Lesben und die Frauenbewegung

Hurra, hurra, die zweite Auflage von unserem Comic „Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext“ ist da – und mittendrin zwei zusätzliche Seiten, in denen wir explizit noch mal die wichtige Bedeutung von Lesben vor allem in der so genannten „zweiten Welle“ anreißen. Auf diese Leerstelle hatten mich einige Freundinnen nach Erscheinen des Comics aufmerksam gemacht – dafür ihnen an dieser Stelle herzlichen Dank. Von den vielen Theoretikerinnen, die sich dabei nennen ließen, habe ich Monique Wittig und Adrienne Rich ausgewählt, weil sie zwei der bekanntesten Formulierungen dazu in die Welt gesetzt haben: Wittig die radikale These „Lesben sind keine Frauen“ und Rich die Idee eines „lesbischen Kontinuums“, das nicht nur gleichgeschlechtlich liebende Frauen umfasst, sondern alle. Aber seht selbst (Der Link führt zu dem pdf der neuen zwei Seiten, die im gedruckten Buch an der entsprechenden Stelle eingefügt wurden. Denn wir wollen sie ja auch nicht denen vorenthalten, die sich das Buch bereits in der 1. Auflage gekauft haben – vielleicht könnt Ihr

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Ein paar Jahrtausende auf 88 Seiten

In diesem Jahr hat mich ein Projekt beschäftigt, das jetzt kurz vor der Vollendung steht: Zusammen mit der Zeichnerin Patu habe ich einen Comic zur Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext gemacht. Von Adam und Eva bis fast heute auf 88 Seiten dieses Thema abzuhandeln (und das auch noch mit lauter Bildern dazwischen, hehe), ist natürlich ein bisschen wahnsinnig. Aber es hat ungeheuren Spaß gemacht. Hier ist schonmal ein Coverentwurf: Ich freue mich darauf, wenn das Buch erscheint, was wahrscheinlich im Frühjahr ist. Beim Auswählen dessen, was in der reichhaltigen Geschichte des Feminismus wichtig und unwichtig ist, was in so einem Buch erwähnt werden soll und was nicht, war mir ständig präsent, dass das, was ich da mache, letztlich frustrierend ist, weil das allermeiste nicht vorkommt. Das was wichtig ist, ist nicht unbedingt dasselbe wie das, was bekannt ist (und daher in so einem Buch erwartet wird). Natürlich habe ich versucht, nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden, aber die Auswahl ist mindestens so

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Optimismus und Visionen statt „Klasseninteresse“

Im Juni habe ich in Paris an einem Kolloquium zum 150. Jahrestag der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) 1864 teilgenommen – zusammen mit etwa 25 Forschern und einer anderen Forscherin aus verschiedenen Ländern, die alle kurze Vorträge hielten, plus noch einmal zehn oder zwanzig Personen „Publikum“. Es war also ein eher intimer Kreis… Thema war die Frage, ob man aus der Internationale etwas für aktuelle politische Bewegungen lernen kann und in welchem Austausch sie mit anderen sozialen Bewegungen stand. Interessant fand ich vor allem den Beitrag von Marcel Van der Linden vom Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam. Er widersprach zum Beispiel dem Mythos, dass die IAA die erste internationale Zusammenarbeit von Arbeitergruppen gewesen sei und verwies etwa auf die schon viel ältere Solidarität zwischen Seeleuten und in die Sklaverei verschleppten Afrikanerinnen und Afrikanern bei Meutereien. Die Internationale habe hingegen die Gruppe der legitimen sozialrevolutionären Akteure stark eingrenzt, und zwar auf diejenigen Personen, die Marx und Engels (im Auftrag des

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Happy Birthday, Michael Bakunin

Heute vor 200 Jahren wurde Michael Bakunin geboren, der alte Anarchist. Ich habe mich mit ihm im Rahmen meiner Diss über die Erste Internationale ziemlich ausgiebig beschäftigt und ihn dabei fast lieb gewonnen. Bakunins Leben hat der Anarchismus-Historiker Max Nettlau in akribischer Weise nachvollzogen, allerdings ist seine Bakunin-Biografie, soweit ich weiß, immer noch nicht gedruckt. Ich habe sie damals in der französischen Nationalbibliothek gelesen, auf einer per Matritze angefertigten Kopie des handschriftlichen Manuskriptes. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Nettlau selbst insgesamt fünf fünfzig solcher Kopien angefertigt und ausgewählten Bibliotheken geschenkt. Okay, ich gebe zu, ich bin von Nettlau mehr beeindruckt als von Bakunin. Aber auch dessen Texte sind nach wie vor lesenswert, zumal wir alle ohnehin mehr anarchistische Theorie lesen sollten. Auch sein Leben ist atemberaubend (zum Beispiel: Wie flieht man von Sibiren über Japan in die USA?), wobei ich mich allerdings nur mit der Zeit ab ungefähr 1860 wirklich gut auskenne. Kleiner Exkurs: Das hat mich in meiner mündlichen Prüfung in Politikwissenschaft (zum Thema Geschichte des Anarchismus) ins

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