Umverteilung unter dem Deckmantel Familienpolitik. Next Level.

Ein Gericht hat jetzt Eltern in Leipzig erstmals Schadensersatz zugesprochen, weil die Kommune ihren Kindern keinen Kita-Platz anbieten konnte und die Mütter (sic) daher die Kinder selbst betreuen mussten und nicht erwerbstätig sein konnten. Soweit so gut. Es ist jetzt aber nicht so, dass alle Eltern dasselbe Geld bekommen hätten, sondern die Höhe des Schadensersatzes war gestaffelt nach dem Verdienstausfall der betreffenden Frauen – „2500, 4500 und 8100 Euro, je nach Einkommen.“ Die Umverteilung von Einkommen von unten nach oben unter dem Deckmantel Familienpolitik, die ich schon bei der Umstellung des Elterngelds kritisiert habe, geht also weiter. Frauen, die gut verdienen, kriegen vom Staat mehr Geld fürs Kinderbetreuen als Frauen, die wenig verdienen. Was mich daran fast schon schockiert ist, für wie selbstverständlich diese Entwicklung inzwischen bereits gehalten wird. Sie bedeutet ja letztendlich, dass der Wert von Care-Arbeit sich nicht aus dem Wert dieser Arbeit als solchem herleitet, sondern nur über den Umweg des Verdienstausfalls der „eigentlichen“ Arbeit, der Erwerbsarbeit nämlich, abgeleitet wird.

read more Umverteilung unter dem Deckmantel Familienpolitik. Next Level.

Care-Konferenz am 28./29. März in Hannover

Da ich gerade keine Zeit habe, daraus einen Blogpost zu machen, werfe ich euch den Flyer für die nächste Care-Konferenz in Hannover einfach mal so hier hin. Ich werde ziemlich wahrscheinlich auch dort sein, vielleicht treffen wir uns also! Einladungsflyer zur nächsten Care-Konferernz am 28./29. März in Hannover

Care-Revolution is coming…

Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass neuerdings dieses pinke Banner der Care-Revolution auf meinem Blog steht. Der Grund ist, dass wir als Autorinnenkollektiv des ABC des guten Lebens auch Mitglied in diesem Netzwerk sind. Denn darauf läuft vieles, worum es uns und auch hier im Blog immer wieder geht, hinaus: Dass das gute Leben mit den Beziehungen anfängt, dass gutes Leben erfordert, dass für alles Notwendige gesorgt ist, auch für körperliche Bedürfnisse derer, die sich nicht selbst versorgen können zum Beispiel. Da aber unsere Ökonomie die unbezahlte Haus- und Fürsorgearbeit (Care) lange ausgeblendet hat und teilweise bis heute, was natürlich eng mit Geschlechterrollen zusammenhängt (Frauen arbeiten für Liebe, Männer für Geld), ist für das gute Leben aller oft nicht gesorgt, weil „die Wirtschaft“ andere Prioritäten setzt. Das Thema ist im Feminismus natürlich nicht neu, aber neu ist, dass sich jetzt ein wirklich breites Netzwerk gegründet hat, das Care explizit als die zentrale Kategorie denkt. Hier arbeiten also sowohl welche mit, die von der „unbezahlten“ Seite herkommen,

read more Care-Revolution is coming…

Vergrößert die Professionalisierung von Care das Gender Pay Gap?

Vielleicht habt ihr auch den Artikel kürzlich in der FAZ gelesen, der unter dem etwas reißerischen Titel „Die Mär von den ungerechten Frauenlöhnen“ noch mal das Thema Gender Pay Gap aufmacht. Die Beschreibung des Dilemmas in dem Artikel ist richtig, nur der Einstiegduktus polemisch, denn natürlich geht es bei der Kritik am Gender Pay Gap nicht nur um die direkte ungleiche Bezahlung bei vergleichbarer Arbeit (die es allerdings auch immer noch gibt), sondern um die Verteilung von Arbeit und Einkommen zwischen Frauen und Männern generell. Oder: Wenn Frauen weniger verdienen, weil die Einkommen in „Frauenberufen“ niedriger sind als in „Männerberufen“, dann ist das ja auch ein „Gap“. Oder wenn sehr viel mehr Frauen als Männer wegen Kindern in Teilzeit gehen. Unter’m Strich heißt das nämlich: Frauen haben weniger Geld als Männer in einer Kultur, in der sich alles ums Geldhaben dreht. That is the point. Kleiner Einschub: Es fällt mir häufig auf, dass feministische Strukturanalysen (wie etwa der Hinweis auf den Gender Pay Gap) verstanden

read more Vergrößert die Professionalisierung von Care das Gender Pay Gap?

Lesenswerte Einführung in die feministische Ökonomie

Dieses Büchlein ist empfehlenswert für alle, die sich kurz und übersichtlich einen Einblick in die feministische Ökonomie verschaffen möchten. Es geht los mit einem Rückblick auf die Anfänge im 19. und frühen 20. Jahrhundert, wo es bereits eine Vielzahl von Frauen gab, die über die (neu entstandene) Wissenschaft der Ökonomie schrieben. Weiter geht’s mit einer Übersicht über die Anfänge der Debatten im Rahmen der neuen Frauenbewegung, es folgen eine Kritik am männlichen Konzept des „Homo Oeconomicus“, ein Überblick über die „Hausarbeitsdebatte“ und eine Analyse der Mechanismen, mit denen Frauen und Genderaspekte generell in der gängigen Wirtschaftswissenschaft unsichtbar gemacht werden. Ganz zu recht gibt es dann ein ganzes Kapitel zum Thema Care-Arbeit (als dem heute wichtigsten Feld feministischer Ökonomiekritik), eine Analyse des Zusammenhangs zwischen Makroökonomie und Geschlechterverhältnissen, und zum Abschluss einen kurzer Überblick über drei aktuelle politische Vorschläge: Frigga Haugs „Vier-in-Eins“-Perspektive, die Commons und das Bedingungslose Grundeinkommen. Ich finde die Herangehensweise der Autorinnen an dieses komplexe Thema sehr gelungen und auch die Systematisierung nach

read more Lesenswerte Einführung in die feministische Ökonomie

Grundeinkommen und Sorgearbeit, Update.

Wer nach meinem neulichen Rant zum Thema „untaugliche Argumente für ein Grundeinkommen“ noch bezweifelt hat, dass Teile der Grundeinkommensbewegung tatsächlich meinen, die Sorgearbeit würde dann ja umso besser in Zukunft von den Frauen gemacht werden können, und die dürften sich dann sogar darüber freuen, weil sie ja das Grundeinkommen hätten, braucht nur mal diese Sendung des Bayrischen Rundfunks anschauen. Darin wird Götz Werner mit der Ansicht zitiert, das Grundeinkommen sei eine Bezahlung für Frauen, die Sorgearbeit leisten (letzter Satz vor dem letzten Zitat). Danke, dass ich das  nun schriftlich habe – bisher hatte ich das ja von ihm nur mündlich gehört und es war immer mal wieder bezweifelt worden, dass er das tatsächlich so sieht. Um es nochmal klar zu machen: Der Punkt ist hier nicht bloß die stereotype Geschlechtsrollenverteilung. Auch wenn die Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern gleich verteilt wäre (was sie natürlich nicht ist), wäre das Argument grundfalsch. Denn es gäbe immer noch die Ungleichverteilung zwischen denen, die Sorgearbeit leisten,

read more Grundeinkommen und Sorgearbeit, Update.