Islamfeindlichkeit in Deutschland wissenschaftlich durchleuchtet

Dass sich in Deutschland zunehmend Islamfeindlichkeit breitmacht, dürfte nicht mehr zu übersehen sein – und sie ist im übrigen deutlich ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern, selbst wenn es dort, wie etwa in Frankreich, sogar mehr reale soziale Konflikte gibt, die sich „islambezogen“ interpretieren ließen. Hier zum Beispiel eine aktuelle Studie darüber, wie sich Muslim_innen immer mehr in Deutschland integrieren, während unter Deutschen die Vorurteile wachsen.

9783837626612_720x720Die Frankfurter Soziologin Naime Cakir hat die Entstehungsgeschichte des „Feindbild Islam“ jetzt wissenschaftlich untersucht und nachgezeichnet. Dabei macht sie sich auch über die Terminologie Gedanken. Handelt es sich bei antimuslimischen Ressentiments um „Rassismus“? Diese Frage haben Benni und ich ja auch in unserem letzten Podcast diskutiert. Um Rassismus im klassischen – biologischen – Sinn handelt es sich nicht, auch nicht um „Islamophobie“ (denn es ist keine Krankheit, sondern eine politische Position), auch nicht um „Fremdenfeindlichkeit“, denn es geht ja gerade nicht um „Fremde“, sondern um Konflikte innerhalb der deutschen Gesellschaft.

Cakir sieht einen wichtigen Grund für die aktuelle Abwehrhaltung gegenüber allem, was als „muslimisch“ markiert wird, darin, dass die Kinder und Enkel der ehemaligen „Gastarbeiter_innen“ sich selbst gerade eben nicht mehr als fremd verstehen, sondern als Teil der deutschen Gesellschaft. Dass sie sich nicht mehr mit den angewiesenen Plätzen marginalisierter Niedriglöhner_innen zufrieden geben, sondern Anspruch auf Mitsprache, qualifizierte Berufe und Selbstorganisation erheben. Sie nennt das (unter Rückgriff auf bereits eingeführte soziologische Terminologien) das „Fremde im Eigenen“.

In einem plakativen Bild: Die Putzfrau mit Kopftuch gilt nicht als Problem, die Ärztin oder Lehrerin mit Kopftuch schon. Solange die Muslim_innen in Deutschland an den gesellschaftlichen Rändern blieben, in „unsichtbaren“ Berufen und Hinterhofmoscheen, hat sich niemand über „den Islam“ Gedanken gemacht, man konnte die Menschen und auch ihre Religion einfach ignorieren. Jetzt, wo sie ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft beanspruchen, wo sie repräsentative Moscheen bauen und sich in der Mitte der Gesellschaft behaupten, nicht mehr.

Zur Terminologie schlägt Cakir vor, von „islambezogenem Ethnizismus“ und von „antiislamischem Ethnizismus“ zu sprechen. Sie zeichnet nach, wie im deutschen Diskurs die islamische Religion mit ethnisch-kulturellen Zuschreibungen verschmolzen wurde (das ist der „islambezogene Ethnizismus“), was wiederum eine Voraussetzung dafür darstellt, dass man sich von dieser so konstruierte Gruppe auch in feindlicher Absicht abgrenzen kann (das ist der antiislamische Ethnizismus). Nicht alle, die den Islam ethnizistisch und kulturell interpretieren, sind also auch islamfeindlich, aber durch diese Verknüpfung legen sie mit die Grundlage dafür, dass sich Islamfeindlichkeit etablieren kann.

Das Buch ist seinem akademischen Duktus entsprechend etwas mühsam zu lesen, liefert aber viel Hintergrundmaterial und wichtige Analysen für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Naime Cakir: Islamfeindlichkeit. Anatomie eines Feindbildes in Deutschland. Transcript, Bielefeld 2014, 27,99 Euro.

Hier auch ein Interview mit Cakir: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/islamfeindlichkeit

26 Gedanken zu „Islamfeindlichkeit in Deutschland wissenschaftlich durchleuchtet

  1. Nachtisch:
    Wenn jemand mal echte Islamfeindlichkeit kennenlernen möcht, möge er die täglich sich überschlagenden blogeinträge auf
    „Abseits vom mainstream – heplev“ anschauen und soll sich nicht wundern, wenn ihm dabei die Kinnlade herunterfällt,
    Es gibt eine unverständliche leise Nähe unserer Regierungspolitik zu den Vertretern dieses Denkens …

  2. Warum gilt diese Analyse der gesellschaftlichen Veränderungen nicht auch für Frankreich? Hat es damit zu tun, dass das Verhältnis Staat-Religion/en dort eine andere ist?

  3. Um Rassismus im „klassischen“, biologistischen Sinne handelt es sich wohl tatsächlich nicht, da stimme ich zu. Aber wenn man es strukturell betrachtet, dann funktioniert die antimuslimische Variante sehr ähnlich wie jener Rassismus, der sich an der Hautfarbe, Herkunft oder Sprache aufhängt. Denn es geht im Grunde darum, aufgrund von Zuschreibungen – egal ob nun mit der Hautfarbe oder mit der Religion begründet – Ungleichwertigkeit zwischen Menschen zu „rechtfertigen“. Eben genau das, was auch im Text beschrieben wird: Menschen mit Migrationshintergrund soll ein gleichberechtigter sozialer Status verweigert werden, sie sollen „ihren Platz“ ganz unten behalten und nicht gleiche Rechte erhalten. Um diese Ungleichbehandlung zu „begründen“, werden heute von Rassisten immer öfter Menschen als Muslime markiert, aber auch die Hautfarbe wird nach wie vor herangezogen. Früher hiess es, dass Menschen „nicht zivilisiert“ oder gleich „minderwertig“ seien, weil sie eine schwarze Hautfarbe haben. Heute gehen die Rassisten in gewisser Weise „subtiler“ vor, denn sie grenzen das „Andere“ und „Fremde“ dadurch ab, dass eine Inkompatibilität zur westlich-aufgeklärten Lebensweise behauptet wird und dieser Gegenpol zum aufgeklärten Westen in der „islamischen Kultur“ verortet wird. Das ist praktisch, denn so können Strukturen der Diskriminierung und Unterdrückung allein auf das „Andere“ projeziert werden, während „der Westen“ fein heraus ist und sich als „freie“ und „emanzipierte“ Antithese inszenieren kann. Natürlich braucht man nicht nur eine gehörige Portion von Realitätsverweigerung, um es so darstellen zu können – man glaubt außerdem auch noch, dass „wir“ im Westen uns mit solchen Problemen wie Patriarchat und Sexismus nicht mehr auseinandersetzen müssen, denn patriarchal und sexistisch sind ja nur die Anderen, in dem Fall „die Muslime“. Insofern dient also der antimuslimische Rassismus auch dazu, patriarchale Herrschaftsverhältnisse im Westen zu verharmlosen und zu verteidigen.

  4. @Beate – Ja, das wäre eine interessante Frage, der in dem Buch aber nicht nachgegangen wird – darin kommt eben nur der Vergleich als solcher vor. Ich vermute, es liegt auch an der größeren Erfahrung Frankreichs mit Einwanderung und vor allem mit einem anderen Verständnis von Staatsbürgerschaft, die Nation ist in Frankreich ja traditionell territorial bestimmt (alle die in Frankreich geboren sind), während sie in Deutschland traditionell abstammungsmäßig bestimmt ist (alle, die „deutsches Blut“ haben)…

  5. Ist die gewachsene Islamfeindlichkeit das moderne Gegenstück zur Christentumsfeindlichkeit, die mit der Aufklärung entstand und ein starkes Merkmal der europäischen Selbstbefreiung von Fürsten- und Pfaffenherrschaft war? Und wäre sie dann nicht ein positives Element einer aufgeklärten Gesellschaft – oder waren die Kirchenfeinde des 18. und 19. Jahrhunderts auch antichristliche Ethnizisten? Oder ist es einfach okay, christenfeindlich zu sein, im Gegnsatz zu islamfeindlich?

    Und gibt es in dem positiv besprochenen Buch irgendeinen empirisch belastbaren Beleg zu der als Kernthese dargestellten Behauptung, die Islamfeindlichkeit sei als Reaktion auf den ökonomischen Aufsteig muslimischer Einwanderer entstanden, oder wird hier schlichter Glaube verlangt?

    Etwas genereller: Jede Religion setzt unhinterfragten Glauben voraus, allermindestens den an einen Gott. Ist die Feindlichkeit gegen eine Religion also nicht als Immunreaktion aufgeklärter und haöbwegs rationaler Menschen zu verstehen, insbesondere dann, wenn es sich bei der in Frage stehenden Religion um eine mit einem umfassenden Herrschaftsanspruch handelt?

    Ob wir in Deutschland zunehmend „Islamfeindlichkeit“ entwickeln, weiss ich nicht einmal. Mir persönlich wäre der Islam genauso egal, wie alle anderen Religionen, so deren Praxis auf das Privatleben beschränkt bleibt. Nicht egal dagegen sind mir die im Gefolge des Islam bisher automatisch und unvermeidbar auftretenden Begleiterscheinungen: Ernsthafte Gewaltandrohungen gegen Kritiker, Islamistische Terroristen, Antisemitismus, Homosexuellenhass, Wissenschaftsfeindlichkeit, Frauendiskriminierung. Ja, vieles davon gab es auch in christlichen Gesellschaften. Mit der Betonung auf „gab“. Ausreichend Gründe, den Islam nicht zu mögen, liefert dessen gelebte Praxis jedenfalls selbst. Vielleicht hat er nur einfach das Pech, dass ein Haufen seiner radikalen Vertreter in den letzten 20 Jahren viele Menschen dazu gebracht hat, sich für ihn zu interessieren. Ich habe jetzt einen Koran – und hätte ihn lieber nicht gekannt. Keine angenehme Lektüre, dazu auch noch ethisch wie intellektuell ein Rückschritt gegenüber dem Neuen Testament, auf das Mohammed zurückgriff.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  6. @Thorsten
    Dinge wie Homophobie und rückwärtsgewandte Ideen über die »Rolle der Frau« gibt es auch heute noch (siehe z. B. die Katechese der katholischen Kirche über Homosexualität oder die »Herdprämie«). Das sind Ideen, mit denen (ironischerweise) auch ein nicht unbeträchtlicher Teil der AfD- und Pegida-Anhänger etwas anfangen kann. Allerdings gebe ich Dir recht, dass beispielsweise Antisemitismus (siehe Frankreich) in der muslimischen Bevölkerung stärker verankert ist als in der nichtmuslimischen. Das Problem ist, wenn man Homophobie als Vorwand heranzieht, um alle Muslime zu kritisieren.

    Und ich habe den Eindruck, dass viele Leute, die im Islam eine »Gefahr für das Abendland« sehen, fromme Muslime mit frommen Christen (Rückbesinnung auf »christliche Werte«) bekämpfen wollen. Der Anteil der Nichtreligiösen im nichtmuslimischen Teil der Gesellschaft nimmt ja zu, und anstatt Säkularisation (≠ Antireligiösität!) als Grundpfeiler zu sehen, gibt es eben einen Teil der sich auf die christlichen Werte beziehen will.

  7. @ Thorsten:
    Ich finde es wichtig, eine klare Grenze zu ziehen zwischen der sachlichen Kritik an Religion und dem antimuslimischem Rassismus. Klar ist es richtig und wichtig, Religion zu kritisieren, sobald sie gesellschaftlich Einfluss sucht und Herrschaft begründen will. Die Grenze ist für mich genau da, wo Sie sagen: Die religiöse Praxis soll sich auf das Privatleben beziehen aber nicht darüber hinaus. Solange sie ein privates Glaubensbekenntnis und eine private Praxis bleibt, darf es mich nicht weiter tangieren. Eine Ausnahme ist, wenn diese Praxis gewisse Mindeststandards mißachtet, wie zb die Menschenrechte.

    Aber wer Macht über andere mit Religion begründet, muss sich auf jeden Fall auf Kritik gefasst machen und da ist Kritik auch völlig legitim. Das gilt natürlich für jede Religion, also auch für das Christentum, das ja heute nach wie vor starke Tendenzen zur machtpolitischen Einflussnahme zeigt, zb bei der Debatte über reproduktive Rechte von Frauen und bei der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen. Das zeigt auch, dass Sie nicht ganz recht haben, wenn Sie sagen, dass es Diskriminierung in christlich geprägten Gesellschaften nur „gab“ – es gibt sie nämlich immer noch.

    Und es kommt auch darauf an, wie man Kritik begründet und in welchem Tonfall man sie formuliert. Es ist ein Unterschied, ob du sagst, das und das passt mir nicht und zwar, weil… oder ob du sagst, du und alle, die so sind wie du, passen mir nicht und ich will, dass ihr sofort von hier verschwindet. Das erste ist mehr oder weniger fundierte Kritik – das andere ist blankes Ressentiment, das sich den Anschein einer kritischen Haltung gibt, aber nichts weiter ist als Diskriminierung.

  8. Zitat aus u.a. Beitrag:
    „Und leider findet nun genau das statt, was ich immer befürchtet habe – und was in meiner Doktorarbeit im vergleichenden Exkurs zum antisemitischen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts bereits steht: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Ohnmacht gegenüber globalen Wirtschaftsstrukturen werden die Ängste der Menschen auf die bereits seit Langem hierfür offen dargebotene Minderheit projiziert. Das waren zuzeiten der Wirtschaftskrise um 1873 die Juden, und das sind heute vor allem die Muslime.“

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=24460#more-24460
    „Pegida ist das Symptom eines größeren Problems“

  9. @japanjedi: Sachlich kein Widersprich. Nur als Gedanke – koennte der Rueckbezug auf „das Christentum“ eine Ersatzvornahme sein, weil der nichtreligioese Teil der Gesellschaft eben genau nicht das tut, was er tun muesste – aktiv mithelfen, auch den Islam in die Privatsphaere zurueckzudraengen?

    @Louki: Erneut kein Widerspruch. Allerdings vermisse ich dann seit vielen Jahren eine klare Begruendung dafuer, uns noch mehr Menschen ins Land zu holen, fuer die Religion traditionell und historisch gewachsen eben keine Privatsache ist und von der ein – winzigkleiner, aber faktisch vorhandener – Teil seine religioesen Vorstellungen ueber Gewalt durchsetzen will. Wenn man eine ehrliche Einwanderungsdebatte verweigert, landet man bei PEGIDA. Dass deren Teilnehmer unsauber, faktenresistent, verallgemeinernd und pauschalierend verunglimpfend argumentieren (soweit sie sich ueberhaupt die Muehe machen) steht ja ausser Frage. Die Frage ist, wie es dahin kommen konnte.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  10. @Thorsten Haupts – „Die Frage ist, wie es dahin kommen konnte.“
    Wenn Sie das wirklich interessiert, dann klicken Sie doch
    mal auf den o.a. Link zu dem Nachdenkseiten-Beitrag.

  11. Ach ja, Torsten Haupts, da gibt es herrliche Fachartikel, weit besser, als ich das kann, vom IPG (Ebert-Stiftung):
    http://www.ipg-journal.de/rubriken/soziale-demokratie/artikel/charlie-hebdo-und-das-linke-appeasement-733/
    („Die europäische Linke hat die islamistische Gefahr viel zu lange banalisiert.“)
    und:
    http://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/der-islam-hat-keine-dns-736/
    („Wie man Islamismuskritik von Islamfeindlichkeit unterscheiden kann. Fünf Kriterien.“)

  12. @Ute Plass schreibt: 10. Januar 2015 um 12:48
    „Der frühere Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung an der FU Berlin spricht davon, dass Denkmuster wie heute zum Islam es schon im 18. und 19. Jahrhundert gegeben habe – damals gegen Juden.“
    Ich mag eigentlich denn weggeekelten ehemaligen Leiter, Herrn Benz, wegen seiner vielen Versuche, realistische Versöhnungsgedanken in der „heutigen“ „Antisemitismus-Konstruktuiererei“ zu etablieren, nur bin ich mir nicht sicher, was er sagt, wenn er das hier sieht:

    https://heplev.wordpress.com/2015/01/16/muslime-sind-friedfertig/

    Das paßt direkt an meinen ersten Kommentar ganz oben …
    Ich erspare mir jeden Kommentar, auch dazu, wie denn Islamfeindlichkeit entsteht, sich erhält und auch in Deutschland schön am Kochen gehalten wird, und zu gern mit einer Ablehnung von „Islamisierung in Deutschland“ gleichgesetzt wird, wer das wohl so brauch ( beides!)?

  13. @Antje Schrupp schreibt: 5. Januar 2015 um 12:01

    „und vor allem mit einem anderen Verständnis von Staatsbürgerschaft, die Nation ist in Frankreich ja traditionell territorial bestimmt (alle die in Frankreich geboren sind), während sie in Deutschland traditionell abstammungsmäßig bestimmt ist (alle, die “deutsches Blut” haben)…

    Nein, Antje Schrupp, das ist mehrfach falsch: Sachlich, historisch und im Vergleich.
    Mitnichten ist Staatsbürgerschaft und Nation gleichsetzbar.
    Und in Frankreich ist „Nation“ nicht „traditionell“ sondern sachlich bestimmt, so wie der lexikalische Begriff „Nation“ das beschreibt, wozu auch gemeinsames (kulturelles) Territorium gehört, aber nicht nur. Nation verbindet kulturelle und territoriale Gemeinsamkeiten, da Territorium in Bezug auf Mensch bekanntlich immer auch eine erhebliche kulturelle Funktion hat. Dabei dominiert weder Territorium noch Sprache oder andere kulturelle Aspekte wie Traditionen.
    Staatsbürgerschaft hat mit Nation nichts gemein.

    In Deutschland ist das nicht anders. Lediglich in den 12 Jahren Nationalsozialismus wurde irrigerweise versucht, die Nation „abstammungsmäßig, also Stammes-geschichtlich – allerdings im Verständnis der falschen rassischen Abstammungslehre zu begründen.
    Nation ist auch in Deutschland an gemeinsames Territorium, Sprache, Geschichte und Traditionen gebunden. So kann ich zu einer Nation gehören und die Staatsbürgerschaft tragen, die eigentlich auf ein anderes Land hinweisen würde und umgekehrt.Staatsangehörigkeit ist eine rein administrative Regelung und keine FRage von „Zugehörigkeit“, hingegen Nation ist völlig unabhängig von dieser administrativen Regelung / Festlegung ein Merkmal einer Menge von Menschen mit den o.g. Gemeinsamkeiten, zu denen DAS BLUT NICHT GEHÖRT.
    Diese falsche und gefährliche Ansicht ist ein schlimmes Rudiment des Nationalsozialismus, der das in seinen Rassenlehren so verlangen wollte.
    So ist es erklärbar, daß wir im Geltungsbereich einer Staatsbürgerschaften eben auch mehrere (angestammte!) Nationen finden, oder Nationen sich aus Vielvölkerstaaten entwickeln (mit vielen Nationen) – ohne daß in einer einzigen Bewertung DAS BLUT (genauer die Genetik) eine Rolle spielt: Nation repräsentiert KULTürliche Aspekte und Werte, das Blut, die Genetik repräsentieren NATürliche Werte und Eigenschaften.
    Ich würde dich bitten, deine Ansicht dazu ernsthaft zu prüfen.

  14. „Wer Hass säht, wird PEGIDA ernten –
    Und nachweislich wird auch Muslimhetze und Islamfeindlichkeit seit Jahr und Tag über die ganz normale Berichterstattung verbreitet – lange bevor es einen sog. ISIS gab. Wäre ISIS ein islamisches Thema, hätte es ihn immer schon geben müssen. Das Auftauchen vor kurzer Zeit deutet also in eine andere Richtung: Geostrategie im Nahen Osten, aber dieses komplexe Thema haben bisher nur die allerwenigsten Medien auf dem Schirm. So wird nun die Debatte über diese Entwicklung weiterhin im Fahrwasser der medialen Zuweisung allgemeiner Probleme auf Islam und Muslime fortgeführt – wie bereits seit 30 Jahren.“
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21102

  15. Unterscheidung von Islamfeindlichkeit und Islamismuskritik: Klingt im ersten Moment gut, aber da bleibt die Religionskritik auf der Strecke.

    Wenn ich es zum Beispiel falsch finde, in Gegenwart von Kindern mit Höllenstrafen zu drohen (was zwar nichts Islamspezifisches ist, aber bei Katholiken aus der Mode gekommen), ist das ja keine Islamismuskritik, sondern legitime Kritik an religiöser Praxis.

  16. Ja, weil das etwas ist, was ich einordnen kann.

    Wenn ich den Islam kritisieren wollte, müsste ich wohl erst mal festlegen, wen und was ich meine. Und das ist dann auch wieder eine bestimmte Praxis oder Strömung und nicht der Islam an sich. Den Islam an sich gibt es ja eigentlich nur für Gläubige, oder?

    Wir bräuchten wohl einen soziologendeutschen Plural von Islam, sowas wie Feminismen beim Feminismus.

  17. Jetzt, wo sie ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft beanspruchen, wo sie repräsentative Moscheen bauen und sich in der Mitte der Gesellschaft behaupten, nicht mehr.

    Ich denke, dass das nicht stimmt.

    Ein gleichberechtigter Platz, das wäre ein Staatsvertrag mit Kirchensteuer für die verschiedenen islamischen Religionen. Der Preis wäre u.a., den Austritt aus der Religionsgemeinschaft regeln zu müssen. Dann hätte der Islam in Deutschland sozusagen sein eigenes Geld, anstatt es sich womöglich von einer Vaterfigur aus den Golfstaaten zustecken zu lassen und dafür dem wahabitischen Islam diverse Rücksichten zu schulden.

  18. @Irene – Es ist aber auf dem Weg da hin, z.B. mit islamischem Religionsunterricht, muslimischer Krankenhausseelsorge usw. All diese Aktivitäten bewirken, dass es Aushandlungen mit den gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen hier gibt, und dann müssen auf die Rücksicht genommen werden. Das alles ist nicht möglich, wenn Wahabismus gemacht wird.

  19. Ich wollte gar nicht darauf hinaus, dass man dann direkt wahabitisch lebt. Aber dafür, dass es kaum wahabitischen Islam in Deutschland gibt und der Islam angeblich das Töten verbietet (wie in den letzten zwei Wochen oft pauschal behauptet wurde), sieht man kaum muslimische Free-Raif-Aktivisten, um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen.

    Aber vielleicht hat das einfach mit einem tiefen Konservatismus zu tun und falschem Respekt vor Autoritäten. Katholiken sind vor 100 Jahren auch eher nicht auf die Barrikaden gegangen, wenn etwas faul war.

  20. http://www.bpb.de/apuz/33387/vom-nutzen-und-nachteil-der-islamkritik-fuer-das-leben?p=3

    Sehr empfehlenswerter Beitrag.
    Einige Textzitate:

    „Die Islamkritik hat sich sehr erfolgreich emanzipatorische Positionen zu Eigen gemacht, die ein genuines Produkt derselben weltanschaulichen Strömungen sind, ohne die auch Said und seine Schule nicht denkbar wären, nämlich Marxismus und Postmoderne. Im Ergebnis munitionieren Feminismus [4] und Homosexuellenbewegung die Islamkritik mit einigen ihrer zugkräftigsten Argumente. Im Rahmen des sogenannten Einbürgerungstests wäre die Zustimmung zu diesen Positionen von Seiten der Kandidaten für die Einbürgerung beinahe zu einem entscheidenden Kriterium für diese geworden – und damit Positionen der Islamkritik zur offiziellen staatlichen Politik. [5] “

    „Auch unabhängig vom Christentum hält die große Mehrheit der Bundesbürger – anders als ihre noch für das „Tausendjährige Reich“ kämpfenden (Ur-)Großväter – ein Welteroberungsstreben vermutlich für verwerflich. Gelingt es nun, ein solches Bild des Islams medial weithin zu verbreiten, wird sich jeder, der sich für einen rechtschaffenen Bundesbürger hält und diesem Bild glaubt, vom Islam abgestoßen fühlen. Zugleich ist er in den billigen Genuss einer genuinen moralischen Empfindung gekommen, einer moralischen Empfindung, die unsere überkomplexe Gesellschaft selten gewährt: Für einmal ganz sicher zu wissen, was richtig beziehungsweise falsch ist: die Welteroberung. Also der Islam. “

    „Die Leistung des islamkritischen Diskurses besteht weniger in seinen Erkenntnissen über den Islam als vielmehr in der Schaffung einer hohen Anzahl moralischer Urteile sowie emphatisch für die eigene Sache reklamierter Werte. Islamkritik dient zur Selbstbesinnung. Dagegen wäre nicht das geringste einzuwenden, täte sie dies nicht auf Kosten einer in Europa minoritären Gruppe von Menschen, die man auch auf globaler Ebene kaum zu den Gewinnern der vergangenen zwei bis drei Jahrhunderte zählen kann. Mit anderen Worten: Die Selbstbesinnung eines militärisch, ökonomisch und kulturell überlegenen „Abendländers“ findet auf Kosten der Verlierer der Geschichte statt.“

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