Warum Jungen in der Schule benachteiligt sind – und was dagegen hilft

© Natallia Vintsik - Fotolia.com

Am 8. März war ich bei WDR5 als Studiogast eingeladen, um mit Hörerinnen und Hörern über das allseitige Dauerbrenner-Thema „Feminismus – brauchen wir den noch?” zu diskutieren. Eine Frage geht mir seither besonders im Kopf herum.

Unter den Anrufern war ein Lehrer, der sich darüber beklagte, dass in Schulbüchern neuerdings nur noch Frauen und Mädchen vorkämen, und dass die Jungen überhaupt keine Vorbilder mehr hätten. Das Beispiel, das er erzählte, war Folgendes: Im Englischbuch war von einem Raumschiff die Rede, und er dachte: Endlich mal was, das auch die Jungen interessiert! Aber dann kam „The Captain” und „she” tat dies und das. Also wieder eine Frau, wieder eine Zurückweisung für die Jungen, wieder keine Möglichkeit zur Identifikation!

Das Beispiel ist natürlich in mancherlei Hinsicht schwach: Erstens bin ich nicht so sicher, dass in heutigen Schulbüchern wirklich nur noch Frauen vorkommen und keine Männer (vielleicht kann das ja mal jemand durchzählen und in den Kommentaren posten?). Und zweitens ist ein weiblicher Raumschiff-Captain seit Kathryn Janeway ja nichts Außergewöhnliches mehr, oder anders: Dass Geschlechterbilder in Schulbüchern nicht die typischen Klischeerollen wiederholen, sollte uns doch eigentlich freuen.

Aber diese offensichtlichen Schwächen in der Argumentation sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein in der Tat wichtiges Problem angesprochen wurde. Mit der Sorge um die Benachteiligung von Jungen in der Schule steht dieser Hörer ja nicht alleine da, es ist nicht zufällig eines der heutigen Top-Themen in punkto Geschlechterverhältnis. Und es ist ein, wie ich finde, sehr wichtiges Thema.

Woran aber liegt die Benachteiligung der Jungen, wodurch kommt sie zustande?

Das Problem liegt meiner Ansicht nach nicht daran, dass Jungen heute mit vielen Frauen konfrontiert sind (sei es als Lehrerinnen oder als Figuren in Schulbüchern). Denn diese Tatsache wird für die Jungen doch nur deshalb zum Problem, weil sie sich mit Frauen bzw. weiblichen Protagonistinnen nicht (oder nur schlecht) identifizieren können. Und dies liegt wiederum daran, dass wir kulturell immer noch mit jenem patriarchalen Erbe zu kämpfen haben, in dem das Männliche das Normale und das Weibliche das Andere, das Defizitäre war.

Es ist doch auffällig, dass Mädchen überhaupt kein Problem damit haben, sich mit männlichen Protagonisten zu identifizieren, sie sich zum Vorbild zu nehmen, und von Männern etwas zu lernen. Mädchen und Frauen sind in unserer Kultur sozusagen zwangsweise Meisterinnen darin, zwischen „Ich-Frau” und „Ich-Mensch” hin- und her zu switchen. Sie lernen von klein auf, dass sie zwar einerseits „Mensch” sind, also normal, andererseits aber „Frau”, also anders. Deshalb können sie sich sowohl als Frau, als auch als Mensch verstehen – und sind entsprechend flexibel, wenn es darum geht, Vorbilder zu finden.

Ein Beispiel von mir selbst: Bei der Lektüre der Winnetou-Romane von Karl May habe ich mich als Jugendliche sowohl mit Old-Shatterhand (dem Ich-Erzähler) als auch mit Nscho-tschi (Winnetous Schwester und weibliche Hauptfigur) identifiziert. Ich hatte sozusagen eine gespaltene Identität: Als Shatterhand war ich in Winnetou verliebt, als Nscho-tschi in Shatterhand. Und das fand ich keineswegs kompliziert, weil ich es gewohnt war, sowohl Frau als auch Mensch zu sein, das heißt, mich sowohl mit Frauen als auch mit Männern zu identifizieren, wenn ich dort etwas Lernenswertes vermutete.

Ähnlich ging es mir mit den Schulbüchern, die damals im Hinblick auf Frauen- und Männerrollen noch weitgehend klischeehaft waren und in denen alle wichtigen Positionen von Männern repräsentiert wurden. Das hielt mich keineswegs davon ab, so gut wie möglich von ihrem Vorbild zu profitieren.

Das Problem der Jungen ist nun heute, dass sie es nie gelernt haben (wie vielleicht die Männer überhaupt), Frauen nicht nur in ihrer Qualität des Anders-Seins wahrzunehmen, sondern in ihrer Qualität des Menschseins. Sie haben dieses flexible Hin- und her Switchen nicht gelernt. Sobald sie eine Frau sehen, eine weibliche Protagonistin in einem Schulbuch etwa, identifizieren sie sie als „Nicht-Ich”, als „Andere” – und damit taugt sie natürlich nicht mehr als Vorbild. Sie können nichts von ihrem Beispiel lernen, weil sie das nicht auf sich selbst beziehen.

Damit sind die Jungen natürlich in einer emanzipierten Welt, in der Frauen wichtige und maßgebliche Positionen einnehmen, den Mädchen gegenüber in einem großen Nachteil: Denn die Mädchen können, etwas überspitzt gesagt, sowohl von Frauen als auch von Männern lernen, Jungen hingegen nur von Männern.

Leider ist die Art und Weise, wie dieses Problem öffentlich diskutiert wird, nicht gerade hilfreich, um es zu lösen, im Gegenteil. Wenn etwa davon die Rede ist, dass die große Zahl an Lehrerinnen und Erzieherinnen Schuld wäre am schulischen Misserfolg von Jungen, dann liegt diesem Argument eine latente Abwertung weiblicher Autorität zugrunde. Sie hilft den Jungen also gerade nicht, vom Wissen der Lehrerin zu profitieren, sondern bietet im Gegenteil einen weiteren Anknüpfungspunkt, ihr die Autorität zu entziehen.

Das heißt nicht, dass gegen mehr Männer in Grundschulen und Kitas etwas einzuwenden wäre. Männliche Vorbilder und Erziehungspersonen könnten den Jungen nämlich vorleben, dass auch sie nicht einfach nur „normal”, sondern auch „anders” sind – und das ist ein erster Schritt dazu, zu erkennen, dass auch die „anderen”, also die Frauen, nicht nur anders, sondern gleichzeitig normal sind. Problematisch wird nur, wenn dieses Thema so diskutiert wird,  dass Jungen unbedingt männliche Vorbilder bräuchten, um überhaupt etwas lernen zu können. Denn genau in diesem Missverständnis liegt die Ursache ihres Problems.

Die Benachteiligung von Jungen in den Schulen kann nur beendet werden, wenn wir ihnen helfen, dass sie auch in weiblichen Personen Vorbilder für sich selbst sehen können. Wenn sie lernen, dass auch die Frauen, die aus ihrer Sicht „anderen“ also, für das allgemein Menschliche stehen, und es sich deshalb lohnt, ihnen zuzuhören und sich für das, was sie tun zu interessieren. Weil darin nämlich möglicherweise auch für sie selbst, die Jungen, etwas Lehrreiches steckt. Aber das ist natürlich ein Projekt, das nicht nur auf die Schule bezogen ist, sondern auf die Gesellschaft allgemein.



Danke für die Spende!

44 Gedanken zu „Warum Jungen in der Schule benachteiligt sind – und was dagegen hilft

  1. Das ist Klasse.

    Aber wie sollen das ausgerechnet Frauen erreichen, denen doch jene, die etwas lernen können, ausgerechnet denen nicht zuhören? Wäre es anders, wüßten sie ja schon was.

    😉

    Ich glaube, wir müssen uns in dieser Erkenntnis tatsächlich auf das Engagement profeministischer, emanzipierter Männer verlassen, die als ihresgleichen zur Kenntnis genommen werden, so eher eine Chance haben, überhaupt gehört zu werden. Obwohl es ja auch in dieser Situation zu den üblichen Abwehrmechanismen, wie zur Kategorie „lila Pudel“ kommt, dem man(n) wiederum nicht nur nicht zuhören muß, sondern ihn auch mittlerweile auch aktiv bekämpfen. Allerdings verbieten sich solche Sachen wie das Behaupten weiblicher Inkompetenz und Unterstellungen bzgl. geschlechterspezifischer Autoritätsdefizite etc. in der Öffentlichkeit aus anderen Gründen. Denn es ist nicht nur antifeministisch sondern hetzerisch und dumm. Auch der NPD ist es verboten, offen gegen Ausländer zu hetzen, aber Frauenabwertung und Sexismus scheint da noch anders, lockerer, bewertet zu werden. Die Meinungsfreiheit sollte zukünftig auch keinen Sexismus mehr decken und da sehe ich vor allem politischen Nachholbedarf. Das ist die Aufgabe, die Frauen und Feministinnen zufällt – finde ich.

  2. Sehr geehrte Frau Schrupp, vielen Dank für Ihren Beitrag.

    Ich folge Ihrer Argumentation bis zu dem Punkt, dass Jungs auch lernen bzw. von ihrem erzieherischen Umfeld vorgelebt bekommen sollten, dass Frauen und Mädchen gleichberechtigte Menschen sind. Auch wenn es noch Jahrzehnte dauern dürfte, bis Männer und Frauen dieses verstanden haben, es ist vermutlich der wichtigsten Punkt.

    Im Bezug auf die Überschrift Ihres Beitrages “Warum Jungen in der Schule benachteiligt sind – und was dagegen hilft” haben Sie aber keine gleichberechtigten Lösungsvorschläge angeboten. Ich verstehe Ihren Text so: Jungs sollten lernen, sich auf Frauen und Mädchen einzulassen und diese zu verstehen. DAS ist aber auch keine Lösung – oder? So wie Sie es beschreiben, ist das kein gleichberechtigtes Handeln, sondern Jungs sollen sich bewegen, Frauen nicht.

    Ich glaube, eine Lösung ist nicht so einfach, wie Sie sie formuliert haben. Meiner Meinung nach sind Männer immer noch extrem stark verhaftet im patriarchalen Blick auf die Gesellschaft und Frauen (völlig zu Recht) immer noch in ihrer Opferrolle. Damit bleiben die Kinder ebenfalls Opfer – Jungs und Mädchen wachsen weiterhin mit dem falschen Rollenverständnis ihrer Eltern und der Gesellschaft auf. Mädchen und Jungs lernen die dominierende Sicht der Väter und die „ich bin das Opfer“-Sicht der Frauen kennen. Beides bringt auf Dauer nichts gutes mit sich.

    In Bezug auf den Transport von Rollenbildern in Kinderbüchern kann ich dem Lehrer beipflichten. Durch meinen Sohn habe ich selbst einige Kinderbücher kennen gelernt, in denen Väter oder auch Mütter gar nicht vorkamen. Väter fehlten meist bei den häuslichen Themen, Mütter meist den Outdoor-Themen.

    In den Kindermedien (ich selbst arbeite in einem Verlag für Kinderpubliaktionen) stellen Frauen den Großteil an Redaktion – sie entscheiden über die Inhalte – und im Moment macht es den Anschein, als würden sie eben genau die weibliche Sicht der Dinge publizieren. Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung aus meinem Alltag als Medienarbeiter und Vater. Warum Frauen das so machen, ist für mich komplett nachvollziehbar – es entspricht der einfachen (wie auch sehr männlichen) Ansicht: Jetzt bin ich dran und bringe meine Meinung unters Volk. Woher rührt das? Vermutlich daher, dass die berufstätigen Frauen von heute noch ganz klar nach dem alten Rollenverständnis erzogen wurden.

    Daher komme ich zu dem Schluss, dass wir in einer langwierigen Übergangsphase sind: Männer lernen nur sehr sehr langsam, ihren Rollenbild zu hinterfragen und neu auszurichten. Frauen haben im Prinzip das gleiche Problem. Gleichberechtigung ist also noch gar nicht hergestellt, auch wenn die entsprechenden gesellschaftlichen Diskussionen diese Interpretation zulassen.

    Beste Grüße aus Berlin – JST

  3. @JST – Ich wollte mit meinem Beitrag sicher keine „einfachen Lösungen“ anbieten, sondern auf ein Problem aufmerksam machen… Das Thema mit den Kinderbüchern interessiert mich, man sollte es einmal genauer untersuchen, wie Jungen/Mädchen bzw. Frauen/Männer dort heute inzwischen dargestellt werden. Ich weiß es schlicht nicht. Allerdings glaube ich nichtdass die Tatsache, dass in den Schulbuch-Recaktionen mehrheitlich Frauen arbeiten, automatisch dazu führt, dass sie Mädchen bevorzugen. Ich bin ja häufig in „Frauenveranstaltungen“ unterwegs, und merke da immer wieder, dass das Thema der schulischen Benachteiligung von Jungen sehr vielen Frauen am Herzen liegt, sowohl den Müttern, die Söhne haben, als auch den Lehrerinnen, die Jungen unterrichten. Sie machen sich wirklich Sorgen um die Jungen.

  4. Welche Jungs sind in der Schule benachteiligt? Welche soziale Schicht, welche Nationalität? Das ist ja nicht einheitlich, es wird nur so dargestellt, weil Maskulinismus derzeit ankommt, zumindest bei Mittelschichts-Männern mit Angst vor sozialer Deklassierung.

  5. Hallo Frau Schrupp, ich meinte nicht, dass Frauen Mädchen bevorzugen. Ich glaube nur, Frauen sind (wie Männer auch) in bestimmte Richtungen „gepolt“, weil sie Kinder von Eltern sind, die ebenfalls alte Rollenvorbilder weitergegeben haben. Frauen haben sich nicht dazu verabredet, jetzt die Jungs zu unterdrücken oder die Mädchen überproportional zu fördern. ABER: Frauen bilden in vielen Redaktionen für Kinderpublikationen die Mehrheit. Schon weil viele Männer (und das erlebe ich seit 10 Jahren fast täglich) die Arbeit an Kinderthemen als weibliche Domäne ansehen und deshalb gar nicht erst in diesen Redaktionen arbeiten (wollen). Worauf ich hinaus will: Es ist ein neues Ungleichgewicht entstanden, welches sich vermutlich auch erst wieder ändern wird, wenn beide Geschlechter wirklich darin einhergehen, dass fast sämtliche Arbeiten von beiden Geschlechtern ausgeführt werden können und sollten. Sowohl berufliche Frauen- als auch Männerdomänen werden doch nur ganz ganz langsam aufgeweicht.

    Beste Grüße aus Berlin – JST

  6. Und ein persönlicher Rückblick aus Bayern.

    Als ich im ersten Jahr Gymnasium war, sah mein Tagesablauf so aus:
    6:00 aufstehen
    6:45 Schulbus-Abfahrt in die 20 km entfernte Kleinstadt
    8:00 – 13:00 Schule
    14:20 Ankunft zuhause
    ….
    19:00 Schlafengehen

    Dazwischen wenig Freizeit und viele Hausaufgaben in Deutsch, Englisch, Mathe – und Handarbeiten.

    Ich erinnere mich, dass ich im Winter, also in der Probezeit (die wegen guter Noten nicht sonderlich präsent war), eine zeitlang so umfangreiche Hausaufgaben in Handarbeit hatte, dass es jeden Tag fast eine Stunde dauerte. Die Jungs hatten kein Handarbeiten, sondern frei. Von dieser Benachteiligung hat niemand ein Aufhebens gemacht, geschweige denn eine Spiegel-Titelgeschichte darüber geschrieben. Diese offene Ungleichheit verschwand irgendwann fast unbemerkt, nachdem einige SPD-Poitikerinnen protestiert und geklagt hatten.

    Interessant fände ich, wie derartige Benachteiligungen heute nachwirken, über die Erziehung oder wie auch immer. Vielleicht glauben ja die Mädchen, sich mehr Mühe geben zu müssen?

    Arbeiterkinder, die es aufs Gymnasium schaffen, haben ja auch das Gefühl, sich beweisen zu müssen, und geben sich mehr Mühe als Akademikerkinder, die auf ihren Background vertrauen.

  7. Ich bin ja häufig in “Frauenveranstaltungen” unterwegs, und merke da immer wieder, dass das Thema der schulischen Benachteiligung von Jungen sehr vielen Frauen am Herzen liegt, sowohl den Müttern, die Söhne haben, als auch den Lehrerinnen, die Jungen unterrichten.

    Kann es sein, dass das ganz überwiegend Akademikerinnen sind, die davon ausgehen, dass ihren Kindern das Abitur zusteht? Und wenn es nicht klappt, eher irgendeine Benachteiligung vermuten als auf den Gedanken zu kommen, dass das Kind „nur“ für die Realschule geeignet ist?

  8. Eine andere Hypothese: Jungen brauchen nicht diese oder andere Vorbilder, sondern schlicht weniger. Im beginnenden 3. Jahrtausend hat die Betreuung aller Kinder durch Erwachsene eine nie da gewesene Dichte erreicht. Ganztagsschule, Vereine, Hort, Nachhilfe, Elternhaus: Es gibt für die meisten Kinder kaum mehr Zeiten, die zur freien Verfügung stehen. Zeiten, in denen sie gruppendynamische Prozesse und Verhaltensweisen unter gleichaltrigen erproben und erlernen können. Die Kinderhorden, die sich früher täglich am frühen Nachmittag zusammenfanden und sich erst bei Einbruch der Dunkelheit wieder auflösten, gibt es kaum mehr. Ist ja schließlich zu gefährlich draußen und es gibt ja so viel Wichtigeres und Zielführenderes, wenn die lieben Kleinen später mal Karriere machen sollen.

    Mädchen, die schon seit Jahrhunderten enger an Haus und Familie, sprich: das soziale System der Erwachsenen angebunden wurden, kommen mit der modernen Dauerbetreuung, die ja nichts anderes ist, als die ständige Erfüllung von Erwachsenen-Vorgaben, besser zurecht. Jungen, die noch vor einer Generation zumindest einige Stunden am Tag das Leben in der Meute Gleichaltriger und die damit verbundenen Rangordnungskämpfe ausgelebt haben, tun sich in der von Lehrern, Sozialpädagogen, Trainern und Eltern dauersortierten Welt schwerer. Insbesondere dann, wenn ihnen noch die männlichen Rollenbilder der Vorgenerationen vor die Nase gehängt werden, die sie unter ihren heutigen Lebensbedingungen gar nicht mehr erreichen können.

    Fazit: Weniger Betreuung, weniger Vorbilder und Vorgaben, dafür aber mehr Freiräume wären die Lösung. Und das gilt meines Erachtens geschlechterübergreifend.

  9. @Irene
    Die Jungs – und also auch ich – hatten an meinem Gymnasium kein „Handarbeiten“, sondern „Werken“ als Pflichtfach! Und ich habe es gehaßt, weil ich handwerklich nicht besonders talentiert bin. Ich habe damals sogar versucht, stattdessen bei „Handarbeiten“ mitzumachen. Aber meine Anfrage wurde einfach mit der Begründung abgeschmettert, daß das nicht vorgesehen sei: Genau wie der Sportunterricht (der unteren Klassen) waren „Handarbeiten“ und „Werken“ jeweils geschlechtsspezifisch. Daher durfte ich auch nie auf dem Schwebebalken turnen…

    Im Mathe-Leistungskurs in der Oberstufe habe ich dann noch ein „traumatisches“ Erlebnis. Ich hatte inzwischen selbst ein wenig von meiner Oma das Stricken gelernt. Da ich in Mathe bei den Besten war, und kein Problem hatte, dem Unterricht trotzdem zu folgen, fing ich an, unter der Bank nebenbei zu stricken – wie es ein Teil der Mitschülerinnen ständig tat! Die Quittung bekam ich am Ende des Halbjahres, als mein Mathelehrer mir die sonst üblichen mündlichen 15 Punkte verweigerte. Mit der eindeutigen Begründung, ich hätte durch das Stricken im Unterricht nicht genug Aufmerksamkeit gezeigt.

    Das ist jetzt über dreißig Jahre her. Aber daß es die Jungs damals leichter hatten als die Mädchen, traf zumindest an unserer Schule nicht zu.

  10. @Jens Arne Männig: Ihre Meinung scheint mir in dieser Diskussion auch ein interessanter Aspekt.

    @Gondlir: Ich durfte auf den Schwebebalken 😉 Das war vor 15 Jahren und in Berlin! Handarbeit wollte ich nicht machen, ich mochte die Lehrerin nicht. Dafür habe ich für meine Teddys trotzdem die Klamotten selbst genäht und kann heute besser Knöpfe annähen als meine Frau ;-).

    Dafür hat meine Frau viel mehr Geduld bei schwierigen Themen!

  11. @Jens Arne Männig: Dass es draußen auf der Straße gefährlich ist, gefährlicher als früher, das ist leider realistisch. Der Straßenverkehr hat ja in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Ein paar Spielstraßen aus den Achtzigern können das nicht kompensieren.

    Jedenfalls würde eine Mobilitätspolitik, in der das Auto nicht im Mittelpunkt steht, den Jungs (und den meisten anderen Menschen) mehr bringen als z.B. der Schwurbel von Wolfgang Bergmann („Von den antiken Philosophen bis zur digitalen Revolution der Neuzeit, all diese fantastischen, Zeit und Raum überspringenden Welten, all das ist doch eine durchgängige Geschichte des männlichen Geistes. Und die Jungen von heute schließen sich sowohl biologisch wie mental daran an. Nur merkt das niemand.“ (SpOn))

    Vielleicht muss der nächste Ölpreisschock richten, was die Politik nicht geschafft hat.

    Zwei Links dazu:
    http://toni-hofreiter.de/fahrradverkehr.php
    http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,194,7.html

  12. @Jens Arne Männig Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst. Das ist auch eine Folge der demografischen Entwicklung. Wir kommen immer mehr in eine Gesellschaftsstruktur, in der die Kinder so wenige sind, dass sie dauernd betüddelt werden können. Also hundertprozentig einverstanden. Aber die in meinem Post beschriebene „Vorbild-Problematik“ bliebe dennoch bestehen, denn auch in „unbeaufsichtigten“ Kindergruppen sind nicht alle „gleich“, sondern die Kinder lernen voneinander, es bilden sich Hierarchien, Fanclubs, Wortführer_innen usw. Auch da gibt es also Vorbilder und Nachahmer etc. Und auch da entgingen den Jungen Chancen, wenn sie ihre Vorbilder nur unter anderen Jungen auswählen würden, statt sich auch von Mädchen inspirieren zu lassen.

  13. @Antje

    Eine latente Abwertung weiblicher Autorität könnte zugrunde liegen. Doch sehe ich es wertneutraler. Männer (oder Buben) sehen Frauen wie Männer. Frauen (oder Mädchen) sehen Männer wie Frauen. Dies braucht nicht auf der Basis einer Abwertung zu geschehen. Vielmehr auf eine Art von Zuordnung. Alles jedoch völlig unbewusst. Das gleiche Phänomen tritt ein, wenn wir älteren Menschen begegnen. Auch Frauen fühlen sich älteren Leuten, insbesondere Männern überlegen (sofern sie mit ihnen zu tun haben, oder sie sie ansprechen bzw. von ihnen angesprochen werden). Die Substanz des Blickkontakts zwischen den Geschlechtern ändert sich quasi alle zehn Jahre. Das Gebiet ist sehr komplex, vordergründiges Psychologisieren bringt wenig. Höchstens die Tiefenpsychologie könnte weiterhelfen.

  14. „Mädchen, die schon seit Jahrhunderten enger an Haus und Familie, sprich: das soziale System der Erwachsenen angebunden wurden, kommen mit der modernen Dauerbetreuung, die ja nichts anderes ist, als die ständige Erfüllung von Erwachsenen-Vorgaben, besser zurecht.”

    Wie soll denn das funktionieren? Haben die Jahrhunderte speziell das X-Chromosom verändert? Sind Mädchen schon immer prädestiniert gewesen, sich in Dauerbetreuung einzufügen? Oder hat es vielleicht nie jemanden gestört, wenn sich Kinder nicht frei entfalten konnten, solange es „nur” Mädchen waren?

    Das ist mir zuviel Einsortieren in Kategorien – jede Menge Mädchen hatten und haben keine Lust auf diese Dauerbetreuung, während es sicher auch viele Jungen gibt, die von mehr Betreuung profitieren.

  15. Nun ja, die „Betuddelung“ ist wohl ein zeitlich begrenztes Problem und zwar eines der Zweielternfamilie, die es sich noch leisten können, das Erwerbsverhältnis wenigstens eines Elternteiles einzuschränken, damit dann für derartige Ambitionen wengistens Zeit ist. Alleinerziehende, berufstätige Eltern haben wenig Zeit, ihre Kinderchen zu betuddeln. Man wirft es ihen auch oft genug vor, muß also stimmen. Da der Trend aber eher von der Zweielternfamilie und Hausfrauenehe oder in Teilzeit beschäftigten Mütter und Väter weggeht, sehe ich das Problem als überholt an.

    Was die Jungs angeht, die sind auch oft schlecht erzogen und einfach nur grauenhaft sozialisiert, so ein bisschen Schlaraffenmentalittät, aus der Kraft ihrer Hoden, weil ihnen – manchmal auch aus Gründen ihrer fürchterlichen Diskriminierung bei schlechten Noten oder einem Platz in der dunklen Ecke des Raumes – zumindest von ihren Eltern jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird, sie auf nichts verzichten müssen und auch nichts tun müssen. Ein Junge tollt halt mit anderen Jungen durch die Gegend, während das Mädchen lernt und im Haushalt hilft (oft helfen muß, weil die Zeit zu knapp ist, alles auf Mama abzuladen). Ich habe dazu neulich gelesen, dass zumindest bei Mäusen belegt worden ist, dass Gruppen-Betreuung in Jungmaustagen die Plastizität des Gehirns erhöht und sich positiv auf ihre Sozialisation und den Zusammenhalt auswirkt. Vor allem im Westen der Republik ist aber nun viel mehr davon auszugehen, dass zumindest in den ersten 7 Lebensjahren solche Zusammenkünfte nur begrenzt stattfinden. Alternativ ein (kleines?) Kind mit anderen Kindern auf die Straße zu schicken, kann aber nun den positiven Effekt geschützten Spieles unter geschulter Begleitung nicht ersetzen. Ich halte es auch nicht für eine gute Idee, wenn eine Gruppe Kinder sich gegenseitig sozialisiert, weil man dabei nicht kontrollieren kann, wer da mitmacht und wie. Ein Psychopath in Strumpfhosen kann eine ganze Gruppe tyrannisieren und mit roher Gewalt Respekt verschaffen. Ihn zu kontrollieren, stünde dann Erwachsenen zu. Darum bin ich für geschützte Freiheit, die sich an gewissen Werten orientiert.

    Das Schulversagen der Jungs, ließe sich viel differenzierter betrachten und behandeln, wenn man sich ansehen kann, wer, wann und wo scheitert. Wenn zum Beispiel ein Junge neben seiner Schwester zum Schulabbrecher mutiert, während sie das Gymnasium besucht, dann ist das sicher nicht biologisch erklärbar, aber mit einiger Sicherheit pädagogisch. In den Fällen, die ich bisher so beobachten konnte, muß ich sagen, dass es mMn zuviel Freiheit für die Jungs war, die ihnen die Pflicht sich anzupassen und zu lernen, als Versagen auswies und darum fast schon heldenhaft das Schulversagen zum Aufstand mutierte, der dann auch nicht mit Scham sondern mit „jungenhaftem“ Benehmen erklärt wurde. Wenn ein Junge einem anderen das Auge blau haut, dann macht er das nicht, weil Jungs nunmal so sind, sondern weil er einfach nur tragisch sozialisiert ist und dieser Junge wird auch nicht in der Schule sitzen und freundlich der Lehrerin lauschen, was diese ihm denn nun zu erklären habe. Wenn die Angst vor Unfällen und Gewalt wenigstens bei Mädchen dafür sorgt, sie nicht der freien Wildbahn zu überlassen, dann sollten wir Jungs mind. ebenfalls diese Sorgfalt spüren lassen und ist ja auch vernünftig, denn gerade Triebtäter warten nicht auf Mädchen um sie zu missbrauchen und Autos überrollen auch Jungs. Vielleicht spüren Jungs das und bewerten es auch und zwar anders als wir erwarten: Wir trauen ihnen zu früh zu viel zu und dabei wollen sie einfach nur beschützt werden.

  16. Nebenbei eine der typischen Weisheiten, die den ideologischen Unterbau der Argumentation vom „Anderen“ stellen:

    „Wer Frauen größer macht, macht sich selbst dadurch (automatisch) kleiner.“

    Das ist doof ja, ich weiß, aber es ist auch schön einfach: Jeder Mann, der nicht selbstkritisch denken kann oder will, bekommt so die Erklärung für sein Unwohl sein. Selbstredend ist er unschuldig an der überzogenen Erhebung der Frauen, aber seine Abwertung und sein Scheitern das spürt er ganz deutlich. Ja, und dass er die 6 kassiert hat, nein, das lag nicht daran, dass er bis zum Dunkelwerden mit Kumpels dem Rad unterwegs war, sondern an der Privilegierung der Frauen und das sieht man ja auch an Katrin, denn die hatte ´ne 1. Es ist diese „Mir-gehört-die-Welt-Idee“, die gerade in Krisenzeiten bei Männern mehr Frust erzeugt als uns lieb sein kann und eben nach der Ideologie von Frauen als die Anderen eben unbändigen Hass auf Frauen produziert.

    Wie man aber das bekundete Unvermögen, der an ihren unrealistischen Selbstbildern gescheiterten und frustrierten Jungs und Männer mit Selbstkritik und Systemkritik günstig löst, weiß ich nicht. Man kann ja niemanden zwingen, die Ursachen für als Versagen empfundene Situationen in anderen Gegnern als eben Frauen zu sehen. Und ja, Frauen nehmen es ja auch zu oft schweigend an, anstatt sich entsetzt über soviel Einfalt aktiv zu wehren. Einem Mann der obigen Satz verkündet darf man ruhig einen Vogel zeigen und sich lachend den Bauch halten und muß ihm nicht unterstellen, er würde darum brutal werden und sich die passende Antwort verkneifen. Auch wird er sich nicht selbst disqualifizieren, wie es ja oft heißt, um passiv hinzunehmen, was da so an Hetze gegen Frauen vorgebracht wird, denn faktisch disqualifiziert er ja nur Frauen und auf die Wahrscheinlichkeit, dass sich gerade um ihn herum kluge Männer befinden, die ihm dann Paroli bieten, halte ich für gering. Aber die Dummheit des Satzes, die eben leider leider soziale Spannungen verursacht, muß doch mal diskutiert werden: „Wer Mäuse größer macht, macht sich selbst dadurch (automatisch) kleiner.“

  17. @ Irene

    Genau das meine ich, auch wenn ich es nicht so detailliert ausdrücken kann. Und ja, ich glaube, dass die Sozialisation zur Frau, Menschen widerstandsfähiger macht. Demut ist ja nicht verkehrt, wenn man es damit nicht übertreibt. Wenig zu erwarten, macht mit Feminismus richtig was her, weil man wenig leicht toppen kann, wenn einem viel möglich ist. Zuviel zu erwarten und dabei zu scheitern, hinterläßt aber Wunden, die Reflexe auslösen. Und dabei gehe ich von stereotypen Erziehungszielen aus, die man gemeinhin so annimmt: Mädchen zur Anpassung, Jungs zum Helden – so verkürzt und sehr simpel. Oder salopp und noch viel kürzer: Mädchen werden zur Solidarität erzogen, Jungs zur Konkurrenz. Was man besser findet, ist vor diesem Hintergrund auch eine politische Frage. Und ja, meiner – wenn auch sehr simpel – ist natürlich ein antikapitalistischer Ansatz, dem man auch aus vielen Gründen kritisch gegenüberstehen kann.

  18. @Antje Schrupp Ich denke, was die über- oder gegengeschlechtliche Inspiration betrifft, haben wir seit den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts eher Rückschritte gemacht. Die Lillifeeisierung der Kinder in Kunstwelten ist zwar eigentlich nur ein auf kommerziellen interessenbasierendes Syndrom, hat aber dennoch tiefe Spuren hinterlassen. Diese äußern sich nicht nur in der Uniformierung der Kleidung (wer eine Kindergartengruppe sieht und darin ein nicht in Pink oder Rosa gewandetes Mädchen entdeckt, darf sich was wünschen), sondern auch in zunehmend unterschiedlichen, antrainierten Rollen gehorchenden Verhaltensweisen. Vor 30 oder 40 Jahren war dieses geschlechtsspezifische, separatierende Verhalten längst nicht so ausgeprägt. Die Kindermeute war die Kindermeute und älteren Leuten war es oft schlicht unmöglich, Mädchen und Jungen auseinanderzuhalten. Dass ein Junge auch schon mal die Kleidung der älteren Schwester auftragen könnte, wie ich es – wenn auch nicht mit durchgängiger Begeisterung – getan habe, erscheint der Mehrheit junger Eltern heute als recht seltsames Ansinnen.

    @haiwen Wie das funktionieren soll? Ganz einfach: Natürliche Selektion im Sinne der Evolutionstheorie. Die Wahrscheinlichkeit, dass angepasste oder anpassungsfähige Individuen ihr genetisches Material weitergeben, ist höher. Oder traditionell ausgedrückt: Die Chance, dass die unangepassten Jungfer Kratzbürste, Fräulein Haare auf den Zähnen oder Frau Blaustrumpf »einen abbekamen«, war über lange, lange Zeit schlicht geringer.

  19. @Jens Arne Männig @haiwen – ich glaube, ihr habt beide irgendwie recht. Die Anpassung an soziale Umstände ist ja nichts, was genetisch weitergegeben wird wie die Evolution. Jedes neue Mädchen und jeder neue Junge muss es wieder von vorne lernen, es liegt ihnen nicht „natürlicherweise“. Der Punkt ist eher, dass die „Betüddelung“ durch Erwachsene die Mädchen nicht mit ihrer Mädchenrolle in Konflikt bringt (sich den Anweisungen Erwachsener zu fügen ist das, was „brave“ Mädchen machen), die Jungen aber mit ihrer Jungenrolle (zu der die Rebellion und Abgrenzung von Erwachsenen, besonders von der Mutter, gehört).
    Die massive Rückkehr der Klischees hängt m.E. auch damit zusammen, dass wir solche Unterschiede nicht in Sprache fassen, sondern es meistens bei der Behauptung, wir würden doch Mädchen und Jungen gleich behandeln, bleibt. Aus dieser Konfusion retten wir uns in Pink und Blau.
    Daher mein Vorschlag, dass wir uns (und dann auch den Kindern) klar machen, dass es nicht notwendig ist, sich als „gleich“ zu verstehen, um von den jeweils anderen etwas lernen zu können und eine Beziehung zueinander zu haben.
    Die vergleichsweise große Ähnlichkeit der Geschlechter in den siebziger und achtziger Jahren war oft genug nur oberflächlich. Ich kann mich etwa erinnern, dass die Angst, von den Jungen „verhauen“ zu werden, zum unbeaufsichtigten Spielen ständig dazu gehörte, was auch nicht nur angenehm war (übrigens ein Problem auch von schwächeren Jungen). Andererseits war es aber so, dass die Jungen, wenn sie damals Scheiß gebaut haben, tendenziell häufiger zur Verantwortung gezogen wurden als heute, sei es durch Strafen oder einfach durch die Tatsache, dass keine Erwachsenen da waren, die für sie alles wieder in Ordnung bringen konnten.
    Sorry, ist irgendwie alles ein bisschen unsortiert, ich bin zur Zeit ein paar Tage im Urlaubsmodus 🙂

  20. Mir tun die Jungs ja sooo leid.
    Aber wer will sich schon Frauen als Vorbilder nehmen, wenn man gänzlich ohne Verantwortungsbewußtsein gurchs Leben kommen kann. Nach meiner Sozialisation und Erfahrung, und die währt nun auch schon über 50 Jahre, muss selbst die faulste Frau mehr Verantwortung fürs tägliche Leben tragen als jeder Mann. Gerechter Weise muss ich sagen, es gibt Ausnahmen! Die haben es aber nicht leicht unter Ihresgleichen. Sie müssen sich beweisen wie Frauen in der Männerwelt. In der Regel erfahre ich immer noch die Vorurteile als minderwertiges Subjekt. Die Männer der Familie meines Mannes ignorieren mich regelmäßig, wenn ich mich an einer Unterhaltung beteiligen will.
    Leider sind Frauen einander gegenüber nicht loyal, das würde den Kampf vereinfachen und effektiver machen.

  21. Pingback: Warum Jungen in der Schule benachteiligt sind… | Noah Sow Blog

  22. Laut einer Studie werden Jungs ja bei gleicher Leistung eine Note schlechter berwertet als Mädchen und werden auch bei gleichen Noten seltener für das Gymnasium vorgeschlagen.

    Hier liegt der Hase im Pfeffer.

    Das erklärt meines Erachtens auch das die Jungs später im Berufsleben die Nase vorne haben, denn sie müssen schon als Schüler mehr leisten als Mädchen um dieselben Noten zu bekommen, werden also in der Schule künstlich niedergehalten, was im Berufsleben allerdings nicht mehr gilt.

    Sie sind es also gewohnt mehr leisten zu müssen und werden dann auch irgendwann dafür im Berufsleben belohnt.

    Ihnen fällt halt nicht alles von alleine in den Schoss sondern müssen sich die guten Noten hart erarbeiten.

  23. Antje,

    „Die Benachteiligung von Jungen in den Schulen kann nur beendet werden, wenn wir ihnen helfen, dass sie auch in weiblichen Personen Vorbilder für sich selbst sehen können.“

    Wenn das so wäre, dann würde ich Dir Recht geben. Aber das Problem ist meines Erachtens nicht so sehr, daß Frauen keine Vorbilder sein können, sondern daß sie recht schnell einen Widerspruch zwischen dem vom System und seinen Repräsentanten gefordeten Verhalten und dem in der Peer-Group und in der Pubertät vor allem bei Mädchen erfolgreichen Verhalten sehen, den sie nicht von sich aus auflösen können, und der auch sonst im Moment von niemandem aufgelöst wird. Das können die meisten der zur Zeit aktiven und in ihrer Männlichkeitsdefinition selbst durch die Debatten der letzten 30 Jahre höchst verunsicherten Lehrer auch nicht leisten. Zu behaupten, daß mehr Lehrer dieses gesellschaftliche Diskursproblem lösen könnten, ist Blödsinn. Es ist allerdings mehr als problematisch, daß es keine ernstzunehmende Diskussion zum Thema Männlichkeit gibt, die *nicht* ausschließlich auf vom Feminismus etablierten Axiomen beruht und sich ernsthaft mit den Widersprüchen der Anforderungen, die an Jungs/Männer herangetragen werden beschäftigt. Konsequenterweise ignorieren Jungs/Männer *und* Feministinnen den Kern des Themas.

    http://www.psychologytoday.com/blog/real-men-dont-write-blogs/201003/boys-and-young-men-new-cause-liberals

  24. Liebe Antje,
    Dein Text beschäftigt mich nun schon seit Tagen/Wochen und wir diskutieren das Thema in der Familie und in meinem Umfeld fast täglich. Vielen Dank für diese Anregung.

    Ich denke, dass Schule Kinder nicht benachteiligt, weil „falsche“ Bilder in Büchern auftauchen, sondern weil auch in der Schule Rollenbilder von „männlich“ und „weiblich“ wenig oder nicht hinterfragt werden. Die Kinder erleben hier wie im Rest der Gesellschaft und besonders in den Mainstream-Medien einen heftigen Roll-Back in der Auseinandersetzung mit Gender-Fragen und der Ausformung von sozialen Verhaltenscodizes. Bemerkenswert finde ich, dass es bei der Darstellung des Femininen meist um Sex, „Sexy-Sein“ und dem anderen Geschlecht gefallen geht und beim Maskulinen um Stärke, Leistung und Gewalt. Und wie selbstverständlich verschwinden selbstbewusste, kluge Mädchen wie Pipi Langstrumpf (von der auch Jungen lernen konnten) immer mehr von der Bildfläche.
    Einhergehend damit werden Kinder in immer früherem Alter in die Erwachsenen-Welt gepresst, sie werden immer mehr als Miniatur-Erwachsene gesehen. Kinder-Shows im Fernsehen gehen weit über das Niveau der Mini-Playback-Show aus den 80er hinaus und heute regt sich kaum jemand darüber auf. In Kinderfilmen und – serien werden Rollenklischees forciert. Die Werbung hat Kinder als grossen Kauf-Potenzial entdeckt und bleibt natürlich in vorherrschenden Rollenbildern verhaftet (wie sollte es auch anders sein). Zu alldem hat auch der Computer und damit die schöne neue Welt des Internets (in dem die Hinterfragung von Rollenbildern auch leider nur eine Randerscheinung ist) in die Kinderzimmer Einzug gehalten.
    Das alles setzt Kinder meiner Meinung nach unter einen enormen Druck in ihrer Identitätsfindung. Kinder müssen immer mehr leisten und dürfen immer weniger einfach nur Kind sein. Und auch Schule beteiligt sich daran: Das Einschulungsalter sinkt immer weiter und in immer kürzerer Zeit müssen Kinder zum Abschluss kommen. Versagen ist vorprogrammiert.

    Ich sehe auch die oben angesprochene „Betudelung“ der Kinder nicht – vielmehr stehen Kinder immer mehr unter der Kontrolle von Erwachsenen, bei der die Bedürfnisse von Kindern immer mehr in den Hintergrund treten.

    Zurück zum eigentlichen Thema:
    Wie können wir den Jungen helfen?
    Ich sehe das wie Du Antje: Jungen müssen ein anderes Frauenbild entwickeln. Allerdings denke ich, dass der erste Schritt dafür in der Verantwortung von Männern (Vätern) liegt. Sie müssen Jungen zeigen, dass ein anderes Mann-Sein, das Frau anders wahr nimmt, möglich ist, denn an ihnen orientieren sich Jungen. Das gilt nicht nur für Familien, sondern für alles oben genannte. Und diese Verantwortung muss vehement eingefordert werden. Eine andere Alternative wäre eine Gesellschaft ohne Männer/Väter.

    Letztendlich liegt in unser aller Verantwortung, Kindern eine Welt zu schaffen, in der sie sich frei entfalten können.

  25. @Gerda – Danke für den Kommentar. Ich frage mich gerade, warum es in den Medien nicht mehr zum Skandal gemacht wird, dass wir was die Heftigkeit von Rollenklischees in den Schulen und in der Kindererziehung inzwischen wieder weit vor die Zeit der 2. Frauenbewegung zurückgefallen sind. Vielleicht müssen wir es einfach öfter zum Thema machen. Ich zum Beispiel bin sehr verwundert, dass alle es völlig normal zu finden scheinen, dass meine Neffen, die in diesen Wochen ihren 7. bzw. 11. Geburtstag feiern, ausschließlich andere Jungen zu ihren Feiern einladen und kein einziges Mädchen. Ich finde diese sich überall ausbreitende Geschlechterseparation unter Kindern irgendwie beängstigend.

  26. @Antje
    Ich dachte, Einladungen zu Kindergeburtstagen werden nach Sympathie bzw. Freundschaft ausgesprochen? Oder sollen die Eltern da tatsächlich eine Quote einführen? Ich finde es schon schlimm genug, daß Eltern da überhaupt reinreden müssen.
    Am schlimmsten fand ich immer, daß gegeneinander aufgerechnet wurde: „X hat mich eingeladen, also muß ich ihn/sie jetzt auch einladen. Oder auch: „Wenn ich Y jetzt einlade, dann muß ich auch zu ihrem/seinem Geburtstag (wozu ich keine Lust habe)“ Noch dazu verbinde ich geradezu traumatische Erlebnisse mit meinen eigenen Kindergeburtstagen, weil ich zwar hochbegabt, aber sozial inkompetent war.
    Man konnte aber auch nicht einfach (nur) diejenigen einladen, die man mochte. Denn dann gab es auf dem Dorf Getratsche. Vor allem dann, wenn ich tatsächlich nur Mädchen eingeladen hätte, weil ich mit den anderen Jungs nicht klarkam.
    Auch wenn ich selbst in den Pausen in der Grundschule lieber bei den Mädchen herumhing (die fanden das überhaupt nicht toll, nicht unter ihresgleichen zu sein, aber ich mußte mich dort wenigstens nicht prügeln), so finde ich es völlig normal, daß gerade auch zu Beginn der Pubertät Cliquen nach Geschlecht gebildet werden.
    So sehr ich auch die Ansicht hinsichtlich der Rollenklischees teile, so halte ich dennoch eine „Quotenregelung“ für den Freundeskreis für unangebracht.

  27. @Gondlir – natürlich wäre ich auch nicht dafür, die Kinder zu einer „Quote“ bei den Einladungen zu drängen. Sie sollen einladen, wen sie wollen. Vielleicht hast du recht, und die „gemischteren“ Zusammensetzungen waren früher der Intervention der Eltern zu verdanken und wenn man die Kinder lässt, wie sie wollen, kommen geschlechtsseparierte Gruppen heraus. Ich weiß aber nicht, auch dann würde mich interessieren, warum es ihnen so wichtig ist, nur unter „Ihresgleichen“ zu sein.

  28. @Antje
    Warum es so wichtig ist, (manchmal) nur unter seinesgleichen zu sein? Mich würde dabei interessieren, ob die Antwort eine andere ist, wenn man dasselbe z.B. eine Gruppe in einem Frauenzentrum fragen würde.
    Meine Antwort wäre: Weil es zwar im Allgemeinen von Vorteil, aber manchmal eben auch von Nachteil sein kann, wenn „Vertreter des anderen Geschlechts“ anwesend sind.
    Und wenn ich das jetzt mal auf den Kindergeburtstag zu übertragen versuche, dann könnte das zum Beispiel bedeuten, daß eine reine Jungengruppe sich halt anders die Zeit vertreiben kann: Sie gehen auf den Fußballplatz oder spielen Egoshooter am Rechner. (Es werden ja normalerweise auch nur die Jungs mit den gleichen Interessen eingeladen.) In dem Moment, wenn auch nur ein Mädchen dabei ist, muß man sich meistens etwas anderes einfallen lassen. Es gäbe da vielleicht noch ein Mädchen in der Klasse, welches auch gerne Fußball spielt. Aber die ist halt etwas merkwürdig, und wird als Außenseiterin dann doch lieber nicht eingeladen. 😉
    Gruppen definieren sich halt vorrangig über ihre gemeinsamen Interessen. Und es mag zwar bedauerlich sein, doch gibt es immer noch viele Interessen, die offensichtlich tendenziell geschlechtsspezifisch sind. Eine Veränderung ist meiner Meinung nach nur „von unten“ möglich. Beispiel Frauenfußball: Gerade hier in Frankfurt sind wir Vorreiter, und daher würde mich nicht wundern – sondern sogar freuen -, wenn mein obiges Beispiel in ein paar Jahren vielleicht obsolet sein wird. Man kann aber ein Interesse nicht per Quote verordnen. So wird es auch immer Frauengruppen geben, die lieber unter sich ihre Probleme in der von einigen Männern dominierten Welt besprechen.
    Veränderung und Umdenken sind also manchmal möglich, aber nicht „per Verordnung“, sondern z.B. durch erfolgreiche Vorbilder wie unsere Fußballnationalmannschaft. Laß die Jungs am Kindergeburtstag ihren Interessen nachgehen. Und das am besten mit Anderen, die diese Interessen teilen. Wenn darunter kein Mädchen ist, könnten wir uns zwar darüber ärgern. Aber es bringt nichts, wir können es auch nicht ändern. Egal mit wem sie nun feiern: Wichtig sollte sein, unabhängig von solchen Feiern den Kindern beizubringen, daß es nicht zwangsläufig so sein muß, wie ist oft (noch) ist.

  29. Zitat von JensArneMännig: „wer eine Kindergartengruppe sieht und darin ein nicht in Pink oder Rosa gewandetes Mädchen entdeckt, darf sich was wünschen“ …
    jaja, nervig das, dabei ist rosa so eine schöne farbe…
    Aber meine Beobachtung ist, dass es im KiGa gar nicht so schlimm ist. Aus meiner Sicht ist die Schule die Institution, die die Geschlechtsstereotype verstärkt und reproduziert (versuche derzeit gerade meine Diplomarbeit darüber zu schreiben, deshalb find ich diese diskussion hier sehr spannend):
    Unseren Kindern versuchen wir einen möglichst breiten Handlungsspielraum zu bewahren – aber das wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger.
    1. Bis zum und im Kindergarten wurde mein Sohn oft für ein Mädchen gehalten (längere Haare und auch mal’n roten pulli) und meine tochter für einen Jungen (trug liebend gern die abgelegten klamotten ihres großen Bruders und wollte keine langen haaare). Beide hatten jeweils andersgeschlechtliche FreundInnen, die auch die Geburtstage bevölkerten (ohne Quote ;-)). Seit sie in die Schule kamen, wurden für meinen Sohn Mädchen doof, rosa „iih“ und die spiele immer cooler und mackeriger… Meine Tochter dagegen entdekcte rosa für sich, trägt jetzt kleider und lehnt die „typisch junge“ aussehenden Sachen ihres bruders ab …
    2. Schule macht unseren Kindern (Jungen UND Mädhcen) mehr Leistungsdruck als früher.Gleichzeitig wird die Zukunft immer unsicherer (arbeitsplatz- und lehrstellenunsicherheit, keine sicherheit mehr durch eindeutige rollen durch zunehmende individualisierung). Klare – geschlechtsstereotype – Rollen geben da Sicherheit.
    3. die meisten Lehrkräfte sind leider was geschlechtsreflexivität betrifft nahezu „blind“ und bestärken durch Lob/Sanktionen und gute/schlechte Noten das angepasste bzw. „störende“ Verhalten der männlichen und weiblichen Kinder.Das liegt meines Erachtens am Schulsystem, das den Lehrplan in den Mittelpunkt stellt, statt die Kinder bzw.die Beziehung der Erwachsenen zu den Kindern (mit Bezug auch auf die Erwachsenen, selbstreflexion etc.)

    Soweit meine Beobachtungen.
    Was man daran ändern kann?? …Hmm.. die Gesellschaft?

  30. Ha, ich habs zuerst gesagt 😉

    (…) Gerecht ist das nicht. Nicht gegenüber schlauen Haupt- und Realschülern – und nicht gegenüber überforderten Gymnasiasten. Die müssen in Nachhilfe, auf Privatschulen, ins Internat und notfalls sogar auf die in neobürgerlichen Kreisen eigentlich unbeliebten Gesamtschulen: Hauptsache, es steht Abitur drauf. Wenn die Kinder dann in Bildungsnot geraten, wird das zuerst den Lehrern angelastet, dann dem Schulsystem (die Benachteiligung von Jungen!), dann irgendeiner Krankheit (ADHS), aber selten den Eltern, die nicht sehen wollen, dass eine Drei in Mathe eher auf eine Zukunft in der Realschule hindeutet als auf Hochbegabung. Und so beginnt oft ein jahrelanger Schulkampf, von dem gerade Bildungsbürger gerne behaupten, es gehe dabei um Bildung als Wert an sich.
    http://www.zeit.de/2010/21/Realschule-oder-Gymnasium?page=6

    http://www.zeit.de/2010/21/Realschule-oder-Gymnasium

  31. wenn ich die Beiträge richtig gelesen habe, wird die These der Benachteiligung von Jungen in Schulen im wesentlichen geteilt bzw. nicht differenziert. Dabei gibt es seit Jahren erstens HInweise darauf, dass nicht alle Jungen scheitern und zweitens dass die durchschnittlich größeren Schulerfolge von Mädchen im Vergleich zu Jungen bereits ab dem Übergang von Schule in Beruf/Studium sich nicht in entsprechende Erfolge auf dem Arbeitsmarkt und Studium umsetzen. Darüber hinaus haben Jungen selbst in Fächern, in denen sie den Mädchen hinterherhinken ein (erneut: durschnittlich) größeres Selbstbewusstsein.

    (siehe hier: http://www.primamaedchen-klassejungs.de/userfiles€/Bildungsmisserfolge.pdf und hier: http://www.esf-gleichstellung.de/fileadmin/data/Downloads/Aktuelles/expertise_uebergang_schule_beruf.pdf)

    Die Frage wäre also, ob der Begriff „Benachteiligung“ hier überhaupt angemessen ist, da genauso gut behauptet werden könnte, dass Jungen sich eher als Mädchen in der Schulzeit schul-unkonformes Verhalten leisten (können). Schlechtere Noten als andere ist natürlich doof, zumal uns ja ständig eingeimpft wird, dass unser Wert erst aus dem Vergleich mit (den Leistungen von) Anderen entsteht, und Sitzenzubleiben ist sicherlich auch keine schöne Erfahrung. Aber wenn gleichzeitig damit die Einübung in dominantes Verhalten gegenüber weiblichen und anderen männlichen Mitmenschen (bzw. in die Akzeptanz von Geschlechterhierarchien selbst bei eigener Marginalisierung) einhergeht sowie die Aussicht auf späteres Aufholen der Nachteile, wenn es um den Zugang zu Machtpositionen und finanzieller Abgesichertheit geht, kann ja wohl kaum von „Benachteiligung“ geredet werden.

    Ansonsten finde ich aber den Gedanken, dass Jungen große Schwierigkeiten haben, sich mit weiblichen Personen zu identifizieren bzw. diese als Modelle anzusehen, sehr sehr gut und eine wichtige Intervention in das üblihe Jungen-brauchen-Männer-Gedöns!

  32. Hallo Antje,

    zu diesem Blog über die Benachteilung von Jungs an den Schulen fällt mir ein Zitat einer „Philosophin“ ein.

    „Wenn die Zivilisattion in den Händen von Frauen gelegen wäre, würden wir heute noch auf den Bäumen hausen“.

    Zusatz Claudia:
    Wenn wir nichtt aufhören unsere Jungs weiter zu benachteiligen, werden wir vielleicht wieder auf die Bäume zuückkehren.

    Tschö
    Claudia

  33. Ein sehr interessanter Artikel, der mich zum Nachdenken gebracht hat.

    Ich habe mich nämlich als Kind definitiv nicht als Frau gefühlt – ich glaubte, weil es „das“ Mädchen und „das“ Kind heißt, sei ich noch in einer Art neutralem Schutzraum. Ich wollte auch keine werden, weil ich nicht wusste, wie ich ein Mensch bleiben und eine Frau werden sollte (So konnte ich das damals natürlich nicht ausdrücken, aber ich hab es so gefühlt). (dementsprechend traumatisch war die Pubertät)

    Trotzdem konnte ich mich mit den Jungs aus den Kinderbüchern nie identifizieren. Ich konnte von ihnen lernen, klar, aber identifiziert habe ich mich nur mit den Mädchen. Mein Lieblingsbuch war Pippi Langstrumpf, wo ich mich interessanterweise aber nur mit Annika identifiziert habe 🙂

    Ich finde, es ist jedem Jungen zuzumuten, von Frauen zu lernen (und umgekehrt), aber nicht, sich mit ihnen zu identifizieren, wie man es mit Vorbildern tut. Jungs brauchen männliche Vorbilder, aber Mädchen auch weibliche. (Ich hätte wirklich eins gebraucht!)

  34. @ Antje

    Die Studie war vom Bildungsministerium, wenn mich nicht alles täuscht.

    Und ich spreche aus Erfahrung. Ein Mädel kann den grösten Stuss im Unterricht bringen und bekommt dafür trotzdem ne 1.

    Ausserdem darf nicht vergessen werden, dass gerade auch nach der Schule, wenn es ans Studium geht, die Mädels in der Regel einen Vorteil habe, sie können sofort frisch aus der Schule anfangen zu studieren, während Männer erstmal Bund oder Zivi machen müssen und nach 1 Jahr aus der Schule (wieder) mehr leisten müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Hier werden Jungen auch wieder gebremst.

    Zudem sind sie noch im Durchschnitt unreifer als Mädels im selben Alter.

    Allerdings hat sich das jetzt auch erledigt und Mädels und Jungs kommen jetzt mit fast gleichen Startbedingungen an die Uni.

    PS:

    Bei Jugend forscht und den Nobelpreisen sind Jungs und Männer immer noch vorne, obwohl Frauen 1000 Fach unterstützt werden und Männer eher gebremst.#

    Was für ein Leistungsüberschuss. Das sollte man als Frau ach mal anerkennen.

    MFG

  35. Pingback: Warum werden so wenige Männer Lehrer? « Aus Liebe zur Freiheit

  36. Liebe Antje und alle,

    Ein kleiner Kommentar zu Kindergeburtstagen, da ich schon einige Erfahrung gesammelt habe:-)
    Mein Sohn (nächster Geburtstag wird dann der 10. sein) möchte gern ganz unterschiedliche Menschen einladen – seine Freunde, Jungs also, mit denen er Fussball spielt. Seine Freundinnen, mit denen er Fussball spielt und sich gern unterhält. Kleinere Kinder beiderlei Geschlechts, weil er sie gern mag und niedlich findet (einer seiner Berufswünsche ist Kindergartenerzieher, mal sehen, wie sich das noch ändert…bzw. ob…). Und auch Erwachsene, die er gern mag, würde er gern einladen. Der Schulgruppendruck geht stark in Richtung reiner Jungengeburtstag…die Lösung, jedenfalls bisher, liegt in einer Waldparty mit Grill und Fussballmöglichkeit – Einladung an die ganze Familie des eingeladenen Kindes, inkl. Geschwister…es kommen jeweils 40-50 Leute und ich brauche Hilfe beim Organisieren (als „Einelternfamilie“:-) kann ich nicht alles allein in den Wald schleppen). Aber es ist toll, auch für mich. Und: die Eltern können ein bisschen Verantwortung für ihre Kinder selber tragen, so dass ich nicht so viel „Animation“ bieten muss; der Wald und die Gesellschaft machen es…Mir gefällt das gut, weil ich finde, es ist ein grösserer Ausschnitt der Welt beteiligt, als wenn wir nur lauter 10jährige Jungs einlüden. Und mein Sohn will es jedes Jahr wieder so machen – bisher…für uns ist es so gut…
    liebe Grüsse
    Caroline

  37. @Caroline – Danke für den Kommentar! Ich beobachte in meinem Bekanntenkreis auch diesen Trend zum eingeschlechtlich-gleichaltrigen-Geburtstag. Und bin immer etwas verwundert, weil das in meiner Kindheit noch nicht so war, ich habe zwar keine Erwachsenen eingeladen, aber immerhin auch Jungens und auch Kinder anderen Alters, was aber vielleicht auch an der dörflichen Umgebung liegen kann, wo man auch die Kinder aus der Nachbarschaft einlud, und die waren eben „gemischter“….

  38. Und wie soll das Jungen klargemacht werden?
    Als Vater habe ich meinen Sohn nie dazu gedrängt sich mit bestimmten Figuren aus Fernsehserien zu identifizieren. Er liebt zur Zeit die „Samurai Power-Rangers“ und meint er könne z.B. nicht der Gelbe sein, da dies ein Mädchen ist. Der Junge ist 4. Dieses Verhalten scheint biologisch einprogrammiert zu sein und hat nichts damit zu tun, dass ihn irgendjemand davon abhält Frauen als Vorbilder zu sehen.

    Ich glaube es mangelt den Jungen heutzutage an Selbstbewußtsein. Jungen brauchen Erfolge um dieses aufzubauen, so wäre es z.B. gut im Deutschunterricht die Kreativität von Aufsätzen mehr zu berücksichtigen, sowie maskuline Phantasien wie Stärke und Heldentum nicht zu belächeln.
    Ein weiteres sehr wichtiges Thema ist Disziplin. Jungen brauchen Lehrer die Authorität austrahlen. Von meinen Besuchen in asiatischen Ländern kann ich berichten, dass auch Schuluniformen sehr hilfreich sind.

    Auf jeden Fall MUSS etwas getan werden, es wird immer mehr vom Fachkräftemangel gesprochen und in unseren Bildungsanlagen wird einfach ein großes Potential nicht ausgeschöpft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s