Cis, Trans, Feminismus

Ich habe gerade (weil Teresa Bücker es in ihrem Republica-Vortrag empfohlen hat) das lesenswerte Buch „Excluded. Making Feminist and Queer Movements More Inclusive“ von Julia Serano gelesen. Die Trans-Aktivistin kritisiert darin die Tendenz mancher feministischer Gruppen, andere auszuschließen und plädiert für einen vielfältigen Aktivismus und einen „holistischen“ Feminismus, der verschiedene Strategien (wie zum Beispiel „radikal“ und „reformistisch“) nicht als Gegensätze, sondern als gegenseitige Ergänzung begreift. Besonders kritisiert sie eine bestimmte Art von radikalem Lesben-Feminismus, der Transfrauen ausschließt, zum Beispiel mit der Behauptung, sie wären gar keine „richtigen“ Frauen oder sogar Männer, die sich quasi in Frauenzusammenhänge „einschmuggeln“ oder diese „unterwandern“. Ich kann mich aus meinen eigenen feministischen Frühzeiten (in den 1980ern) daran erinnern, dass es solche Diskussionen gab, und dass ältere Feministinnen solche Ansichten über Transfrauen vertreten haben. In meinem eigenen Umfeld beziehungsweise unter den etwas jüngeren Frauen „meiner“ Generation spielte das jedoch schon keine so große Rolle mehr, allerdings war ich auch nicht in großen Bewegungen aktiv, sondern eher in kleineren,

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Geschlechterdifferenz sucht Kultur, dringend!

Almut Schnerring hat mir ihr Buch zugeschickt: „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees.“ Sie hat es zusammen mit ihrem Mann, Sascha Verlan, geschrieben, und Auslöser waren wohl die Erfahrungen, die sie mit ihren drei Kindern gemacht haben. Die Falle kennen wohl alle Eltern, und das Thema ist natürlich nicht neu, aber hier ist das alles einmal gut verständlich zusammengestellt, inklusive vieler Fallbeispiele, Interviews, neuesten Studien zum Thema. Ein empfehlenswertes Buch, das sich zum Beispiel gut an Eltern von kleinen Kindern verschenken lässt, die im Feminismusdiskurs vielleicht nicht so aktiv drin sind. Und wie immer stellt sich beim Lesen die Frage, warum nur, warum ist diese Rosa-Hellblau-Falle nach der Emanzipation der Frauen nicht kleiner geworden, sondern größer? Und mir kam eine Idee, woran es – neben all dem, was wir dazu schon wissen – auch noch liegen könnte: Nämlich daran, dass wir, also die Erwachsenen, die Gesellschaft insgesamt, keine überzeugenden Antworten darauf haben, wenn Kinder wissen wollen: Was bedeutet es, dass ich

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Lesbische Männer

Das Schöne am Bloggen ist, dass man in den Kommentaren immer noch mehr Hinweise bekommt. So postete „Bellchen“ neulich unter meinem Blogpost über Tierethik einen Link zu einer Zeitschrift, in der auch ein Artikel zu dem Thema stand. Noch interessanter war aber die  Zeitschrift selbst, die ich nämlich noch nicht kannte: Sie heißt „Queerulantin“, und das Thema der betreffenden Ausgabe Nr. 6 (pdf) war „Lebensrealitäten von Girl Fags und Dyke Guys“. Ich hatte weder von dem einen noch von dem anderen bis dahin etwas gehört (das Konzept „queer“ ist eher nicht so meins), aber las mich schnell fest und fand heraus, dass es um schwule Frauen und lesbische Männer ging. Hä, fragen jetzt vielleicht einige, was soll das denn sein? Sind „schwule Frauen“ (also Frauen, die sexuell Männer begehren) bzw. eben „lesbische Männer“ (also Männer, die auf Frauen stehen), denn nicht ganz normale Heteras beziehungsweise Heteros? Nein, weil es bei Queer ja um mehr geht als darum, mit wem man

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Liebe kennt kein Geschlecht! (Echt jetzt?)

Transparent beim CSD in Magdeburg. Mit frdl. Genehmigung: (c) eos.Werbeatelier Immer wenn irgendetwas angeblich „kein Geschlecht“ kennt, fühle ich mich unbehaglich. Denn in Wirklichkeit kennt ALLES ein Geschlecht, nicht nur Männer und Frauen, sondern auch die Politik, die Mathematik, die Verkehrsplanung und das geputzte oder ungeputzte Klo.  Unsere gesamte Kultur ist durchzogen mit der Geschlechterdifferenz, es gibt kein Thema, bei dem das keine Rolle spielt. Der Grund dafür ist, dass die Geschlechterdifferenz – nicht von ihrem eigenen Prinzip her, sondern aufgrund der Art und Weise, wie sie historisch verhandelt wurde – zum Paradigma für die Differenz generell geworden ist. Das Weibliche steht stellvertretend für das Andere schlechthin in einer Kultur, in der sich das Männliche zur Norm gesetzt hat. Und nun erst die Liebe! Dass die Liebe mit der Geschlechterdifferenz eng verknüpft ist, hängt nicht in erster Linie an den heterosexuellen Grundvoraussetzungen der menschlichen Fortpflanzung. Es hängt damit zusammen, dass die Liebe von ihrem Wesen her eine Beziehung zum Anderen

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