Freiheit in Zeiten des Algorithmus

... oder wie ich mich nicht finden lasse.

Amazon weiß, welche Bücher mir gefallen, Facebook kennt meine Freundinnen, die Werbung schlägt mir nur noch Produkte vor, die mich tatsächlich interessieren: Wird das menschliche Handeln immer vorhersehbarer und ausrechenbarer? Viele befürchten das. Und sie befürchten deshalb Schlimmes für unsere Freiheit.

Die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel zum Beispiel hat in einem Interview davor gewarnt, dass die zunehmende Verfeinerung von Algorithmen es erlaubt, menschliches Verhalten immer genauer vorherzusagen und Informationen passgenau zuzuschneiden. Sie findet das problematisch und fragt, ob es nicht ein gewisses Maß an Unsicherheit braucht, um Freiheit zu ermöglichen.

Ich finde die Frage sehr bedenkenswert. Aber – auch wenn mir jetzt manche wieder Optimismus vorwerfen: Ich teile diese Angst nicht. Denn ein Algorithmus kann ja nicht mehr tun, als prognostizieren. Er rechnet hoch, was aus unserer Vergangenheit bereits bekannt ist. Ob er damit recht hat oder nicht, steht damit noch lange nicht fest. Freie Menschen sind in ihrem Handeln nicht vorhersehbar. Die Möglichkeit, aus der Vergangenheit Prognosen für die Zukunft zu erstellen, schränkt ja nicht die Freiheit der Einzelnen ein, in jeder beliebigen Situation dann doch etwas ganz anderes zu tun. Etwas Unvorhergesehenes, Unberechenbares.

Wenn Amazon mir zum Beispiel Bücher vorschlägt, die mich wahrscheinlich interessieren, dann ist das schön und gut. Trotzdem weiß Amazon nicht, welche Bücher ich mir tatsächlich kaufe. Ich kann gleichzeitig dankbar für die Vorschläge sein – und mir dann trotzdem ein völlig anderes Buch kaufen. Keine noch so komplexe Auswertung meines Jetzt-Bestandes an Daten sagt etwas Definitives über mich aus – und deshalb haben Algorithmen auf mich keinen Zugriff. Denn wie mein zukünftiges Ich sein wird, das hängt von dem ab, was ich als nächstes tue. Und das weiß ich meistens ja selbst noch gar nicht.

Es gibt allerdings eine Voraussetzung dafür, dass die Algorithmisierung der Welt uns keine Angst machen muss: und zwar die, dass wir unsere Freiheit lieben, dass wir also politische Menschen im Sinne von Hannah Arendt sind – und nicht bloß Teile einer Gesellschaft, die sich so verhalten, wie es von ihnen erwartet wird. Arendt sah den Kern der Politik in der Möglichkeit jedes Einzelnen und jeder Einzelnen, in jeder beliebigen Situation einen neuen Anfang zu setzen. Das ist eine Folge unserer Gebürtigkeit. Jedes Kind zum Beispiel ist ein solcher neuer Anfang. Diese Fähigkeit, etwas Neues in die Welt zu bringen, ist der Kern der menschlichen Freiheit.

Ähnlich formuliert es Luisa Muraro, die die Praxis der Frauenbewegung einmal beschrieb als „Von sich selbst ausgehen und sich nicht finden lassen“. Meine Herkunft, meine Familie, meine Geschichte, mein Körper, meine bisherigen Vorlieben und Gewohnheiten, kurz: die Gesamtheit meiner „Daten“ – sie sind nicht eine fixe Identität, sondern lediglich der Ausgangspunkt, von dem aus ich jetzt und hier starte. Ein Ausgangspunkt gibt mir eine Basis, hält mich aber nicht fest. Freiheit ist, sich von dort aus auf den Weg zu machen, anderswo hin. Ich habe natürlich niemals alle Möglichkeiten der Welt. Aber ich habe immer mehr als eine Möglichkeit. Die Behauptung „There is no alternative“ ist immer, wirklich immer, eine Lüge.

Ihr Weg führt freie Menschen nicht auf ein vorab festgelegtes Ziel zu. Es gibt keine Möglichkeit, die Zukunft zu kennen. Man muss sie machen – oder sich treiben lassen. Dieses Verhältnis von Vorhersehbarkeit (den bekannten Daten) und der Unvorhersehbarkeit des menschlichen Handelns (der Freiheit) bestand schon immer, es ist nichts Neues. Verändert hat sich durch die immer verfeinerten Algorithmen und Rechenkapazitäten lediglich die Genauigkeit der Prognose: All das, was bislang nur theoretisch vorhersehbar war, ist nun auch tatsächlich vorhersehbar. Mehr aber auch nicht.

Aber selbst wenn das keine grundsätzliche Veränderung ist, müssen wir uns doch auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Um es wieder am banalen Beispiel Amazon zu erläutern: Früher war es schwierig, von Büchern, die mich möglicherweise interessieren, überhaupt etwas zu erfahren, jedenfalls wenn meine Interessen sich außerhalb des Mainstreams bewegten: Die örtliche Buchhandlung führte praktisch keine feministischen Autorinnen, mühsam musste ich mir entsprechende Rundbriefe besorgen, und wenn ich mal in die Stadt kam, ging ich in den Frauenbuchladen und staunte über die vielen Neuerscheinungen, von denen ich noch nichts gehört hatte.

Das war typisch für das Leben in Vor-Internet-Zeiten: Wir waren ständig umgeben von Dingen, Informationen und Menschen, die zufällig in der Nähe waren, die wir nicht selbst gewählt hatten. Der Vorteil war: Wir waren automatisch mit Anderem konfrontiert. Der Nachteil war: Wir mussten uns sehr anstrengen, um „Gleichgesinnte“ und interessante Dinge zu finden, sie um uns zu sammeln, möglichst noch in stabilen Organisationen wie Vereinen oder Parteien abzusichern. Das Andere hingegen, die restlichen Informationen, die uninteressanten Leute, die nahmen wir als gegeben hin. Wir empfanden sie sogar als Ärgernis, da sie uns ja von dem fernhielten, was uns wirklich wichtig war.

Heute ist die Situation eine ganz andere: Über sämtliche feministischen Neuerscheinungen werde ich schon lange vor dem Erscheinungstermin informiert. Das kostet mich keine Mühe mehr. Und das ist so was von toll! Ich muss meine Zeit auch nicht mehr mit den Leuten verbringen, die zufällig im selben Ort wohnen, sondern ich kann mich rund um die Uhr mit solchen Leuten austauschen, die auf meiner Wellenlänge liegen. Das ist eine Bereicherung, ein großartiger Fortschritt. Die Algorithmen machen mir das Leben leichter, denn sie „spülen“ mir gewissermaßen alles, was mich interessiert, automatisch ins Haus.

Allerdings heißt das, dass ich nun auch meine Aufmerksamkeit anders fokussieren muss. Ich muss zwar feministische Bücher nicht mehr mühselig suchen, dafür muss ich mir aber immer wieder die Frage stellen, ob ich denn nicht vielleicht auch mal etwas anderes lesen will als immer nur feministische Bücher. Der Algorithmus macht es mir in der Tat immer leichter, diesen anderen Dingen, über die ich mich vielleicht ärgern würde, aus dem Weg zu gehen. Das ist verführerisch. Und darin liegt durchaus eine Gefahr. Jedenfalls für Menschen, die ihre Freiheit nicht lieben, sondern es einfach nur bequem haben wollen.

Das weibliche Denken hat sich – ganz unabhängig von dieser neuen technischen „Wende“ – schon lange mit dieser Problematik beschäftigt. Von christlichen Mystikerinnen wie Margarete Porete über Politikwissenschaftlerinnen wie Arendt bis hin zu Vordenkerinnen der neuen Frauenbewegung wie Luce Irigaray zieht sich durch einen Großteil weiblicher Philosophie genau dieses Thema: dass es für die Freiheit der Menschen unverzichtbar ist, sich nicht auf das eigene Ich zurückzuziehen, dem Anderen Raum zu geben, keine universalen Normen aufzustellen, kein großes „Eins“ zu schaffen, dem sich die anderen unterordnen müssen. Vielleicht war das den Frauen deshalb so wichtig, weil sie selbst in patriarchaler Logik als das „andere“ galten und die schädlichen Auswirkungen dieses Denkens am eigenen Leibe zu spüren bekamen. Ihre Gedanken und Vorschläge sind aber für alle, Frauen und Männer, hilfreich.

Und heute eben mehr denn je: Wer sich am Algorithmus orientiert, läuft Gefahr, den Input von Außen zu verlieren. Will ich wirklich immer nur im eigenen (ideologischen) Saft spüren? Oder wäre es nicht viel interessanter, ein paar Andersdenkende in die Timeline zu holen? Viele gar?

Die interessante Frage im Bezug ist heute auch für Männer nicht mehr die, wie wir Möglichkeiten finden, uns gegen Beschränkungen und die „bösen Anderen“ zu wehren. Die Anstrengung darf sich nicht länger darauf richten, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun (die Logik der sozialen Bewegungen in Vor-Internetzeiten, die Logik der Parteien, Verbände usw.) Sondern Freiheit in Zeiten des Algorithmus bedeutet, sich bewusst an die Orte der Anderen zu begeben, die Differenz nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung des eigenen Horizontes zu erkennen, aktiv auf diejenigen zuzugehen, die anderer Meinung sind. Nicht weil ich ein so netter Mensch und so tolerant bin. Sondern weil ich nur dann die Möglichkeit habe, mich weiterzuentwickeln, eine andere zu werden. Mich nicht finden zu lassen.

Eigentlich läuft es auf eine einzige simple Frage hinaus: Ist das, was ich glaube zu wollen, auch das, was ich tatsächlich will? Akzeptiere ich die Zukunft, die der Computer für mich als die Wahrscheinlichste ausrechnet (und zwar immer treffsicherer, also verführerischer) – oder bin ich offen für eine andere mögliche Zukunft, von der ich noch nicht wissen kann, wie sie aussieht? Meine Freiheit hängt davon ab, ob ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, auch etwas anderes zu tun. Davon, dass ich immer wieder prüfe, ob es vielleicht besser ist, mein derzeitiges Selbst zu verlassen. Niemand zwingt mich, genau in die Richtung zu marschieren, die mir vom Algorithmus aufgrund meiner Vergangenheit prognostiziert wird. Ich habe zu jedem beliebigen Zeitpunkt meines Lebens die Möglichkeit, mich anders zu entscheiden. Unberechenbar zu sein. Mich nicht finden zu lassen.

Und diese Freiheit kann mir niemand nehmen, schon gar nicht ein Computerprogramm. Das einzige, was diese Freiheit bedroht, ist eine Kultur, die sich von ihr nichts mehr verspricht.

34 Gedanken zu „Freiheit in Zeiten des Algorithmus

  1. Der viel zitierte gläserne Bürger ist nicht das Problem. Als Entwickler solcher „Algorithmen“ kann ich sagen, dass meine Kunden nicht interessiert, wer welches Produkt konsumiert. Die Sicht ist anders: „Welches Produkt wir von welchem Kunden konsumiert“ Kein Unterschied? Doch ein gewaltiger! Die Sicht von der Produktseite kehrt die Wertigkeit um.
    Der Kunde ist uninteressant, ob sich der Kunde der Erfassung stellenweise verweigert spielt keine Rolle. Wenn er ein Produkt kauft, dann wird das Produkt aufgewertet.

    Und dies bringt die Gefahr der Verarmung der Produktlandschaft mit sich. Ich brauche als Händler keine Produkte mehr zu ordern, die nicht nachgefragt werden. Warum soll ich das Bio-Waschmittel ins Sortiment nehmen, wenn es von meinen erfassten Kunden nicht nachgefragt wird.

    Amazon weiß nicht welche Bücher sie sonst noch kaufen Frau Schrupp und eigentlich interessiert es auch nicht. Sie werden irgendwann nur noch Bücher kaufen können, von denen Amazon meint, dass sie Sie mögen.

  2. Das ist ein interessanter Aspekt, danke! Andererseits ist der Konsum für mich nicht das Problem. Wir leiden ja (jedenfalls hierzulande) nicht wirklich an einem Mangel an Produkten. Und wenn es irgendwann statt 450 nur noch 10 verschiedene Joghurtsorten gäbe – so what? Insofern ist der Vergleich durchaus interessant: Freiheit ist nicht, ein möglichst großes „Angebot“ zu haben, sondern gerade über das, was bereits „angeboten“ wird, hinauszuwollen. Das ist zumindest die Seite, die dieses Amazon-Beispiel für das, was ich sagen wollte hergibt. Unter wirtschaftlichen Aspekten kann dieser Prozess der Produktverarmung natürlich trotzdem negativ zu bewerten sein, aber das wäre dann ein anderes Thema.

  3. Bei einem Joghurt ist es nicht so auffällig. Aber wenn es stattdessen um Zeitschriften oder Fernsehsender ginge? Mal angenommen, bei den Fernsehsendern soll aufgeräumt werden, und es sollen nur die übrigbleiben, die auch von vielen genutzt werden – dann flöge mein Lieblingssenders als einer der ersten raus! Da genau dieses bereits im Radio passiert ist, höre ich quasi kein Radio mehr.

    Wie gut die „Algorithmen“ das (Kauf-)Verhalten einzelner Leute vorhersagen können, hängt meiner Meinung nach vor allem davon ab, ob es sich dabei um Leute handelt, die sich einfach so in eine „Schublade“ stecken lassen. Oder um solche, deren Geschmack sich gegen solche Kategorisierungen sperrt. Beispiel „Musik“: Ein Großteil, vermutlich die Mehrheit, mag nur wenige Musikrichtungen. Da gibt es z.B. die Schlagerfans, die Hiphopper, Jazzfreunde, oder die Liebhaber der volkstümlichen Musik. Solche lassen sich wahrscheinlich recht gut einschätzen. und diese Leute lassen auch das Geld in den Kassen klingeln. Die kleine Minderheit mit außergewöhnlichem Geschmack muß halt sehen, wo sie bleibt.

    Die (Produkt-)Verarmung sehe ich daher auch unter kulturellen Aspekten negativ. Ich bin ein Freund der Vielfalt. Mathematisch gesprochen bin ich gegen den „größten gemeinsamen Nenner“, der nie größer und meist sogar viel kleiner ist als das „kleinste gemeinsame Vielfache“. Ich ziehe es vor, wenn für jeden etwas dabei ist. Auch wenn dann etwas dabei sein wird, was ich nicht mag. Das ist etwas anderes, als es allen recht machen zu wollen, und bloß nichts zu bringen, was nur wenigen gefällt. Letzteres läuft nämlich z.B. beim Radio darauf hinaus, daß dann den ganzen Tag nur Phil Collins, Elton John, Joe Cocker und Tina Turner gespielt werden. Und von denen auch nur die eingängigen Hits…

  4. @Gondlir – ja, aber wie du schon sagst – dann hören wir eben kein Radio mehr. Das Internet gibt uns doch die Möglichkeit, die anderen, selbsterfundenen, nicht-kommerziellen Sachen (die wir uns jenseits des „Angebots“ schaffen) dann auch allen anderen zur Verfügung zu stellen. Der wichtige Punkt in dieser Hinsicht ist daher nicht, dass die „alten“ Großanbieter eine vielfältige Angebotspalette haben, sondern dass die Infrastruktur-Möglichkeiten für alle, alles mit allen einfach, schnell und preiswert zu teilen (das „freie Internet“) erhalten wird.

  5. Das ist ja eine äusserst lustige Diskussion hier! Das ist wohl das erste Mal, dass dem Netz vorgeworfen wird, es würde zu einer Abnahme von Vielfalt führen. Naja, das korrigiert sich natürlich schnell, wenn man den verengten Blick auf Waren wegkriegt und sieht was es alles umsonst im Netz an Vielfalt gibt. Was interessieren mich die Radiosender die vielleicht noch manchmal am Rande meinen Geschmack treffen, wenn ich welche haben kann, die einfach mein Geschmack sind?

    Aber eigentlich wollte ich was ganz anderes anmerken: Du hast mich drauf gebracht wie es kommt, dass ausgerechnet ein Schirrmacher (ok, den zitierst Du nicht direkt, aber darum gehts ja um diesen Diskurs, den der losgetreten hat) diese absurde These von der Beherrschung durch Algorithmen so breit tritt. Das ist so weil auf ihn folgende drei Eigenschaften zu treffen:

    1. Er hat keinen Schimmer von Informatik, sonst wüsste er wozu Algorithmen in der Lage sind und wozu nicht und würde vor allem sehen, dass die Algorithmen ja nur menschliche Entscheidungen aggregieren und nicht irgendeine beängstigende Maschinenintelligenz auf den Plan rufen.

    2. Er ist ein Konservativer und somit ist ihm die Freiheit eigentlich suspekt. Zumindest die Freiheit der anderen. Er sieht _seine_ Freiheit bedroht und ahnt wahrscheinlich das Gleichzeitig die Freiheit der Massen explodieren wird. Das macht ihm Angst. Genau wegen diesem double-bind ist er nicht in der Lage den Schritt zu machen und die Differenz als Bereicherung ansehen und genau für solche Leute wie ihn ist diese Entwicklung _wirklich_ gefährlich. Darüber sollten wir uns freuen.

    … und jetzt drück mir mal die Daumen, dass das mit dem Kommentieren klappt. Hab extra Epiphany installilert…

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  8. naja, die zweite waren in meinem kopf ursprünglich zwei, hab dann später eins draus gemacht und vergessen das zu ändern, wie so oft. Ich schreibe oft auch N Thesen über X, die dann am Ende N+1 oder N-1 sind. Aber mehr als einen bin ich noch nicht abgekommen.

  9. @Benni:
    Es gibt trotz last.fm zwei Gründe, weshalb ich gerne wieder einen Radiosender wie in den 80ern hätte.

    – Es gab gute Moderatoren (John Peel, Alan Bangs, Ekki Stieg, Marion Brasch, …), die nicht nur interessante Musik spielten, sondern tatsächlich noch richtig moderierten, also nicht nur den nächsten Titel ansagten.

    – Eine mobile Datenflatrate ist im Vergleich zur Benutzung eines UKW-Radios (welches ich sogar im Handy habe) einfach noch viel zu teuer.

    Was nützt mir Radio übers Internet, wenn es erstens zu teuer ist, und es zweitens auch im Internet keine „Sender“ gibt, deren Programm auch nur annähernd an John Peel’s Music oder Nightflight von Alan Bangs heranreicht?

    Klar, ich könnte das übers Internet inzwischen prinzipiell selbst machen. Dazu hätte ich sogar Lust, auch wenn ich dabei natürlich nicht wie bei den genannten Programmen Neues kennenlernen würde. Nur stehen dann ruckzuck GEMA und Konsorten bei mir vor der Tür und halten die Hand auf…

  10. @Gondlir:

    Ich sehe das Internet, was kulturelle Vielfalt angeht, als vorrangig positiv. Negativ ist lediglich, dass die GEMA eben noch Maßstäbe aus der Vor-Internet-Zeit anlegt.

    Was ich persönlich, was Musik angeht, faszinierend finde, ist dass ich heute selbst Musik publizieren kann, die ich selbst verfasse und spiele. Früher war das richtig schwierig bis unmöglich.

    Heutzutage kann man mit Hardware im Wert von 500€ zuzüglich Musikinstrumente einfach so Musik aufnehmen in Qualität, die für den gemeinen mp3-Player mehr als ausreicht. Das sind paradiesische Zustände. Wenn ich daran denke, wie das vor 15 Jahren war.

    Damals musste man, wenn man eine CD produzieren wollte, seine Musik, so ausrichten, dass ein ausreichendes Publikum sichergestellt war oder es war schlicht nicht finanzierbar. Heute macht man’s einfach und publiziert übers Netz. Ganz egal, wieviele es nachher hören wollen. Und die, die nur die Mainstreamsender hören und sich über die Einfalt dort beklagen, sind halt selbst Schuld.

  11. Liebe Antje,
    wieder einmal vielen Dank für einen neuen Artikel 🙂

    Allerdings finde ich das Interview etwas zu kurz gefasst. Ich empfehle an dieser wie auch schon an anderer Stelle den Vortrag von Miriam Meckel „This object cannot be liked“ auf der re:publica 2010 http://www.youtube.com/watch?v=gDP9sJojkyo .

    Danach wird deutlich, dass Eure Meinungen nicht sehr weit auseinander gehen. In ihrem Vortrag spricht Frau Meckel wie Du über das menschliche Ermessen und Zufall versus deterministische Algorithmen.
    Du schreibst „Und heute eben mehr denn je: Wer sich am Algorithmus orientiert, läuft Gefahr, den Input von Außen zu verlieren. Will ich wirklich immer nur im eigenen (ideologischen) Saft spüren? Oder wäre es nicht viel interessanter, ein paar Andersdenkende in die Timeline zu holen? Viele gar?“ Frau Meckel umschreibt dieses Phenomen sehr schön mit dem Bild der Echoboxen – wie ich ins Netz rufe , so schallt es heraus …

    Noch zwei OT-Bemerkungen:
    Im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Beteiligung von Frauen an der re:publica finde ich es bemerkenswert, dass Frau Meckel die einzige Frau ist, die von dctp.tv zu einem Interview gebeten wurde.

    @ Gondlir
    Marion Brasch moderiert glücklicherweise noch 🙂

  12. @Benni – die dritte Eigenschaft, die aber nicht nur Schirrmacher (bzw. die „Konservativen“) betrifft, ist vielleicht eine allgemein schon lange um sich greifende Soziologiegläubigkeit, die zu Lasten eines freiheitlichen Politikverständnisses geht. Das beschäftigt mich eigentlich am meisten, weil es nicht bei den „Rechten“, sondern auch bei den „Linken“ sehr oft vorkommt, also bei denen, die mir inhaltlich eher nahestehen. Die feministische Variante dieses Einwandes wäre: Die und die Frauen können doch gar nicht anders, sie sind doch so unterdrückt. Also die Vorstellung, dass Benachteiligung, Ausgrenzung usw. automatisch jedes freie Handeln und das Herausbilden eigener Wünsche und Visionen unterbinden würde. Daraus resultiert dann eine Politik der „Maßnahmen“, von denen man sich dann erwartet, dass sie die Massen in diese oder jene Richtung lenken. Und ich glaube, in diesem „soziologischen“ (und „unpolitischen“) Bild von Gesellschaft liegt der Keim dessen, was momentan als „Algorithmenangst“ aufpoppt.
    @Gerda – danke nochmal für den Hinweis. Auch den auf den Zufall – der neben Algorithmus und Freiheit noch ein dritter wichtiger Faktor ist!!! Ich finde die Überlegungen von Miriam Meckel ja auch bedenkenswert – und bin nur an diesem Punkt mit ihr nicht einer Meinung. Sie spielt quasi in einer ganz anderen Liga als Schirrmacher, dessen Algorithmen-Text ich schon gar nicht mehr gelesen habe, weil ich seine Beiträge zu anderen Themen (Frauendominanz in Medien, Demografischer Wandel) schon so dumm fand.

  13. @Johannes
    Du hast Recht, daß das Internet mehr Möglichkeiten bietet. Aber eben auch für jeden. Was zuerst einmal positiv klingt, hat leider auch eine Kehrseite: Vor 25 Jahren, als ich noch aktiv Musik gemacht habe, hätte ich mir so etwas wie das Internet gewünscht, um meine Musik zu publizieren. Heute mache ich mir die Mühe nicht mehr, weil einfach die „Konkurrenz“ zu groß geworden ist. Dadurch, daß jeder seinen Kram veröffentlichen kann, bedeutet es für den Einzelnen mehr Aufwand, den er treiben muß, um in den Weiten des Internets überhaupt wahrgenommen zu werden.

    @Gerda
    Ich habe ein mulmiges Gefühl bei dieser Diskussion, da auch ich aus der Informatik-Ecke komme, und schon bei Miriam Meckel den Eindruck hatte, daß sie den Algorithmus etwas aus seiner angestammten Umgebung reißt. Das Problem dabei: Nicht jeder Algorithmus ist deterministisch. Aber Miriam und nun auch Antje benutzen den Begriff quasi als Synonym für „Berechenbarkeit“. Dem Inhalt kann ich zwar im Großen und Ganzen zustimmen. Nur die Wortwahl läßt mich ein wenig schaudern.

    Ja, Marion Brasch moderiert noch, leider aber nicht mehr bei DT64, wo ich sie zur Wendezeit sogar mal während ihrer Nachtsendung (von 0 bis 3 Uhr) besuchte. Zu Radio Fritz kann ich nicht viel sagen, weil ich außerhalb des Sendegebiets wohne, und es deswegen nur ab und zu mal zuhause übers Netz höre.

  14. @Gondlir

    Es gibt durchaus Möglichkeiten, dass man in den Weiten des Internets noch wahrgenommen wird. Man muss sich entsprechende Nischen suchen und schaffen. Klar, mit Mainstreamkram kommt man da nicht weit. Da ist die Konkurrenz riesig. Aber es ist ja gerade das Tolle, dass man abseits des Mainstream Nischen suchen, finden und schaffen kann, und man dann von einem Nischenpublikum gehört wird. Und viele solcher Nischen bedeuten Vielfalt.

    Was halt nicht geht, ist dass man mit Nischenmusik in den Mainstreammedien unterkommt. Mit Mainstreammusik im ist man freien Internet auch ziemlich verloren. Was heute aber sehr gut geht, ist Nischenmusik im freien Internet. Die Nischenmusik gab’s früher eben gar nicht oder kaum und nur von Leuten, die entsprechende finanzielle Rücklagen hatten.

  15. Was hier glaube ich noch fehlt ist der „code is architecture“-Aspekt, also die Frage, wie weit Algorithmen bzw. allgemeiner Informationssysteme Entscheidungsmöglichkeiten einschränken, indem sie sie schlicht nicht vorsehen. Etwas platt gesagt: wenn im Krankenhausinformationssystem „Gespräch mit PatientIn“ nicht eingetragen werden kann, dann entfällt es halt, weil die Zeit nachgewiesen werden muss. Und wenn – was ja oben schon erwähnt wurde – das intelligente Warenhaltungssystem „weiss“, dass eh niemand Bio kauft, werden sie weiter in die Nische gedrängt. Oder: die Aufmerksamkeit (auch das ist ja eine Art Entscheidungswährung – die Kosten, um Dinge zu finden, die nicht im Fokus der allg. Aufmerksamkeit stehen, sind deutlich höher) wird mit Tools wie den amazon-Empfehlungen immer stärker auf stark nachgefragte Optionen verengt. Die Kopierschutzsoftware streicht die Option „private Kopie“ aus dem Möglichkeitsraum.

    Dabei geht es nicht um Algorithmen und Informationssysteme per se, sondern um die Art und Weise, wie diese gestaltet sind – sie *können* zumindest so gestaltet sein, dass sie es, gerade da, wo monopolartige Effekte dazukommen, schwer machen, die eigentliche eigene Freiheit auch tatsächlich auszuleben.

  16. @ Antje
    Du schreibst: „Ich habe zu jedem beliebigen Zeitpunkt meines Lebens die Möglichkeit, mich anders zu entscheiden. Unberechenbar zu sein. Mich nicht finden zu lassen.
    Und diese Freiheit kann mir niemand nehmen, schon gar nicht ein Computerprogramm. Das einzige, was diese Freiheit bedroht, ist eine Kultur, die sich von ihr nichts mehr verspricht.“

    Haben wir wirklich jeden Augenblick, die Möglichkeit, uns anders zu entscheiden? Was ist mit der Überwachung unserer Entscheidungen und einhergehendem Verlust unserer Privacy (ich weiss nicht, ob „Privatheit“ die richtige Übersetzung ist) ? Miriam Meckel beschreibt diese Entwicklung mit dem Beispiel der Politesse, die aufgrund der sie beobachtenden Überwachungskameras eine Strafzettel schreiben MUSS. Sie hat nicht mehr die freie Entscheidung, sonst ist sie vielleicht ihren Job los. Und es sind Computerprogramme, die helfen, unsere Freiheit einzuschränken.(wenn ich nur an die Fortschritte in der Entwicklung von Erkennungssoftware denke)
    Ich bin mit Dir einer Meinung, dass unsere Kultur darüber entscheidet, was für Computerprogramme geschrieben werden und welche zum Einsatz kommen und leider gibt es kein richtiges Leben im Falschen.

  17. @Gerda – solche Probleme, wie die Politesse sie hat (dass wir äußeren Zwängen unterworfen sind) gab es immer. Der Grund für ihre Zwangslage ist ja nicht die Überwachungskamera, sondern dass jemand beschlossen hat, sie dort zu installieren und dass es eine Regel gibt, die Politessen keinen Entscheidungsspielraum zugestehen. Das ist eine politische Frage, sie hat überhaupt nichts mit Technik zu tun. Und, ja: Die Politesse hat die Möglichkeit, einen Strafzettel nicht zu schreiben, wenn sie der Meinung ist, dass das in der Situation falsch wäre. Sie hat die Möglichkeit, es drauf ankommen zu lassen bzw. die nachfolgenden Konflikte auszutragen. Politik ohne Konflikte gibt es nicht. Auch dazu passt sehr gut ein Zitat von Hannah Arendt: „Niemand hat das Recht, zu gehorchen.“

  18. Langsam nähern wir uns einem ganz anderen Thema, welches in Psychologie, Philosophie, Hirnforschung, u.Ä. im letzten Jahr heiß diskutiert wurde: Die Frage der Willensfreiheit.

    Wenn ich eine 6 würfele, dann wäre im Nachhinein unter Berücksichtigung sämtlicher physikalischer Randbedingungen nachvollziehbar, daß eine 6 fallen mußte. Das Ergebnis mag uns zufällig erscheinen, ist aber deterministisch, weil sich der Würfel selbstverständlich an alle Regeln der Physik hält. Nur die Komplexität der Randbedingungen verhindert die „Berechnung“ durch einen Algorithmus. Das klappt natürlich erst recht nicht als Vorhersage. Entscheidungen in unserem Gehirn funktionieren auch nicht anders. Mit dem Unterschied, daß uns davor graut, vom Zufall gesteuert zu werden, weshalb wir die Illusion eines freien Willens aufrechterhalten.

    Was Amazon und Co. machen, ist nichts weiter als Statistik. Problematisch wird es immer dann, wenn Menschen versuchen, aus Statistiken Schlüsse zu ziehen. Beispiel: Wenn man tausend Mal hintereinander würfelt, dann könnte man z.B. feststellen, daß in 20% aller Fälle auf eine 3 eine 6 folgte. Nun kann man aber ebensowenig beim Würfel wie beim Menschen daraus auf Einzelereignisse schließen. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine 6 bleibt 16,7%, egal was vorher geworfen wurde.

    Dumm wird das vor allem dann, wenn es unserer „Alltagsintuition“ zu widersprechen scheint. Die ist sehr wichtig, hilft sie uns doch durch den Alltag, indem sie Annahmen erstellt. Noch ein Beispiel: Wieso reden wir z.B. eine Person als „Frau“ an, ohne daß wir sie nackt oder in ihren Ausweis gesehen hätten? Weil wir – zu Recht – aufgrund unserer Erfahrung davon ausgehen, daß Wesen, die derart aussehen, weiblichen Geschlechts sind. Die Ausnahmen sind sehr selten, und genau deshalb verblüffen uns Travestiestars so sehr.

    Da wir um solche Ausnahmen wissen, könnten wir uns doch auch anders entscheiden, wenn wir jemanden anreden? Indem wir die Anrede irgendwie offenlassen oder erstmal nachfragen? Nein, das tun wir nicht. Und selbst wenn wir es täten, dann wäre auch dieses Verhalten determiniert: Wir können uns unter konkreten Randbedingungen ebensowenig wie ein Würfel frei entscheiden. Die Entscheidung, die wir bzw. unsere Gehirne am Ende treffen, hängt ebenfalls von komplexen Randbedingungen ab: Determiniert, jedoch nicht vorhersagbar.

  19. @Gondlir – da bin ich nicht deiner Meinung. Mir war die Parallele zu der Diskussion in der Hirnforschung auch schon beim Schreiben dieses Posts aufgefallen, aber dann habe ich sie nicht reingenommen, weil sie zu lange geworden wäre. Der Freiheitsbegriff in deiner Argumentation stammt aus einer langen (männlichen) Tradition, in der Freiheit als Unabhängigkeit von materiellen Faktoren, also als etwas „rein Geistiges“ verstanden wurde. Das gibt es natürlich nicht, das rein Geistige ist ein Phantasma. Dass mein „freies Handeln“ sich auch in körperlichen, materiellen Phänomenen abbildet, ändert nichts an meiner Freiheit. Ebenso wenig widerspricht die Tatsache, dass es physikalische Gesetze gibt, der Möglichkeit, innerhalb dieser Gesetze frei zu sein und frei zu handeln. An einem Punkt stimme ich dir allerdings zu: Ein Würfel hat diese Art von (menschlicher) Freiheit nicht :))

  20. @Antje
    Nein, ich bin eigentlich Deiner Meinung! 🙂
    Das Problem entsteht nur dadurch, daß die Freiheit, von der Du schreibst, eben *nicht* bedeutet, daß man sich jederzeit auch anders entscheiden könnte, als man es tut. Es handelt sich vielmehr um die Illusion, daß man es könnte. Ein Würfel hat dagegen keine Illusionen. Er braucht sie auch nicht.

  21. Pingback: Lesenswerte Artikel 28. April 2010

  22. Ich teile diese Angst von Miriam Meckel durchaus. Und das hat seine Gründe.

    Weisst Du, was eine „selbsterfüllende Prophezeihung“ ist? Angenommen, Du gehst zur Wahrsagerin und lässt Dir die Zukunft vorhersagen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die dortigen Prophezeihungen tatsächlich eintreffen proportional dazu, ob resp. wie sehr Du an Sowas glaubst.

    Bei exakt zugeschnittener Information (nicht nur beschränkt auf Werbung) entsteht der „Glaube“ automatisch durch Selbstbeobachtung. Die „Vorhersage“ trifft ja momentan zu. Also entwickelt sich der Glaube, dass solche Vorhersagen zutreffen. Die Entwicklung Deiner Interessen, Gedanken, Meinungen und dergleichen geht selbsverstärkend immer tiefer und dabei immer eingleisiger.

    Man könnte auch sagen, die Beeinflussung von eigenen Interessen und Vorhersagen ist bidirektional. Das Eine beeinflusst das Andere. So lange diese Algorithmen nur rein reaktiv sind, wirst Du dadurch schlicht in eine selbst gewählte Sackgasse hinein manövriert. Noch gefährlicher wird es, wenn diese Algorithmen zusätzlich eine Komponente bekommen, die Dich langsam aber stetig in eine von Anderen vorgegebene Richtung führen. Die Gefährlichkeit liegt hier darin, dass Du jedes Mal bestätigt wirst. Denn die dargebotene Information entspricht Deinen Erwartungen. Das ist wie mit dem Frosch im Topf mit Wasser: Wenn Du nur langsam genug erhitzt bleibt der Frosch im Wasser, bis er gekocht ist, und merkt es nicht mal.

  23. AzUL(hallo auf thamazight),

    zunaechste tanmirt atas(vielen danke) fuer interressante Ihre Thema Darstellung, auch wenn ich Ihre Meinung zum Thema Einfluss der Algorithmus auf unsere Freiheitsentscheidung ueberhaupt nicht teile ! 🙂

    und zwar aus diese Gruende/Fakten :

    ich zitiere Ihre Aussage : «Ich finde die Frage sehr bedenkenswert. Aber – auch wenn mir jetzt manche wieder Optimismus vorwerfen: Ich teile diese Angst nicht. Denn ein Algorithmus kann ja nicht mehr tun, als prognostizieren. Er rechnet hoch, was aus unserer Vergangenheit bereits bekannt ist. Ob er damit recht hat oder nicht, steht damit noch lange nicht fest. Freie Menschen sind in ihrem Handeln nicht vorhersehbar. Die Möglichkeit, aus der Vergangenheit Prognosen für die Zukunft zu erstellen, schränkt ja nicht die Freiheit der Einzelnen ein, in jeder beliebigen Situation dann doch etwas ganz anderes zu tun. Etwas Unvorhergesehenes, Unberechenbares.»

    ► leider stimmt es nicht ganz, denn als Forscher in diese Gebiet kann ich Ihnen aus Erfahrung her , dass die heutige Algorithmus in der Tat mehr als nur aus die Vergangeheit usere Verhalten eine Prognostizieren koennen..

    Die Algorithmus von 2010 sind vorbestimmter unsere verhalten , sie lassen uns kein Wahl in dem sie neue rules vordefinieren wie wir uns zwangsweise verhalten sollen, diese Verhalten hat ueberhaupt nicht zu tun , mit der unsere verangange Verhalten..

    beispiel : erlauben sie mir bitte, dich ihre beispiel von Amazon Buch nehme

    Amazon zwar gibt mir Rate , Rezenionen , ich soll dann entscheiden das Ihre Grundidee die sie oben erlauetert habe,

    nun was ist mit der Fall wo ich z.B kein Wahl mehr haben , in der Fall wo Amazon mir nur bestimmte ausgewaehlte Buecher Angebote fuer eine bestimmte Thema z.B Frauenbewegung in Afrika , z.B genau einen Buch nicht mehr nicht weniger jedoch die Litterature zum Thema ist viele mehr groesser aber wegen bestimmte gruende Amazon hat nur eine einzige Buch zu angebote, als interssante kaufer aber unerfahren fachmann in diese Thema bin ich gezwungen es zu kaufen .. ohne zu wissen , dass es andere Buecher gibt zum Thema, draus folgt das die Entscheidung hier ist von Amazon getroffen in dem moment wo ich kein Wahl mehr habe ..
    anderen beispiel : ich kann Dir einen Name meinen lieblings autor ,n fuer mich das beste französische
    Schriftschteller(Autor, Dichter, Kunstler, Musker alles in eine stueck) ein wahr Genie die moderne fr.Litterature, der lebt noch ,, jedoch Du wirdest ihm nie finden weder in Amzon.fr/com/de noch in andere virtuelle Buchhandel ,
    einen ubekannte in Frenkreich , in deutschland auch
    wenn dich nach aktuales fr.Autoren sei Frauen oder Maenner , Du wirdest bestimmt nur diejennige die Amazon, oder andre virtuelle buchhandel anbieten vorschlagen .. damit ist das Freiheits der Wahl ist stark beträchtigen Einfluß

    Die Mainstream Kulutureangebot Algorithmus halt .. lol

    2.Beispiel : einen Tourist, der sich in China in 2009 befand vs. andere tourist , der sich ausser China in 2009 befand,

    Algorithmus (vom google) entscheiden fuer jeder was sie sehen duerfen und was nichts ( http://gawker.com/5447556/google-chinas-new-take-on-tiananmen-massacre)

    der erste bekommt aus der Algorithmus wuenderschoene Postkarten von Tianamen wenn er diese Begriff also Tianmen in google sucht,

    waehrend der zweite erhaelt unter anderem die bilder des Massakare von Tinanmen

    hier also die User hat keine Freitheit sich eine Meinnung zu bilden, in dem er von Algorithmus eine vorherbestimmte selektive Bild geliefert wird, daraus auch folgt dass die Entscheidung der User ist damit stark beinflusst +/- je nachdem ohne ein Wahl zu haben es abzuschalten.

    ► in der real Welt: Freiheit als Begrieff ist eine sehr subjetive Wort, in der virtuelle welt ist diese Begrief noch komplexer ,
    z.B :
    waehrend man seine Meinung zu eine bestimmte thema in der reale Welt ausdruecken kann, ohne dann man vieles ueber ihm als personn zu wissen sprich seine Identitaet , infos , seine Gechlecht, sein alter..uzw

    ist in der virtuelle Welt leider nicht so einfach diese Freiheit zu geniesen , denn es gibt Algorithmus, die eine genau profile der User herstellen mit alles sein privates infos, waehrend man seine Meinung zu eine bestimmte thema in ein sociale network aussert..

    ich will nicht damit sagen das die Freiheit in der virtuelle welt ist weniger als die real welt,sondern das ist um eine ganze andere Begrieff handelt, der uberhaupt nicht mit der Krietrien unsere real welt geht..

    ► Mit alle respekt Frau Hannah Arendt, jedoch sie hat sich wiedergespruchen als sie in laufe des jahren ihre Meinung ueber die zionistische Land Isreal geaendert hat, in dem sie Isreal als eine vorbildich land vorzeigt,,, sie ist gerade nicht als eine vorbild Denkerin in thema politische Meinnung, Freitsdenken , Freiheits, Unabhanegikeit… denn sie selber hat sich im Laufe des Jahren Ihre Meinung zu eine bestimmte Trivailitaeten radikale geaendert.. haette man vielleicht andere Frau als uberzeugende Denkerin genommen..

    Mit Amazighsche Gruesse aus Thamazgha (Nord-Afrika)
    Ticonius

    PS: verzeihung bitte fuer meine schlechte Deutsche( orthographische fehler ), ich habe seit jahren nicht mehr deutsche geschrieben ,, und lebe nicht mehr in deutsche sprachrige raume .. 😉

  24. @Ticonius – danke für deinen ausführlichen Kommentar und die Mühe, die du dir gegeben hast! Ich denke, es kommt darauf an, dass wir uns alle die Mechanismen, die du beschreibst, klar machen und also niemals glauben, dass das, was uns vom Algorithmus angeboten wird, die ganze Realität ist. Darauf wollte ich hinaus – wir müssen sozusagen „außerhalb des Menüs“ denken. Mir gefällt dazu ein Bild von Vilem Flusser (ich glaube, es ist von ihm), der das mit dem Unterschied verglichen hat, ob man vor einem Computerprogramm mit Auswahlmenü sitzt oder vor einem leeren Blatt. Wir dürfen uns nicht mit dem, was das Auswahlmenü an Vorschlägen macht, zufriedengeben, sondern es immer an der Möglichkeit, was würde ich auf ein leeres Blatt malen, messen.

  25. Der Wunsch, meine eigenen Auswahlmenüs erzeugen zu können, war einer der Gründe, mich fürs Programmieren zu interessieren…

  26. Ich persönlich finde den Algorithmus von amazon einfach zu schlecht, als dass ich ihn irgendwie beachten würde. Meine erste Bestellung bei Amazon machte ich erst 2007, also ziemlich spät und ich war schockiert, wie plump dieser Algorithmus war.

    Ich hatte eine Digicam gekauft und was bot der Algorithmus an? Lauter ähnliche Kameras. Ich hatte doch gerade so eine gekauft. Warum sollte ich jetzt eine zweite kaufen.

    Man kann die Algorithmen auch austicksen. Beispielsweise suche ich bei Amazon immer mit einer zweiten Browserdistanz, die keine Cookies nimmt und amazon dadurch meine Identität nicht kennt. Wenn ich dann gefunden habe, was ich suche logge ich mich mit meinem „Erstbrowser“ ein und bestelle. Manchmal suche ich parallel bei anderen Anbietern.

    Sehr praktisch finde ich den Algorithmus, wenn er meine Identität und meine Vergangenheit nicht kennt. Nehmen wir an, ich bekomme aus irgendeiner Werbung oder vielleicht auch Empfehlung einen Hinweis auf ein ganz bestimmtes Produkt. Das schaue ich mir dann bei Amazon oder einem anderen Onlineshop an und der Algorithmus zeigt mir ähnliche Produkte. Spannend finde ich die Aussage: „Von allen, die sich dieses Produkt angesehen haben, kauften x% dieses Produkt, y% Konkurrenzprodukt A und z% Konkurrenzprodukt B.“ Ist natürlich die Frage, ob das stimmt oder ob das nur dazu dient, das Käuferverhalten zu steuern.

    Es ist, wie du sagst, Antje: wir müssen uns der Mechanismen des Algorithmus bewusst sein. Einige Menschen sind sich das und machen sich entsprechende Gedanken. Nur ist das die Mehrheit der Gesellschaft? Lässt sich die Mehrheit der Gesellschaft nicht vom Algorithmus steuern, weil sie nicht in der Lage oder auch nicht Willens ist, seine Mechanismen zu verstehen? Ist das so, oder ist das nur die Arroganz des Akademikers, die mich auf diesen Gedanken bringt?

    Ist es freiheitlicher, den Menschen die Bewertung der Mechanismen des Marketings, der Werbung, der Propaganda, etc. zuzutrauen, ihnen zuzutrauen, sich darin zurechtzufinden und ihre Freiheit zu nutzen. Oder ist es freiheitlicher, den Menschen das nicht zuzutrauen und sie vor dererlei Einflüssen schützen zu wollen. Ich bin mir da nicht ganz sicher.

  27. @Johannes – Diese Unterscheidung zwischen denjenigen, die den Algorithmus hinterfragen, und denjenigen, die das nicht tun, ist wichtig. Allerdings verläuft sie meiner Meinung nach nicht einfach zwischen „gebildeten“ und „ungebildeten“ Leuten, sondern eher entlang von Wichtigkeit. Also: Bei einem Thema, das ich nicht wichtig finde, ist es normalerweise so, dass man dem Algorithmus eher vertraut. So wie man zu solchen Themen auch die Mainstream-Meinung tendenziell nachplappert, einfach weil man nicht genug Aufmerksamkeit und Zeit in das Thema investiert. Und bei Themen, die einer am Herzen liegen, gibt man sich damit eben nicht zufrieden. Ich finde das auch im Prinzip gar nicht schlimm, man kann sich ja nicht dauernd mit allem beschäftigen. Kulturell gesehen, muss uns diese Muster bewusst werden: Wenn ich zu einem bestimmten Thema nicht mehr Ehrgeiz entwickele, also auch jenseits des Algorithmus denke, dann ist es mir offensichtlich nicht wichtig genug – und das macht dann auch nichts. Freiheit heißt ja nicht, dass ich mir dauernd zu allem und jedem ein eigenes begründetes Urteil bilde, sondern dass ich mir darüber bewusst bin, wann ich das mache, und wann ich den Einflüssen von außen vertraue. Und dass mir bewusst ist, dass im letzteren Fall mein Urteil beschränkt ist und vorläufig ist – aber auch das ist dann sozusagen frei gewählt, weil ich gewählt habe, in dieses bestimmte Thema nicht stärker einzuarbeiten, weil ich andere Prioritäten setze…

  28. P.S. – und unser Problem mit der Freiheit wäre also nicht, dass es Algorithmen gibt, die immer ausgefeilter werden, sondern eher, dass zu viele Leute nichts mehr wirklich wichtig finden und nicht glauben, dass ihr eigener Beitrag zu einer Diskussion wichtig wäre. die „Versoziologisierung“ des Diskurses bestärkt sie in diesem Urteil (ich kann doch eh nichts machen, ist doch eh alles „gesteuert“) – und das ist es, was mir Sorge macht.

  29. @Antje
    Problematisch sind nicht diejenigen, die andere Prioritäten setzen, und andere Themen wichtiger finden. Sorge bereiten mir in diesem Zusammenhang diejenigen, die keine Prioritäten setzen, weil sie alles gleich unwichtig finden bzw. sie nichts so richtig interessiert (außer vielleicht ihr Kontostand, der Inhalt ihres Kühlschranks und die aktuellen Fußballergebnisse). Und ich fürchte, das hat doch etwas mit Bildung zu tun, wenn sich jemand für Dinge interessiert, die über seine Alltagsprobleme hinausgehen.

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  31. Algorithmus hin und her. Die Botschaft dahinter wird im Internet respektiert und aktzeptiert, die Informationen zu ordnen und einer breiten Masse zugänglich zu machen. Nur mit einer derartigen Struktur erlangte das Internet auch diesen Erfolg, Gefallen am Stöbern und suchen zu finden, aufgrund von Relevanz aktuelle Ergebnisse ausmachen zu können und letztendlich mit der eigenen Webseite durch Partner und Werbeprogramme Geld zu verdienen. Viel Anbieter fahren Systeme wie Amazon um benutzergerecht Angebote auszusenden und schließlich eine Steigerung Ihrer Conversionrate zu erreichen. Ein Unternehmen beispielsweise wie die http://www.deutsche-kauberatung.de qualifiziert Käuferanfragen und vermittelt dieser weiter an Hersteller. Auch ein neuer Weg, die Macht der Suchmaschinen im Ansatz ein wenig zu umgehen.

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