Zwölf Punkte für das gute Leben

Heute bekam ich eine Einladung der Belgischen Frauenliga, die im Oktober einen Studientag zum Thema Elternschaft plant. Leider werde ich daran nicht teilnehmen können, aber diese Vereinigung scheint mir sehr interessant zu sein – und ich muss zugeben, dass ich sie bisher nicht kannte. Trotz Europa und allem ist die Frauenbewegung doch leider viel weniger international, als das wünschenswert wäre. Die Liga besteht bereits seit 1931 und versteht sich als feministische Bewegung mit traditioneller Verankerung in der ArbeiterInnenbewegung – und genau dieser breite Fokus ist es, den ich sehr gut finde, und der mir in der deutschen Diskussion über die „Gleichstellung der Geschlechter“ manchmal etwas zu kurz kommt. Im Mai 2010 haben rund 300 Frauen bei einem Kongress der Liga „Zwölf Bedingungen für eine gleichberechtigte, solidarische und gerechte Gesellschaft“ erarbeitet. Vorausgegangen war dem ein zweijähriger Diskussionsprozess. Mir gefallen diese Punkte sehr gut – auch wenn ich natürlich bei dem ein oder anderen Detail etwas anders formulieren würde – und vielleicht

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Julian Assange, Schweden und die wildgewordenen Feministinnen

„Eine Feministin, eine Staatsanwältin und ein weiblicher Fan“ haben laut FAZ.net den Wikileaks-Gründer Julian Assange ins Gefängnis gebracht. Mit Vorwürfen, die – wie seit Tagen kopfschüttelnd von vielen Seiten erklärt wird – nach deutschem Rechtsempfinden und überhaupt nach gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar sind. Assange ist in Schweden eines minderschweren Falles von Vergewaltigung angeklagt, obwohl er keine Frau gewaltsam zum Sex gezwungen hat, sondern lediglich ohne Kondom mit zwei Frauen schlief, die ihn jeweils in ihre Wohnung zum Übernachten eingeladen hatten. Ist diese Anklage ein Beispiel dafür, dass wild gewordene „Radikalfeministinnen“ es aber nun wirklich zu weit treiben, wie in vielen Internetkommentaren gemutmaßt wird? Meiner Ansicht nach hat das Ganze weniger mit Feminismus zu tun als mit dem schwedischen Staatsverständnis und mit der dortigen Vorstellung, dass alles, was eine Gesellschaft kulturell und moralisch für richtig oder falsch hält, von Staats wegen durchgesetzt gehört. Während man in Deutschland „dem Staat“ gegenüber, aus historischen Gründen, im Allgemeinen eher skeptisch eingestellt ist, sehen die meisten Schwedinnen

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Über Konflikte und Kriege

Juli Zeh schreibt in ihrem Buch „Die Stille ist ein Geräusch“, in dem sie ihre Erlebnisse während einer Reise durch Bosnien im Jahr 2001 schildert, dass vor allem die Deutschen die Ursache für den Krieg und den Völkermord im ehemaligen Jugoslawien in „ethnischen Konflikten“ sehen würden. Mag sein, tatsächlich habe ich diese Formulierung vom „Aufbrechen ethnischer Konflikte“ aus den damaligen Nachrichtensendungen noch im Ohr. Und offensichtlich hat sich das bei mir auch eingeprägt, jedenfalls zuckte ich spontan innerlich zusammen, als meine Tischnachbarin beim Frühstück sagte, sie käme aus „Belgrad, Serbien“. Ich war tatsächlich überrascht, denn hatte sie mir nicht gerade erst ausführlich die Vorzüge Bosniens geschildert und jede Menge wunderschöne Orten und historische Sehenswürdigkeiten aufgezählt, die ich unbedingt besuchen soll? In irgendeiner Ecke auch meines Gefühlshaushaltes muss sich wohl durchaus die Vorstellung festgesetzt haben, „Bosniaken“ und „Serben“ seien verfeindet. In Bosnien selbst pflegt man, vor allem in Tourismusbroschüren, eher das Bild der seit Jahrhunderten etablierten Multikulti-Idylle, in die von außen

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