als: Sowas soll man lieber nicht machen. Sie vermutet in jedem Wunsch, Körper zu verändern, eine Spätwirkung jenes Dualismus, den sie zuvor kritisiert hat. Wer den eigenen Körper verändert, so ihre These, verhält sich wie das „Geist-Subjekt“ der alten Philosophen, das den Körper nicht als Teil des Selbst begreift, sondern als Objekt, das nach Belieben gestaltet werden kann.

Die Beispiele, an denen sie das verdeutlicht, sind: Eine Künstlerin, die den eigenen operativ veränderten Körper als Kunstwerk begreift, die Queer-Theorie, die das biologische Geschlecht als konstruiert versteht, Transsexualität, also die Vorstellung, der eigene Körper könne „falsch“ sein, und schließlich „das Internet“, wo sich Menschen mit virtuellen Avataren ausstatten bzw. die Cyborg-Idee der Verschmelzung von Mensch und Maschine.

Aber sind diese neuen Annäherungen an Körperlichkeit wirklich nur Nachfolger des alten Körper-Geist-Dualismus? Lassen sich diese Phänomene nur interpretieren als erneuten Versuch, das „Ich“ vom Körper zu trennen und der Materie hierarisch überzuordnen, indem der Körper als falsch, manipulierbar und als zu gestaltendes „Ding“ betrachtet wird?

Ich denke, dass Marzano durchaus einen wunden Punkt trifft, denn eine solche „dualistische“ Sichtweise (nach dem Motto „Ich bin eine freier Mensch und kann deshalb mit meinem Körper machen, was ich will“) kommt in allen angesprochenen Diskursen tatsächlich zuweilen vor. Es gibt Menschen, die ein „frei wählbares“ Geschlecht propagieren, wobei der lästige Geburtskörper eben nicht in die Quere zu kommen hat, und es gibt Internet-Theoretiker, die von der Entkörperlichung des Users träumen, damit der endlich in den Weiten des Virtuellen aufgehen kann, ohne sich lästigerweise zwischendurch noch Pizza ordern zu müssen. Und natürlich gibt es im Zusammenhang mit Cyborgs immer auch wieder den (in zahllosen Science Fictions ausgearbeiteten) Traum, durch technische Modifikationen den Limitationen und der Endlichkeit des menschlichen Körpers zu entkommen.

Die Frage ist nur: Ist das das Wesentliche an diesen Diskursen? Oder ist das nur die Erscheinung, die sie annehmen, wenn man sie oberflächlich betrachtet – nämlich selbst noch von der Folie des alten Körper-Geist-Dualismus ausgehend? Wobei der Denkfehler sowohl auf Seiten der Kritiker_innen als auch der Verfechter_innen von Körpermodifizierungen liegen kann.

Ich jedenfalls lese in diesen Diskursen (auch) etwas anderes. Wenn eine Künstlerin sich selbst in ihrer Körperlichkeit als Kunstwerk inszeniert, ist das nicht gerade ein Ausdruck dessen, dass sie sich der Körperlichkeit ihres Ichs bewusst ist? Ist nicht der querschnittsgelähmte Mann, der als kraftgestählter Avatar im Internet unterwegs ist, sich der eigenen Körperlichkeit vielleicht bewusster als viele Gesunde? Ist der Wunsch einer Transsexuellen nach operativen Veränderungen ihres Körpers nicht gerade ein Ausdruck davon, dass sie um die grundlegende Bedeutung des Körpers für das Ich weiß?

Zu sagen, der Wunsch nach operativen Veränderungen des Körpers seien ein Resultat des alten Körper-Geist-Dualismus ist, halte ich für verkürzt. Das kann sein (bei vielen konventionellen Schönheitsoperationen ist das sicher so), aber es muss nicht so sein. Die Idee, es gäbe einen „natürlichen“, „intakten“, „unveränderten“ menschlichen Körper ist ja genauso falsch wie die Idee, der Körper sei dem Willen vollkommen unterworfen.

Die Frage ist nicht, ob wir die eigene körperliche Existenzform mit Hilfe von Technologien verändern, sondern wie, und von welchen Bildern und symbolischen Vorstellungen wir dabei ausgehen. Gerade das Wissen darum, dass die eigene Existenz immer nur eine körperliche Existenz ist, kann Ursache für den Wunsch sein, sich auch über den Körper auszudrücken, den Körper ebenso zu formen und „weiterzubilden“, wie wir (hoffentlich) unseren Geist weiterbilden.

Das, was nach der Kritik an den „alten Philosophen“ mit ihrem Körper-Geist-Dualismus neu zu lernen wäre, ist nicht eine prinzipielle Skepsis gegen eine von subjektiven Wünschen geleitete Gestaltung von Körpern, sondern eine bewusste und differenzierte kulturelle Praxis, die die Art und Weise von Körpergestaltung kritisch reflektiert. Was heißt es, das eigene „Körpersein des Ichs“ verantwortlich zu gestalten?

Dazu gehört wohl ebenso der Rat, den Körper nicht zu vernachlässigen oder für unwichtig zu halten, als auch der Rat, den Körper nicht zu überhöhen und das eigene Glück davon abhängig zu machen, dass dieser Körper möglichst optimal beschaffen ist. Und vor allem ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Denn egal wie sehr wir den eigenen Körper auch mit Hilfe von medizinischer Technik modifizieren und transformieren mögen – dem Umstand, dass wir körperliche Wesen sind, also sterblich, verletzlich, bedürftig und untrennbar ein Teil der materiellen Welt, werden wir niemals entkommen können.

Michela Marzano: Philosophie des Körpers. Diederichs, München 2013,  14,99 Euro

Zum Eintrag „Körper“ im ABC des guten Lebens

29 Gedanken zu „Philosophie des Körpers

  1. Ich kann ja beim besten Willen nicht verstehen, wie man auf die Idee kommt, die Frage, ob ein Mensch seinen Körper verändern solle, sei ein geeigneter Gegenstand der Philosophie.
    Aber ich glaube, das mit der Philosophie habe ich eh bisher nicht so recht verstanden.

  2. Menschen haben, so viel ich weiß, schon immer an ihren Körpern herumgeändert, nur dass es jetzt durch neue Techniken einfacher geworden ist. Ich bin selbst ja jemand, die eher wenig an sich herumändert, aber manche Dinge tue ich auch. Die Problematik der Körperveränderungen sehe ich eher an anderen Punkten: Wie sehr ist die Wertschätzung, die wir uns selbst und anderen Menschen entgegenbringen, von unseren Körpern abhängig? Wie sehr erwarten wir von uns und anderen, dass sie irgendwelche Ideale erfüllen? Und das dann noch in einer Welt, in der die finanziellen Möglichkeiten, sich einen perfekten Körper zu organisieren, für die meisten Menschen doch beschränkt sind.

  3. wenn ich den körper der natur betrachte, so haben wir mit hilfe der technologie dort versucht viel zu verbessern. durch atomkraftwerke, gentechnologie, wetterbeeinflussung, ausbeutung der ressourcen, ausrottungen von tierarten, wie bienensterben, so das der satz der indianer noch immer gilt
    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.‘‘
    in diesem zusammenhang betrachte ich meinen körper. wenn mich etwas stört, wie z.b. die krankheit ADHS, kann ich nun mit ritalin behandeln, und alle sind beruhigt. und die pharmaindustrie hat immer höhere wachstumsraten.
    doch ich kann ja in unserer körperkulturzeit in vielfacher weise auf mich aufmerksam machen, und da liefert die medizintechnologie immer mehr möglichkeiten, für die gruppen, die das bezahlen können. andere müssen dafür ihre körperteile verkaufen, wie nieren, und werden sich nie ein dialysegerät leisten können. so überlege ich mir, ob nicht durch den wahn der machbarkeit des menschen, siehe die prometheus vorstellung sich der mensch systematisch zerstört, oder warum gibt es einen stamm der als das glücklichste volk der welt beschrieben wird, was das alles nicht kennt, nicht mal einen gott: http://www.youtube.com/watch?v=MZgtDHDHWcs&feature=player_embedded. was fehlt diesen menschen, dass sie so glücklich sein können, oder vielleicht fehlt uns ja eine konkurrenzlosere gemeinschaft, die nicht ihren körper unter dem gesichtspunkt von angebot und nachfrage betrachtet, mit noch mehr piercing oder tattoos oder den technologischen fähigkeiten den perfekten frauenkörper auch noch mit 80 zu kaschieren, damit das versteckte patriarchat weiter seine ideale pflegen kann. denn wer beeinflusst die menschen womit, dass die mode uns so trennt?
    gibt es lösungen aus diesem dillemma ?

  4. Was ist eigentlich so schlimm an Dualismen?

    Sie sind ein naiver, aber durchaus plausibler Versuch, dynamisches Verhalten zu verstehen.

    Insofern finde ich, hilft einem auch der Hinweis auf die Identität von körperlicher und geistiger Existenz nicht so recht weiter beim Verständnis – vielleicht mal ein Beispiel:

    In der Natur kann ich davon reden, dass ein Räuber und seine Beute nur zusammen existieren, der eine sowieso nicht ohne den anderen denkbar ist usw. usf.
    Die genaue Form der Abhängigkeit voneinander habe ich damit aber noch nicht beschrieben – die einen fressen die anderen, sollten sich aber tunlichst nicht überfressen, denn dann wird es für sie auch übel. Anders gesagt, der Blick von innen enthüllt ein „dualistisches“ Verhältnis der beiden.

    Ebenso ist doch für ein genaues Verständnis der Wechselwirkung zwischen Geist und Körper ( wenn man diese beiden nun einmal als wechselwirkende Einheiten auffasst ) der Hinweis, dass es sich um ein Gesamtsystem handelt, ziemlich egal.
    Natürlich, was denn sonst.

    Die „alten“ Philosophen haben, wenn sie meinten, mit diesem Dualismus die Realität gut abbilden zu können, doch ganz andere Dinge interessiert – z.B. die Tatsache, dass ethisches/vernünftiges Verhalten, vom Individuum eingesehen, auf Grund körperlicher Bedürfnisse keine Umsetzung findet/oder eben gerade trotz körperlicher Bedürfnisse seine Umsetzung findet. Oder die Tatsache, dass menschliches Wollen anscheinend auf mehr zeigt, als nur körperliche Befriedigungen zu erreichen, etc.

    Wenn man schon ein neues Verständnis von Körper und Geist entwickeln will, dann sollte man vielleicht von einigen neueren Ansätzen ausgehen, in denen das „Ich“ sozusagen die Selbsttheorie einer Maschine ( des Körpers ) ist, die sich in einer Umwelt zurechtfinden muss und für ihre Prognosen eben gerade diese Selbsttheorie zur Grundlage nimmt.

    Was zumindest oberflächlich hervorragend mit „Dualismen“ vereinbar ist.

  5. Wo fängt das Körper-ändern denn an? Schon wenn man sich Muskeln antrainiert? Dauerwellen machen lässt? Eine Zahnspange trägt? Botox spritzt? Oder medizinisch nötige OPs durchführen lässt wie z.b. Gallenblasenoperationen, Brustamputation bei Krebs, etc? Geht es nur um freiwillige Änderungen oder auch um unfreiwillige?

  6. als transsexuelle verändere ich meinen körper auch, in einer weise, die andere menschen sicher schwer ins grübeln bringt. aber es ist nicht so, dass mein körper falsch ist. in diesem bild kommt etwas zum ausdruck, was leute auf irrwege kommen lässt. mein körper ist nicht falsch, aber seine geschlechtliche ausprägung passt nicht zu meinem bewusstsein und meinem selbstbild.

    ich verändere meine körper mit dem ziel, einen einklang herzustellen. nach einer veränderung kann ich diesen körper-geist-dualismus ein bisschen besser auflösen. ich komme mir selbst näher, als integrierte persönlichkeit. und das ist ein schöner zustand.

    manche versuchen auch, ihren körper nach den vorgaben ihres geistes zu verändern. das macht mir immer ein bisschen angst, weil ich mir überlegen muss, an welchen vorgaben und bildern sie sich orientieren. ohne den einklang mit sich selbst herstellen zu können ist das dann auch kein souveräner akt mehr, sondern eine nur scheinbar rationale unterordnung unter fremde vorstellungen von körpern.

  7. Jeder Mensch hat ein Verlangen nach Verbesserung seiner Lebensumstände. Ein Mädchen, dass von sich weiss, dass es eines ist, hat den Wunsch auch einen Körper zu besitzen, der ihr Selbst repräsentiert. Wenn die Genitalien dazu nicht geeignet sind, und aus einem Penis eine Vagina werden kann, dann ist es nur klug, den Wunsch eines Menschen ernst zu nehmen, antatt diesen als negativ zu werten.

  8. Interessanterweise kommen andere Kritiker des Dualismus zum Gegenteiligen Schluss. So argumentiert der britische Philosoph Andy Clark dass, weil Körper und Seele nicht als getrennt aufzufassen sind, es keinen Unterschied macht ob ich nun meinen Körper oder meine Seele verändere, und seine Argumentation ist der von erzaehlmirnix ähnlich:

    Die „Extended-Mind“ Hypothese von Clark sagt, dass wir auch mit unserem Körper, der sich in die Umwelt ausdehnt, denken, und eben nicht nur mit dem Gehirn als geistige Schaltzentrale. Als Beispiel nennt er unsere Nutzung von Smartphones, auf deren Funktionen zum Speicher für Nummern, Notizen, Gedanken und zur Kommunikation wir annähernd genauso leicht zugreifen können, wie auf die unseres angeborenen Gedächtnisses im Gehirn. Ähnlich verhält es sich mit der Verfügbarkeit von Büchern, die als sprichwörtliche Wissensspeicher unser eigenes Erinnerungsvermögen ergänzen. Aber genauso sind auch Veränderungen des Körpers aufzufassen, die es uns erlauben die Umwelt anders wahrzunehmen, als es uns vorher möglich war. Dies alles sind für Clark wenn nicht gleich, so doch zumindest ähnliche Veränderungen von unserem Sein, und es spielt keine große Rolle ob sie nun „geistlich“ oder „körperlich“ sind.

  9. „Menschen haben, so viel ich weiß, schon immer an ihren Körpern herumgeändert, nur dass es jetzt durch neue Techniken einfacher geworden ist“ – meint Susanna, recht hat sie, wenn auch der Hintergrund und der Kontext meist ein völlig anderer war und zu unterscheiden wäre, ob jemand sich selbst ein Körperteil entfernt oder das jemand anderes tut (z.B. Hand ab bei Diebstahl, Kriegsverletzung usw., alles auch „Körperveränderungen“ …) womit Susanna wieder weit weg vom Kern dieser Diskussion wäre.

    Antje Schrupp meint:
    “ .. da auch der allerautonomste Mensch sein Leben dem Geborenwerden aus dem Körper einer Frau heraus verdankt, das Symbol schlechthin für diese Verhaftung ans Materielle sind…“, was natürlich so erst (!) einmal stimmt – die Frage nach „dem Materiellen“ ODER „der Materie“ mal außen vor gelassen – jedoch (wie gelegentlich gern bei Antje Schrupp) nur die halbe Miete ist, und das offensichtlich, es sei denn, sie hält die „Jungfrauengeburt“ für DIE allgemeine reale (materielle Existenzgrundlage) der Menschheit …
    Es gibt eben, genauer und exakt hingeschaut, immer noch ein (anderes) Stückchen“Material“ (oder hier auch Materie) mehr, als wohl Antje hier bis dato in Rechnung gestellt, um „zu einen -neuen- Menschen zu kommen.

    Womit wir lieber weitergehen zu meiner „(Vor)Namensvetterin“ Michela Marzano, die es auf den Punkt bringt, wenn sie laut Antje meint:
    „Dass das „Ich“, das Subjekt, keinen Körper „hat“, sondern nur als Körper überhaupt existiert, diese Tatsache haben fast alle (westlichen) Philosophen entweder ignoriert oder zumindest bedauert.“
    Lusru ist zwar etwas „westliches“ aber kein (solcher) Philosoph, hat jedoch seit längerem genau das nicht bedauert, sondern versucht, nachzuweisen, wer googeln kann, wird irgendwann das finden( gelegentlich half Berta Brahmer wohl dabei)

    Worum geht es, wenn Michela Marzano (mit anderen Worten) die einzige gemeinsame Identität von Körper und Geist benennt?

    Wir nehmen statt „Körper“ den philosophisch zugedachten „Materialbegriff“ MATERIE und suchen später auch den auf psssender Ebene verwendbaren Begriff für „Geist“, der ja auch aus irgendetwas bestehen muß, um existieren zu können …

    Zunächst MATERIE, nie zu verwechseln mit „Material“ (wie materialistisch nie zu verwechseln ist mit materiell…):
    These
    Alles, was es gibt und uns bekannt oder unbekannt ist, ist Materie, es gibt keinen „materiefreien Raum“, nirgendwo.
    Was ist MATERIE:
    Materie ist stets ein Ganzes, ein System, das aus mehreren Ganzen / Systemen besteht, die sich selbst jeweils (und öfter auch gemeinsam, wie z.B. in einem biologischen Organismus, und dann nur kooperativ sprich mutualistisch – nicht altruistisch!) zu erhalten haben – oder zugrunde gehen, oder über gehen in ein anderes System, da nichts verschwindet sondern es bestenfalls die Erscheinung (samt „Körper“, Ort, Zeit oder alles zusammen) ändert.

    Wenn Materie ein Ganzes im Verständnis eines Systems oder sogar eines Organs ist, muß sie aus verschiedenen Elementen bestehen.
    Diese Elemente sind stets MASSE, ENERGIE und INFORMATION.

    Während Masse und Energie auch im Alltag relativ geläufig sind, auch, daß es davon ungeheuer kleine und ungeheuer große „Erscheinungen“ geben kann, taucht bei dem 3. unverzichtbaren Element der Materie, der Information (die hier zunächst nichts mit dem Verständnis von Journalisten als „Nachricht“, als „nach GeBerichtetes“ dazu zu tun hat sondern eher im physikalischen Verständnis auftritt), die offensive Frage nach dem „Was ist das?“ und wieso ist das „IN der Materie zwangsläufig“ enthalten auf.

    Nehmen wir die Masse, den „Stoff“, das „Stoffliche“ – sie/es hat stes eine Struktur, eine innere, äußere und Gesamtbeschaffenheit mit vielen Kriterien und Parametern, die sie von anderen explizit unterscheidet – oder es gibt sie nicht.

    Nehmen wir die Energie: Auch sie bedarf der eigenen Strukturierung, die sie von einer anderen /andersartigen unterscheidet – oder es gibt sie nicht.

    Und was ist STRUKTUR?
    Struktur beschreibt und sichert die Unterschiedlichkeit aller Erscheinungen, aller Systeme, ob im anorganischen oder organischen Bereich, nach innen wie nach außen.
    Sie ist verantwortlich nicht nur dafür, daß es UNTERSCHIEDE gibt, sondern auch dafür, daß diese erkennbar, wahrnehmbar werden, sind und bleiben, auch während aller permanent (aufgrund permanenter innerer und äußerer Bewegung bereits der allerkleinsten Materie-Einheiten) erfolgenden Veränderungen.

    Diese UNTERSCHIEDE sind das einzigste, das in und durch Systeme aller Art erkennbar, wahrnehmbar, erfassbar sind, einzig sie allein werden durch ihre Erfassung zu INFORMATIONEN.
    Information heißt (erfaßter) Unterschied.

    Das heißt aber auch:
    Kein Unterschied – keine Information (und hier darf das journalistische „Nachrichtenverständnis“ von „Information“ sich selbstprüfend weiter „Andocken!)!
    Heißt aber auch:
    Kein Unterschied – keine Information – keine erkennbare Struktur von Masse, Energie – keine Masse, keine Energie und keine Materie.

    Und das gibt es bekanntlich, wie eingangs ausgeführt und fast vollständig inzwischen auch physikalisch erwiesen, eben nicht, nirgendwo gibt es keine Materie (in dem hier beschriebenen Verständnis, auch nicht im All oder im Vakuum …)

    Damit zeigt sich nicht nur ein sondern der „Platz“, die „Struktur“, die „Daseinsberechtigung“ und die „Daseinsnotwendigkeit für „Geist“, für alles, das als „Geist“ im engeren und weiteren Sinne, im physikalisch – biologischen wie im philosophisch-religiösen Sinne damit bezeichnet werden kann:
    (nicht) Ganz zuletzt ist alles das (nur) UNTERSCHIED, als das einzige, das systemisch innerlich oder gegenseitig wahrnehmbar oder erfassbar ist und damit alle Veränderungen herbeiführt, zuläßt, antreibt.
    Der systemisch erfaßte Unterschied als INFORMATION ist die Triebkraft jeder Bewegung, jeder Veränderung, jeder Entwicklung, jeder Evolution, in der anorganischen wie in der organischen Welt, ist DAS ELEMENT der MATERIE, das deren GANZHEIT und damit die EINHEITLICHKEIT von KÖRPER und GEIST erstellt und sichert und deren Dualität prinzipiell auschließt
    Es gibt keine Trennung von Körper und Geist, das eine kann nur als das andere existieren.
    Die „Philosophie des Körpers“ ist zwingend die „Philosophie des Geistes“ und umgekehrt.

    … Freundliche Grüße von Michaela an Michaela in Paris.

    Und dann weiter mit Antje Schrupp:
    „Das, was nach der Kritik an den „alten Philosophen“ mit ihrem Körper-Geist-Dualismus neu zu lernen wäre, ist nicht eine prinzipielle Skepsis gegen eine von subjektiven Wünschen geleitete Gestaltung von Körpern, sondern eine bewusste und differenzierte kulturelle Praxis, die die Art und Weise von Körpergestaltung kritisch reflektiert. Was heißt es, das eigene „Körpersein des Ichs“ verantwortlich zu gestalten?

    Dem wäre nur noch – leicht korrigierend – hinzuzufügen
    „Was heißt es, das eigene gestaltete „Körpersein des Ichs“, diese Struktur, dieses Erkennungsmerkmal, verantwortlich zu gestalten?“

  10. „eine bewusste und differenzierte kulturelle Praxis, die die Art und Weise von Körpergestaltung kritisch reflektiert. Was heißt es, das eigene „Körpersein des Ichs“ verantwortlich zu gestalten?“ sagt Antje Schrupp.

    Ich denke auch, dass es um eine kritische Reflexion geht.
    Denn als soziale, kulturelle Wesen interagieren wir immer mit unserem Körper. Und Körper heißt in dieser Interaktion eben auch Körperbild, Kleidermode, Schmuck und andere symbolische Einschreibungen am und im Körper, Normen von Schönheit, Gesundheit, Fitness, und Angleichung oder Unterscheidung je nach Status und Peergroup, und vieles mehr. Das ist schon immer so gewesen. Und da geht es darum, den Grad der individuellen Selbstbestimmung darin, den Grad der Freiheit, wie ich mich mit meinem Körper ausdrücke und in Kontakt gehe, zu reflektieren.
    Im gegenwärtigen, mir extrem erscheinenden Körperoptimierungskult ist es tatsächlich so, dass die Mode weniger eine der Bekleidung, als der Körperformen selbst geworden ist, und das hat schon eine andere Qualität, weil sie invasiver ist, als ein Wechsel der Mode…? oder erscheint es nur so? Das weibliche Korsett (und den männlichen Schlips?) empfinde ich schonwaren / sind doch auch sehr einschnürend…?

    Je unhinterfragbarer die Normen der Körperlichkeit (z.B. Körperbehaarung) erscheinen, desto geringer ist der Freiheitsgrad und je weniger eine Pluralität der Erscheinung gesellschaftliche Akzeptanz hat, desto enger sind die Normen und desto weniger Spielraum hat der einzelne.

    Gefährlich an der gegenwärtigen Entwicklung erscheint mir das extreme Auseinanderklaffen eines ALLES-IST-MÖGLICH, soweit es individuelle Flexibilität und Selbstoptimierung, den Zugriff auf Körper, Konsum und individuelle Gesundheitskonzepte betrifft – und einem ES-GIBT-KEINE-ALTERNATIVE, soweit es gesellschaftspolitische Strukturen oder wirtschaftliche Verantwortlichkeiten betrifft.
    Ich denke, dass dies eine Dualität ist, die gegenwärtigen Herrschaftsstrukturen stabilisieren. Was wäre, wenn wir diese Dualität auf den Kopf stellen?

  11. Ist die zunehmende Isolation Verstärker dieser Vorstellung sich zu überhöhen, oder sich anderen anzupassen?

  12. „Gerade das Wissen darum, dass die eigene Existenz immer nur eine körperliche Existenz ist, kann Ursache für den Wunsch sein, sich auch über den Körper auszudrücken, den Körper ebenso zu formen und „weiterzubilden“, wie wir (hoffentlich) unseren Geist weiterbilden.“

    Unsere Existenz ist eben NICHT „immer nur eine körperliche“, sondern auch eine soziale und politische. Marita Blauth bringt es in ihrem Kommentar gut auf den Punkt:

    „gefährlich an der gegenwärtigen Entwicklung erscheint mir das extreme Auseinanderklaffen eines ALLES-IST-MÖGLICH, soweit es individuelle Flexibilität und Selbstoptimierung, den Zugriff auf Körper, Konsum und individuelle Gesundheitskonzepte betrifft – und einem ES-GIBT-KEINE-ALTERNATIVE, soweit es gesellschaftspolitische Strukturen oder wirtschaftliche Verantwortlichkeiten betrifft.“

    Ich denke mir schon lange, dass die drastische Zunahme aller erdenklichen Körpergestaltungen (Tattoos, Piercings, SchönheitsOps, Bodyshaping, Enthaarung, Diät-Hopping usw.) die Rückseite der zunehmenden individuellen Machtlosigkeit in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen ist.

    So nach dem Motto: Leute, beschäftigt euch mal lieber mit eurer Bauchstraffung, entfernt die letzten Haare vom Hodensack und denkt darüber nach, welches ZEICHEN als nächstes eure Haut zieren soll. SO könnt Ihr euch verwirklichen und noch so etwas wie Gestaltungsmacht erleben – aber schön jeder für sich, mittels massivem Konsum – und natürlich in Konkurrenz zueinander!

  13. @Claudia – bei „unsere Existenz ist immer nur eine körperliche” ist das „nur“ im Sinne von „unweigerlich“ gemeint, natürlich nicht im Sinne von „ausschließlich“ 🙂

  14. Ich finde am Punkt „freier Mensch/freier Körper“ gibt es den Gedanken des Vergleichens. Gerade aber dieser Vergleich verlangt von mir eine Norm zu sehen und mich selbst Gedanken auszusetzen, die mich von der Erfüllung meines Potenzials entfernen. Sind mir doch Talente und ein eigener Ausdruck gegeben, drücken sich diese doch auch über meinen Körper aus. Es ist ohnehin schon schwierig das eigene Potenzial auszuschöpfen. Es ist mir einfacher mich anzunehmen, ebenso wie andere. Die Dualität gerichtet auf uns selbst, die Ausdruck einer sich spaltenden Gesellschaft ist. Es kostet weniger Kraft ich zu sein. Muss ich an meinem Körper zweifeln? Kann ich nicht einfacher meine Möglichkeiten ausloten ich zu sein? Möchte ich mir doch weniger Aufwand schaffen. Ist ein gewisser Aufwand doch notwendig um mich gut zu fühlen. Im Leben gibt es ohnehin genug Dinge zu bedenken. Konstruktive Wege erschließen auch Fragen. Wie sage ich was ich möchte? Wie nimmt man mich an? Was kann gerade ich sagen, fühlen und tun? Allein stellt man fest sind diese Möglichkeiten begrenzt. Vielleicht daher der Wunsch sich selbst zu überwinden. Ich möchte mich auch von solchen Normen lösen. Ich glaub die Gedanken schreib ich mir auf und denke darüber nach. Das klingt zu einfach. Danke für die vielen Anregungen.

  15. “Gerade das Wissen darum, dass die eigene Existenz immer nur eine körperliche Existenz ist, kann Ursache für den Wunsch sein, sich auch über den Körper auszudrücken, den Körper ebenso zu formen und „weiterzubilden“, wie wir (hoffentlich) unseren Geist weiterbilden.” (Antje)
    „Es ist mir einfacher mich anzunehmen, ebenso wie andere. (late line)

    Es klingt wie gegensätzlich; und das erstere gefällt mir, weil es auch etwas eröffnet, aber aus dem Herzen, das meinen politischen Verstand führt, spricht mir der zweite Satz.
    Es erscheint mir tatsächlich viel Potential für Selbstausdruck, für in der Welt sein, für politisches Handeln darin zu liegen, die Substanz des Körpers, sein nacktes Erscheinungsbild anzuerkennen, anzunehmen und damit zu sein, ihn mitzunehmen in die Welt, die ich mit anderen gestalte. Nur, dass zu diesem Annehmen mehr gehört, als ein einsamer Beschluss, eben weil wir soziale, auf Anerkennung von menschlichen Gegenüber angewiesene Wesen sind. Trotzdem ist mir das „Aushalten“ des Anderssein ein sehr großer gesellschaftlicher Wert.

    „Ist die zunehmende Isolation Verstärker dieser Vorstellung sich zu überhöhen, oder sich anderen anzupassen?“ (late line)

    Ja, ich glaube, dass die zunehmende Isolation (und damit meine ich einen Verlust an dialogischem, zwischenmenschlichen, realem und mit der Chance auf Kontinuität versehenen Kontakt) ein Grund für Verführbarkeiten in die eine oder andere Richtung ist.

  16. „Ist nicht der querschnittsgelähmte Mann, der als kraftgestählter Avatar im Intenet unterwegs ist, sich der eigenen Körperlichkeit vielleicht bewusster als viele Gesunde?“

    Aus meiner Zeit als „Betreuer“ von Schwerbehinderten kann ich mich erinnern, dass eine der ganz wesentlichen Aufgaben darin bestand, sich gewissermassen als „intelligentes“ Werkzeug des „Betreuten“ zu verstehen – damit hatte ich anfangs einige Probleme, wie sehr viele jugendliche Männer, die diesen Job machten.
    Mein damaliger Chef – ein querschnittsgelähmter wunderbarer Mann, der aus dem Nichts heraus die Einrichtung, bei der ich arbeitete, als schon Gelähmter aufgebaut hatte, um sich selbst aus der „Pflege“ in Familie und Altersheim ( = Decke anstarren ) zu befreien und seine Errungenschaften auch anderen zur Verfügung zu stellen – wusste sehr um diese Probleme, weswegen er in der Regel sich selbst als Lehrstück für den Neuling einsetzte.

    Ich habe andere behindert Menschen kennengelernt, die ihre Behinderung zum Anlass nahmen, sich zu Tode zu saufen, wobei der sie aber erst erlöste, nachdem sie ihren Verstand durch den Alkohol komplett ruiniert hatten.

    Mir ist deswegen absolut unklar, wieso überhaupt jemand z.B. Mangel an „Körperbewußtsein“ überhaupt in Verbindung mit „Gesundheit“ bringen kann.

    Aber zeigt dies nicht klar, dass Geist und Körper zwei unterschiedliche Dinge sind, deren Zustand nicht miteinander korrelieren muss?

  17. @Marita Blauth
    Mich annehmen schliesst nicht aus mich weiter zu bilden. Mein Körper lernt etwa über Emotionen und mein Handeln. Gefühle sind ein starker Motor. Gedanken sind ein Motor. Was ich tue steht in Wechselwirkung zu meinem denken und fühlen. Ich muss mir nur nicht im Weg stehen. Ich muss mir dessen nicht bewusst sein, um das zu erreichen was ich möchte. Es wird unwichtig. Ich möchte mich nur nicht als Konsum- oder überhaupt Objekt sehen. Möchte das auch keinem andern Menschen zumuten. Ich frage mich, ob ich mich dann noch selbst lieben würde.

  18. @Andreas – ich kann auch an einem Körperteil erkrankt und am anderen Körperteil gesund sein (das ist sogar die Regel) aber dennoch ist es ein Körper. Natürlich kann man Körper und Geist unterscheiden, so wie man Arme und Blinddarm unterscheiden kann. gegen Dualismus sein heißt, dass man sie einander nicht gegenüber stellt bzw. gegeneinander positioniert (wie in: der Geist ist im Körper gefangen z.B.)

  19. @AntjeSchrupp:

    Hm – mein Chef, von dem ich gerade berichtet habe, war aber schon in seinem Körper gefangen und hat das auch oft so empfunden – er hat auch dank seines Geistes ganz explizit auf einen anderen Körper, nämlich meinen und den anderer Männer zugreifen können, um seine Ziele zu erreichen.

  20. Der Körper als politisches Instrument – aktueller Artikel dazu:

    Von der Last und der Lust nackter Tatsachen
    [http://www.fr-online.de/sexismus/femen-in-deutschland-von-der-last-und-der-lust-nackter-tatsachen,21553466,22336650.html]

  21. @late line – Ja, so wird es noch mal deutlicher.
    Es geht gar nicht um die Dualität, ob sich Körper ODER Geist weiterentwickeln, sondern darum, dass sich Körper und Geist im „sich bilden“ miteinander verändern. Nur dass diese Untrennbarkeit nicht bedeutet, dass es eins zu eins bewusst zu steuern ist, oder in direkter monokausaler Abhängigkeit voneinander steht wie bei der totalitären Sichtweise „in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist“. Sich nicht im Wege stehen ist da schon viel.

    Zur Reflektion über Gesundheitspolitiken, die ja immer auch Körperpolitiken sind: http://www.tubf.de/aktuelles.Psychosoziale-Lage-04.12.html

  22. @Antje Schrupp 11. April 2013 –
    „@Andreas – ich kann auch an einem Körperteil erkrankt und am anderen Körperteil gesund sein (das ist sogar die Regel) aber dennoch ist es ein Körper. Natürlich kann man Körper und Geist unterscheiden, so wie man Arme und Blinddarm unterscheiden kann.“

    Das ist sogar schön ausgedrückt.

    Und auch im Falle eines erkrankten oder veränderten Teils des Körpers (der natürlich auch ein nicht sichtbarer weil integrierter sein kann), gilt:
    Der, dieser und jeder, Körper ist ein SYSTEM mit dem Anspruch und dem Merkmal eines systemisch (nur ganzheitlich) funktionierenden ORGANISMUS.

    Jeder Organismus – der ja aus vielen kleineren (Organen) besteht, die ebenso systemisch miteinander und füreinander wirken: mutualistisch – zum gegenseitigen unbedingten Nutzen – basiert auf der Orientierung solchen Zusammenwirkens, da er sonst sich nicht erhalten kann.

    Dieses Prinzip der „evolutionären mutualen Überlegenheit“ ist das Gegenteil der Phantastereien über seelenlose „egoistische Gene“, die bekanntlich alleinstehend weder ein „ich“ noch ein „Du“ kennen.

    Genau dieses Prinzip ist es, das unserem Körper und all seinen Organen ureigenst bereits innewohnt und uns immer wieder hilft (weil es so muß, weil es sei/unser Dasein ist), Veränderungen zu bewältigen, ein Leben lang.
    Natürlich „gehört“ eine äußere Struktur, auch Erscheinung, zu jedem Körper dazu, in gewissen Umfang auch der diesbezüglich – wie auch immer – gestaltbare, letztlich dürfen wir bei jeder inneren und äußeren Änderung, sofern wir grobe Untaten vermeiden, immer auf das oben genannte Prinzip vertrauen:
    Die systemischen und damit die (nicht nur biologisch-) organischen „Teile“ unseres Körpers, unseres Organismus als unterscheidbare Erscheinung, suchen einander den aktiven Mutualismus aller Teile zur Festigung des GANZEN.
    Das sollten wir wissen, vornweg, dabei und hinterher, bei jeder kleinen und großen Erscheinungsänderung wo auch immer,
    Auch, dazu, sollten wir wissen:
    Dieser grundsätzlich mutualistisch so „funktionierende“ (besser: so lebende) Körper „liebt sich“ letztlich DESHALB stets wie er gerade ist, immer, es ist sein DASEIN, von ihm getragen und erhalten.

  23. Mir erscheint die Meinung die ich in meinen bisherigen Kommentaren vertrete konservativ, mein letzter opportunistisch. Es ist einfach das was ich schrieb, aus der Sicht eines körperlich gesunden Ideals zu schreiben und sich selbst dann als Maßstab zu nehmen. Ich will nicht von oben herab handeln/helfen. Wenn ich jemandem die Hand reiche, möchte ich Akzeptanz/ erwarte dennoch nicht der selben Meinung zu sein. Ich muss meinen Standpunkt erläutern können, nicht mit allen mitteln, nur was ist meine Meinung? Ich erwarte nicht dass jeder mit mir überein stimmt. Dennoch halte ich bestimmte Dinge für schädlich. Notfalls muss ich mich selbst infrage stellen können, ebenso wie meine Umwelt. Die Gefahr die ich sehe, ist mir vorschnell ein Urteil zu bilden. Die Gefahr die ich sehe, ist nicht wahrhaftig zu bleiben. Ich halte es für zu einfach andere über mein eigenes Schicksal bestimmen zu lassen. Das scheint mir die Konsequenz zu sein die auch ein gesunder Mensch, oder nichtbehinderter Mensch ziehen kann. Mir und meinem Körper sind dennoch Grenzen gesetzt. Diese versuche ich zu akzeptieren. Entwicklung und Training/Lernen eröffnen mir Wege. Zumindest gebe ich mir damit eine Möglichkeit.

  24. @Michaela Lusru – „Dieser grundsätzlich mutualistisch so „funktionierende“ (besser: so lebende) Körper “liebt sich” letztlich DESHALB stets wie er gerade ist, immer, es ist sein DASEIN, von ihm getragen und erhalten.“

    Wie passen dann Krebszellen in dieses Körperbild?

  25. @Ute: mir fällt zu den Krebszellen ein, dass sie aus der Sicht des Körpers die Lösung eines Problems sein könnten, das auf irgend einer Ebene des Funktionierens bzw. nicht-mehr-so-gut-funktionierens gespürt wird. Etwas treibt den Zellverband dazut, von „Erhaltungswachstum“ auf Mengenwachstum umzustellen….

  26. @Claudia – leuchtet mir ein, was du als Problem-Lösungsversuch des Körpers beschreibst, auch wenn dieser sich letztlich als tragisch-trügerisch erweist.

    Die psychosomatische Medizin und Psychotherapie untersucht ja die Wechselwirkungen zwischen Körper (Geist) und Seele und bemüht sich herauszufinden was dieses „etwas“ sein könnte, das den Zellenverband zum Mengenwachstum anregt.
    Manche TherapeutInnen verstehen sich auch als moderne SchamanInnen, da der Schamanismus wohl zu den ältesten ‚Behandlungssystemen gehört, die nicht mit
    einem Dualismus von Körper und Geist arbeiten.

  27. @Ute Plass 11. April 2013

    „@Michaela Lusru – “Dieser grundsätzlich mutualistisch so „funktionierende“ (besser: so lebende) Körper “liebt sich” letztlich DESHALB stets wie er gerade ist, immer, es ist sein DASEIN, von ihm getragen und erhalten.”

    Wie passen dann Krebszellen in dieses Körperbild?“

    Ganz einfach:
    So wie Bakterien im Darm und im gesamten Körper.
    Es ist eine Frage der Präsenz: „Zuviel zerreißt den Sack“ –
    In JEDEM Körper existieren Zellen, die die Beschreibung „Krebszelle“ rechtfertigen, die das System (selber!) „in Schach hält“.
    Sie sind TEIL DES KÖRPERS, Teil des Systems, des Organismus!

    Stets dann, wenn das mutualistische Prinzip durch Fehlsteuerung verletzt wird (Unterschiede werden nicht realistisch erfasst und / oder im System nicht entsprechend bewertet / bearbeitet, werden nicht zu erhaltender Steuerungsinformation), stets wenn unkoordinierte und damit unzweckmäßige Verselbständigungen dadurch nicht verhindert sondern (gewissermaßen in verkannter System-Absicht) sogar gefördert werden, verletzt sich das System, der Organismus selber.
    In gewisser Weise führt so das systemische Prinzip (in letzter Konsequenz) zur Selbstvernichtung – oder zur deutlichen Aufforderung zur Verhaltenskorrektur, wenn Teile des Systems dabei sind, seine Strukturen der Mutualität zu zerstören.

    Dies kann nur eine philosophisch-biologische Vorstellung, gewissermaßen ein systemisches Funktionsmuster (Denkmodell) sein, nie jedoch eine medizinische Erklärung.
    Daß dies, als ein Rahmen, dennoch auch in der Medizin zu beachten ist, ergibt sich aus der gewissermaßen metaphysisch zu wertenden Funktion aller Systeme (in der Biologie: Aller Organe).
    So, auf diese Weise, „existieren“ nun mal Systeme, oder sie gehen zu grunde – was allerdings auch für JEDES (!) andere System (Ganzheit) gilt, wo auch immer, z.B. auch im Sozialen: Verletzung der Mutualität oder ihrer Dominanz ist Beschädigung des Sozialen, zerstört die Gesellschaft (die Ganzheit, als fehlgesteuertes an sich übeflüssiges störendes Wucherwachstum, als Krebszelle) …
    Nur wo Mutualität die Teile des Systems aktiv dominiert, ist nachhaltige (z.B, evolutionäre) Weiterentwicklung und „gesunde“ Vermehrung gesichert.

    Krebszellen sind nichts Systemfremdes (!), da sie doch vom System selbst (aufgrund Irritation in der Information) erzeugt werden, sie müssen allein schon daher „in dieses Bild passen“.
    Und keine Regelübertretung hebt eine Regel auf, es ist eben stets zur Regel zurück zu kehren – oder eine neue Regel zu erstellen, was dann eine neue systemische Erscheinung hervorbringt, dann aber eine andere, ein anderes System…
    Das sollte doch ausgezeichnet passen, in dieses Bild, oder?

  28. kleiner Nachtrag zu „liebt sich selbst …“

    „Und keine Regelübertretung hebt eine Regel auf, es ist eben stets zur Regel zurück zu kehren …“ – So, auf diese Weise „liebt sich jeder Körper“, jede „Ganzheit“, jedes System, so, wie es „beschaffen ist“, es gibt keine andere Lösung, wenn Weiterbestand als Weg und Ziel angesagt ist.

    Es ist gewissermaßen die mit der Systemerstellung (Körpererstellung) zu akzeptierende „Zwangseigenliebe“ („Systemverständnis“), die bei Strafe des Unterganges zu praktizieren ist, da das das systemische Existieren ist, es das erfordert, um sich als Ganzes zu erhalten und zu fördern zu können.

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