Care-Arbeit ist ein Begriff für die Übergangszeit

Gerade bloggte ich drüben bei Fischundfleisch darüber, was meiner Ansicht nach ein wichtiger Grund dafür ist, warum viel weniger Mädchen als Jungen sich für (gut bezahlte) Industrieberufe interessieren: Alles, was mit (vor allem industrieller) Produktion zu tun hat, ist nicht wirklich sichtbar als etwas, das zum guten Leben aller beiträgt, sondern es steht in dem Ruf, nur dem Profit und dem Kapitalismus zu dienen. Deshalb wählen Menschen, die bei der Berufswahl vor allem auf den Sinn ihrer Arbeit Wert legen und weniger auf Geld oder Status tendenziell die so genannten „helfenden“ Berufe, also Krankenschwester, Erzieherin, Altenpflegerin und so weiter – mehr Frauen als Männer, aber natürlich nicht nur.

Dass das Problem dabei nicht dieser Wunsch nach sinnvoller Arbeit ist, sondern die systematische Niedrigerbezahlung dieser Berufe, haben Feministinnen schon immer betont, obwohl gerade wieder anlässlich des Equal-Pay-Days lauter Texte geschrieben werden, deren Tenor lautet: Der Gender Pay Gap ist doch keine Ungerechtigkeit, weil Frauen ja freiwillig in die niedriger bezahlten Berufe gehen. omg.

Care-Revolution bei der Blockupy-Demo am 18. März in Frankfurt.

Care-Revolution bei der Blockupy-Demo am 18. März in Frankfurt.

Es ist ja sowieso interessant, zu sehen, wie sich die Lohnhöhe für einzelne Berufe und Tätigkeiten bemisst, und es ist jedenfalls offensichtlich, dass sie allerhöchstens sehr lose etwas mit Leistung oder mit Verantwortung zu tun hat. Auch nicht unbedingt mit Ausbildung. Aber dafür ziemlich viel mit sozialem Status. Sicherlich sind es viele und komplexe Faktoren, die dazu führen, dass die eine Arbeit so und die andere so bezahlt wird, aber dieser Punkt scheint mir jedenfalls EIN Faktor zu sein: Der Sinn einer Arbeit steht in unserer derzeitigen symbolischen Ordnung quasi in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer Entschädigung – je sinnvoller eine Arbeit (offensichtlich) ist, umso weniger muss man dafür bezahlen, weil die Leute machen es ja wegen dem Sinn.

Dasselbe Argument habe ich bei einem früheren Equal Pay Day schonmal in Punkto „Arbeit, die Spaß macht“ kritisiert. Es gibt keinen vernünftigen Grund, eine Arbeit schlechter zu bezahlen (oder sich mit weniger Honorar zufrieden zu geben), bloß weil sie Spaß macht. Ebenso falsch ist das natürlich in Bezug auf „Arbeit, die sinnvoll ist“. Gerade eine sinnvolle Arbeit ist doch mehr wert als eine sinnlose und sollte entsprechend auch besser bezahlt werden.

Nun aber zurück zu der Frage: Woran bemisst es sich denn überhaupt, ob eine Arbeit sinnvoll ist?

An dieser Stelle möchte ich einen kritischen Blick darauf werfen, wie wir derzeit über „Care-Arbeit“ diskutieren. Mit „Care-Arbeit“ werden in der Regel die klassischen Fürsorgearbeiten bezeichnet, also Pflegen, Erziehen, Betreuen, Versorgen und so weiter, die teilweise privat in Haushalten, teilweise schlecht bezahlt in Institutionen, teilweise prekär in informellen Arbeitsverhältnissen geleistet werden.

Es war wichtig, diese Tätigkeiten zunächst erst einmal als „Arbeit“ ins Bewusstsein zu holen – vor dem Feminismus galten sie irgendwie als etwas, für deren Erledigung die weibliche Natur mysteriöserweise von selbst sorgt. Erst durch ihre Sichtbarmachung seitens der Frauenbewegung können unbezahlte Care-Arbeiten heute als Teil der Volkswirtschaft, als Teil der Ökonomie gesehen werden (was freilich nicht heißt, dass das auch alle tatsächlich tun).

Problematisch ist es aber, wenn nun erneut ein Gegensatzpaar entsteht, nämlich das zwischen „guter Care Arbeit“ und „böser Industriearbeit“. Oder zumindest darf diese Unterscheidung nicht entlang der Art der Tätigkeiten gezogen werden. Ob eine Tätigkeit „Care“ ist, also etwas, das „wirklich, wirklich sinnvoll“ ist, das bemisst sich nicht daran, welchen Inhalt diese Tätigkeit hat, sondern darin, in welchem „Geist“ sie erledigt wird. Ist der Maßstab dabei das gute Leben aller, das, was die Allgemeinheit braucht und was gut für die Welt wäre? Das, was notwendig ist? Oder ist der Maßstab ein anderer, zum Beispiel, wie viel Profit sich herausschlagen lässt?

„Wirtschaft ist Care“ hat Ina Praetorius ihr Buch zu dem Thema betitelt, das jetzt bei der Heinrich Böll Stiftung erschienen ist und kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden kann. Die ganze Wirtschaft ist Care, nicht nur der Teil von ihr, der mit helfen, putzen, pflegen, erziehen und so weiter zu tun hat.

Von daher ist „Care“ vielleicht weniger ein Substantiv, als vielmehr ein Adjektiv. „Care-Arbeit“ ist eigentlich ein Begriff für eine Übergangszeit. Denn „Care-Arbeiten“ bezeichnen nicht ein bestimmtes Spektrum von Tätigkeiten, sondern sie bezeichnen eine Qualität, die dem Arbeiten zukommen müsste, aber ihm leider nicht immer zukommt. Jede Arbeit sollte „Care-Arbeit“ sein.

Und ich wette, dann würde es auch besser mit den „Frauen in Männerberufen“ klappen, aber das nur nebenbei.

Noch zum Thema: Die Männer und das liebe Geld. 10 Thesen zum Equal Pay Day.

34 Gedanken zu „Care-Arbeit ist ein Begriff für die Übergangszeit

  1. „Was die Bäuerin nicht kennt …“

    Kann es einfach sein, dass (durchaus im Rahmen der Geschlechterklischees) viel zu wenig bekannt ist, welche Berufe es gibt?
    Fragen die meisten Jugendlichen danach, was sie mal verdienen werden? Oder suchen sie im Rahmen dessen, was sie kennen das aus, was sie sich für sich vorstellen können?
    Wie kommen welche Berufe in Schule, Fernsehen, Kino vor?
    Was lernt man aus eigener Anschauung kennen, hinaus über Kindergärtnerin, Lehrerin, Verkäuferin, Friseurin, Krankenpflegerin?
    Reichen die Girls-Days, um eine Vorstellung von dem ganzen anderen Universum zu bekommen?
    Taucht dieses Universum in den Schulbüchern oder in den Medien auf?
    Eine eher theoretische Diskussion nutzt doch nichts, wenn die Berufe nicht im Denk- und Zukunftshorizont der Betroffenen auftauchen…

    Warum laden nicht Schulen in passenden Klassenstufen regelmäßig „BerufsvertreterInnen“ aus den „Gender-Mangelberufen“ ein, damit die von ihrer Arbeit erzählen und als AnsprechpartnerInnen für Fragen zu Verfügung stehen?
    Im Fach Deutsch könnte man das mit „Berichten“ usw. verbinden, es könnte auch im Rahmen einer geeigneten Lektüre geschehen, ggf. könnten in den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern Aufgaben gerechnet werden – von der Försterin bis zur Ingenieurin.
    Und man könnte ruhig schon in der Grundschule beginnen und erste altersgerechte Impulse setzen…

    Nur mal so gedacht…
    Es muss ja auch leicht und effektiv umsetzbar sein…

  2. @Bernd – Ja, das ist sicher ein Grund. aber wenn du dem Eingangslink folgst : Mein ausgangspunkt war ja das Gespräch mit Frauen, die schon einen Industrieberuf haben, der ihnen gefällt. Sie wissen also alles, und TROTZDEM haben sie die Sehnsucht nach etwas „wirklich Sinnvollem“. Es kann also nicht nur das Wissen oder die Anschauung sein. Und auch nicht nur, dass der Beruf sie abschreckt, weil ihnen ihr Beruf ja gefällt. und TROTZDEM,…

  3. Ein kluger Ansatz, Care-Arbeit als Übergangsbegriff zu nehmen, auch wenn ich denke, dass wir auch 2015 noch viel damit zu tun haben, dass Sorgearbeit als Arbeit wahrgenommen, bewertet und bezahlt wird. Deine zehn Thesen von 2011 bleiben richtig, habe in meinem Beitrag eben auch darauf verwiesen: „Keine Raketenphysik. Zum Equal Pay Day“ http://wp.me/pkK0D-lV

  4. Zum Dossiers herunterladen gebe ich folgende TIP. margrit stamm.ch (Professorin em.der Universität Fribourg-CH) Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education,Bern

  5. Der für mich heikle Punkt in der Argumentation ist die Überlegung, dass eine für mich (intrinsisch) sinnvolle Arbeit auch vom Arbeit-/Auftraggeber als solche gesehen und daher entsprechend entlöhnt wird. Diese Erwartung entspricht weder der gesellschaftlichen noch der wirtschaftlichen Realität und ist mE auch keine taugliche Zukunftsvision. Um ein Extrembeispiel zu nehmen: es mag für mich äusserst sinnvoll/befriedigend sein, meinen Vorgarten zu pflegen oder einen Holztisch in liebevoller Handarbeit zu erstellen. Solange ich keinen Interessenten finde, der dieser Arbeit einen aufwand- adäquaten Wert zumisst, werde ich defacto „zuwenig“ verdienen (bis hin zur Armutsgrenze und darunter).

  6. @pierre – Ja, mit diesem Thema beschäftige ich mich in dem verlinkten Text über Notwendigkeit. (Www.antjeschrupp.de/notwendigkeit glaub ich)

  7. Was mir persönlich an der Diskussion fehlt ist der Blick auf die unterschiedlichen Quellen aus denen das Geld zur Bezahlung der Menschen kommt.
    Bei der Industriearbeit sind das in der Regel „Kunden“ wenn die Löhne steigen (sollen) muss eben das Auto, das Fahrrad oder der Fernseher teurer werden.
    Bei der Carearbeit sind es in der Regel aber Steuern und Kassenbeiträge (aus meiner Sicht praktisch das gleiche wie Steuern in diesem Kontext), was es viel schwerer macht das Thema zu kommunizieren.
    Wenn ein Auto um 10% teurer wird kann ich es kaufen oder nicht, ich kann ein günstigeres wählen oder ein gebrauchtes. Wenn meine Steuern um 10% steigen kann ich nichts machen als Zahlen um, eventuell und mit Glück, in der Zukunft dafür einen Gegenwert zu erhalten.
    Das hier dargestellte ist natürlich nicht die einzige mögliche Sicht auf die Dinge, aber eine recht verbreitete, fürchte ich.

  8. Pingback: Gehaltsunterschiede Frauen und Männer | elitemedium

  9. Aus einem Ingenieurberuf kommend, bin ich wie nicht wenige andere auch, als Leiharbeiterin in der Produktion gelandet. Und ich wundere mich immer wieder, dass in nahezu allen Medienbereichen Frauen nur mit Bürojobs bzw. pflegerischen…Tätigkeiten wahrgenommen werden. Der gesamte produktive und teilweise auch ingenieurtechnische Bereich scheint überhaupt nicht zu existieren. Auch die Bedürfnisse der dort arbeitenden Frauen werden schlicht ignoriert. Hier geht es oftmals immer noch nicht darum, ob es „Toilettenräume mit Tageslicht“ gibt, sondern überhaupt welche.
    Das macht die Sache dann eben schon wieder ziemlich unsexy und man möchte halt etwas „Vorzeigbares“.
    Teilweise stimme ich Blaubart zu. Jedoch glaube ich, dass es tatsächlich so ist, dass viele Menschen gedankenlos konsumieren und nicht auf dem Schirm haben, dass von der Zahnpastatube bis zur Gourmetnudel alles Industrieprodukte sind, Ist die Arbeit einer Zahnpastatubenverpackerin nun genauso sinnvoll und anerkennenswert wie der einer Krankenschwester? Was wäre, wenn alle Arbeiten, die als „nicht sinnvoll“ eingestuft werden, zu Gunsten der „sinnvollen“ nicht mehr getan werden würden? Das tägliche Leben könnte nicht mehr stattfinden. Haben somit die „nicht sinnvollen“ Tätigkeiten nicht doch einen Sinn, auch für den Einzelnen, der sie ausübt, gerade weil sie „nicht sinnlos“ sind?
    Einen Tisch könnte man übrigens ganz kreativ auch nur dann bauen, wenn jemand die Werkzeuge hergestellt hätte und einen Baum geschlagen.hat.

  10. Leider werden zu häufig Löhne im öffentlichen Dienst mit solchen im produzierenden Gewerbe verglichen.

    Ich nehme mal den öffentlichen Dienst, weil dort die Eingruppierung und die Entlohnung sehr transparent sind.

    Erzieher (ohne jede Leitungsfunktion, mit Ausbildung), die immer musterhaft als besonders schlecht bezahlte Berufsgruppe herhalten muss, verdienen als Anfänger im öffentlichen Dienst nach TVöD-SuE 30530 € brutto jährlich. Ein Küchenmeister im öffentlichen Dienst verdient nach TV-L anfangs 27675 € brutto / Jahr (Küchenmeister sind Meister oder gleichgestellte, z.b. ausgebildete Köche mit sechsjähriger Berufsausübung).
    Nun wird der Beruf des Kochs oft von Männern ausgeübt und der des Erziehers hauptsächlich von Frauen. Beides sind Dienstleistungsberufe. Beide arbeiten vielleicht sogar im Care-Bereich. Beide sind als Dienstleistungsberufe schlechter bezahlt als viele Berufe z.Bsp. im Maschinenbau.

    Es gibt auch gut bezahlte Jobs im Care-Bereich. Verbeamtete Lehrer sind überdurchschnittlich gut bezahlt. Auch Ärzte werden überdurchschnittlich bezahlt.

    Ein ganz passable Übersicht über Einkommen findet man hier:
    http://www.boeckler.de/pdf/p_ta_werverdientwas.pdf

    Eine Liste des Frauenanteils an verschiedenen Berufen findet man hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Frauenanteilen_in_der_Berufswelt

    Es ist auch bemerkenswert, das die Spaltung in Männer- und Frauenberufe umso stärker ist, je weniger wirtschaftliche Zwänge in einem Land auf das Individuum einwirken. Vermutlich kann man dann stärker seinen eigenen Wünschen und Neigungen folgen.

  11. Sorry für den etwas nerdigen Einwurf, aber ich frage mich gerade inwieweit die Mitarbeit bei diversen Opensource-Projekten (Wikipedia, Linux, Openstreetmap, …) typisch „männlicher“ Ausdruck des Wunsches nach sinnvoller Tätigkeit ist (noch dazu unentgeltlich und bei etlichen vermutlich auch zeitaufwendig).

  12. Aus dem Thomas-Evangelium:“ Wenn du hervorbringst,was in Dir ist,wird dich das,was du hervorbringst,retten“.Die eigene Talente zu erkennen und schöpferisch damit umzugehen lernen er-gibt eine reiche Lebensgeschichte.Missverständnisse können da auftreten oder andere Menschen können Dich nicht plazieren,weil sie verlegen sind und/oder be-nützen..Das suchen nach Heiterkeit und Sinnesart,setzt starkes Vertrauen in die eigene Lebensquellen voraus.Zitat:Denn, es gibt immer wieder (einen) Musikantinnen,DichterInnen,Heilige oder (einen) NarrenInnen,die flüchtigen Rhythmen,die verloren gehen könnten,einfangen.(Frei nach Helder Camara)

  13. @Petra –” Ist die Arbeit einer Zahnpastatubenverpackerin nun genauso sinnvoll und anerkennenswert wie der einer Krankenschwester?” Diese Frage dürfte pauschal nicht zu beantworten sein. Sie bedarf einer differenzierten Betrachtungsweise, die auch
    nach (Produktions)Bedingungen von Gütern/Diensten und den Motiven der Tätigen fragt.
    Wenn die Zahnpastatubenverpackerin keinerlei Einfluss auf die Herstellungsweise des Produktes hat, welches sie verpacken soll, dann dürfte dass womöglich
    die Sinnhaftigkeit ihres Tuns vor allem auf’s Geldverdienenmüssen reduzieren. Auch die Tätigkeit einer Krankenschwester kann durch immer mehr Bürokratisierung
    und Profitstreben der Gesundheitsindustrie an Sinn verlieren.
    Die Frage und Schlussfolgerung:
    “Was wäre, wenn alle Arbeiten, die als “nicht sinnvoll” eingestuft werden, zu Gunsten der “sinnvollen” nicht mehr getan werden würden? Das tägliche Leben könnte nicht mehr stattfinden.”
    kann nicht beantwortet werden ohne Einbeziehung des ‘ganzen Wirtschaftsprozesses’.
    Wieso sollte das ‘tägliche Leben nicht mehr stattfinden’ wenn Menschen nach dem Sinn ihres Tuns zu fragen und nach Wegen von sinnvollem Wirtschaften für alle suchen?

  14. Alles, was mit (vor allem industrieller) Produktion zu tun hat, ist nicht wirklich sichtbar als etwas, das zum guten Leben aller beiträgt, sondern es steht in dem Ruf, nur dem Profit und dem Kapitalismus zu dienen.

    Das liegt daran, dass es an Schulen lange keinen Technikunterricht gab, sondern nur die Grundlagenfächer dazu. Auch die Weltuntergangsstimmung der Achtziger, in der industrielle Produktion vor allem für Umweltzerstörung stand, hat ein gewisses Eigenleben entwickelt und wirkt auch in solchen Bereichen nach, in denen die Umweltprobleme teils durch Gesetze, teils durch Umwelttechnik gelindert oder beseitigt wurden.

    So entsteht dann eine romantische Illusion von einer heilen Welt, in denen es nur noch paar selbstverwaltete Ökomanifakturen braucht, weil ja alles andere schon irgendwie da ist oder eh nicht wichtig. Aber wenn man sich mal in einem beliebigen Teil des Alltags umsieht und ein bisschen einliest, findet man sehr schnell allerhand Beispiele für nötige Sanierungen und Innovationen, egal ob es um Stromnetze, Radwege, Internet, Kanalisation, Abwasseraufbereitung, Pflanzenernährung, Paketzustellung im Online-Handel, medizinische Diagnostik oder sonstwas geht.

    Traut euch mal raus aus euren Staatsknete-Nischen 😉

  15. @Irene (@irene_muc) – „Traut euch mal raus aus euren Staatsknete-Nischen“.

    Meinst du damit die staatlichen Förderungen der Atomtechnik?
    Dazu gibt es hier ’nette Realsatire‘:
    http://youtu.be/gXR3Vnfli04 😉

  16. @Antje Ich nehme dies mal zum Anlass, um zu sagen, dass ich immer noch hoffe, dich auf der Care-Konferenz zu treffen. Ich werde nicht ganz pünktlich sein können, weil Freunde von mir ein Rollenspiel leiten werden, wo ich wieder der „Charakter“ sein werde, der konsequent den am wenigsten riskanten Weg wählt (beim letzten Jetztzeit-Abenteuer habe ich vorgeschlagen, die Polizei zu rufen), aber ich mag die Leute und möchte am Samstag gerne erst sie und dann dich sehen.

  17. Ute, ich kann das Video momentan nicht anschauen. Aber es ist doch offensichtlich, dass viele Feministinnen – nicht nur beim Thema Pflege – aus dem Sozialbereich, der Bildung und Sozialwissenschaft kommen. Deshalb werden andere Bereiche der Wirtschaft verkürzt so wahrgenommen, dass die halt irgendwie da sind (Wasser kommt aus der Leitung, Arzt macht Blutbild, Heizung macht warm, Straßenbahn fährt halt, ist halt so), aber viele haben keine Vorstellung davon, was da in den nächsten Jahren und Jahrzehnten alles saniert oder entwickelt werden könnte und müsste, im privaten wie im öffentlichen Sektor.

    Dass es der grün-akademischen Mittelschicht selbst überwiegend sehr gut geht und sie ständig durch die Weltgeschichte fliegt, heißt nicht zwingend, dass jede Investition und jedes Wachstum in die Dekadenz führen muss. Weitersagen 🙂

  18. Übrigens ist doch gerade der Ausstieg aus der Atomenergie ein gutes Beispiel für überfällige Investitionen, es sei denn, man meint das mit der Subistenzwirtschaft ernst und will zu Petroleumlampe und Bienenwachskerze zurück.

  19. Irene, was ich selber aus der Frauen/Friedens/Ökologiebewegung
    mitbekommen habe war nicht die pauschale Ablehnung von ‚technischem Fortschritt‘, sondern die Ablehnung von Mensch und Mitwelt schädigender Technik um des Profit willens.
    Du verweist ja sehr richtig auf segensreiche technische Entwicklungen in den Bereichen Mobilität, Medizin, Energie…., die
    dem Wohle vieler Menschen dienen.
    Was aus dem Blick geraten ist, ist die Frage:
    „Was ist (technischer) Fortschritt , und wem dient das alles was wir ‚die Wirtschaft‘ heißen?
    Antje hat auf die Schrift von Ina Prätorius verwiesen, die sich genau damit auseinander setzt. Diese erweitert den Care-Begriff , indem sie die ‚ganze Veranstaltung Wirtschaft‘ als Care bezeichnet.
    Vieles darin dürfte deine Zustimmung finden. 🙂

  20. Vorhin bei Tengelmann auf das an exponierter Stelle präsentierte Magazin „People“ aufmerksam geworden, mit dem Thema „Flugzeugabsturz – das Leid der Angehörigen“ auf dem Titel.

    Auch sowas kommt raus, wenn viele Frauen mehr Wert auf persönliche Beziehungen legen und einem persönlichen Bezug zu allem und jedem haben wollen.

  21. Nee doch Irene. „Sowas kommt raus“, weil die Medienverdummungsmacht gerne ordentlich Kasse macht.

    Merke, dass sich das letzte Sätzchen reimt, vermutlich weil ich gerade dazu folgendes auf den Beitrag hier
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=25609 verfasst habe:

    April April,
    der macht halt gerne, was er will,
    wie Günther Jauch und NDR
    zeigt er uns allen, was nicht schwer,
    sein Fähnchen in den Wind zu hängen
    und marktkonform sich aufzudrängen,
    die Wahrheit hin und her zu drehen,
    bis schwindlig wir bloß das noch sehen,
    was uns die Herrschaftsmedienmacht
    uns täglich, stündlich vorgedacht.

    Doch NachDenkSeiten, welch ein Glück,
    entlarven oft dies Gaunerstück,
    ermuntern ihre Leseschar,
    an dem zu bleiben, was als wahr
    und gut und schön sich allen zeigt,
    damit die Welt sich nicht vergeigt.
    Drum Leute auf und seid nicht still,
    schreit täglich laut: April, April !!
    (Ute Plass)

  22. Irene, was ich selber aus der Frauen/Friedens/Ökologiebewegung
    mitbekommen habe war nicht die pauschale Ablehnung von ‘technischem Fortschritt’, sondern die Ablehnung von Mensch und Mitwelt schädigender Technik um des Profit willens.

    Damit hast du jetzt aus Versehen erklärt, warum es aus den genannten Kreisen keine Proteste gegen das iranische Atomprogramm gibt.

  23. @Irene – Ich denke, du missverstehst, was unter „Politik der Beziehungen“ gemeint ist. Dabei geht es nicht darum, „einen persönliche Bezug zu allem und jedem haben zu wollen“, sondern es geht darum, die Wichtigkeit von persönlichen Beziehungen für die Politik wahrzunehmen. Also nicht in erster Linie darum, Beziehungen herzustellen, sondern darum, vorhandene Beziehungen wichtig zu nehmen. Das ist nicht dasselbe.

  24. „Damit hast du jetzt aus Versehen erklärt, warum es aus den genannten Kreisen keine Proteste gegen das iranische Atomprogramm gibt.“

    Hm, das verstehe ich nicht und bin auf deine weitere Erklärung angewiesen, was genau du damit meinst?

  25. Antje, der etwas polemische Verweis auf dieses Magazin bezog sich nicht auf dein politisches Konzept, sondern darauf, dass nah am Menschen vielen Frauen anscheinend sinnvoller erscheint. Aber sind das wirklich Sinnfragen oder nicht eher Gewohnheiten?

    Du hast mit Frauen gesprochen, die schon eine Weile in diesem Laborberuf waren. Wenn man noch jünger ist, behaupte ich mal, wählt man den Beruf aus dem Themenpool, den man zu kennen glaubt (sei es aus dem Umfeld oder aus dem Fernsehen) und fragt vielleicht später nach dem Sinn. Wenn Frauen in einen sozialen Beruf gehen, muss das also nicht heißen, dass sie sozial eingestellt sind, vielleicht ist einfach die große Cousine in der Pflege tätig oder eine Pflegerin aus einer RTL-Serie war cool. Auch Jungs werden nicht Facharbeiter, weil sie das sinnvoll finden oder zu beschränkt sind, nach dem Sinn zu fragen, sondern weil sie Männer kennen, die auch Facharbeiter sind.
    Vielleicht sollten diese Laborantinnen in den Ferien mal ein Praktikum im Pflegeheim machen, um ihren Beruf wieder zu schätzen.

  26. @ Ute wegen Iran: Beim iranischen Atomprogramm geht es weniger um den Profit als um die nukleare Macht einer Diktatur. Und deshalb scheint es viele Atomkraftgegner und Friedensfreunde kaum zu stören, weil es nicht in die gewohnten Feindbilder passt – steckt ja nicht der Kapitalismus oder der böse Westen oder Amerika hinter der bevorstehenden Aufrüstung. Manche Politiker der Grünen sprachen sogar schon vom Recht auf nukleare Selbstbestimmung oder so ähnlich. Der Iran bedroht auf den ersten Blick vor allem Israel, und dieses Land können viele sowieso nicht leiden.

    Indirekt geht es doch um Profit, denn wenn das Embargo gelockert wird, wird Deutschland seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran wieder intensivieren. Außerdem werden andere Länder (Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien) Atommacht werden wollen und das wird natürlich auch ein Geschäft, für wen auch immer.

  27. @Irene – „Nukleare Selbstbestimmung“ ist im Vokabular von nationalstaatlichem Denken zu finden, ganz sicher nicht in der
    Anti-Atom-Friedensbewegung.

    Ansonsten verweisen deine Anmerkungen doch genau wieder auf die von Antje aufgeworfenen Fragen:

    „Ob eine Tätigkeit “Care” ist, also etwas, das “wirklich, wirklich sinnvoll” ist, das bemisst sich nicht daran, welchen Inhalt diese Tätigkeit hat, sondern darin, in welchem “Geist” sie erledigt wird. Ist der Maßstab dabei das gute Leben aller, das, was die Allgemeinheit braucht und was gut für die Welt wäre? Das, was notwendig ist? Oder ist der Maßstab ein anderer, zum Beispiel, wie viel Profit sich herausschlagen lässt?“

  28. Ute, ich kann ja diese Sinnfragen selbst gut nachvollziehen, aber ich würde das nicht so sehr mit der geschlechtsspezifischen Berufswahl (Frauen wollen angeblich mehr Sinn und bevorzugen deshalb soziale Berufe) verknüpfen.

    Wenn man etwas einige Jahre macht, dann kommt halt mal die Zeit, in der man sich fragt, ob es das nun gewesen sein soll. Soll ja auch in Partnerschaften vorkommen… die Sinnfrage ist beinahe austauschbar.

  29. @Irene, stimme dir da zu.
    Verstehe die Diskussion hier im Blog aber auch so, dass es darum geht Denkklischees zu hinterfragen, die behaupten, dass soziale Berufe im Gegensatz zu technischen Berufen mehr Sinn ergeben. Also, wie Antje schreibt:
    „Problematisch ist es aber, wenn nun erneut ein Gegensatzpaar entsteht, nämlich das zwischen “guter Care Arbeit” und “böser Industriearbeit”….. “
    Danke für dein hartnäckiges Insistieren, welches mein eigenes Denken antreibt. 🙂

  30. Diese Rezension
    http://www.kritisch lesen.de/rezension/permanente-krise
    verweist nochmal auf die Geschichte vergeschlechtlichter Arbeitsteilung:
    Zitate daraus:
    “Waren zu Zeiten des Feudalismus Arbeiten kaum geschlechtlich verteilt, wurde im Europa des 16. Jahrhunderts der Grundstein gelegt für die kapitalistische Produktionsweise.”
    “Der Trennungsprozess von Produktion und Reproduktion, der Frauen − mitunter gewaltsam − in die unbezahlte, häusliche Arbeit drängte, stellt für den Kapitalismus eine ungeheure Entlastung dar – damals wie heute, wenn auch in je unterschiedlicher Gestalt.”

    Interessant wäre der Frage nachzugehen, ob die ‘vermeintliche weibliche Technikfeindlichkeit’ auch als Folgen dieser Sphärentrennung anzusehen wäre, die (unbewußt?) bis in die
    Jetztzeit hineinreicht?

  31. Pingback: Care-Arbeit | acidblog

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