Männer bei Frauenveranstaltungen? Aber klar!

Willkommen, die Herren. Foto: www.photocase.com /french_03

Willkommen, die Herren. Foto: http://www.photocase.com /french_03

Neulich war das mal wieder so: Wichtiges Thema, tolle Referentin, interessierte Männer – die aber nicht rein durften, weil es eine Frauenveranstaltung war. Schade eigentlich, denn einerseits wollen wir doch, dass weibliche Ideen in der Welt die Runde machen und beklagen uns darüber, dass Männer nicht zuhören, und wenn dann doch mal einer kommt, lassen wir ihn nicht rein.

Die Veranstaltungsleiterin, die ich darauf ansprach, antwortete: Ja, aber wenn wir Männer reinlassen würden, dann wäre das ja kein Frauenzentrum mehr, sondern einfach ein Bildungszentrum, und darauf habe ich keine Lust. Verständlich, finde ich. Aber ist das Argument auch plausibel?

Ist es nicht. Zwischen den beiden Extremen – reine Veranstaltungen nur von und für Frauen auf der einen Seite und gemischte, geschlechtsneutrale (also leider meistens dann männerdominierte) auf der andern – sind auch noch eine ganze Reihe Zwischenformen denkbar.

Zum Beispiel ist es möglich, Männer als Gäste zuzulassen. Also diese eins, zwei, drei männlichen Interessierten, die bei einer als „Frauenveranstaltung“ ausgeschriebenen Sache ja allerhöchstens zu erwarten sind, einzulassen, ihnen jedoch diesen Gast-Status zu vermitteln (das heißt, die Erwartung, dass sie sich auch als Gäste verhalten und nicht als Hausherren). In diesem Fall bleibt die Veranstaltung wie sie ist, also eine reine Frauenveranstaltung, nur dass eben interessierte Männer zuhören dürfen.

Eine andere Möglichkeit ist es, Männer als Diskussions-Gegenüber explizit einzuladen, also ihnen zu zeigen, dass ihr möglicherweise anderer Blick auf die Dinge interessiert und erwünscht ist. Auch dann bleiben die Frauen weiterhin Veranstalterinnen und Themengeberinnen, öffnen sich aber bewusst für die männliche Differenz. Klar, dass dann auch das Konzept darauf eingehen muss.

Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass die bloße Zulassung von Männern zu Frauenveranstaltungen noch keine geschlechtsneutrale, „gemischte“ Angelegenheit aus der Sache machen muss. Andere Settings sind sicher auch denkbar. Ich meine nur, dass es bei diesem Thema weniger darauf ankommt, zu fragen, ob Männer zugelassen werden sollen oder nicht, sondern vielmehr darauf, wann, warum und in welcher Rolle sie zugelassen oder eben vielleicht sogar speziell eingeladen werden sollen.

Dass es nach wie vor Fälle gibt, in denen es sinnvoll ist, eine Veranstaltung ausschließlich für Frauen anzubieten, ist klar: Speziell wenn es um gegenseitigen persönlichen Austausch geht, zum Beispiel. Andererseits ist es aber genauso klar, dass vieles von dem, was derzeit nur unter Frauen diskutiert wird, auch von Männern gehört werden sollte. Gerade bei Vorträgen mit interessanten Referentinnen ist es praktisch nie sinnvoll, interessierte Männer außen vor zu lassen, denn das, was sie sagen, ist für die Welt allgemein relevant.

Zumal die Frauen heute durchaus geübt im öffentlichen Sprechen sind und sich – anders als das vielleicht vor dreißig Jahren der Fall war – durchaus, wenn notwendig, gegen männliche Vielredner und Selbstdarsteller zur Wehr setzen könnten.

Die Skepsis von Frauenzentren und anderen „reinen Frauenorten“ gegen die Öffnung für Männer ist zwar verständlich, aber teilweise überholt und oft nicht mehr angemessen. Vielleicht kann der Vorschlag, nicht nur pro und contra männliche Besucher zu diskutieren, sondern vielmehr über die Modalitäten und Umstände des Dialogs zwischen Frauen und Männern nachzudenken, sie motivieren, sich dem Thema zuzuwenden.

Es geht dabei nämlich um nichts weniger als um die Frage, wie weibliche Autorität gerade auch dann weiter zirkulieren kann, wenn Männer dabei sind. Dass dies in unreflektiert gemischtgeschlechtlichen Kontexten in der Tat oft misslingt, ist kein Grund, solche Kontexte prinzipiell zu vermeiden – ganz im Gegenteil. Umso notwendiger ist es doch, dafür einen Weg zu finden. Und nichts ist dafür besser geeignet als das konkrete Experiment.

So ist das, meine Schöne

soistdasAufregend, entsetzlich, schön, banal, verwirrend, atemlos – so sind die Geschichten, die türkische Frauen in diesem Buch erzählen. Die vier Herausgeberinnen haben in diesem Buch 31 O-Ton-Erzählungen abgedruckt, in denen türkische Frauen über das Thema Sexualität, Liebe, Beziehungen und Gesellschaft berichten. Die Berichte sind gekürzte Tonband-Protokolle und zeugen von einer riesigen Bandbreite an weiblichen Biografien, befragt wurden Frauen aus unterschiedlichen Berufen, Altersgruppen, sexueller Orientierung, Bildungsgrade, aus städtischem wie ländlichen Milieus.

Gedacht ist das Projekt als feministisches Lese-Theater. Und in der Tat kann man sich gut vorstellen, dass diese Texte eigentlich erst ihre Wirkung entfalten, wenn sie auf einer Bühne laut gelesen werden.  Tipp und Inspirationsquelle also für alle, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Jedenfalls ist man nach der Lektüre sicher vorsichtiger, von “den Frauen” zu sprechen. Da die Geschichten überwiegend in der Türkei spielen, ist der gesellschaftliche Hintergrund teilweise ein anderer als hierzulande – allerdings ist die kulturelle Differenz zwischen Deutschland und der Türkei offenbar gar nicht so groß, wie heutzutage gerne vermutet wird. Viele der Geschichten hätten auch hier spielen können. Allerdings wäre es durchaus interessant, ein ähnliches Projekt einmal mit Gesprächspartnerinnen in Deutschland zu verwirklichen. Vielleicht kommt ja durch dieses Buch jemand hier auf den Geschmack…

Hülya Adak, Ayse Gül Altinay, Nilgün Bayraktar, Esin Düzel: So ist das, meine Schöne. Orlanda, Berlin 2009, 14,90 Euro.