Feministische Perspektiven zum Grundeinkommen. Und das Problem, zu linken Männern vorzudringen.

Tuuut Tuut, dies ist ein Werbe-Blogpost. Allerdings kein bezahlter, sondern einer für das Buch „Das Bedingungslose Grundeinkommen. Feministische und postpatriarchale Perspektiven“, das ich zusammen mit Ronald Blaschke und Ina Praetorius herausgegeben habe. Das Thema ist ja hier im Blog praktisch ein Basso Continuo. Wir bedanken uns besonders bei Ulrike Helmer, die das Projekt als Verlegerin unterstützt, und mit der ich ja auch bei meinen anderen Büchern seit Jahren (bzw. Gosh, seit Jahrzehnten), zusammenarbeite. Aber ganz ehrlich, dieses Buch hätte ich eigentlich lieber nicht in einem feministischen Verlag herausgebracht. Denn das dortige Publikum weiß eigentlich schon, dass das Grundeinkommen feministische und postpatriarchale Perspektiven braucht. Deshalb hatten wir ursprünglich vor, das Buch in einem der einschlägigen linken Männerverlage herauszubringen, von denen es ja etliche gibt in Deutschland, Österreich, der Schweiz, und die auch fleißig Männerbücher zum Grundeinkommen im Programm haben. Aber die wollten alle nicht. Oder hätten es nur gemacht, wenn wir ihnen Druck und Herstellung finanziert hätten. Sie glauben offenbar, dass ihr Publikum sich nicht für feministische und postpatriarchale Perspektiven

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Wer trägt die Lasten der Austeritätspolitik?

Mein letzter Workshop der bei der Konferenz der International Association for Feminist Economics in Berlin (vgl. die vorherigen Posts hier im Blog) hatte  den Titel „Austerity Measures in Europe: Who Bears the Burden?“. Dabei stellte Maria Laura di Tommaso eine Studie vor, wonach sich der Gender Pay Gap seit 2008 in Italien verdoppelt hat, und zwar seit 2010 vor allem in den höheren Einkommensgruppen. Leider habe ich ganz hinten gesessen und sie hat so leise gesprochen, dass ich die Details ihrer Analyse schlichtweg nicht mitbekommen habe. Anschließend berichtete Yolanda Inbeto von Versuchen der linken Provinzregierung in der baskischen Provinz Gipuzkoa, trotz Austeritätsvorgaben aus Madrid nicht an sozialen Ausgaben zu sparen und dennoch Maßnahmen zu mehr Geschlechtergerechtigkeit einzuführen. Da das alles noch sehr jung ist, ist es noch zu früh, daraus eine Bilanz zu ziehen bzw. zu wissen, wie erfolgreich es ist. Aber schön, zu wissen, dass es in Europa noch Ecken gibt, in denen sowas ausprobiert wird. Dann sprach Diane Perrons über

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Die Care-Debatte in einem globalen Kontext

Es folgt ein weiterer Blogpost zur Konferenz der International Association for Feminist Economics in Berlin (vgl. die vorherigen Posts hier im Blog). Bei diesem Roundtable bei der IAFFE-Konferenz ging es um „Unpaid Work and the New Development Agenda“. Zunächst gab Valeria Esquivel (UN Research Institute for Social Development) einen Überblick über den Stand der Care-Debatte in einem globalen Kontext. Je nachdem kann der Kontext sehr unterschiedlich sein, und dabei besteht immer auch die Gefahr, aneinander vorbei zu reden. Im Westen ist zum Beispiel manchmal von einem ein „Recht auf Care“ die Rede, und damit ist nicht nur das Recht gemeint, bei Hilfsbedürftigkeit versorgt zu werden, sondern auch das Recht darauf, Care-Arbeit an Freund_innen und Familienangehörigen zu leisten, ohne dass ein Zwang, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen und nach Bedarf Erwerbsarbeit zu leisten, das unmöglich macht. Dieses „Recht auf Care“ ist jedoch in Kontexten, wo von Frauen ganz selbstverständlich erwartet wird, dass sie die Care-Arbeit leisten, nicht unbedingt einsichtig, weil Care dort noch viel mehr eine Folge von

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Feminismus und Finanzpolitik

Mit etwas Verspätung fahre ich fort mit dem Verbloggen meiner Erlebnisse bei der Konferenz der International Association for Feminist Economics in Berlin (vgl. auch  meinen Bericht dazu im 10nach8 Blog auf Zeit Online sowie die vorherigen Posts hier im Blog). Mein zweiter Workshop hieß „Engendering Economic Policy“ und nahm den Appell von Silvia Walby aus dem Eröffnungspanel auf, dass Feministische Ökonomie sich mehr mit Finanzpolitik beschäftigen soll. Den Auftakt machte Brigitte Young, die ein Forschungsprojekt vorstellte, mit dem sie die „Black Box Finance“ knacken will. Zunächst identifizierte sie drei Aspekte, unter denen Finanzpolitik wirkt, nämlich als „Risk bias“ (Wer trägt die Risiken des Finanzkapitalismus bzw. muss dessen Folgen ausbaden), als „Credit bias“ (Welche neuen Machtverhältnisse zwischen Schuldnern und Gläubigern entstehen? Geld als Form sozialer Beziehungen…) und schließlich als „Asset Bias“. Alle diese drei Punkte haben offenbar klare Gender-Implikationen, obwohl immer behauptet wird, „Finance“ wäre geschlechterneutral, weshalb sich auch Genderstudies vorwiegend auf Themen wir Arbeitsmarkt oder Sozialstaat bezogen haben. Doch das verschleiert, wie

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Mit Katrin Rönicke und Carmen Amicitiae über Sexarbeit gepodcastet

Hier kommt noch ein Hinweis für euch (urlaubsbedingt mit ein paar Tagen Verspätung): Katrin Rönicke hatte mich und die Sexarbeits-Aktivistin Carmen Amicitiae im Juli zu einem Gespräch über Sexarbeit und Prostitution eingeladen. Es erschien jetzt in ihrem Podcast „Erscheinungsraum“ unter dem schönen Titel „Es gibt keine Notwendigkeit, dass mit allen Männern geschlafen wird“ – hier ist der Link. Zum Abschied bekam ich Katrin Rönickes neues Buch „Bitte freimachen. Eine Anleitung zur Emanzipation“ geschenkt. Ich hab es gleich im Zug in den Urlaub gelesen. Es ist ein schönes, sehr persönlich gehaltenes Einführungsbuch, das die derzeit wichtigen Feminismusthemen (Körer, Sex, Kinder, Pink, Equal Pay, Armut, Netz undsoweiter) anhand der eigenen subjektiven Erfahrungen der Autorin entfaltet. Katrin Rönicke: Bitte Freimachen. Metrolit, Berlin 2015, 22 Euro (Print), 16,99 Euro (E-Book).      

Der (zweifelhafte) Nutzen von Statistik

Der erste Workshop, den ich bei der IAFFE-Konferenz besuchte, hatte das Thema „Gendered Fields: Women’s Labor in Agriculture“ und bestand vor allem daraus, dass Feldstudien vorgestellt wurden: Els Lecoutere sprach über den Zusammenhang zwischen veränderten Geschlechterrollen und einer Intensivierung der Kaffeeproduktion in einem kleinen Dorf in Uganda, Jing Liu hatte die Versuche der chinesischen Kommunisten untersucht, unter der Landbevölkerung mehr Gleichberechtigung einzuführen (am Beispiel einer Landkommune in den 1970er Jahren). Billy Nyagaya stellte eine Studie vor über die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Mangoproduzentinnen und Mangoproduzenten in einem Dorf in Kenia, und Jennifer Twyman hatte untersucht, welchen Anteil das Einkommen auf die Entscheidung von Frauen und Männern in einer bestimmten Region Kolumbiens hat, in Haushalten oder auf dem Feld zu arbeiten. Die Kurzvorträge waren alle sehr statistisch basiert, und da ich mich mit Statistik nicht sonderlich auskenne, hab ich nicht so wirklich alles im Detail verstanden. Interessant war aber anschließend die Diskussion darüber, wie solche Interviews vor Ort organisiert werden. Sollen Männer Männer

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Vom Kolonialismus zur Care-Migration – Keynote von Joan Tronto

Hier Teil 2 meiner Notizen zum IAFFE-Kongress in Berlin: Über die Keynote von Joan Tronto über die globalen Aspekte von Care. Tronto ist Professorin an der University of Minnesota und eine Pionierin der feministischen Forschung zum Thema Care. Dabei besonders interessant für mich, weil sie dabei ökonomische und politische  Fäden zusammenbringt (ihr jüngstes Buch heißt zum Beispiel „Caring Democracy“ und ich habe es unverzeihlicherweise noch nicht gelesen). In ihrer Keynote stellte sie die Frage, die hier im Blog auch schon vorkam, nämlich: Wer macht die unbeliebten Arbeiten? Dabei zog sie eine Linie von der Kolonialisierung zur heutigen Care-Arbeits-Migration. Erstmal in Zahlen: 300 Millionen „zählbare“ globale Care Workers gibt es weltweit, dabei sind aber noch nicht mitgezählt Flüchtlinge, die teilweise ebenfalls Care Arbeit leisten (aber eben nicht speziell zu diesem Zweck migriert sind), sowie inländische Care-Migrant_innen, wenn also zum Beispiel Care Workers aus ländlichen Bereichen Chinas in chinesische Städte gehen. Zur Theorie: Tronto verfolgte die Wurzeln der heutigen Care Thematik zu

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Staatsfeminismus und Care Revolution

Betreuungsgeld und Ehegattensplitting sind schlecht, Quotenregelungen und betriebliche „Vereinbarkeitsmaßnahmen“ sind gut? Eine klare Gegenposition zu solchen gängigen Ansichten vieler Feministinnen (und auch anderer) nehmen Lilly Lent und Andrea Truman in ihrem Essay „Kritik des Staatsfeminismus“ vor. Das kleine Büchlein liest sich wohltuend konkret. Seine Grundthese lautet: Solche als Feminismus ausgegebenen Maßnahmen dienen letztlich dazu, die Ausbeutung der Arbeitskraft – und neuerdings eben auch die von Frauen – im Interesse „des Kapitalismus“ besser zu organisieren. Feministisch sei da dran gar nichts. In vielem stimme ich zu, ich habe ja selbst schon zu Elterngeld, Ehegattensplitting, Kita-Politik und so weiter gebloggt und bin dabei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Ich empfehle jedenfalls allen, die sich mit solchen Themen beschäftigen, das Büchlein zu lesen und sich mit den dort angeführten Argumenten auseinander zu setzen. Das heißt natürlich nicht, dass man mit allem einverstanden sein muss. Ich finde zum Beispiel den engen marxistischen Interpretations- und Analyserahmen schwierig. Vieles von dem, was heute unter „Care-Arbeit“ läuft, lässt sich meiner Ansicht

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