Autor: Antje Schrupp
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Der Störfaktor Frau und das männliche Imaginäre
Kürzlich wurde über eine neue Studie des Sinus-Institutes berichtet, bei der 30 männliche Führungskräfte in Tiefeninterviews nach ihrer Haltung zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ befragt wurden. Die Ergebnisse, von denen der verantwortliche Soziologe Carsten Wippermann im Interview mit Zeit-online berichtet, sind interessant. Zunächst einmal haben sich alle Befragten im Prinzip sehr positiv über Frauen in Führungspositionen geäußert. Das…
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Schöne Wörter, Scheißwörter
Diese Woche sah ich abends den Film „Letzes Jahr in Marienbad“, einen alten Film von 1961, in dem sehr häufig das Wort „Balustrade“ vorkam. Das Wort hakte sich irgendwie in meinem Kopf fest, und als ich tags drauf durch die Stadt lief, hielt ich Ausschau nach Balustraden. Ich fand natürlich keine. Dafür fand ich ein…
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Anarchisten in der Endlosschleife
An und für sich ist die Idee klasse: Eine kleine Geschichte des Anarchismus im Comic-Format. Leider befindet sich der Anarchismus in Deutschland offenbar in einer Zeitschleife. Seit dreißig, vierzig Jahren, so scheint es, bewegt sich hier im Denken rein gar nichts. Anders ist es kaum zu erklären, dass man immer wieder dieselben Dinge wiederkäut. Unter…
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Der Mythos von Maria Magdalena
Diese Woche habe ich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen, bei der es um drei wichtige Frauen in den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ging. Mein Part war es, Maria Magdalena vorzustellen – neben der jüdischen Prophetin Hulda und Aischa, die als Ehefrau Mohammeds eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Islam hatte. Dabei war ich wieder…
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Die Überraschung und der Zwischenraum
Vor 25 Jahren erschien in Frankreich unter dem Titel „Ethik der sexuellen Differenz“ eine Sammlung von Vorlesungen der Philosophin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray. Auf dieses Jubiläum hat mich Ina Praetorius hingewiesen, die aus diesem Anlass eine wunderbare Würdigung geschrieben hat. Ich kann mich ihr nur voll anschließen, wenn sie schreibt: „Ich weiß nicht, wer und…
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Arroganz lernen ja, arrogant werden nein!
Normalerweise finde ich solche Bücher ja schrecklich: Ratgeber, die Frauen beibringen, im Berufsleben genauso statusfixiert, ellenbogenmentalisiert, rangordnungshickhackig zu sein wie Männer. Und allein schon der Titel: „Das Arroganz-Prinzip. So haben Frauen mehr Erfolg im Beruf“ – Arrrrrgghhhh! Nun war mir das Buch aber empfohlen worden, es war Wochenende, schlechtes Wetter, den Roman, den ich grade…
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Das Ende der Demokratie, wie wir sie kannten
Dass es schlecht um „die Politik“ steht, so wie wir sie bisher kannten, ist inzwischen ein offenes Geheimnis. Vergangenes Wochenende nahm ich an einer Tagung zum Thema „Sprache und Politik“ in der Evangelischen Akademie Bad Boll teil. Während der drei Tage wurden immer wieder die gegenseitigen Zwänge, die Medien und Repräsentationspolitik aufeinander ausüben, thematisiert: Politikerinnen…
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In Italien gibt es ein neues „Sottosopra“
In diesen Tagen veröffentlichen die Frauen des Mailänder Frauenbuchladens ein neues „Sottosopra“. Mit diesen programmatischen Flugschriften (Sottosopra heißt in etwa: „drunter und drüber“ oder auch: „das untere nach oben bringen“) mischen sie sich schon seit Jahren immer wieder in den politischen Diskurs ein, etwa mit dem „grünen“ Sottosopra (Mehr Frau als Mann) oder dem „roten“ Sottosopra…
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Auch unter Linken ist die Bedürftigkeit der Menschen ein Tabuthema
Er hält sich hartnäckig, der Mythos von der Eigenverantwortlichkeit. Nicht nur neoliberale Leistunsträger-Ideologie, sondern auch die linke Kritik an sozialer Ungleichheit setzt immer noch auf den autonomen Selbstversorger-Mann/Mensch als Modell für das, was wir uns unter gelungenem Menschsein vorzustellen haben. „Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können“ heißt es zum Beispiel in einer kirchlichen Stellungnahme oder, wie in einem…