Jetzt im handlichen Quadrat: Das ABC des guten Lebens

BildManchmal habe ich Probleme mit Wörtern beziehungsweise damit, wie sie üblicherweise gebraucht werden, und manchmal haben andere Leute Probleme damit, wie ich Wörter gebrauche. Sprache ist ja so eine fließende Angelegenheit, und die Bedeutung von Begriffen steht nicht zementiert fest, sondern ist selbst schon eine Frage von Aushandlungsprozessen.

Wenn ich zum Beispiel „Freiheit“ sage oder „Autorität“ oder „Liebe“ – dann knüpfe ich damit an eine kulturelle Bedeutungswolke an, die nie so ganz übereinstimmt mit dem, was ich in diesem Moment sagen will. Und indem ich die Wörter in anderen Kontexten verwende und ihnen andere Bedeutungen gebe, nehme ich wiederum Einfluss auf diese Bedeutungswolke.

Ich bin also keine Freundin von Definitionen, denn ich meine, dass Sprache genau davon lebt, dass sie uneindeutig ist, das unterscheidet sie von Nullen und Einsen. Trotzdem habe ich jetzt zusammen mit acht Denkfreundinnen ein „ABC des guten Lebens“ geschrieben. 

Wir sind schon seit vielen Jahren gemeinsam in der Diskussion über feministische Themen, über Ethik und Ökonomie vor allem. Zum Beispiel haben wir – in etwas anderer Zusammensetzung – 2004 einen Text zum Grundeinkommen geschrieben, der auch schon mit „Gutem Leben“ übertitelt war.

In der Zeit unseres gemeinsamen Denkens hat sich herausgestellt, dass wir inzwischen viele Wörter nicht mehr so gebrauchen, wie es landläufig üblich ist, sondern dass sich durch unsere Diskussionen ein neuer Bedeutungshorizont eröffnet hat, der nicht nur die einzelnen Worte betrifft, sondern unseren Blick auf die Welt prägt. Deshalb gibt es in dem ABC auch viele Querverweise der Wörter untereinander. Manche Wörter haben wir auch neu erfunden, weil die bisherige Sprache dafür keine hatte, wir sie aber brauchen, zum Beispiel „Wirtinnenschaft“ oder „Intervitalität“.

Die einzelnen Artikel wurden in ihrer ersten Fassung von jeweils einer von uns verfasst, aber dann haben wir bei mehreren Wochenendtreffen die einzelnen Texte weiter diskutiert und in ihre jetzige Form gebracht.

Was wir da in Form dieses ABC festgehalten haben ist also gewissermaßen eine Art Zwischenstand „unseres Denkens“, und den möchten wir jetzt zur Diskussion stellen. Das ABC gibt es als kleines praktisches gedrucktes Quadrat für 7,50 Euro im Buchhandel oder (falls Ihr es rezensieren wollt) beim Christel Göttert Verlag. Das eignet sich auch wunderbar zum Verschenken!

Das ABC steht aber auch komplett im Internet (in einer minimal anderen Version allerdings, da wir den letzten Lektoratsdurchgang im Internet nicht mehr eingepflegt haben). Für alle, die nur mal einen Begriff nachschlagen wollen, oder zum drauf Verlinken und natürlich zum kommentieren und weiter Diskutieren. Das Internet bietet dabei natürlich auch die großartige Möglichkeit, dass im Lauf der Zeit weitere Begriffe hinzu kommen können.

Viel Spaß damit also!

www.abcdesgutenlebens.de

2 Antworten

  1. […] Antje Schrupp stellte auf ihrem Blog ”Das ABC des glücklichen Lebens” vor, dass sie “gemeinsam mit acht Denkfreundinnen” geschrieben hat.  […]

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  2. […] benutzen möchte. Ich bin nämlich zusammen mit meinen Denkfreundinnen beim Schreiben des “ABC des guten Lebens” zu der Einsicht gekommen, dass man viel öfter über Scheiße im realen Sinn sprechen müsste, und […]

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Foto: Heike Rost

Antje Schrupp

Ich bin Journalistin und Politikwissenschaftlerin und lebe in Frankfurt am Main. Mein Thema ist besonders weibliche politische Ideengeschichte. Aktuelles Buch: „Unter allen Umständen frei“ über revolutionären Feminismus am Ende des 19. Jahrhunderts – Victoria Woodhull, Lucy Parsons und Emma Goldman. Am 10. Februar 2025 erscheint „Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern“ (Aufbau Verlag)

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