Männer und Frauen ergänzen sich nicht gegenseitig

Über die Geschlechterdifferenz denke ich ja schon ewig nach und über ihren Zusammenhang mit dem Schwangerwerdenkönnen seit einiger Zeit besonders. Kürzlich kam mir beim Lesen dieses Textes (pdf) von Muhammad Sameer Murtaza „Der Gender-Dschihad“ eine weitere Idee. Und zwar so:

Murtaza setzt sich ausführlich mit der koranischen (die biblische ist ähnlich) Beschreibung Gottes als „Barmherzigkeit“ auseinander. Das Wort hat dieselbe Wurzel wie „Gebärmutter“ und beschreibt also Gott auf eine gewisse Weise als mütterlich, umsorgend. Das Thema ist in der feministischen Theologie schon lange diskutiert worden: Es gibt in allen drei monotheistischen „Buchreligionen“ (Judentum, Christentum, Islam) sehr unterschiedliche Gottesbilder, und eines davon ist eben dieses. Murtazas argumentiert nun, dass Frauen deshalb für die Religion (in seinem Fall den Islam) sehr wichtig sind, weil sie diese Qualität Gottes verkörpern:

So lässt sich eine Analogie ziehen, also eine Ähnlichkeit bei noch größerer Unähnlichkeit, zwischen der göttlichen Barmherzigkeit und dem Schöpfungsakt auf der einen Seite und auf der anderen Seite zur Nächstenliebe und der Fähigkeit der Frau zu Gebären. Gerade in der Pflege der Leibesfrucht lernt die Frau auf eine besondere und tiefe Weise, ihre liebende Sorge über die Grenzen des eigenen Ichs auf eine andere Person auszustrecken und auf die Erhaltung und Unversehrtheit dieses fremden Menschen zu richten. Diese Liebe, diese Fürsorge, dieses Verantwortungsbewusstsein für ein anderes Wesen, vermag uns einen Hauch eines Verständnisses von der göttlichen raḥma zu schenken, das sich in der Gott-Mensch-Beziehung … zeigt.

Bis dahin könnte ich das unterschreiben, denn die Erfahrung des „Zwei in Eins“, der unmittelbaren, in den eigenen Körper eingeschriebenen Verantwortung für ein anderes menschliches Wesen, machen eben nur Schwangere, und warum nicht darin ein Bild nehmen, das – ungenügend wie alles, was sich über Gott sagen lässt – hier eine Analogie zu dem Umhegtsein der Menschen durch das Göttliche sieht.

Allerdings bleibt es nicht dabei, sondern Murtaza fährt folgendermaßen fort – und ich zitiere das hier nicht, weil es einzigartig ist, sondern weil so ähnlich auch von jüdischen und christlichen Theologen und auch von säkularen Philosophen argumentiert wurde und wird (jedenfalls an dem Punkt, der mich hier interessiert): nämlich wie sich der Mann und das Männliche zum Schwangerwerdenkönnen der Frauen* (Frauen hier mit Sternchen, weil Frausein und Schwangerwerdenkönnen nicht deckungsgleich sind) in Beziehung setzen. Er schreibt:

Neben der Barmherzigkeit kommt auch dem Gottesnamen der Gerechte, al-ʿadl eine zentrale Bedeutung zu. Die Gerechtigkeit (ʿadl) bezeichnet das kosmologische Ordnungsprinzip der Schöpfung und kann als männlicher Zug im Gott-MenschVerhältnis verstanden werden. Die Gerechtigkeit Gottes und Seine Barmherzigkeit sind keine entgegengesetzten Begriffe, sondern sie wirken gemeinsam, um die Schöpfung zu bewahren. Übertragen wir dies nun auf das Geschlechterverhältnis, so sind sowohl das Patriarchat wie auch das Matriarchat einseitige Gesellschaftsentwürfe. Sich Gott anzunähern, bedeutet sich zu einem Gesellschaftsverständnis durchzuringen, das von einem partnerschaftlichen Verständnis von Mann und Frau geprägt ist. Die Frauen besitzen einen besonderen Einblick in die Tiefendimension der göttlichen raḥma, während die Männer einen besonderen Zugang zum Verständnis der göttlichen Gerechtigkeit besitzen. Beide Geschlechter benötigen demnach, da wir nur gemeinsam zu einer tieferen Ahnung von Gott gelangen.

Aus der faktischen Differenz zwischen Menschen, die eventuell schwanger werden können (Frauen*) und Menschen, die es mit Sicherheit nicht können (Männer*) konstruiert Murtaza also eine komplementäre Differenz: Dem besonderen weiblichen* Einblick in die Barmherzigkeit wird ein männlicher besonderer Zugang zur Gerechtigkeit komplementär gegenüber gestellt, nach dem Motto „Die einen können das und die anderen können das“, und beides ergänzt sich gegenseitig. Genau dies ist die Grundlage für das männliche dualistische Denken in Gegensätzen, die sich aus Mann-Frau heraus durch unsere gesamte Kultur ziehen.

Dem liegt aber ein entscheidender Denkfehler zugrunde, und zwar nicht nur der offensichtliche, von Feministinnen auch schon ewig kritisierte, dass natürlich sich aus der Tatsache, dass manche_viele Frauen schwanger werden nichts über Frauen generell sagen lässt, denn ich zum Beispiel war nie schwanger und habe daher ebenso wenig besonderen Zugang zur göttlichen raḥma wie ein Mann, der nicht schwanger wird. Und trotzdem bin ich eine hundertprozentige Frau.

An dieser Stelle will ich vielmehr auf einen anderen Denkfehler hinaus, der mir noch gravierender erscheint, und zwar die Vorstellung, dass eine Differenz zwischen Haben und Nicht Haben (die Erfahrung einer Schwangerschaft) eine Differenz zwischen Etwas Haben und Etwas Anderes Haben (Zugang zu Barmherzigkeit auf der einen Seite, Zugang zu Gerechtigkeit auf der anderen) wird.

Das aber ist ein logischer Fehlschluss, denn aus der Tatsache, dass jemand etwas nicht hat (zum Beispiel die Fähigkeit, schwanger zu werden), folgt ja keineswegs, dass man deshalb automatisch etwas anderes hat, und schon gar nicht, dass dieses andere das erste komplementär ergänzt. Und genauso wenig folgt aus der Tatsache, dass jemand etwas hat (zum Beispiel die Erfahrung einer Schwangerschaft), dass sie deshalb etwas anderes nicht hat (eine besondere Affinität zur Gerechtigkeit).

Jemand, der kein Auto hat, hat deshalb nicht automatisch ein Fahrrad, und jemand, der ein Auto hat, hat deshalb möglicherweise trotzdem auch noch ein Fahrrad. Ob Menschen schwanger werden können oder nicht, sagt rein gar nichts über ihre vorhandene oder nicht vorhandene Affinität zur Gerechtigkeit aus. Es gibt Menschen, die sind gerecht und barmherzig, und es gibt Menschen, die sind weder das eine noch das andere. Und es gibt Menschen, die sind das eine, aber das andere nicht.

Der Grundfehler in der Art und Weise, wie eine männliche Philosophie die Geschlechterdifferenz interpretiert, liegt darin, dass sie nicht als Differenz stehen gelassen und bestaunt wird, sondern dass man sie universalistisch im Hinblick auf ein imaginiertes Ganzes einhegt. Die Interpretation der Geschlechterdifferenz als komplimentäres Gegenüber ist eine willkürliche Interpretation, sie hat keine logische Grundlage.

Vielleicht liegt das ja tatsächlich an einer Art Gebärneid, oder an verletzter Eitelkeit, so nach dem Motto: Es kann doch nicht sein, dass die Frauen* an dieser Stelle etwas haben und die Männer – nichts. Leider ist aus diesem logischen Fehlschluss aber eine riesige symbolische Unordnung entstanden, die sich bis in die letzten Verästelungen unserer Kultur verbreitet hat und auf alle Lebensbereiche verheerend auswirkt.

 

19 Gedanken zu „Männer und Frauen ergänzen sich nicht gegenseitig

  1. Danke, Antje, toller Artikel und schön auseinandergenommen. Aber „dualistisch“ darf dem männlichen Denken demnach auch nicht zugeschrieben werden, oder? Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. So als Frau 🙂

  2. „Es kann doch nicht sein, dass die Frauen* an dieser Stelle etwas haben und die Männer – nichts. “
    Frauen können gebären, Männer zeugen. Keinem bringt seine Fähigkeit etwas ohne den anderen.
    Eine bessere Ergänzung gibts doch garnicht, keine Ahnung warum Du den Umweg über die Theologie brauchst um das nicht zu erkennen.

  3. Hmm. Also wenn „das Patriarchat“ so eine Art „affirmative action“ für Männer sein soll, die nur das Maß verloren hat, was bedeutet das dann für das feministische Theoriegebäude? Das stößt doch letztlich alles um.

  4. Hallo Antje,

    ich lese ja durch den abonnierten RSS-Feed deine Artikel mehr oder weniger regelmäßig mit. Mit einigen bin ich einverstanden, mit anderen nicht. Das kann passieren, da eben nicht alle Menschen gleich sind!

    Nun möchte ich dich fragen, wie ich deinen letzten Satz den verstehen soll (Zitat):

    „Leider ist aus diesem logischen Fehlschluss aber eine riesige symbolische Unordnung entstanden, die sich bis in die letzten Verästelungen unserer Kultur verbreitet hat und auf alle Lebensbereiche verheerend auswirkt.“

    Vor allem folgendes gibt mir Rätsel auf:

    „unserer Kultur“

    Welche Kultur? Die christliche? Oder ist die islamische Kultur gemeint? Vielleicht die jüdische, buddhistische, indigene oder keltische Kultur?

    Es gibt auf unserer Erde viele verschiedene Kulturen, Du machst es dir hier meiner Meinung nach zu einfach! Ich z. B. wurde zwar vor nun beinahe 50 Jahren römisch-katholisch getauft, bin aber eigentlich keltischen Glaubens (nicht dieses neukeltische Zeug, das ist nämlich Unfug!) und in dieser Kultur/Religion sind Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt, eine echte Demokratie eben und nicht so wie bei „Asterix und Obelix“, wo es nicht einmal weibliche Druiden gab! So habe ich das bisher auch immer gehalten und das wird auch so bleiben.

    Du scheinst hier aber sämtliche Kulturen über einen Kamm zu scheren, was einfach nicht gerecht ist und genauso diskriminierend wie die Unterdrückung der Frauen! Ich bin mit meinem Glauben zwar in einer Minderheit, aber daran ist ja wohl nichts schlechtes?!?

    Alle, aber auch wirklich alle Menschen haben die gleichen Rechte und Pflichten. Es gab schon in der Steinzeit und so Jägerinnen und Köche, wer besorgt also die Nahrung und wer bereitet sie zu? Völlig egal, funktionieren muß es!

    Das beste Beispiel hierfür sind meine Ex-Frau (es gab andere Differenzen wie dieses Thema, aber wir verstehen uns bis heute immer noch sehr gut!) und ich:

    Mal hat sie mehr verdient, mal ich. Mal war ich Hausmann, mal sie Hausfrau. Na und, was ist daran schlimm?

    Gleichberechtigung, aber wirklich echte Gleichberechtigung kennen die meisten Menschen gar nicht, das ist ja auch absolut unmöglich, da es auf der ganzen Welt meines Wissens nach auch keine echte Demokratie gibt. Das hat aber eben den großen Fehler, daß es ohne echte Demokratie auch keine echte Gleichberechtigung geben kann! Das ist nu einmal so, daran kann man nur wenig ändern.

    Erst wenn es eine echte Demokratie gibt, dann wird auch eine echte Gleichberechtigung die Folge sein:

    Ursache -> Wirkung

    Viel Spaß beim Nachdenken über meine Worte

    Grüße nun aus Augsburg

    Mike, TmoWizard

  5. Frauen brauchen keine Männer zur Ergänzung, Frauen kommen ganz prima alleine klar. Eine Tatsache, die das Patriarchat sorgsam zu verbergen sucht, die aber sofort offensichtlich wird, wenn man sich eine Welt ohne Männer vorstellt.
    Wir brauchen Männer, damit sie Probleme lösen, die wir ohne Männer nicht hätten.(z.B. um uns vor anderen Männern zu beschützen) Und zur Fortpflanzung. Das wars.

    Wenn Männer für irgendwas eine Affinität haben, dann für Ungerechtigkeit. Der Gebärneid treibt sie dazu, die Gebärfähigkeit von Frauen kontrollieren und Frauen besitzen zu wollen.

  6. @etron – Nein, Frauen und Männer zeugen gemeinsam (Sperma trifft auf Eizelle). Schwangersein und Gebären ist was anderes, dazu gibt es auf der Seite der Männer kein Äquivalent.

  7. @ts: Nö. „Das“ feministische Theoriegebäude gibts nicht. Wie ich anderswo schon anmerkte, kluge Feministinnen fordern nicht Gleichheit, sondern Freiheit für Frauen.

    Männer brauchen keine affirmative action. Sie müssen einfach nur lernen damit zu leben, dass sie keine Kinder kriegen können. Und froh darüber zu sein, dass sie nicht jeden Monat bluten und fürchterliche Schmerzen leiden.

  8. @TmoWizard – Mit „unsere“ Kultur meine ich die so genannt „westlich-abendländische“, den dualistischen Fehlschluss in Bezug auf die Geschlechterdifferenz hatte ja schon Aritoteles (vgl. https://abcdesgutenlebens.wordpress.com/), der auch die Idee hatte, dass schwangere Frauen lediglich das „Gefäß“ seien, das die Kinder des Mannes austrägt. Von da zieht sich der Dualismus dann bis heute, über die Römer, das Christentum bis zur Aufklärung und den bürgerlichen Ideologien. Mit anderen Kulturen kenne ich mich nicht so gut aus, da gibt es sicher unterschiedliche Strömungen und Ansätze und gegenseitige Beeinflussungen.

  9. „Jemand, der kein Auto hat, hat deshalb nicht automatisch ein Fahrrad.“
    naja, dass jemand nicht _automatisch_ ein Fahrrad hat. bedeutet allerdings auch nicht, dass er keins hat. Die Zuschreibung von „Gerechtigkeit“ wird wohl noch andere Quellen haben, als den „Umweg“ über die Polarität. Zur Not kann man immer noch sagen „ja, ich glaub das halt“. Bei Religion nach logischen Herleitungen zu fragen ist ja an sich schon ein ungeeigneter Zugang

    Dass schwanger sein etwas mit Göttlichkeit u. Göttlichen Eigenschaften zu tun hat, ist ja auch nur eine menschliche Zuschreibung. An Religionen kann man somit einiges über die Ansichten der Menschen lernen – sie gestalten ihre Religion nach ihrer jeweiligen Weltsicht.

    Die Männer, die das mit dem Schwangerwerden umtreibt, können sich ja damit trösten, dass Penetration und Ejakulation notwendig sind (biologisch gesehen, nicht technologisch, aber dann wird das mit der Einzigartigkeit der Schwangerschaft auch kompliziert). Dabei kann man allerlei über Ackerböden und den „göttlichen Funken“ philosophieren und dass der Mann ja voller Tatendrang die Welt strebt. Weil ja beim ejakulieren etwas rauskommt. Naja… war jedenfalls interessant mal zu lesen, dass es offenbar auch eine Gebärmutter-Mystik gibt. Eines Tages wird bestimmt auch jemand eine feministische „Arche Internetz“ gründen, um sich damit kritisch auseinanderzusetzen 😀

  10. also um Missverständnisse zu vermeiden: ich glaube den Kram mit der Manneskraft und dem göttlichen Funken natürlich NICHT

  11. @antje: „Sie müssen einfach nur lernen damit zu leben, dass sie keine Kinder kriegen können.“

    Ich habe Zweifel ob das tatsächlich so einfach ist:

    Frauen ist das „schwanger werden können“ natur- und quasi gottgegeben. Das ist nicht eine menschlich zivilisatorische, und damit sehr fragile, Übereinkunft, sondern das *ist* so, unumstößlich.

    Ich bin kein Psycholge oder Philosoph, aber ich vermute mal daß so eine „gottgegebene“ Positionierung in der doch recht, äh, wie formuliere ich das? … einsamen und sinnlosen Angelegenheit des In-die-Welt-Geworfenseins?, …daß so eine Positionierung dem Menschen doch eine Menge an existentiellem Halt geben kann (Die Frauen die nicht schwanger werden (können), haben zumindest (als Frau) noch die prinzipielle Zugehörigkeit zu der Schwanger-Peergroup)

    Gerade bei den heutigen technischen Möglichkeiten der Reproduktion scheint mir das Mannsein überflüssiger denn je. Das ist wohl nichts was einem (Mann) im Alltag umtreiben müsste, aber mir scheint sich doch viel des patriarchalen Unfugs letztendlich aus einem hartnäckigen und tiefliegenden diesbzgl. Defizit im männlichen Bewusstsein zu speisen: Abgrenzung ggü. Frauen und Frausein zwecks Stärkung der eigenen „Mann-Gruppe“, symbolischer Vater-Gott als leidlicher Ersatz für das Muttersein (siehe auch die Fraus aus Adams Rippe), Gewalt gegen Frauen als Folge des ständigen verhohlenen Neids, das Konstrukt des Mannes als Ernährer der Familie als „gleichwertige bis überlegene“ Position ggü. der Frau als Ernährerin des Kindes

    Klingt vielleicht blöd und lächerlich, aber trotzdem kommen mir die Zusammenhänge recht plausibel vor.

  12. Liebe Antje Schrupp, herzlichen Dank für diesen guten Artikel. Ich denke, auch mein neues Buch wird das Thema Gebärneid und den Stillneid weiter erhellen: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. http://www.amazon.de/dp/3738639012

  13. @etron @antje
    Ein paar Fakten aus der Naturwissenschaft:
    – mit ihrer female choice wählt eine Frau den Mann ihres Kindes aus, sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes. Im Patriarchat wird die fc allerdings unterdrückt.
    – je 50% der Gene des Kind stammen von Mutter und Vater
    – dieser Gencode wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter, Umweltfaktoren
    – Mikrochimärismus. Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. http://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475
    – die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle und die Lebenskraft, werden von und über die Mutter vererbt.
    – die Mutter trägt das Kind 9. Monate, sie gebiert es, impft es dabei mit ihren lebensnotwendigen Darmkeimen.
    – die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden.

    Wir stammen also trotz Patriarchat mehr von der Mutter als vom Vater. Mit welchem Recht also behaupten Männer, dass das Kind ihnen gehöre und sie über das Kind bestimmen dürfen? Es ist das patriarchale Recht und nicht das Naturgesetz. Es ist der Gebärneid und der Stillneid des „Gottes im 9. Monat“: http://www.amazon.de/dp/3738639012

  14. @austria10:

    Dass es Männern nicht leicht fällt, ihre Gebärunfähigkeit zu akzeptieren, sieht man ja daran, dass sie das Patriarchat erfunden haben. Also, einfach ist es sicher nicht.

    Aber eben die einzige Möglichkeit, wie frau friedlich mit ihnen zusammenleben kann. Solange sie ihre Minderwertigkeitskomplexe an uns auslassen, wird das nichts.

  15. „Die Interpretation der Geschlechterdifferenz als komplimentäres Gegenüber ist eine willkürliche Interpretation, sie hat keine logische Grundlage.“

    Deine Argumentation hier finde ich problematisch.
    Interpretationen der wahrgenommenen und kommunizierten Wirklichkeit können keine logische Grundlage haben. Sie sind immer willkürlich. Willkürlich im Sinne von Durch den Willen von Subjekten zu etwas gemacht. Zu einem Etwas, das bedeutet.

    Ich meine: Das zu verneinen bedeutet, einen ersten/letzte Grund zu akzeptieren. soetwas wie Gott. Die Logik kann nicht die Welt erklären. Sie braucht immer willkürliche und – durch das verhaftetsein der Subjekte in einer materiellen Welt anderer Subjekte und Objekte – in irgendeiner Form auf Wahrnehmung beruhende Interpretationen, die als ihre Prämissen gesetzt werden.

    Mein Vorschlag ist nun, die Schlussfolgerung zu ändern:

    Die Interpretation der Geschlechterdifferenz als komplimentäres Gegenüber kann nicht damit gültig begründet werden, dass von Haben/Nicht Haben ein spezifisches Haben/Etwas anderes Haben abgeleitet wird.
    Daraus folgt aber nicht, dass „die Interpretation der Geschlechterdifferenz als komplimentäres Gegenüber“ eine willkürliche Interpretation ist. Sie ist es. Aber die Identifikation des Fehlschlusses bedeutet meiner Ansicht nach nicht, dass die Beobachtung >>Haben/Nicht Haben geht einher mit Haben/Etwas anderes Haben<< nicht zutrifft. Das heißt zunächst nur, dass die Bestandteile des wahrgenommenen und reproduzierten Konstruktes jeweils nicht miteinander erklärt werden können.

    Oder so.

  16. Der Fehlschluss liegt meiner Meinung woanders. Barmherzigkeit und Gerechtigkeitssinn werden nicht Frauen/Gebärfähigen und Männern/Nichtgebärfähigen zugeschrieben, sondern umgekehrt: diese Eigenschaften konstituieren die beiden Geschlechter innerhalb dieses Wertekanons. Wer einen „besonderen Einblick in die Tiefendimension der göttlichen raḥma“ besitzt, ist eine Frau, und wer „einen besonderen Zugang zum Verständnis der göttlichen Gerechtigkeit“ besitzt, ist ein Mann. Die philosophisch-theologische Frage ist, ob sich beides innerhalb eines Individuums einander ausschließt und deswegen die Gesellschaft auf die Zusammenarbeit beider so definierter Geschlechter angewiesen ist. Doch selbst wenn man die Existenz von „Barmherzigkeit-Gerechtigkeit-Zwittern“ annimmt, könnten die nicht alleine die ganze Gesellschaft stellen. Dieser Zustand könnte aber als ethisch-moralisches Ideal für jeden Einzelnen ausgegeben werden.

  17. Das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien, welche sich eben nicht einfach beispielsweise mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen in der Kindheit oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen erklären lassen.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen müssen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweiterte Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4)

  18. @labolg – Das halte ich für ein unbewiesenes Gerücht. Und Bücher, die im Titel Wörter wie „Gender-Ideologie“ haben, identifizieren sich doch selber schon als Polemik und nicht als ernst zu nehmender Diskussionsbeitrag.

  19. Was sind (neben Aristoteles) noch andere
    > jüdischen und christlichen Theologen und auch
    > säkularen Philosophen
    die so einen Dualismus fahren? Ich würde mich gerade für aktuelle interessieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s