#ausnahmslos

Sicher habt Ihr schon mitbekommen: www.ausnahmslos.org.

Benni, Eva und ich haben zu dem Thema auch gepodcastet. (und in Teil 2 auch noch über andere Themen gesprochen).
Susanna hat sich in ihrem Blog ausführlich mit unserem Podcast auseinandergesetzt.

Ich bloggte dann auch nochmal zu der Frage:
Verharmlosen Feministinnen die Taten von Köln?

Außerdem gab es eine ganze Reihe von Interviews, u.a.:
Die „Böse Minute“ beim WDR (Frau TV)
Radiointerview bei Mephisto.
FAZ Rhein-Main zusammen mit Nicole von Horst.
Interview mit Radio Corax

 

14 Gedanken zu „#ausnahmslos

  1. Ich finde die Sticker-Version vollkommen zustimmungsfähig und hätte das gerne unterzeichnet, wenn ich dann nicht die Langtextversion mit dem ganzen unerträglichen selbstreferentiellen soziologischen Unterstrich-Geschwurbel gelesen hätte, das klar macht, daß es mit #ausnahmslos offenbar weniger um einen echten Debattenbeitrag gehen soll, als um die Beruhigung des eigenen „intersektionellen“ Gewissens. Jede_r, die_er nicht ohnehin schon solche Texte zu lesen gewohnt ist und das freiwillig tut, ist da schon spätestens nach dem zweiten Absatz ausgestiegen.

  2. Sorry, für den Doppelpost: Ich sehe gerade, dass das per email funktioniert hätte. Tja, erstmal alles ganz lesen. Ich bin auf die Seite und habe das unter dem link statement mitunterzeichnen gemacht. War das falsch?

  3. ich habe auch so meine Schwierigkeiten mit dem Statement, obwohl ich durchaus Hoffnungen hatte, als ich zuerst davon gehört habe. Es ist eine Aussage, der ich – wie viele andere auch – in sehr weiten Teilen zustimme. Aber der Text ist eben genau das. Eine Aussage, der, zumindest im Kern, alle irgendwie zustimmen können.

    Was mir fehlt, ist eine spezifische Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt „Silvesternacht Köln/Hamburg“. Ist daran etwas neu, oder nur eine Version dessen, was es hier auch gibt? Gibt es in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedliche Formen von Sexismus, die auch mit ihren Trägern verbreitet werden können? Was heißt das für die Flüchtlingspolitik? Muss es überhaupt etwas heißen? Mal ganz unabhängig davon, wie man diese Fragen beantworten will (darum geht es mir hier nämlich überhaupt nicht), werden sie nicht einmal gestellt. Wenn man verschiedene Texte von FeminstInnen über diesen Sachverhalt liest, wird deutlich, dass hier erstens kein Konsens besteht und zweitens dass viele die Vorfälle erklärt haben, indem sie feministische Grundannahmen übergingen, ohne das auch nur zu problematisieren, ja geradezu eigentlich gegnerische Argumentationsmuster bedienen, von wegen „die kennen das halt nicht, dass Frauen so rumlaufen, und Alkohol und Menschenmassen sind halt keine gute Kombination, und denen ging es ja gar nicht um sexuelle Gewalt, sondern nur um Taschendiebstahl“. Dabei war es m. W. n. immer ein feministisches Anliegen zu sagen, dass jemand sexuelle Gewalt anwendet, um eben genau das zu tun. (Was mittlerweile eigentlich in der ganzen Gesellschaft angekommen ist)

    Diese Irritationen der einzelnen Feministin und der fehlende Konsens insgesamt werden m. M. n. einfach übergangen, indem man sagt, dass man ganz grundsätzlich gegen Sexismus und Rassismus ist. Es wurde die Analyse durch ein Statement ersetzt. Die politischen Forderungen verleihen dem Statement zwar den Anschein des Konkreten, sind aber letztlich so gewählt, dass ihnen jeder(r) zustimmen kann, ganz egal wie er/sie die Vorfälle nun einordnet. Insofern finde ich es gerade zu prätentiös in dem Sinne, dass der Text durch die Nennung präziser Maßnahmen etwas vorgibt zu sein, was er nicht ist: eine femistische politische Positionierung zu Köln.

  4. @Wilhelm – Eine wirkliche Analyse des Sachverhalts kann man in so einer kurzen Zeit nicht schreiben und auch nicht auf zwei Seiten Text. In diesem Statement ging es uns erstmal darum, den Rahmen abzustecken, innerhalb dessen solche Analysen stattfinden müssen, und zwar, weil es uns nötig erschien, den ganzen Schnellschuss-Analysen mit problematischen und falschen Narrativen, die momentan überall aus dem Boden sprießen, zu widersprechen.

  5. edit: und ich meine tatsächlich gesellschaftliche Träger in dem Sinne, dass man immer seine gesellschaftlichen Prägungen in andere Gesellschaften mitnimmt wenn man den Ort wechselt, im positiven wie im negativen, und dass man diese Prägung sozusagen im Gepäck mit sich trägt (zweiter Absatz), bevor mir noch jemand unterstellt, ich hätte das als rassistische Krankheitsübertragungs-Metapher gemeint.

  6. Ein Gespräch mit der Publizistin Barbara Sichtermann
    „Die Gesellschaft muss die Emanzipation der Frauen sehr viel offensiver und militanter verteidigen“
    http://www.deutschlandfunk.de/publizistin-barbara-sichtermann-die-gesellschaft-muss-die.694.de.html?dram:article_id=342712

    Diejenigen, die das bisher getan haben und sich immer wieder neu
    für die menschliche Emanzipationsentwicklung einsetzen, werden aufgrund der „Kölner Silvesternacht“ als Relativierinnen gescholten,
    die lt. Barbara Sichtermann „Angst vor dem Beifall von der falschen Seite“ haben.

    Schade, dass Sichtermann sich so pauschal dazu äußert. 😦

  7. Auf der Seite des:
    http://www.feministisches-institut.de/sexismus_rassismus_koeln/
    heißt es u.a.:
    „Anhand der Debatte um sexuelle Übergriffe in Köln und Hamburg in der Silvesternacht stellen wir zweierlei heraus: Weder weiße deutsche Männer, die nun über Frauenrechte reden, noch die Polizei sind Bündnispartner in feministischen Kämpfen. Und Deutschland hat als gesamte Gesellschaft ein Sexismus- und ein Rassismusproblem.
    Auch diese Aussage ist mir zu pauschal.

  8. @Ute Plass – Ich finde generell, dass die „Angst vor dem Beifall von der falschen Seite“ im ganzen Diskurs viel zu schnell dismissed wird. Mir ist diese Angst gut bekannt, und sie ist glaube ich ein Begleitphänomen von allen Menschen, die nicht platt, sondern differenziert argumentieren. Das Bewusstsein dafür, dass „Beifall von der falschen Seite“ sehr problematisch sein kann, ist ein sehr wichtiges für einen guten Diskurs. (Mit dem Problem schlug sich schon Emma Goldman herum, als sie in den 1920er Jahren desillusioniert aus der UdSSR zurück in den Westen kam und mit ihrer Kritik von den Linken nicht gehört, aber von den Rechten hofiert wurde. Sie hat sich nicht von den Rechten vereinnahmen lassen, und ich finde, das war eine richtige Entscheidung von ihr).

  9. Antje, denke schon auch, es sollte sich vertiefter mit dieser „Angst vor dem Beifall von der falschen Seite“ auseinander gesetzt werden.
    Denke aber auch, dass Frau, auch ohne sich vereinnahmen zu lassen, es nicht verhindern kann, dass ihr
    Engagement bzw. ihre Argumentationen für das ihr wichtige Anliegen instrumentalisiert werden können zu Zwecken, die nicht ihre sind.
    Können wir ja aktuell erleben, wenn sich auf einmal diejenigen, die
    eine Art Rundumschlag gegen ‚die Feministinnen‘ getätigt haben
    sich als ‚FrauenversteherInnen‘ und Beschützerinnen aufspielen.
    Diese Verlogenheit und Instrumentalisierung hast du ja in deinen
    Beiträgen sehr deutlich thematisiert. 🙂

  10. Auszug aus einem Telepolis-Interview mit dem Politikwissenschaftler Jörg Becker:

    “ Könnte das Verschweigen des kulturellen Umfeldes der Täter nicht auch den Rechten insofern nutzen, als hier ein reales Problem ignoriert würde?

    Jörg Becker: Mit Ihrem Argument, das und das Argument käme den Rechten zugute und das und das eher nicht, bewegen wir uns in einem Zirkel. Diese Perspektive unterstellt, den Zugang zur Vernunft bei diesen Rechten. Die aber reagieren gar nicht auf vernunftbezogene Argumente, sondern benutzen alles für ihre Sicht. Und diese Sicht steht fest und kann – so oder so – argumentativ nicht berührt werden. “

    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47171/2.html

  11. Ihr verharmlost die Taten von Köln nicht direkt. Aber es hört sich in der letzten Zeit so an, als sei sexuelle Gewalt überall gleich schlimm, weil es ja überall Rape Culture gibt. Als sei es kein Unterschied, ob z.B. der Umgang eines Polizeibeamten mit sexueller Gewalt ignorant ist, weil er zu wenig geschult ist, oder ob das Opfer auch noch als Ehebrecherin angeklagt und womöglich gesteinigt wird (siehe manche Golfstaaten, deren Weltbild sich auch in Pakistan breit macht).

    In manchen Staaten gibt es gar kein Bewusstsein für Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Da wird sexuelle Gewalt als Beschädigung des männlichen Eigentums empfunden wie bei uns im vorletzten Jahrhundert, oder als Tat gegen die Ehre der Familie.

    Die Frage, die sich daraus für mich ergibt: Ist Fortschritt bei diesem Thema möglich (ich finde eindeutig ja), oder gibt es (und so hören sich die meisten Feministinnen derzeit an) eine Art unheiligen Geist namens Rape Culture, der halt immer und überall ist, egal wie viele Frauenhäuser, Frauenbeauftragte und feministische Publikationen es in einer Gesellschaft gibt?

  12. Denke auch, dass Fortschritt im Sinne von weiterer Aufklärung über „unheiligen Geist namens Rape Culture“ möglich und weiter
    notwendig ist. Die Vergewaltigungsunkultur zeigt sich ja nicht allein in der Occupation des weiblichen Körpers, sondern weltweit
    durch gewaltsame Landnahme, Krieg und Zerstörung. Wenn alles verloren scheint (wie z.B. für die sog. nordafrikanisch aussehenden Männer in der Kölner Silvesternacht), dann will Mann womöglich wenigstens noch sein ‘Mannsein’ retten indem er Macht über Frauen demonstriert und sich darüber
    auch am weißen Mann rächt und ihn demütigt durch „sexuelle Gewalt als Beschädigung des männlichen Eigentums“. Reaktionen aus bestimmten Kreisen deuten darauf hin, dass dieses Motiv auch in unseren Breitengraden noch (unbewusst?) virulent sein dürfte.

    Könnte es sein, dass all diese gewaltsamen Verwerfungen ein Hinweis dafür sind, dass es mit dem weltweiten Patriarchat zu Ende geht?

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