Homosexualität, Heterosexualität – alles dasselbe?

Wenn es heute um das Verhältnis von heterosexueller und homosexueller Liebe geht, wird das Thema meist von einer rechtlichen Perspektive aus betrachtet. Vor dem Hintergrund, dass (männliche) Homosexualität noch bis vor relativ kurzer Zeit als Straftat galt – und in nicht wenigen Ländern der Welt ja immer noch gilt – und dass gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gegenüber der heterosexuellen Ehe noch immer handfeste rechtliche Nachteile haben (Stichwort Ehegattensplitting), ist das auch verständlich.  Im Bezug auf die Freiheit der Liebe hat diese Fokussierung auf die Gleichstellung von Homosexualität mit der privilegierteren Heterosexualität jedoch auch zu einer Verengung dessen geführt, was wir uns als mögliche Varianten des Liebens und Geliebtwerdens vorstellen können. Kurz gesagt: Alles orientiert sich am typischen Ideal des Zusammenfallens von romantischer Liebe, Sexualität und Ehe (inklusive Elternschaft). Das ist nun der Maßstab auch für die Liebe zwischen zwei Frauen oder zwischen zwei Männern. Auf diese Verengung ist schon von mancher Seite hingewiesen worden, aber das Ganze berührt auch noch einen Punkt, der seltener

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Dann bist du eben gefickt. Über Sexualität und Gewalt

Dass es in der westlichen Ideengeschichte eine ziemliche Konfusion im Bezug auf das Verhältnis von Sexualität und Gewalt gibt, und zwar bis heute, ist in der Berichterstattung über die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn erneut deutlich geworden. Ein Großteil der medialen Berichterstattung von taz bis Spiegel hat den Vorwurf, er habe eine Hotelangestellte vergewaltigt, unter die Rubrik „Sexaffäre“ einsortiert (hier eine interessante Zitatensammlung), was zu Recht bei vielen für Empörung sorgte. Aber der Vorwurf, hier würden Sexualität und Gewalt illegitimerweise miteinander vermengt, ist mehr als eine moralische Bemerkung. Er geht von einem historisch relativ neuen Verständnis von Sexualität aus – nämlich dass das eine Sache sei, die zwei Menschen gemeinsam miteinander tun. Das erscheint uns heute ganz selbstverständlich. Ist es aber nicht. Und die Gründe dafür erschöpfen sich nicht nur in individuellem Versagen einzelner Männer oder Medienleute. Über Jahrhunderte hinweg ist Sexualität nämlich als Handlung verstanden worden, die ein Mensch mit einem anderen tut, die also per Definition zwischen Ungleichen stattfindet, und zwar genauer noch: zwischen zweien, die in einem hierarchischen Verhältnis

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Let’s talk about love!

Es ist unglaublich, wie viele Bücher über die Liebe geschrieben wurden und immer noch werden. Durch die Jahrtausende hinweg haben fast jeder große Philosoph und auch viele Philosophinnen (wenn auch, meiner bisherigen Beobachtung nach, weniger) ein Buch über die Liebe im Portfolio. Und auch heute ist der Markt an Liebesliteratur – und zwar nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher – schier unüberschaubar.  Dieser Befund steht in einem sehr merkwürdigen Widerspruch zu der Tatsache, dass „Liebe“ im öffentlichen Diskurs praktisch keine Rolle spielt. Weder in der Bildung, noch in der Politik, noch in der Wirtschaft ist „Liebe“ eine relevante Kategorie. Die wesentliche Ursache dafür ist natürlich, dass „Liebe“ mit der bürgerlichen Aufspaltung der Gesellschaft in eine männlich-öffentliche und eine weiblich-private Sphäre in letztere einsortiert wurde. Aber es gibt wohl noch einen anderen Grund und zwar, dass sich das Sprechen über Liebe den Sprechgewohnheiten, wie sie sich für den öffentlichen Diskurs eingebürgert haben, entzieht. Denn was ist eigentlich Liebe genau? Für Ovid und Erich Fromm ist

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Freiheit braucht Liebe

Öffentlich über Liebe zu sprechen, ist heutzutage schwierig. Freiheit und Liebe sind verbrauchte Worte, um eine Formulierung der Philosophin Chiara Zamboni zu benutzen. Sie werden für alles und nichts verwendet, sind verkitscht, instrumentalisiert, zu Platzhaltern geworden für leere Versprechungen und dumme Phrasen. Dass ich sie dennoch verwende, liegt daran, dass ich für das, was ich sagen will, keine besseren Begriffe gefunden habe. Zum anderen hoffe ich, dass wir diese beiden Wörter wiederbeleben und in den politischen Diskurs zurückführen können, wo sie dringend benötigt werden. Und zwar aus zwei Gründen, wie ich meine. Der erste Grund ist das Scheitern der gegenwärtigen Politik der Rechte oder gar des noch unpersönlicheren „freien Marktes“. Gegenwärtig wird ja diskutiert, wer wen kontrollieren muss, ob wir mehr Politik in der Wirtschaft brauchen, während bis vor kurzem die Wirtschaft Vorrang gegenüber der Politik hatte. Doch das ist eine falsche Alternative. Ich meine, weder Politik, so wie wir sie derzeit verstehen, noch die freien Kräfte des Marktes sind zukunftsfähig.

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