Abtreibungsverbote sind Menschenrechtsverletzungen

Um diese These ergab sich drüben bei Facebook eine lange Diskussion, die poste ich hier mal, damit sie nicht verloren geht.

(PS: Im Schusseligen heute morgen hatte ich in der Überschrift versehentlich „Abtreibungen sind Menschenrechtsverletzungen“ geschrieben, was natürlich irgendwie peinlich ist, aber da meine Meinungen dazu ohnehin bestens bekannt sind, wird das wohl niemanden auf eine falsche Fährte geführt haben).

Ich bin Journalistin und Politologin, Jahrgang 1964, und lebe in Frankfurt am Main.

8 Gedanken zu “Abtreibungsverbote sind Menschenrechtsverletzungen

  1. Ein Ungeborenes ist ein Mensch in einem frühem Entwicklungsstadium. Wenn Sie es abtöten, haben Sie später nicht ein Pferd weniger oder ein Huhn, sondern einen Menschen. Das da im Bauch meiner Mutter, das war ich in einem frühen Entwicklungsstadium, das ist mein Körper und meine Mutter hat nicht das Recht, hatte es nie, mich abzutöten, kurz: Not your body, not your choice.

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  2. Ja genau das ist die patriarchale Tradition, die Menschen mit Uterus nur als Gebärmaschinen und Dienstleisterinnen für andere betrachtet hat. Aber ein Embryo hat genauso wenig einen Rechtsanspruch darauf, den Leib einer Schwangeren für das eigene Reifen zu benutzen, wie du einen Anspruch darauf hast, dass ich dir eine Niere spende, wenn deine mal nicht mehr funktionieren. Obwohl letzteres ethisch noch eher zu legitimieren wäre, weil du bereits ein geborener Mensch bist. Ein Embryo ist keiner, ein Embryo ist eine Embryo.

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  3. Ich baue meine Argumentation überhaupt nicht auf welche Tradition(Fußnote 1) auch immer auf, sondern stelle das Ungeborene als Mensch in einem frühen Entwicklungszustand, ergo mit Menschenrechten in den Mittelpunkt und folgere daraus, dass man es nicht töten darf.

    Und uns beide verbindet überhaupt nichts, deshalb hätte ich keinen Anspruch auf eine ihrer Nieren, es sei denn, Sie wären dafür verantwortlich, dass meine versagen, weil Sie mich vergiftet hätten. Dann wäre es nur gerecht, wenn man Sie zur Nierenspende verpflichten würde. Die Schwangere trägt die Verantwortung dafür, dass sie schwanger ist, also ist sie – wie der Vater – zur Verantwortung zu ziehen. Weiterhin geht es um eine Güterabwägung: Ein ganzes Leben gegen 9 Monate.

    Und dass ein Embryo ein Embryo ist, negiert nicht all das, was er sonst noch ist, nämlich ein Mensch in einem frühen Entwicklungsstadium. Alte, demente Leute, die zu überhaupt gar keiner Reaktion mehr fähig sind, sondern nur noch vor sich hingucken, ins Leere stieren, und gefüttert und gewindelt werden müssen, darf man auch nicht einfach töten, auch wenn Sie die Eigenschaften verloren haben, die sie zu einer Person machen, wovon Sie ja abhängig machen, ob jemand leben darf oder nicht.

    (Fußnote 1)Was die Tradition angeht, die „patriarchale“, so würde der Hinweis darauf, dass Frauen als „Gebärmaschinen und Dienstleisterinnen“ missbraucht wären, nur Sinn ergeben, wenn nicht zugleich Väter zu Unterhalt verpflichtet würden: Denn das bedeutet, dass sie unter dem Druck der erhöhten Erwerbsobliegenheit für Jahrzehnte viel kostbare Lebenszeit in Maloche zubringen müssen, wo sie nicht für sich sondern für andere arbeiten müssen, dazu gezwungen werden – ist das nicht auch ein bestimmter Blick auf den Mann, ein matriarchaler, als „Arbeitsmaschine und Dienstleister“?

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  4. Der Unterschied zwischen einem Embryo und einer pflegebedürftigen Person ist, dass letztere von allen Menschen versorgt werden kann, ersterer aber nur von einer bestimmten Person zur Reife gebracht. Deshalb ist die Sorge für Pflegebedürftige gesellschaftliche Aufgabe und es kann politisch verhandelt werden, wie wir das als Zivilisation organisieren. Den Embryo kann aber nur die Schwangere zur Reife bringen, das ist keine politische Verhandlungssache, sie dazu zu zwingen wäre also Leibeigenschaft und ist nicht zu legitimieren. Wie Sie deinen Abbruch moralisch bewerten, bleibt Ihnen überlassen, das ist letzten Endes Glaubenssache, und es ist natürlich Ihr gutes Recht, selbst nicht abzutreiben. Es ist aber ethisch nicht vertretbar, andere zum Gebären zu zwingen, auch nicht, wenn man ihnen irgend eine Schuld unterstellt. Was den Vaterunterhalt angeht, da gebe ich Ihnen recht, ich bin auch dafür, das abzuschaffen und die materielle Absicherung von Schwangeren und Kindern als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Aber ich möchte die Diskussion an dieser Stelle gerne beenden, ich denke, unsere unterschiedlichen Positionen sind klar geworden. Deshalb werde ich keine weiteren Kommentare zu dem Thema freischalten.

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