Wenn ich ein Buch empfehle, das weitgehend im generischen Maskulinum geschrieben ist, das gleich am Anfang behauptet, Feminismus bedeute, dass Frauen die gleichen Rechte haben wollen wie Männer, das mit der Aufforderung „Geh wählen!“ endet und „Das Spiel von Eis und Feuer“ als Roman für das feministische Herz anpreist – dann wundert Ihr euch wahrscheinlich.
Trotzdem finde ich das Feminismusbuch von Julia Korbik „Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ nicht schlecht. Mir wurden zwar beim Lesen meine nun fast fünfzig Jahre ziemlich bewusst, und das eben nicht nur weil die blassgraue Schrift für meine inzwischen gleitsichtbebrillten Augen etwas mühsam war, sondern auch weil die alte Besserwisserin in mir immer mal wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlug.
Aber vor allem für zwei Zielgruppen ist das Buch wirklich ein Tipp.
Erstens mal für jüngere Frauen und Männer, die eine handliche Einführung haben wollen, sowohl in die Geschichte der Frauenbewegung, über die verschiedenen Ideen und Ansätze der einschlägigen „Grande Dames“ und über alles, was derzeit dazu so diskutiert wird.
Das Buch ist aber auch noch für eine zweite Zielgruppe sehr interessant, und zwar für die älteren Feministinnen, die sich immer fragen, wo denn „die jungen Frauen“ feministisch so stehen und was sie umtreibt.
Julia Korbik bildet nämlich sehr ausführlich die feministischen Netzdebatten der vergangenen zwei, drei, vier Jahre ab, inklusive Vorstellung einiger Akteurinnen, ihrer Blogs. Alle, die sich darüber mal schnell schlau machen wollen, ohne tagelang das Internet zu durchforsten, sind mit dem Buch ebenfalls bestens bedient.
Insofern ist es auch ein gutes Geschenk: Für eure Töchter, Enkelinnen, Nichten oder auch für eure örtliche Frauenbeauftragte.
Julia Korbik: Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene, Rogner und Bernhard, 415 Seiten, 22,95 Euro.

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