Drei Gründe, warum das Internet für Journalisten möglicherweise keine Verbesserung ist, für viele andere aber schon

Es ist schon ein paar Wochen her, dass Martin Giesler einen eher pessimistischen Internetartikel schrieb. Mich hat frappiert, wie unterschiedlich er und ich das Internet und speziell das Bloggen erleben, und ich überlegte mir, woher das kommen könnte. Ich glaube, der Unterschied ist, dass er das Thema aus einer journalistischen Perspektive betrachtet, ich hingegen nicht. Vielleicht sind Internet und Journalismus ja tatsächlich unvereinbar. Diese drei Punkte finde ich dabei besonders wichtig. (Ich beziehe mich stellvertretend auf Zitate aus Gieslers Blogpost, aber ähnliche Argumente finden sich ziemlich oft in der Debatte.)  1. Journalist_innen nennen es Arbeit, andere nicht „Zusammengefasst arbeite ich also durchschnittlich 8.5 Stunden pro Tag für das ZDF und davor und danach noch einmal gute 4-5 Stunden an den anderen Projekten. Macht also insgesamt rund 13 Stunden pro Tag – wir nennen es Arbeit.“  Dass dies eine Sichtweise ist, die nur Journalisten (oder vielleicht sonst noch Irgendwas-mit-Medien-und_oder-Uni-Leute) haben können, ist offensichtlich: Wenn eine Bäckerin neben ihrem Job bloggt, käme sie nie

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Das Internet kommt viel langsamer als gedacht

Wie verändert das Internet die Gesellschaft? Unsere Vorstellungen von Privatsphäre, den öffentlichen Diskurs, das Publizieren zum Beispiel? Momentan beobachte ich in Netzdiskussionen öfter mal so eine gewisse Enttäuschung darüber, dass sich nach den euphorischen Hoffnungen des Anfangs doch nicht allzu viel verändert hat. Dass zum Beispiel Blogs nicht das gebracht haben, was man sich von ihnen versprochen hat. Manche meinen, sie hätten ihr Potenzial schon ausgereizt und mehr als das bisschen, was jetzt da ist, kommt nicht mehr. Die Revolution ist ausgeblieben, wie schade. Ich glaube, dass das eine ziemliche Binnenperspektive ist, die daher rührt, dass die Geschwindigkeiten „im Internet“ und „außerhalb des Internet“ sich sehr unterschiedlich darstellen. Wer selber seit zehn Jahren, also einer gefühlten Ewigkeit, bloggt oder zumindest Blogs liest, mag das für eine lange Zeit halten. Kulturell gesehen ist es aber eine sehr kurze Zeit. Kulturelle Muster und Gewohnheiten ändern sich in der Breite nicht so schnell, wie eine neue App hipp wird und dann wieder überholt

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Internetlektüreschmarotzer!

Im Zusammenhang mit dem Ende des Google Readers wurde häufig die Frage gestellt, wofür man Reader denn überhaupt noch braucht, wo wir doch inzwischen unsere Tageslektüre über die Timelines der sozialen Netzwerke bekommen. Viele haben gesagt, sie hätten zwar einen Reader, würden aber nur selten darin lesen, weil sie ihre Lesekapazität schon mit Facebook- oder Twitter-Links aufgebraucht haben. Das finde ich krass, denn es stellt sich ja sofort die Frage, wie denn dann Sachen in die sozialen Medien reinkommen, wenn wir alle nur noch von dort unsere Quellen holen und lediglich weiter teilen, was schon drin ist. Irgendjemand muss doch erst einmal interessante Texte von draußen da rein bringen (Ja, und auch Menschen, die nicht auf Facebook sind, können interessante Blogposts schreiben!). Von daher bin ich fast geneigt, Leute, die ihre Internetlektüre ausschließlich aus sozialen Medien beziehen, als „Internetlektüreschmarotzer“ zu bezeichnen, analog zu meinen „Internetschmarotzern“ von damals. Ich würde mich niemals auf die in Twitter und Facebook weitergereichten Empfehlungen beschränken

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Sexuelle Übergriffe und das Internet

Gerade lese ich diese Geschichte in der FAZ und raufe mir die Haare: Eine Reporterin hat sich in für Kinder konzipierten Chats und Foren als Mädchen ausgegeben und war ausnahmslos nach wenigen Minuten mit sexuellen Belästigungen und Übergriffen konfrontiert. Was kann man dagegen machen? Na klar, das Internet kontrollieren, Vorratsdatenspeicherung, trallala. Schuld daran, dass man den Bösewichten nicht beikommen kann, sind die Internetaktivisten, die allen, die da etwas unternehmen möchten, gleich mit einem Shitstorm drohen. Kein Wort hingegen darüber, was für eine Kultur und Gesellschaft das ist, die massenweise Leute (Männer) hervorbringt, die ihre Freiheit damit verbringen, Kinder sexuell zu belästigen. Kein Wort darüber, dass es sich hier ja ganz offensichtlich nicht um eine winzige Gruppe von Einzeltätern handelt, sondern um ein verbreitetes Phänomen, das eingebettet ist in eine Kultur, in der Sexualität mit Macht verwoben ist, in der Frauen überall auf Plakaten und im Fernsehen als Objekte sexueller Männerphantasien dargestellt werden. Nicht das Internet, sondern diese Kultur ist das Problem.

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