Gefühlte und reale Frauen

Nachdem ich gestern etwas über die Piratenpartei und ihr Frauenproblem geschrieben habe (und ich war nicht die Einzige, einen Überblick gibt die Mädchenmannschaft) ergab sich in den Kommentaren die Frage bzw. die Vermutung, dass der Frauenanteil in den Landesvorständen deutlich höher sei und daher die Abwesenheit von Frauen auf der Bundesebene entweder doch ein Zufall oder eben einfach Ausdruck einer anderen Prioritätensetzung seitens der Piratinnen. Das wäre eine interessante These, und deshalb bin ich der Sache nachgegangen. Ich fand im Piratenwiki diese Übersicht über die Besetzung der Landesvorstände der Piratenpartei und habe nachgezählt und komme auf einen Frauenanteil von 15 Prozent. Mir erscheinen die Angaben nicht veraltet, das Datum der jeweiligen Wahlen steht ja dabei. Ich habe die Frage gestern abend und heute früh nochmal über Twitter verbreitet, um das aufzuklären, aber keine anderen Daten bekommen. Jemand antwortete mir, der Frauenanteil sei in den in letzter Zeit neu gewählten Vorständen über 50 Prozent, allerdings ohne Belege. Ich wollte eigentlich das

read more Gefühlte und reale Frauen

Zwei, drei Gedanken zum Panel „Sexismus im Netz“

(Update: Wenn Ihr es gerne lustiger habt, könnt Ihr statt diesem Post auch das hier lesen: http://bov.antville.org/stories/1989046/) Gerade hab ich mir im Livestream das Panel „Sexismus im Netz“ bei der Re:publica angeschaut (dieser Blogger_innen-Konfererenz in Berlin) und ja, es war schade, dass die Diskussion dann zu Ende war. Glücklicherweise konnte ich mir das Ganze ganz entspannt anschauen, denn mein Computer hat den Chat gar nicht erst übertragen, @piratenweib ging es nicht so gut, über den Shitstorm, der da ablief, hat sie hier gebloggt). Interessant fand ich den Hinweis mehrerer Männer (aus dem Publikum und vom Podium), dass diese Troll-Phänomene, von denen die Rede war, nicht nur in feministischen Blogs die Laune verderben, sondern dass es sie überall im Internet gibt. Natürlich ist der Hinweis von Anna Berg richtig gewesen, dass es einen Unterschied macht, ob einfach nur so getrollt wird, oder ob Frauen aufgrund ihres Frauseins gedisst werden, und ebenso, dass es auch weibliche Trolle gibt (habe eben gelernt, dass

read more Zwei, drei Gedanken zum Panel „Sexismus im Netz“

Hoffen auf die Lehman Sisters ?!

Die Diskussionen über die geschlechtsspezifischen Aspekte der Finanzkrise werden gewöhnlich zwischen zwei Positionen geführt, die perfekt in meine kleine Reihe “Falsche Dualismen” passen. Die einen sagen: Mit Frauen an der Spitze der Banken wäre das nicht passiert, die Krise ist eine “Testosteronkrise”; Frauen wirtschaften nachhaltiger und gehen seltener dumme und waghalsige Risiken ein. Die anderen entgegnen: Alles Quatsch, wenn Frauen mächtig sind und genauso soviel Geld haben wie Männer, dann machen sie auch alles ganz genauso wie diese. Bekanntlich können beide Seiten regalmeterweise Studien anführen, die ihre jeweilige Annahme “empirisch” belegen. In diesem Argumentationsgestrüpp landete teilweise auch eine Tagung zum Thema „Genderspezifische Aspekte der Finanz- und Wirtschaftskrise“, zu der am 28. Januar die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung, das ver.di Bildungswerk Hessen und die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros in den Räumen der Deka-Bank in Frankfurt eingeladen hatte. Andrea Günter hat sie besucht und eine kluge Analyse dazu geschrieben. Ihre These: Was vermeintlich nach einem Gegensatz aussieht, ist in Wirklichkeit von derselben

read more Hoffen auf die Lehman Sisters ?!

Haiti: Good women, bad men

In Haiti, so berichten verschiedene Medien, unter anderem tagesschau.de, sollen an den neuen Verteilstellen Lebensmittel nur noch an Frauen ausgegeben werden. Der Grund ist, dass es wohl zu „Drängeleien“ gekommen sei (man muss annehmen: von Männern), sodass die Schwächeren bei der Verteilung meist leer ausgingen. Immer wenn ich solche Nachrichten lese, bin ich gleichzeitig erleichtert und verärgert. Erleichtert, weil es wahrscheinlich tatsächlich so ist, dass es bei der Verteilung von Lebensnotwendigem gerechter zugeht, wenn man dies den Frauen anvertraut, und sich nicht das Recht des Stärkeren ungebrochen durchsetzt. Das ist ja nichts wirklich Neues. In der Entwicklungshilfe hat man schon vor Jahren damit begonnen, stärker auf die Frauen zu setzen, sowohl was die Zusammenarbeit in lokalen Projekten betrifft, als auch zum Beispiel bei den Mikrokrediten. Und eine etwas abgewandelte Version davon ist ja auch die mit der Finanzkrise begonnene Debatte, ob mehr Frauen in verantwortlichen Positionen dem Desaster vielleicht abhelfen würden. Verärgert bin ich, weil sich an dem Schema so

read more Haiti: Good women, bad men

Aus Liebe zum Klischee

Es ist so eine Sache mit den Klischees. Einerseits finde ich sie doof, speziell – aber nicht nur – wenn es sich um Klischees über Frauen und Männer handelt. Andererseits muss ich doch immer wieder über solche dumme Sprüche lachen, auch heute morgen, als ich in der Freiburger Fußgängerzone an diesem netten Postkartenständer vorbeikam. Warum halten sich, allen Genderstudien und Gleichberechtigungs-Beteuerungen zum Trotz, gerade im Bezug auf die Unterschiede der Geschlechter all diese Stereotypen? (fragte ich mich, nicht zum ersten Mal). Ich glaube, das liegt daran, dass wir als Gesellschaft noch immer keinen wirklichen Weg gefunden haben, über die Geschlechterdifferenz politisch zu verhandeln. Stattdessen behandeln wir die Unterschiede zwischen Männern und Frauen wie einen Untersuchungsgegenstand, der erklärt und erforscht werden muss. Da tummeln sich dann auf der einen Seite die Hirn-, Evolutions- und Genforscher_innen, die in ihren Labors nach wissenschaftlichen Ursachen forschen. Auf der Gegenseite stehen die Dekonstruktivist_innen, die, meist mit kultur- und sprachwissenschaftlichem Instrumentarium, den Nachweis führen, dass die Geschlechterdifferenz

read more Aus Liebe zum Klischee

Der Störfaktor Frau und das männliche Imaginäre

Kürzlich wurde über eine neue Studie des Sinus-Institutes berichtet, bei der 30 männliche Führungskräfte in Tiefeninterviews nach ihrer Haltung zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ befragt wurden. Die Ergebnisse, von denen der verantwortliche Soziologe Carsten Wippermann im Interview mit Zeit-online berichtet, sind interessant. Zunächst einmal haben sich alle Befragten im Prinzip sehr positiv über Frauen in Führungspositionen geäußert. Das sollte man nicht einfach nur als bloßes Zugeständnis an die politische Korrektheit im heutigen Gleichstellungsparadigma abhaken. Es ist für Frauen, die sich innerhalb von Unternehmen bewegen, durchaus nicht unwichtig, dass sie mit prinzipieller Ablehnung, wie sie ambitionierten Frauen noch vor wenigen Jahrzehnten entgegenschlug, heute nicht mehr zu rechnen haben. Bei tieferen Nachfragen zeigte sich jedoch, dass es durchaus Vorbehalte gibt, und zwar in drei Typen, die Wippermann so beschreibt: „Alle 30 von uns befragten Manager konnte man einem Typus zuordnen. Der eine ist sehr konservativ. Bei ihm kann man eine kulturelle und funktionale Ablehnung von Frauen qua Geschlecht ausmachen. Zitate aus den Interviews sind: Frauen seien eine Irritation

read more Der Störfaktor Frau und das männliche Imaginäre

Klonkrieger stellen sich zur Wahl

Sind sie nicht schön, die hessischen Klonkrieger? Über die Männerrunde, die nach der Abwahl der weiblichen Hauptdarstellerin übriggeblieben sind und – bei aller angeblichen Gegnerschaft zueinander – offenbar kulturell sehr schön zusammen passen, hat Judith von Sternburg eine schöne Betrachtung in der Frankfurter Rundschau geschrieben: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1660264& Dass die sexuelle Differenz in der Politik häufig weniger eine Frage der Inhalte ist, sondern vielmehr eine des Gestus, darüber denke ich schon länger nach. Nur dass es eben selten so schön augenfällig wird. Tja, das kommt eben davon, dass die Frauen so unbelehrbar sind: http://antjeschrupp.blogspot.com/2008/11/unbelehrbar-bleiben.html

Unbelehrbar bleiben!

Immer zuverlässig darin, unterschwellige Stimmungen knackig auf den Punkt zu bringen, hat die Bildzeitung gestern eine interessante Frage formuliert: „Ist Ypsilanti so unbelehrbar, weil sie eine Frau ist?“ In dem dazugehörigen Artikel erklärt dann die „Politikberaterin“ Gertrud Höhler, die ja schon lange mit der Mission unterwegs ist, Frauen die Spielregeln des Politbetriebes einzubleuen, warum Andrea Ypsilanti mit ihrem Vorhaben, Ministerpräsidentin von Hessen zu werden, ganz einfach scheitern musste: „Sie hat ihre Lektion nicht gelernt“. Wer, frage ich da mal keck zurück, ist eigentlich der Schulmeister? Welche Lektionen genau sind es, die hier gelernt werden müssen, bevor eine sich politische Ambitionen erlauben darf? Das hat an anderer Stelle ein alter Bekannter beantwortet: Joschka Fischer ließ über die Nachrichtenagenturen verbreiten, Ypsilanti habe „das Einmaleins der Koalitionsbildung“ nicht begriffen. Interessant, wie einer jetzt den Staatsmann gibt, der doch selbst mal dadurch berühmt geworden war, dass er sich allen Lektionen verweigert und in Turnschuhen den Amtseid zum hessischen Minister leistete. Aber klar: Joschka Fischer

read more Unbelehrbar bleiben!