Reden, bloß wie und mit wem.

Die Frage, mit wem man wann und wo redet und mit wem wann und wo nicht, ist nicht für alle „Rechten“ gleich zu beantworten. Wir müssen verschiedene Arten von „Rechten“ unterscheiden lernen. Und wir müssen Situationen unterscheiden lernen, in denen Reden sich lohnt und in denen es nicht möglich oder sinnvoll ist.

Dabei immer mitzudenken ist außerdem die Frage, was man denn dann tut, wenn man nicht redet. Jedenfalls ist das Ganze viel zu wichtig, als es auf die Alternative „Man muss mit ihnen reden“ versus „Man darf mit ihnen nicht reden“ zu reduzieren.

Wenn man Positionen und Personen aus dem Diskurs ausschließen will (was ich richtig und wichtig finde), muss man sich mehr Mühe geben, als „Rechte“ zu rufen. Dieses Wort ist viel zu schwammig, und es noch tausendmal zu sagen hilft auch nicht weiter.

Mir ist beim Spazierengehen eben noch was eingefallen, wo der Fehler liegt:

Dass viele meinen, beim „mit jemandem Reden“ gehe es vor allem um die „Kraft des Arguments“. Das ist ein liberal-rationalistischer Irrtum. Reden ist eine Beziehungspraxis. Es geht dabei um die Vermittlung von Ideen, Meinungen, Ängsten, Befindlichkeiten und so weiter.

Ginge es bloß um die „Kraft des Arguments“ könnte man auch einen Text schreiben.

15 Gedanken zu „Reden, bloß wie und mit wem.

  1. Vielleicht ließe sich noch differenzieren: Mit jemandem ‚reden‘ im Sinne einer Beziehungspraxis lässt sich ja auch per Text: Dann können dort eben einfach auch Ideen, Meinungen, Ängste + Befindlichkeiten untergebracht werden.
    Und umgekehrt ist verbal ja auch keine Garantie dafür, dass jemand nicht „nur“ Argumente und Überzeugungen bringt sondern auch einen Bezug zum Gegenüber herstellt. Reden ja durchaus viele Leute. Aber eher so aufeinander ein statt miteinander.

    Die ‚Kraft des Argumentes‘ möchte ich jedenfalls dennoch nicht missen. Je weniger die Überzeugungskraft in der Idee selbst liegt , also je abhängiger sie von der vermittelnden Person, ihrer Umgangsart und ihrem Beziehungsgeflecht wird, umso weniger nachhaltig wird ihr Durchsetzungsvermögen sein.
    Ich weiß zwar, dass in der Hinsicht nie irgendwas ‚für immer‘ ist, aber wenn es gelingt, das Argument eigenständig ‚einleuchten‘ zu lassen, mit Hilfe der vermittelnden Person statt im großen Maße auf die Person selbst aufbauend, dann stelle ich mir das erfolgreicher vor.

    Dem ersten Absatz aber stimme ich immer zu. Bei jeder Gelegenheit ist zu prüfen, ob sich das Gespräch (bei Neuauflagen: immer noch? / jetzt wieder?) lohnt oder eben nicht (Und lohnen im Sinne von: irgendeine Erkenntnis bringen, die im günstigen Verhältnis zu den aufgewendeten Nerven / Zeit / Kaffee steht…)

  2. Im Übrigen muss man aufpassen, dass man im Umgang mit „Rechten“ nicht genau auf Verhaltensweisen verfällt, für die man diese Rechten ablehnt.

    – Gewalt anwenden
    – als Unmensch betrachten
    – grundsätzlich aus der Gemeinschaft ausschließen
    – Vorurteile pflegen und drauf beharren

    Was ich jetzt grundsätzlich meine, und nicht ausdrücken möchte, dass Du solche Verhaltensweisen pflegst.

  3. Antje, dein Artikel hier http://www.bzw-weiterdenken.de/2006/12/fur-eine-politik-der-beziehungen/ gibt doch ‚eine‘ Antwort auf das von dir
    hier angesprochene Thema:
    „In Beziehungen muss jede in erster Person anwesend sein. Beziehungen erfordern Urteile, den Wunsch, etwas zu sagen, und das persönliche Einstehen für das Gesagte. Beziehungen gibt es nicht auf abstrakter Ebene, sondern nur konkret, zwischen zwei Menschen aus Fleisch und Blut. “

    Ist ja eine alte Binsenweisheit: *Nicht übereinander, sondern Miteinander reden*. Wie das gehen kann, zeigt der Soziologe Thomas Wagner in seinem Buch „Die Angstmacher“. Ich denke, dass ihm das gelungen ist hat auch damit zu tun, dass er ohne
    Vor-urteile und Anbiederung mit Menschen Gespräche gesucht hat, deren, ihm fremde, Gedankenwelt er verstehen wollte. Sein Buch findet auch im o.a. NZZ-Artikel Erwähnung. Ich habe es gelesen und haften bleibt bei mir, dass Begegnungen zwischen „Menschen
    aus Fleisch und Blut“ stattgefunden haben und nicht mit „Rechten“.
    Will sagen, Etikettierungen wie ‚die Rechten, die Linken, die Rassisten, die Nazis…. bergen die Gefahr in sich, den Blick auf reale Menschen zu verstellen, diese zu dämonisieren und somit menschliche Begegnungen zu verunmöglichen.

  4. Was heißt das eigentlich “ Umgang mit „Rechten?“ Gibt es auch einen „Umgang mit Linken?“

  5. @Ute Plass – Ja, allerdings beinhaltet die „Politik der Beziehungen“ auch die Praxis, unfruchtbare und schädliche Beziehungen nicht zu führen bzw. zu beenden. Das war ein ganz wichtiger Aspekt bei der Frauenbewegung. Aber ja, wenn man sich für Beziehung entscheidet, dann geht es nur so, wie du schreibst. Und wenn man sich gegen Beziehung entscheidet, hat das halt auch Konsequenzen.

  6. @Antje – sehe ich auch so, dass die „Politik der Beziehungen“ auch die Praxis beinhaltet, unfruchtbare und schädliche Beziehungen nicht zu führen bzw. zu beenden“. Ob dem so ist, weiß ich meist erst dann, wenn ich versucht habe, eine Beziehung zum Gegenüber
    aufzunehmen.
    Mir fällt dazu Renate Künast ein, die Menschen, die
    sie in den sog. sozialen Medien wüst beleidigt und bedroht hatten,
    direkt von Angesicht zu Angesicht aufgesucht hatte und überrascht war, auf meist „höfliche und gutsituierte Leute“ zu treffen.
    https://www.bo.de/nachrichten/nachrichten/renate-kuenast-zu-besuch-bei-den-hassbuergern

  7. @ Ute Plass“Ich wundere mich über die spärliche Kommentierung .“
    Sehr interessante Bemerkung, der ich voll zustimme.

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