Schlipsmänner. Ein Modeblogpost.

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Manche Geschichten brauchen definitiv zu lang, um in meine Timeline zu gelangen, da besteht noch Verbesserungsbedarf. Die Meldung vom Schlipsstreit im Bundestag erreichte mich nämlich erst heute via Süddeutsche, obwohl der Spiegel und der Freitag schon am 20. Januar darüber berichtet hatten, und die Linke in einem Blog die Angelegenheit sogar schon am 17. Dezember bekannt gemacht hatte.

Es geht darum, dass aus der CDU irgendwann letztes Jahr die Anweisung erging, Schriftführer müssten in Ausübung ihres Amtes im Bundestag Schlipse tragen, damit die „Würde des Hauses“ gewahrt bleibe. Und dass sich die Abgeordneten Andrej Hunko (Linke) und Sven-Christian Kindler (Grüne) – Applaus für sie an dieser Stelle! – weigerten, selbiges zu tun, und damit die Angelegenheit „hochgekocht wurde“, wie sich der Spiegel süffisant ausdrückt.

Dieser Fall sieht erstmal nach Pillepalle aus, aber er ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Nicht nur, weil deutlich wird, dass die Medien ein Thema offenbar erst dann aufgreifen, wenn es nicht nur die Linken, sondern zumindest auch die Grünen unterstützen. Nicht nur, weil es zeigt, wie verkommen das demokratische Verständnis bei den sich selbst „bürgerlich“ nennenden Parteien bereits ist (oder wieder ist), die offenbar die Besetzung parlamentarischer Gremien mit der Besetzung von Aufsichtsräten verwechseln. Nicht nur, weil die SPD auch noch Verständnis für diesen Rückwärtsmarsch in den Mief der fünfziger Jahre hat. Und nicht nur, weil die ganze Armseligkeit dieser institutionellen Art, „Politik“ zu machen, hier deutlich wird.

Ich finde diesen Fall auch interessant, weil die Mechanismen der „Integration“ von Frauen in traditionell exklusiv für Männer vorgesehene politische Institutionen hier schön anschaulich werden, sowohl was ihre Möglichkeiten für Veränderungen betrifft, als auch deren Grenzen.

Denn auch wenn die Grünen dieses symbolische Politikfeld „Kleidungsnormen in politischen Gremien“ mit ihrem legendären „Turnschuhminister Fischer“ besetzt haben – für die Jüngeren: Joschka Fischer hatte 1985 bei seiner Vereidigung als erster grüner Minister Turnschuhe getragen und damit ein allgemeines Rauschen im Blätterwald verursacht – so ist der eigentliche Konfliktpunkt ja die Frage, was Frauen anziehen, wenn sie in männliche Gefilde Einzug halten.

Der Schlips (als integrativer Bestandteil des Ensembles „Anzug“) steht für ein politisches männliches Selbstverständnis, nämlich die „Gleichheit“. Anzüge in dunklen Farben, die alle Herren gleich aussehen ließen, waren ein in der Tat „bürgerlicher“ Dresscode, der sich von den bunten, glitzernden, heute würde man sagen tendenziell „tuntigen“ und dekadenten Dresscodes des Adels abgrenzte.

Interessant dabei ist, dass Frauen gerade deshalb keine Anzüge tragen durften, bzw. es ein Riesenskandal war, wenn sie es taten. Frauen hatten mit ihren breiten Tüllschichten und den bunten Farben, den glitzernden Pailletten und samtenenen Bändchen im Bürgertum gerade weiterhin „adelig“ auszusehen, um so ihren von den männlichen Aufklärern dekretierten Ausschluss aus dem Bereich der Politik augenfällig zu machen. (Als ich für meine Diss über das 19. Jahrhundert recherchierte, brauchte ich eine ganze Weile, um zu verstehen, was eine „Putzmacherin“ eigentlich genau machte, und vor allem warum es für diesen typischen Frauenberuf einen so ungeheuer großen Bedarf gab: Aber es wurden offenbar wahre Unmengen von Perlen, Bändern und sonstigem Krimskrams benötigt, um diesen weiblichen Anti-Anzug-Dresscode zu befriedigen).

Der Freitag weist in seinem Beitrag zur aktuellen Schlipsaffäre dankenswerter Weise darauf hin, dass es einen Skandal auslöste, als die SPD-Abgeordnete Lenelotte von Bothmer 1970 zum ersten Mal in einem Hosenanzug den Bundestag betrat. Das waren noch die Nachwirkungen dieses symbolischen Szenarios, die Aufregung kam daher, dass Bothmer qua Hosenanzug ihre Teilhabe am bürgerlichen Männer-Dresscode behauptete. Heute ist der Hosenanzug  bekanntlich das oberkonventionellste Businesswomen-Kleidungsstück, das man sich nur denken kann. Die Verbürgerlichung der Frauen ist abgeschlossen.

Aber das ist bloß Emanzipation und nicht weibliche Freiheit.

Mich interessiert, ob es in diesem Ganzen auch positive Aspekte gibt. Und die sehe ich durchaus, und zwar darin, dass es die „bürgerlichen Parteien“ nicht wirklich fertig bringen, einen definitiven Dresscode für Frauen festzulegen. Dass etwa die Schriftführerin Agnes Alpers (Linke) als Ersatz für die abgewiesenen „unbürgerlichen“, weil schlipslosen Männer mit einem knallroten Schlips auf der erwürdigen Bank Platz nahm, dagegen konnte keiner was sagen. Nicht nur aus Höflichkeit oder Unsicherheit, sondern weil Alpers als Frau gewissermaßen in einer anderen Liga spielt. Oder besser: Nicht in einer anderen Liga, sondern sie spielt ein ganz anderes Spiel.

Im Schlipsstreit geht es nämlich um einen Diskurs über Männlichkeitsbilder: Turnschuhträger gegen Krawattenheinis. Die Krawatte ist ein Distinktionsmerkmal, um „diese Männer“ von „jenen Männern“ zu unterscheiden – dieser Streit wird alltäglich an zahlreichen Arbeitsplätzen ausgetragen, jedenfalls wenn ich den Männern in meinem Bekanntenkreis glauben kann – hier geht es um soziale Hierarchien innerhalb eines männlichen symbolischen Systems und einen Konflikt darüber, wer ein „richtiger Mann“ ist und wer nicht.

Die Frauen stehen bei diesem Streit etwas daneben. Sie sind nicht mehr, wie früher, ganz draußen, aber sie sind auch nicht ganz drin, ihre Differenz ist eher wie phasenverschoben. Was die Männer betrifft, so gibt es klare Anweisungen – Schlips -, was die Frauen betrifft, bleibt das „Angemessene“ nebulös. Und das ist auch gut so, denn der Streit zwischen bürgerlichen und unbürgerlichen Männern ist nicht unserer. Auch wenn ich persönlich ganz klar auf Seiten der Anti-Schlips-Fraktion stehe und diese nach Kräften unterstützen würde. Aber ich bin von diesem Streit nicht betroffen.

Frausein bedeutet schlipsfrei sein, könnte man auch sagen, eine Frau ist schlipsfrei auch dann, wenn sie einen trägt, wenn Ihr versteht, was ich meine. Und diese Freiheit politisch fruchtbar zu machen, darum geht es. Das neue Buch von Luisa Muraro, so habe ich kürzlich gehört, soll den Titel tragen: „Vom Glück, als Frau geboren zu sein“. Genau. Nicht in diese alten Streitigkeiten unter Männern verwickelt zu sein macht uns frei, über das Patriarchat hinaus zu denken, an einer postpatriarchalen Welt zu arbeiten.

Inwiefern das innerhalb dieser desolaten Strukturen der offiziellen Politik überhaupt noch möglich ist, weiß ich nicht. Aber wenn ich Schriftführerin wäre, dann würde ich mir wohl einen Spaß daraus machen, die Grenzen des für eine Frau Möglichen auszutesten: Wie kurz darf der Rock sein, um „unangemessen“ zu werden – wahlweise auch wie wallend, wie lila, wie schrill gepunktet? Und mit welchen Peinlichkeiten würde da argumentiert werden? Würden sie am Ende ins Stottern geraten und rot werden?

Vor allem würde ich wahrscheinlich total spiralige, karierte, gestreifte Kleidung anziehen. Damit die Kameras damit ein echtes Problem haben.


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34 Gedanken zu „Schlipsmänner. Ein Modeblogpost.

  1. Ich winke hier jetzt einfach mal auf meiner „Realität“ und schreibe ein herzliches Dankeschön! Genau so einen Gedankengang habe ich für meine in Entstehung befindliche Simmel-Hausarbeit gerade gebraucht, um meine Welt in diesem Kladderatsch nicht zu verlieren.

  2. Was soll Mann dazu sagen… ja, Sie haben Recht. Der Anzug und die Krawatte stehen für ein Identifkationsmerkmal im Rudel. Wer sich dagegen wehrt wird ausgesperrt.

    Dabei geht es nicht um Kleidungsordnungen, nein, es geht wirklich rein um die Tatsache sich einerseits vom normalen Arbeiter (und Bürger) abzugrenzen und andererseits die Zugehörigkeit zum „Adel“ zu zeigen. Nichts zeigt in meinen Augen deutlicher den Unterschied zwischen Menschen und Politiker, als der Anzug. Das ist ein gesamt-gesellschaftliches Problem, nicht nur das der Frauen (auch wenn diese das besonders hart trifft).

    PS: Man muss natürlich unterschieden zwischen denen, die Anzüge tragen, weil diese ihnen stehen, und denen, die das rein als Identifikationsmerkmal sehen. Aber ich impliziere jetzt einfach mal, dass der Leser das auch so erkennt.

  3. wunderbar! ich habe die debatte erst für einen witz gehalten.
    in diesem punkt bin ich ganz froh, eine frau zu sein. allerdings vereinfacht der von dir als bürgerlich bezeichnete dresscode des anzugs auch vieles – gleich einer schuluniform. als frau fühle ich mich in dieser hinsicht freier weil variabler, lasse dafür aber deutlich mehr nerven und zeit beim kleiderkauf und vor dem kleiderschrank. und nein, das macht nicht immer spaß.

  4. „Vor allem würde ich wahrscheinlich total spiralige, karierte, gestreifte Kleidung anziehen.“

    Das hört sich für mich nach dem clownesken Auftritt von Selbstdarstellern an, deren Interesse mehr darin liegt, die Autorität von Institutionen zu untergragen, statt diese auf eine sinnvolle Basis zu stellen – ich glaube kaum, dass es das ist, was die Bürger von „ihrem“ Parlament erwarten, selbst wenn es Reformbedarf gäbe.

  5. Wieviel schwerer haben es doch Frauen! Männer müssen sich einfach nur an eine Norm halten. Tragen Sie Schlips und Kragen, ist das Thema „angemessene Kleidung“ für sie abgeschlossen. Das ist einfach. Man braucht nicht viel Aufwand und Kreativität, um sich einfach an eine Norm zu halten.

    Frauen hingegen werden ständig an Hand dessen, was sie anhaben, bewertet. Trägt eine Frau an zwei Tagen dasselbe, dann heißt es, sie — nein ihr Ehemann — könne sich nichts besseres leisten. Frauen sind eben Statussymbol ihrer Männer. Und weil es so ist, beschäftigen sich Frauen intensiv mit ihrer Kleidung und der Kleidung ihrer Rivalinnen. Diesem Bedürfnis tragen Frauenzeitschriften dann Rechnung, indem sie überwiegend das Thema „Kleidung“ behandeln neben den anderen Themen „Diät“, „Essenmachen“ und „Männeranlachen“, die Frauen gestattet sind.

  6. @Andreas

    schon meine Mama hat immer gesagt: „Mit Essen, Kultur und Politik spielt man nicht“. Außerdem ist Politik und Autorität(sgehabe) Selbstdarstellung sowas von fremd – das versteht ja dann niemand. /ironieoff

  7. @Stephanie:

    Tja, was soll ich sagen – Deine Mama hatte nicht ganz Unrecht!

    Ausserdem habe ich ja nichts gegen Selbstdarstellung; Selbstdarstellung ist sehr, sehr wichtig. Ich habe nur etwas gegen den nichtssagend clownesken Charakter mancher Selbstdarstellung, vor allem, wenn sie dann auch noch besserwisserisch rüberkommt, a la „Ihr seid doch alle nur Spiesser.“ etc.

    Nach der glücklichen Vereinnahmung von ungefähren hunderten solcher „revolutionären“ Stilbrüche in den kapitalistischen Mainstream ( der ist einfach das bessere Konzept ) verstehe ich nicht, wie man sich mit etwas anderem als wirklicher Macht abspeisen lassen kann. Und dazu bedarf es nunmal der Arbeit in und an den Institutionen.

    Wenn die neue Kleidung für eine neue Idee steht – warum nicht! Sehe ich aber im Artikel von Antje Schrupp nicht am Horizont auftauchen :-)!

  8. Ob es gut ist, gegen die Überbewertung von Kleidung mit dramatisierender Kleidung zu kontern? Mir wären Menschen in Parlamenten jedenfalls lieber als Pinguine oder Papageien. Und abermals fällt mir in diesem Zusammenhang Sepp Daxenberger ein. Der musste sich ja auch schon vom Präsidenten des bayerischen Landtags sagen lassen, er käme immer daher wie geradewegs aus dem Stall (eigentlich nicht weiter verwunderlich für einen Bauern), worauf er erwiderte: »Mir san die Leut‘ lieber, die ausschauen, als kommen sie frisch aus dem Stall als frisch vom Versicherungsbetrug.«

  9. Liebe Frau Schrupp!

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Man gibt es vielleicht heutzutage nur nicht mehr so offen zu. Ich halte es gar für möglich, daß das Gericht herausfinden würde, daß je zwischen „Ruby“ und Berlusconi gar nichts, rein gar keine intime Beziehung bestanden hätte. Da kann ich verstehen, daß manche Leute Gesellschaften loben, in denen auch die Frauen in Uniformen herumlaufen wie die muslimischen. Da werden Frauen mehr Freiheiten zugestanden als die ständige Beobachtung ihrer Kleidung, ihres Körpergewichtes, ihrer Oberweite und ihrer Kochkünste.

  10. Vielleicht wäre es gar keine so schlechte Idee einen verbindlichen Dresscode für Frauen einzuführen, was Geschäftskleidung angeht. Meinetwegen der ja bereits weitgehend akzeptierte Hosenanzug.

    Dann stellt sich das „ist sie die Sekretärin oder die Geschäftspartnerin“-Problem auch seltener.

  11. »Mir san die Leut’ lieber, die ausschauen, als kommen sie frisch aus dem Stall als frisch vom Versicherungsbetrug.«

    Verdammt, ich muss rummäkeln – wie sieht man denn aus, wenn man frisch vom Versicherungsbetrug kommt? Und Leute, die frisch aus dem Stall kommen, haben ganz sicher nicht gerade einen solchen begangen?

    Man könnte auch sagen, Daxenberger bedient populistische Vorurteile, aber gut …

  12. .. mal abgesehen davon, dass die Vorstellung, es sei nicht weiter verwunderlich, dass ein Bauer in jeder Situation so aussieht, als käme er direkt aus dem Stall, durchaus verwunderlich ist *g* ….

  13. Liebe Frau Schrupp!

    In proletarischen Schichten, unter Putzfrauen, Köchinnen und Ladenkassiererinnen kann man sich dem gesellschaftlichen Druck noch entziehen. Ähnlich sieht die Sache unter Akademikerinnen wie Ihnen aus. Bei Chefsekretärinnen und Gattinnen hochgestellter Persönlichkeiten fordert der gesellschaftliche Codex aber gebieterisch seine Rechte. Da kommt dann die Kehrseite der angeblichen weiblichen Freiheit zum Vorschein. Diese Frauen stehen ständig unter gesellschaftlicher Beobachtung, und beschäftigen sich andauernd mit der Frage, was andere über sie denken mögen. Da es keinen Dress-code für sie gibt außer dem muslimischen, können sie sich nicht ins Private zurückziehen.

    Männer und muslimische Frauen haben ein Recht auf Anerkennung, wenn sie sich an formale Regeln halten. Und sie können sich der gesellschaftlichen Beobachtung entziehen, indem sie sich einfach an die formalen Regeln halten. Das ermöglicht Männern ihre Individualität. Männer müssen die Schuhe putzen, sich die Haare kämmen und schneiden, den Bart abrasieren und das Hemd in die Hose stecken. Das sind Pflichten des Mannes. Wer wie Sepp Daxenberg diese Regeln nicht beachtet, zeigt damit mangelndes Pflichtbewußtsein. Solchen Menschen traut man nicht Ernstfaftigkeit und Zuverlässigkeit zu. Mehr als die Beachtung der formalen Pflichten verlangt man vom Manne jedoch nicht. Und so können Männer unbeobachtet sinnlose aber befriedigende Dinge tun, Wissenschaftler werden, erfinden, angeln, mit der Modelleisebahn oder dem Computer spielen oder sonst etwas, während ihre Frauen ihre Tage mit dem Sammeln von Kochrezepten, mit Diäten und Gedanken an Kleidungssachen verbringen.

    So kommt es, daß ausgerechnet der Uniformzwang mit persönlicher Freiheit in Beziehung steht.

  14. Was ich hier so mag, ist Deine Fähigkeit, jede grauenvoll bescheuert schmerzhafte Begebenheit in irgendeiner Form optimistisch zu deuten, und zwar ohne, daß ich mir davon veralbert oder gehirnverkleistert vorkomme.
    Danke.

  15. Pingback: Tweets that mention Schlipsmänner. Ein Modeblogpost. « Aus Liebe zur Freiheit -- Topsy.com

  16. Trotz unserer Adelsprivilegien finden wir diese „Sollen doch die Männer ihre symbolischen Klassenkämpfe austragen, ist ja nicht mein Problem“-Einstellung ziemlich arrogant und unsolidarisch.
    Das Patriarchat kann man doch nicht nur für Frauen abschaffen und unter Männern lassen wie es ist…

  17. @Ekelbaron – Ja, richtig, wenn die Frauen für sich das Patriarchat abschaffen, dann kann es unter Männern auch nicht bleiben wie es ist. Dass sie sich diese Tatsache nicht klar machen, ist ja eine der Ursachen vieler gegenwärtiger symbolischer Kuddelmuddel. Dieses Beispiel ist hier auch so: Da wird quasi noch Patriarchat gespielt, obwohl es längst ausgehöhlt ist.
    Trotzdem sind diese „symbolischen Klassenkämpfe“ tatsächlich nicht mein Problem. Das heißt aber nicht, dass ich mit Männern nicht solidarisch wäre, die darunter leiden. SIíe sind gerne eingeladen, und ich freue mich über jeden, der beim „Postpatriarchat“ mitmacht. Allerdings ist die Voraussetzung dafür, dass Männer weibliche Autorität anerkennen, das heißt, dass sie sich vorstellen können, das Frauen Ideen haben, die quer zu ihrem bisherigen Denksystem liegen und sich auch nicht in dieses reinpressen lassen. Männer, die dazu nicht in der Lage sind (und das sind leider sehr, sehr viele), können auch die befreienden Aspekte einer „postpatriarchalen Kultur“ nicht erleben. Allerdings kann ich ihnen dabei leider nicht helfen – außer, sie immer wieder darauf aufmerksam machen, wo das Problem liegt.

  18. Wenn man nach Darwins zweiter, fast 100 #Jahre verschollenen Theorie der sexuellen Auswahl geht, sind diese Symbole der Männer Zeichen seiner Fittnes.
    Da die Frau die Kinder bekommt und nur wenige, muss sie sich sehr genau anschauen, mit wem sie ihre eigenen Gene zusammenbringen möchte und ob dieser auch eine guter Kandidat ist, länger für die Kinder zu sorgen, so lange sie noch klein sind.
    D.h einerseits muss der Mann posieren, um seine Fitness zu beweisen, will er sich interessant für eine interessante Frau machen.
    Andererseits putzen sich die Damen aber auch heraus, um den notwendigen Eindruck auf den Ausgewählten zu machen.
    Nun haben es bei diesem Spiel die Männer doch etwas leichter, können sie sich doch beliebig häufig replizieren, während das bei den Frauen deutlich begrenzter aussieht.
    Übrigens sehe ich in meiner Arbeitswelt, dass der so genannte Business Dress immer mehr casual wird. Bei uns werden nur noch Krawatten getragen, wenn ein Mitglied einer Firma kommt, wo das Statussymbol noch Usus ist.
    Denn was zwischen Mann und Frau unterschellig über Symbolik an Nachrichten ausgetauscht wird, gilt auch zwischen Business Partnern. Wer sich hier am fitesten präsentiert, ist auch ein guter Paarungspartner.
    Wenn wir bald weider weniger Hierarchien haben sollten, können wir auf das Business-Herausputzen vermehrt verzichten. Dafür mag es dann bunter werden. Auch schön.
    Viele Grüße, Martin

  19. Ist zwar hier im Thread nicht Thema, aber es interessiert mich trotzdem.

    @Antje, du sagst, dass Voraussetzung für Männer beim Postpatriarchat mitzumachen ist, „dass sie [Männer] sich vorstellen können, das Frauen Ideen haben, die quer zu ihrem bisherigen Denksystem liegen und sich auch nicht in dieses reinpressen lassen. Männer, die dazu nicht in der Lage sind (und das sind leider sehr, sehr viele), können auch die befreienden Aspekte einer „postpatriarchalen Kultur“ nicht erleben.“

    Das ist so eine Standardargument im Feminismus: Männer kommen nicht damit klar, dass Frauen auch Ideen haben und deswegen gibt’s Kuddelmuddel. Wo du das so prägnant formulierst, wirft das bei mir eine Frage auf: Was wären denn Beispiele für Ideen von Frauen, die „quer zum bisherigen Denksystem der Männer liegen und sich nicht in dieses reinpressen lassen“?

    „Der Feminismus“ behauptet ja immer gerne von sich, so viele tolle neue Ideen zu haben, aber was sind das denn für welche? Quote? Gähn. Ich bin zwar kein Feminismusexperte, habe nur 1-2 feministische Bücher gelesen und lese sporadisch in feministischen Blogs. Mehr Energie will ich da nicht investieren, weil es für mich spannendere Dinge im Leben gibt, als Feminismus und Postpatriarchat. Eines ist mir bis jetzt jedenfalls noch nie untergekommen: Eine feministische Idee, die quer zu meinem bisherigen Denksystem liegt.

  20. Äh, Johannes – dein Post belegt ja genau, was ich sage ;)) Ohne ein bisschen mehr Engagement wirst du es nicht verstehen können. Genau da kann ich dir eben nicht weiter helfen. Die Quote finde ich übrigens auch Gähn.

  21. Liebe Antje,

    leider hast Du ja meine letzten Postings gelöscht – deswegen frage ich gerne noch einmal nach:

    Kannst Du es Dir vorstellen, dass Männer gar nicht bei irgendjemandes Postpatriarchat mitmachen (wollen), sondern schlicht ihr eigenes Postpatriarchat entwerfen, etwa, indem sie sich die Frage beantworten, wie eine Gesellschaft aussehen müßte, in der es keine Frauen gäbe bzw. das, wofür Frauen in unserer Gesellschaft stehen?

    Ich fände das wichtig – ein Beispiel:

    Die Möglichkeit von familienfreundlichen Arbeitsplätzen wird immer im Zusammenhang mit Müttern gefordert, nie im Zusammenhang mit Vätern.

    Andererseits kann man sich als Mann auch folgendes vorstellen: Muss ich keine Frau mehr finanzieren, habe ich das Problem, Kinder selber versorgen zu müssen, aber auch deutlich mehr Finanzen zur Verfügung – dadurch ergeben sich ganz neue Optionen, zum Beispiel der Gedanke an familienfreundliche Arbeitsplätze glatt auch für Väter, einfach, weil sie Väter sind. An Teilzeit für Männer ( kein Bedarf mehr, massig Geld ranzuschaffen ). Usw. usf. …

    Oder bist Du tatsächlich der Meinung, Postpatriarchat wäre nur durch weibliche Autorität möglich?

  22. Wenn ich lese…
    „dankenswerter Weise darauf hin, dass es einen Skandal auslöste, als die SPD-Abgeordnete Lenelotte von Bothmer 1970 zum ersten Mal in einem Hosenanzug den Bundestag betrat“
    denke ich immer „Herrje. Was soll das?“
    Wir haben doch jetzt 2010. Mann kann ja mal die Historie bemühen. Aber doch nicht in jedem Artikel zu jedem Thema immer wieder die Ganze Litanei wiederholen.

    Und zu Andreas‘ Frage würde mich die Antwort auch interessieren.

    Vor allem nach dem Frau Merkel-Frau Schwesig-Frau Von der Leyen Debakel.
    Bis dahin versuche ich mal einen ordentlichen Krawattenknoten hinzubekommen….

  23. Gut – also Deiner Meinung nach ist eine Welt, in der es nur männliche Autorität gibt immer noch männlich, auch wenn die autonom ist und auf Frauen bzw. Unterdrückung derselben gar nicht zurückgreift ( es also eigentlich männlich und weiblich gar nicht gibt ).

    Das impliziert aber doch, liebe Antje, dass das, was Du beklagst, nämlich die Anerkennung weiblicher Autorität, Männern per se gar nicht möglich ist, weil ihnen weibliche Ideen nicht zugänglich sind ( weibliche Ideen liegen nicht nur quer zu dem, was Männer gerade denken, sondern zu dem, was Männer überhaupt denken können) – es sei denn, Männer stellen weibliche Autorität gar nicht erst in Frage, sondern nehmen sie als gegeben hin; und zwar nicht nur als gegeben im Sinne des erkennbaren Verdienstes einzelner Frauen, sondern als eine Eigenschaft, die Frauen als Teil eines – weiblichen – Kollektivs haben.

    Richtig? Oder totaler Blödsinn?

  24. Der Dresscode im BT eine Lächerlichkeit. Würde des Reichstags ? Dort waren schon andere, welche braunhemdig mehr als nur die Demokratie mit Unwürde traten, als ein paar schlipslose Herren.

    Ich frage mich, ob ein Mann schottischer Abstammung im Kilt auftreten dürfte, das Ding hat auch keinen Schlips und ist schon gar kein Anzug mit Hose und Sakko.
    Für mich heißen männliche Politiker oft nur noch Anzugisten, weil sie immer in ihrem Männlichkeits-Drag herumlaufen.
    Ist es der Würde des Hauses angemessen, wenn Frauen ohne Handtasche auftreten? Welche Schuhabsätze sind noch würdig? Welche Frisur ist des Hauses würdig? Wie züchtig muss ein Rock sein?

    Grauenhaft, wenn solche Äußerlichkeiten auch noch für hyperchristliche Männer, die nur noch ein fossiler Fußabdruck Adenauers sind, durchgesetzt werden sollen.
    Immer diese zwanghaften Cisvestiten! 😉

    Ein guter Anzug und ein Schlips vermag zwar das Plagiat eines Mannes ausmachen, aber noch keinen seriösen Mann erzeugen. Der Anzug ist zu oft der schöne Schein für den unseriösen Inhalt.

  25. @Martin:
    > können wir auf das Business-Herausputzen vermehrt verzichten. Dafür mag es dann bunter werden. Auch schön.

    In kreativen Unternehmen mit flachen Hierarchien ist das ja auch heute schon so. Witzigerweise stellt sich dann aber auch eine gewisse Uniformität ein.

  26. Ich hab den Thread wegen Dirndlgate nochmal rausgekramt. Lafontaines Linke (wird momentan gewartet) ist meines Wissens kein Blog der Linkspartei, sondern das Blog eines Autors, der über die Linke schreibt.

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