Die Wellen der Mutterschaftsdiskurse

Gestern Abend ist im 10 nach 8-Blog auf Zeit-Online ein Text von mir erschienen, der ursprünglich den Titel hatte „Warum ich keine Kinder habe“. Seither habe ich auf den unterschiedlichsten Kanälen, im Internet, via Mails, Face to Face, weiter über das Thema diskutiert und entwickle gerade eine Wellentheorie in Bezug auf Mutterschaftsdiskurse. Denn je nach Alter der Frauen, die auf meinen Text reagiert haben, glaube ich eine unterschiedliche symbolische Einbettung der Frage „Will ich Kinder haben?“ in ein gesellschaftliches Narrativ zu erkennen.

Meine eigene Generation (Mitte der 1960er geboren, also vor allem zwischen 1990 und 2000 mit der Frage des Kinderhabens konfrontiert) war dabei von den Narrativen geprägt, die ich in dem Artikel schildere: Muttersein und ambitioniertes (Berufs-)leben schließen sich gegenseitig aus, dafür gibt es keine ausreichende Infrastruktur. Väter fühlen sich nicht zuständig. Familien sind nur im klassisch heteronormativen Sinne denkbar, alle Frauen, die das nicht wollen, müssen bitte kinderlos bleiben. Gleiches predigte auch der damalige Feminismus, jedenfalls der bekanntere à la Emma und Simone de Beauvoir. Viele dieser Frauen haben, so wie ich, keine Kinder bekommen.

Die nächste „Welle“ der Mitte der 1970er Geborenen, die zwischen 2000 und 2010 entscheiden mussten, ob sie Kinder haben wollen, hatten schon ein neues Narrativ zur Verfügung, nämlich das der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Sie hatten teilweise schon selbst feministische Mütter, die aus der klassischen Ehefrauen-Rolle ausgebrochen waren, oder sie hatten in Medien und im realen Leben schon eine ganze Reihe von Vorbildern für neue Formen der Mutterschaft. Die Gleichstellungspolitik hatte bereits Erfolge verzeichnet, es gab mehr Infrastruktur für Kinderbetreuung und eine hoffnungsvolle Grundstimmung, dass beides möglich ist. Väter würden sich zur Hälfte an der anfallenden Arbeit beteiligen, das geht schon. Viele dieser Frauen waren dann überrascht, dass sie es mit Kindern doch schwerer hatten als gedacht.

Die dann folgende Welle, die heute noch anhält, betrifft die Mitte der 1980er Geborenen, die also erst seit etwa 2010 über die Frage des Kinderhabens nachdenken. Sie sind heute mit einem Narrativ konfrontiert, das die Sache mit der „Vereinbarkeit“ deutlich verhaltener sieht. Es wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Bücher darüber geschrieben, dass das alles doch nicht so easy-peasy geht, statt der Hoffnungen auf „Vereinbarkeit“ sind die Probleme und uneingelösten Versprechungen Thema. Ihre Mütter sind oft selbst zwischen Berufsarbeit und Familienarbeit zerrissen, hatten wenig Zeit. Vielleicht kein Wunder, dass manche dieser Frauen wieder von alten Hausfrauenzeiten träumen, in der sich Mütter ganz ganz auf das Basteln von Schultüten konzentrieren konnten statt ins Büro hetzen zu müssen. Manchmal scheint es deshalb so, als wäre seit 1990 gar nichts vorangegangen und als würden Frauen heute wieder vor denselben Hürden stehen, wie wir damals in den 1980ern.

Aber keine Sorge, es ist vorangegangen. Dass es eine gute öffentliche Infrastruktur für Kindererziehung braucht, wird nicht mehr in Frage gestellt (das war in den 1980ern in Westdeutschland noch ganz anders), andere Familienformen als die Vater-Mutter-Kind-Familie sind öffentlich sichtbar, und dass Frauen berufstätig sein sollen, wird nicht mehr ernsthaft bezweifelt. Und auch mehr Väter als früher fühlen sich für die Kinderversorgung und die „Vereinbarkeit“ zuständig. Das alles wird auch nicht mehr zurückgedreht.

Es stellt sich halt nur heraus, dass das nicht so einfach zu realisieren ist und wir wahrscheinlich doch eher eine Care Revolution brauchen als hier und da ein paar kleine Reförmchen. Aber auch das realistischere Erkennen einer Situation ist ein Fortschritt. Und dieser Realismus bedeutet ja nicht, die besser gewordenen Gelegenheiten zu ergreifen, wo immer sie sich bieten.

 

15 Gedanken zu „Die Wellen der Mutterschaftsdiskurse

  1. Mir fehlt in diesen Überlegungen immer die Frage nach den Männern. Ich (geb 1975) zB habe keine Kinder, weil es in meinem Leben noch nie einen Mann gab, der bereit gewesen wäre, Verantwortung für ein Kind mit mir zusammen zu übernehmen. Ich dachte lange, das liege irgendwie an mir u der Art, wie ich Männer auswähle oder von ihnen ausgewählt werde oder was auch immer.
    Aber ich bin mir da nicht mehr so sicher. Ich vermute etwas mehr als rein Individuelles dahinter.
    Nun ist mein Kinderwunsch auch nicht so groß wie der anderer, sonst hätte ich vermutlich eins bekommen, um es dann ohne fVater groß zu ziehen.
    Aber die Frage bleibt bei mir: was ist mit den Männern?

  2. @Frau Auge – Die hab ich ja bei den Wellen jeweils erwähnt: Welle 1 – Väter sind nicht zuständig, Welle 2 – Väter machen die Hälfte, versprochen, Welle 3 – Väter sehen das Problem (so in der Art). Aber was du ansprichst ist ja der nicht unbedingt vorhandene Kinderwunsch bei Männern bei gleichzeitigem Wunsch der Frauen, nur in einer stabilen Beziehung Kinder zu haben. Ja, das wäre auch mal ein interessantes Thema. Ich denke auch, dass das eine Rolle spielt, wobei die Befunde darüber auseinander gehen.

    Andererseits liegt die Entscheidung, ob sie schwanger wird, natürlich so oder so bei der Frau selber, und die Haltung, die Männer dazu einnehmen, ist eigentlich nur ein Faktor, der bei ihren Überlegungen eine Rolle spielt. (Cis)-Männer allein können hingegen keine Kinder bekommen, das ist halt so.

  3. Ich bin Jahrgang ’87 und habe mich in so gut wie jedem Punkt, dem Sie in Ihrem Zeit-Text angesprochen haben, wiedergefunden. Ich habe nie einen irgendwie biologischen Trieb, mich fortzupflanzen, gespürt. Die Mutterschaft hat sich mir anhand meiner eigenen Mutter und meinem Umfeld zwar nie als unerfreulich, aber auch in keinster Weise als für mich persönlich reizvoll präsentiert. Die Gründe, die ich pro Kinderentscheidung zu hören bekommen habe/bekomme, ergeben für mich keinen Sinn. Und nicht zuletzt fand und finde ich den Gedanken, mich durch Kinder (noch stärker) „ins System“ zu binden, gruselig.

    Bei meinen Geschwistern sieht das hingegen interessanterweise ganz anders aus. Ich habe die Entscheidung für/gegen Kinder daher eigentlich immer als individuell und im vorhandenden resp. nicht vorhandenen biologischen Kinderwunsch begründet gesehen – entweder man hat ihn, dann (er)findet man Gründe, Kinder zu bekommen, weil der Wunsch allein als Grund irgendwie ungehörig ist, oder man hat ihn nicht, dann entsprechend das Gegenteil. Denn am Ende ist, wie so oft, ja doch beides verkehrt. 🙂

  4. …die meisten Artikel lese ich aufmerksam und etlichen Aussagen stimme ich zu. Konnte ich diesmal am Anfang „nicken“ -runzelte ich die Stirn : warum reduzieren Sie – Mutter/Hausfrauentätigkeit- auf da genüssliche Basteln von Schultüten? Vermutlich werden Sie entgegnen dass Sie das ja nicht beabsichtigen- aber es ist eine von Ihnen gewählte Formulierung. Und die kommt herablassend rüber! Väter, die mit den Kindern hauptberuflich (Hausmann) „basteln “ sind die nun besonders kreativ und fortschrittlich?
    Viele Ihrer Artikel-auch anderer Blog-Schreiberinnen“ sind für zahlreiche Frauen elitär.Ich hatte beruflich mit sehr vielen Frauen Berührung die eben nicht aus akademischen Berufen, ja noch nicht einmal mit gehobener Fachschulbildung in ihr Hausfrauen-und Mutterdasein gingen. manche freiwillig und gern,andere weil sie auf Grund einfacher beruflicher Tätigkeit wesentlicher weniger verdienten als die Partner. Und etliche auch, weil eben keine Großeltern zur Verfügung standen .Auch diese Frauen zeigen Interesse an Aussagen , Kommentaren und Artikeln, die sich mit Frauenthemen beschäftigen. Leider fühlen sich da viele nicht angesprochen „das hat mit unserem Leben hier im Ort aber gar nichts zu tun..“, „die sprechen aber nicht für uns“…“was wissen die schon von unserm Leben..“.Diese Frauen sind sicher nicht im klassischen Sinn gebildet, aber oft von großer Alltags-und Lebensklugheit.Schade ,dass in so vielen Artikeln und Blogeinträgen die anfangs erwähnte Herablassung für diesen (und nicht zu kleinen) Kreis zu lesen ist.
    Grüße aus dem Rheinland,nenny

  5. Kann man die Wellen als allgemeingültig ansehen?

    Ich gucke hier auf meine eigenen Eltern (Geburtsjahre so um 1950) und deren Generation zurück (Westdeutschland, NRW). Die ziemliche Mehrheit davon ist/war relativ gleichberechtigt im Beruf unterwegs und auch im Haushalt habe ich das so durch Beobachtung erfahren. Insofern wäre das auch mein gedankliches Vorbild für eine eigene Familie gewesen, hätte es denn in der Liebe geklappt. Ich habe das quasi als Normalität für die Elterngeneration empfunden und sah den Bruch eher zu Großelterngeneration bzw. der Dazwischen-Generation.

    Mich interessiert hier die Diskrepanz zwischen dem Leben meiner Eltergeneration und dem Erleben von Antje. Denn eigentlich sind es halbwegs vergleichbare Voraussetzungen, Akademiker und dennoch ein eher unterschiedliches Erleben der Möglichkeiten bzw. den Ausbruch aus den Narrativen.

    These: Könnte sich da u.a. vielleicht ein Stadt-Land-Aspekt verbergen? Das Leben der erwähnten Vorbildgeneration fand im und rund um den Außengürtel des Ruhrgebietes statt. Eine Quasi-Metropole bietet vielleicht andere Narrative als Antjes Herkunftsort. (Liege ich richtig, wenn ich den aus der Vita gefischten Ort als hessische Provinz bezeichne?)

    Und was ich mich frage: Die Narrative ändern sich auch im eigenen Leben. Narrative und infrastrukturelle Möglichkeit waren bestimmt anders in der Zeit als meine Eltern mich planten (Ende der 70er) als in ihrer Kindheit und Jugend. Hat das im Wellenmodell keine Auswirkung? Antje schrieb von Auseinandersetzenmüssen des Kinderwunsches in den 80ern und 90ern. Galt da immer noch gedanklich das zölibatäre Modell de Beauvoirs? Oder ist das Jetzt-Narrativ weniger wirksam als das Geburtsjahrnarrativ?

  6. @Timon – Deine Eltern sind dann aber 10 Jahre jünger als meine. Von daher würde dein Erleben eher in die „zweite Welle“ (nach meiner Kategorisierung) passen, also die mit dem Versprechen „geht alles schon“. Und: Meine Eltern sind nicht Akademiker (die hessische Provinz hingegen stimmt). Aber sicher gibt es andere Narrative je nach Szene und nach vielen anderen Faktoren. Es gab in meinem Alter auch welche, die klare „68er“-Eltern hatten, da war es natürlich vermutlich anders. Aber mit den Wellen wollte ich eher so den jeweils vorherrschenden „Mainstream“ beschreiben.

  7. @Timon – bei dem Blick auf die eigenen Eltern muss man allerdings auch aufpassen, die eigenen Empfindungen und objektivierbare Tatsachen zu trennen. Ich habe bei meinen eigenen Eltern (ebenfalls geboren Anfang der 50er, Kinder Anfang der 80er) meine Mutter ebenfalls als starke, emanzipierte Frau erlebt.
    Aber sie hat auch ihre eigene berufliche Karriere zugunsten ihrer Kinder zurückgestellt, und war von meinem ersten bis neunten Lebensjahr Vollzeithausfrau und -mutter. (anschließend lange Jahre Teilzeit, erst als ich 16 Jahre war wieder voll zurück im Beruf, auf einer niedrigeren Karrierestufe als vor meiner Geburt).

    Ich glaube, dass die Eltern in dieser Generation (geboren Anfang der 50er, Kinder Anfang der 80er), wenn überhaupt dann nur in sehr eng umgrenzten Milieus wirklich gleichberechtigt im Beruf unterwegs waren.

  8. ..gehört jetzt nicht zum Thema: liebe Antje Schrupp,ich glaube wir haben dieselbe Freundin (Marion) das konnte ich eben einer Rundmail entnehmen. Grüße aus dem Rheinland,nenny

  9. Ich sehe das ähnlich wie Nenny. Die klassische Alleinversorgerehe ist nach wie vor ein auf breiter Ebene existentes Familienmodell – mglw. heute in den Schichten anders verteilt als früher – und muss auch von denen akzeptiert werden, die sie nachvollziehbarerweise nicht leben wollen. Genauso steht es um die lebenslängliche „selbstverschuldete“ Kinderlosigkeit, egal ob allein oder als Paar.

    Das beeinflusst aber auf banalste Weise die Chancengleichheit im Beruf: Wer keine Kinder hat, kann mehr Zeit und Energie für die Karriere aufwenden als jemand mit Familie, insbesondere wenn alle Elternteile in Vollzeit arbeiten. Dadurch übertrumpfen emsige mittelmäßig Qualifizierte irgendwann jede noch so fähige Konkurrenz mit Familie, was durch eine private oder öffentliche Infrastruktur zur Kinderbetreuung und -erziehung (sprich zuhausebleibender Partner oder tolle, kostenneutrale Kitas und Schulen) allenfalls gemildert werden kann, wenn noch was von der Eltern-Kind-Beziehung übrig bleiben soll.

    Deswegen ist es bspw. gerecht, Angestellten mit Familie mehr Urlaub zu gewähren oder besser zu bezahlen. Das heißt, es ist legitim, einen alleinverdienenden Familienvater mehr verdienen zu lassen als eine identisch qualifizierte kinderlose Frau in gleicher Position. Wenn das der Grund für den „pay gap“ wäre, hätte ich überhaupt kein Problem damit.

  10. @C. Päper – so war es ja früher, im 19. Jahrhundert, da waren die Männerlöhne ja genau deshalb höher als die Frauenlöhne, weil man davon ausging, dass Männer eine Familie mitfinanzieren müssen, aber Frauen nicht. Allerdings funktionierte das damals auf der Basis weitgehende getrennter Frauen- und Männerberufe (und es ist der Grund, warum bis heute „Frauenarbeit“ schlechter bezahlt wird als „Männerarbeit“). Allerdings haben sich die Berufe viel mehr vermischt, Frauen können im Prinzip alles machen. Dein Modell würde deshalb dazu führen, dass „alleinverdienende Familienväter“ es schwer hätten, einen Job zu finden, denn warum sollte ein Unternehmer jemanden einstellen, der mehr Geld und mehr Urlaub bekommt, wenn er auch eine andere mit derselben Qualifikation haben kann?

    So oder so, den Ausgleich über Lohn und Urlaub zu machen funktioniert unter neoliberal-kapitalistischen Bedingungen nicht. (Ich würde ja sagen: zum Glück). Im Übrigen ist die „Alleinversorgerehe“ gar nicht mehr so verbreitet, ich glaube, nur noch 25 Prozent, hab ich irgendwo gelesen. Das heute übliche Modell ist der Mann als „Hauptverdiener“ und die Frau als Teilzeit.

  11. Pingback: Von Quoten, Kindern und Hartz IV | Zeigen Sie mal!

  12. Auch wenn wir persönlich das Thema eher „modern“ angehen (beide Vollzeit) und uns den Familienkram so gut wie möglich teilen, gibt es doch zwei in meinen Augen sehr ärgerliche Nebenwirkungen in der aktuellen Entwicklung: Zum einen sorgt die Mobilisierung der Frauen für den konventionellen Arbeitsmarkt für reichlich Nachschub an billigen Arbeitskräften, was u.a. anderem dazu beigetragen hat, dass die Löhne relativ gesunken sind und sich damit ALLE Lohnabhängigen schlechter stehen. Und da gibt es inzwischen viele, die zwar auch in der schönen neuen Welt gelandet sind, aber auch mit zwei Gehältern kaum über die Runden kommen.

    Zum Anderen wird bei denen, die sich besser stehen, oft etwas sehr Wertvolles (nämlich Zeit) gegen Geld getauscht, dass dann für irgendwelchen blödsinnigen Konsum zum Fenster rausgeblasen wird. Mit allen bekannten negativen Folgen z.B. für die Umwelt.

  13. Meine Kinder wurden 1968 und 1970 geboren. Da meine Kinder in Frankreich geboren wurden und es Kindergärten ab der vierten Woche gab – dazu alles kostenlos, dazu einen Ehemann, der eine bessere Mutter war als ich und Freundinnen, die sich darum rissen, sich um die Gören zu kümmern, hatte ich keine Probleme, meinem Beruf nachzugehen.
    Man hatte eine große Familie, ohne eine Familie zu haben.
    Drei Tage vor meiner 1. Schwangerschaft stand ich noch auf der Bühne.
    Als ich dann 1985 nach Deutschland kam und diese unmöglichen Zustände mitbekam, in denen sich Frauen mit Kindern befanden, war ich froh, hier keine Kinder bekommen zu haben.
    Kindergärten waren und sind bis jetzt Luxus und kosten eine Menge Geld. Freundinnen stehen selbst im Stress und die wenigsten haben eine Mutter oder Schwiegermutter, die sich um die Kinder kümmern kann.
    Und dann die miserable Bezahlung!
    Manche Mütter haben 2 Jobs, um über die Runden zu kommen und bekommen als Ausgleich noch einen öffentlichen Zuschuss.
    Wieso bringen Frauen unter solchen Zuständen überhaupt noch Kinder zur Welt?
    Die Rente wird auch nicht reichen und die Gefahr besteht, dass die Kinder in die Fussstapfen ihrer Eltern treten.
    Nein Danke, diese Gesellschaft, die Jahr zu Jahr menschenfeindlicher wird und die Bezahlung immer schlechter, sollte man keine Kinder mehr setzten.
    Und das Interessanteste ist ja : dass viele Frauen, die abgesichert sind, keine Kinder mehr bekommen.
    Die haben nämlich keine Lust, einen hohen Prozentsatz ihres Gehaltes dem Kindergarten zu überlassen.

  14. Ein paar Punkte:
    MÄNNER – Männer haben eine Schlüsselrolle (u.a., weil die meisten Frauen eher auf Kinder verzichten, als sie bewußt alleine zu beokmmen. D.h. Frauen bekommen i.d.Regel dann Kinder, wenn sie einen Partner haben, der dabei mitmacht – wenn der nicht mitmacht, bekommen sie eher keine Kinder).
    VEREINBARKEIT – Ich umgebe mich gerade viel mit Müttern – da scheint so eine Mischung aus freiwlligem Verzicht/Wertschätzung von Familienarbeit und Resignation zu herrschen – wer Kinder möchte, ist sich klar darüber, dass sie sich entweder mit Vollzeitarbeit + Kind kaputtrackern kann, ständig mit dem Mann irgendwelche Vereinbarkeitsthemen beharken kann oder eben die beliebte Variante Teilzeitarbeit (ein bisschen finanzielle Eigenständigkeit bewahre)/gleichzeitig doch ein bisschen Zeit für Haushalt und Kind ohne die ständigen Querelen mit dem Mann wählen kann. Das Mann als Haupternährer-Modell hinterfragt kaum eine bzw. sieht das in ihrer Familie nicht funktionieren – die Männer haben oft mittlere Managementposten, in denen sie nicht gut Stunden reduzieren können (oder es vielleicht nicht stark genug wollen). Bei den sehr junge Müttern Anfang/Mitte 20 sieht es vielleicht wieder anders aus, aber bei der Gruppe zwischen 35 und 40 erlebe ich es so. Die müssen sich beruflich großteil nichts beweisen, haben keinen gesteigerten Bock auf ständige Wer-trägt-den-Müll-raus-wer-hält-das-Baby-Diskussionen, mit 1x Männergehalt und 1x Teilzeitgehalt Frau kommen sie ganz gut über die Runden. Dass bei dem Teilzeitplan ihre finanzielle Zukunft mau aussieht, wenn der Mann aus irgendeinem Grund abspringt, blenden alle aus und hoffen auf das Beste. Ich auch.
    Also, wenn in Deiner Generation bei ungünstiger Gesamtsituation eher auf’s Kind verzichtet wurde, wird in meiner Bubble bei ungünstiger Gesamtsituation eher auf mehr weibliche Vollzeitarbeit inkl. Rentenansprüche u. Eigenständigkeit verzichtet; die Kinderzahl bleibt aber auch klein – wobei das nicht so schlecht verdienende Mittelstandfamilien sind, also durchaus privilegiert im gesamtgesellschaftlichen Vergleich.

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