Re:publica meets Feminism

Foto: Thomas Berg - Fotolia.com

Da ich dieses Jahr schon wieder nicht auf der Republica war – eigentlich aus denselben Gründen wie letztes Jahr – aber mich doch darüber gefreut habe, dass im Vergleich zu früher recht viele Frauen dort waren, habe ich das ein oder andere im Livestream angeschaut und war auch gespannt auf die Berichte hinterher. Hier, was mir aufgefallen ist.

1. Dreißig Prozent Frauen sind gefühlte Gleichberechtigung

Diese alte Faustregel scheint sich auch hier zu bewahrheiten. Wurde letztes Jahr noch über den niedrigen Frauenanteil auf den Panels diskutiert, so scheint in diesem Jahr nach allgemeiner Einschätzung zahlenmäßig alles Paletti gewesen zu sein. Manch einer schrieb gar, dass „gefühlt jede zweite Session“ was mit diesem Frauenzeugs zu tun hatte.

Dieses Auseinanderdriften von faktischer und gefühlter Frauenpräsenz ist typisch für eine Gesellschaft, die zwar Gleichberechtigung befürwortet, aber doch symbolisch männlich bleibt. Denn dreißig Prozent heißt: Der Frauenteil ist nicht mehr gar so arg niedrig, dass ganz offensichtlich irgendwas im Argen liegt. Und dann kann man es damit ja bewenden lassen.

Ich finde allerdings, man sollte sich hier nicht nur von Gefühlen leiten lassen, sondern objektiv bleiben und sich an die Zahlen halten. Dreißig Prozent sind zwar nicht nichts, sie mögen sogar eine gefühlte Übermacht sein, mathematisch sind sie aber nicht mal ein Drittel.

2. Frauen sind okay, aber bitte nicht über Feminismus reden

Auch über die reinen Zahlen hinaus, ob real oder gefühlt, wurde Unbehagen geäußert. Zwar nicht gegen die Anwesenheit von Frauen an sich, aber gegen das, was sie redeten. Zu viel Feminismus. Mich hat das zunächst erstaunt, denn mir war positiv aufgefallen, dass die meisten der von Frauen initiierten Panels sich gerade nicht explizit mit Feminismus beschäftigten, sondern allgemeine Themen aufgriffen – den Umgang mit Trollen, die Repräsentanz marginalisierter Gesellschaftsgruppen, das Flittern…

Aber es ist natürlich klar, wieso dieser Eindruck entstand, von Feminismus geradezu umzingelt zu sein: Auf diesen Podien saßen Frauen und auch einige Männer, die in diese „allgemeinen“ Themen eine feministische Sicht einbrachten. Die also die Geschlechterdifferenz als Analysekategorie ins Spiel brachten – und das machte dann in der Wahrnehmung vieler die gesamte Veranstaltung zu einem „Feminismusdings“. (Hier eine schöne Analyse von Dörte Giebel)

Ich nenne das die „Simone de Beauvoir-Falle“. Denn Beauvoir war die erste, die dieses Schicksal ereilte. Von einer anerkannten Philosophin und maßgeblichen Vertreterin des Existenzialismus mutierte sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer „Frauen-Frau“, als sie Das andere Geschlecht herausbrachte. Indem sie sich der Analyse der Geschlechterverhältnisse zuwandte, hatte sie ihren Status als allgemeingültige Denkerin verspielt. Und das, obwohl sie sich selbst nicht einmal als Feministin verstand (zu dem Zeitpunkt, der Frauenbewegung schloss sie sich erst später an).

Dieser Mechanismus bringt Frauen in ein ernstes Dilemma und ist meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe dafür, warum sich viele nicht mit der Frauenbewegung und dem Feminismus identifizieren möchten. Denn wenn sie in ihren Fachgebieten einflussreich sein möchten, ist es faktisch kontraproduktiv, das Frausein zum Thema zu machen. Helga Hansen bringt das Dilemma in einem Rückblick zur Republica auf den Punkt, wenn sie fragt: „Muss ich in Zukunft verschweigen, dass ich Feministin bin, damit mich auch ZDFneo ernst nimmt, oder vielleicht gleich als Mann auftreten, damit meine Themen endlich als hart angesehen werden?“

Ja, genau das ist der Vorschlag, den die „gleichberechtigte“ Welt den Frauen macht. Wobei, wohlbemerkt, dieses „als Mann auftreten“ nicht etwa bedeutet, dass dabei Geschlechtergrenzen und Stereotype überwunden werden. Denn wie sollte man etwas überwinden, das man gar nicht thematisieren darf, sondern als nebensächlich betrachten muss?

Frausein als solches ist kein Problem. Das Frausein zu thematisieren ist das Problem. Dass Simone de Beauvoir eine Frau war, wusste jeder, auch schon lange bevor sie „Das andere Geschlecht“ schrieb. Dass sie eine Frau war, gefährdete ihre Position als „echter Philosoph“ nicht. Aber dass sie ein Buch über das Frausein schrieb, in Kombination mit der Tatsache, dass sie selbst eine Frau (also quasi eine „Betroffene“) war – das war es, was sie als allgemeine Philosophin disqualifizierte.

Der Knackpunkt ist also damals wie heute nicht die Frage: Wie kommen Frauen irgendwo rein? Sondern: Wie können Frauen die Geschlechterdifferenz thematisieren, ohne dass sie deswegen den Status von etwas „Besonderem“ bekommen und in der Konsequenz dann nicht mehr auf das gehört wird, was sie zu sagen haben? (Bei einer Tagung zum Thema „Sichtbar und einflussreich, ohne sich anzupassen haben wir das vor einiger Zeit schon einmal diskutiert. Hier ein Protokoll).

Etwas hat sich immerhin seit den Zeiten von Beauvoir geändert: Es gibt heute auch Männer, und nicht mal wenige, die die Geschlechterdifferenz kritisch thematisieren und denen dabei die Freiheit der Frauen am Herzen liegt. Damals hingegen war es zwar Jean-Paul Sartre, der die Idee hatte, man müsse mal die Geschlechterdifferenz aus einer existenzialistischen Perspektive heraus analysieren. Aber diese Idee kam ihm nur, um das Projekt Beauvoir vorzuschlagen. Wieso hat er das Buch eigentlich nicht selbst geschrieben? Und: Wäre sein Status als „Philosoph“ dadurch ebenfalls gefährdet gewesen?

Ich würde mich gerne mal mit feministischen Männern darüber austauschen, ob sie auch die Erfahrung machen, „partikularisiert“ zu werden, sobald sie in nicht-feministischen Kontexten Geschlechterverhältnisse zum Thema machen. Oder ob die Tatsache, dass sie ein Mann sind, sie vor dieser Falle schützt. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit.

3. Differenzen unter Frauen

Die symbolische Unordnung einer Welt, in der das Männliche weiter die Norm bleibt und das „Sprechen für die Allgemeinheit“ an die Bedingung geknüpft ist, dass expliziter Feminismus tabu bleibt, hat eine bedenkliche Nebenwirkung: Es erschwert eine fruchtbare Diskussion von Frauen untereinander. Denn das ganze Setting bringt Frauen, die das Geschlechterverhältnis dennoch thematisieren, in eine gewisse Verteidigungshaltung. Angesichts all der unqualifizierten Angriffe ist die Versuchung groß, zusammenzurücken, sich gegenseitig zu loben, zu unterstützen, zu feiern.

Das ist natürlich auch wichtig. Aber jede Theorie, jede politische Bewegung, jede Initiative, die Neues in die Welt bringen will, braucht auch ein echtes, kritisches Feedback. Denn wie soll ich mich weiterentwickeln, wie soll ich Fehler entdecken, wie soll ich auf neue Ideen kommen, wenn niemand mich kritisiert? Wenn niemand mir sagt, was ich besser machen kann, wenn mich niemand darauf hinweist, wenn mir etwas nicht gelungen ist? Das ist die schwierigste Aufgabe, die aus meiner Sicht nun ansteht: Eine konfliktreiche, aber gerade deshalb fruchtbare Diskussion unter Frauen und feministischen Männern hinzukriegen.

Am Anfang dieser Diskussion steht eine Entscheidung, die jede persönlich treffen muss: Wem höre ich zu, mit wem rede ich, mit wem setze ich mich auseinander? Und mit wem nicht? Das ist die berühmte „Politik der Beziehungen“, die die Frauenbewegung erfunden hat. Und zwar mit der Erkenntnis, dass es nichts bringt, dieses „Mit wem rede ich? Mit wem setze ich mich in eine Beziehung?“ davon abhängig zu machen, mit wem ich inhaltlich übereinstimme und mit wem nicht (wie es in der „Parteipolitik“ üblich ist).

Die Frage ist, ob man die Auseinandersetzung mit dieser bestimmten Person für interessant und spannend hält. Ob ich ihr oder ihm Autorität zuspreche – zum Beispiel die Autorität, mein Handeln kritisch zu beurteilen. Die Philosophin Andrea Günter hat das einmal so beschrieben: Autorität hat für mich eine, mit deren Ansichten ich nicht übereinstimme, bei der ich aber doch nicht umhin kann, mich mit ihr auseinanderzusetzen.

Bloße Solidarität unter Frauen bringt nicht weiter, auch nicht angesichts einer weitgehend ignoranten Umgebung. Es sind unsere Differenzen, die uns weiterbringen, an denen entlang wir neue Erkenntnisse gewinnen, mehr Sicherheit im Handeln und den Mut zu Visionen, die über das Immergleiche hinausgehen.

Auch im Zusammenhang mit Republica-Rückblicken sind ja erste Differenzen unter Frauen schon aufgekommen. Ich finde, genau das ist ein ganz hervorragender Ausgangspunkt für weitere feministische Netzpolitik.


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38 Gedanken zu „Re:publica meets Feminism

  1. Liebe Antje,

    Dein Beitrag ist ein Symptom der Problematik, die Du kritisierst.

    Es gibt kaum einen Satz, in dem Du nicht irgendwelche Unterschiede zwischen biologischen Frauen und biologischen Männern herkonstruierst. Wer Menschen aufgrund der Inhaberschaft einer Vulva so grundlegend in Zusammenhängen, die mit Geschlechtsorganen überhaupt nichts zu tun haben, einteilt, wird nicht ernst genommen.

    Auf der re:publica gab es schon immer zu viele Vorträge, die Geschlechterdifferenz heraufbeschworen – wir können sie einfach nicht mehr hören. Ein Vortragender egal welchen Geschlechts, der die Realität nicht anerkennt, dass Menschen eben mehr und wichtigere Facetten haben als das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Y-Chromosoms, nerven. Gewaltig. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr, dass es in gefühlt jedem zweiten Vortrag darum geht, dass etwas bei Männern so und bei Frauen so ist. Weil es Quatsch ist. Weil es auch zutiefst antifeministisch ist. Wer will, dass alle Menschen gleich berechtigt sind, sollte es unterlassen, eine Sorte Menschen (nicht mein Weltbild, aber scheinbar Deins) als Opfer der Umstände zu stilisieren oder eine höhere Präsenz der Menschen dieser Sorte auf Panels, im Auditorium oder sonst wo fordern. Sonst gibt es nämlich keine Gleichberechtigung, sondern Diskriminierung.

    Liebe Grüße,

    Simon

  2. @deBaer – Dadurch, dass man etwas ignoriert, verschwindet es nicht. Die Geschlechterdifferenz, von der ich rede, ist keine biologische, sondern eine kulturelle. Es ist nun einmal ein Fakt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der das Geschlecht eine wichtige Rolle spielt. Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit liegen so gut wie allen Themen zugrunde, sie strukturieren unsere Vorstellungen von Politik, von Kunst, von Gerechtigkeit, von Natur, von Wissenschaft, von Liebe, und auch von Internet. All dies kann man nicht verstehen, wenn man das Thema „Geschlecht“ ignoriert. Dass Geschlechterdifferenzen konstruiert sind, heißt ja nicht, dass sie nicht real sind und irrelevant wären. Das ist schlicht ein logischer Fehlschluss.

  3. Ganz genau! Gerade Frauen sollten sich nicht von Antifeministen und Vorurteilen, gegen die auch sonst ganz Vernünftigte nicht immun sind, nicht derart in die Enge treiben lassen, um schlimmstenfalls Differenzen und Diskussionsbedarf zu verschlucken, sondern die Vielfalt und qualifizierte Auseinandersetzung auch öffentlich werden lassen. Dass sich in der zweiten Reihe welche die Hände reiben, wenn eine Frau der anderen widerspricht, ist nun mal so und das tiefere Bedürfnis, dies tun zu wollen, hört nicht auf, wenn wir es unterlassen, einander zu widersprechen.

  4. „Bloße Solidarität unter Frauen bringt nicht weiter, auch nicht angesichts einer weitgehend ignoranten Umgebung. Es sind unsere Differenzen, die uns weiterbringen, an denen entlang wir neue Erkenntnisse gewinnen, mehr Sicherheit im Handeln und den Mut zu Visionen, die über das Immergleiche hinausgehen.“

    Da hast Du sicherlich völlig recht. Das Problem ist doch aber, dass sobald Frauen einander kritisieren, oder noch schlimmer, Feministinnen!, es heißt, dass sie einander in den Rücken fallen und so kann es ja nie was werden, mit dem Erreichen bestimmter Ziele. „Innerparteiliche“ Differenzen sind nie gerne gesehen, aber besonders bei Frauen heißt es schnell, wenn sie nicht einer Meinung sind, dann ist das Gesamtkonzept (Feminismus) quasi unbrauchbar und das finde ich schade.
    Ich war nicht auf der re:publica, aber von dem was ich gelesen habe, kann ich mir vorstellen, dass mich einige der Themen von den Bloggerinnen auch nicht so angesprochen hätten (von den Vorträgen männlicher Teilnehmer mal abgesehen). Dann aber sämtliche Vorträge als Feminismusquatsch abzutun, nur weil es einen selber nicht interessiert, finde ich schon recht dreist.

  5. Leider lässt sich der Link zu dem von Dir angegebenen Protokoll nicht öffnen. Die Frage wie Frauen die Geschlechterdifferenz thematisieren können, ohne dass sie deswegen den Status von etwas „Besonderem“ bekommen und in der Konsequenz dann nicht mehr auf das gehört wird, was sie zu sagen haben, interessiert mich besonders (bzw. Handlungsalternativen). Könntest Du dieses noch einmal verlinken?

    Vielen Dank!

  6. Simon, schreib doch einfach in der Ich-Form, anstatt „wir“ oder „man“. Ich nehme jedenfalls an, dass Du Deine eigenen Gefühle und Gedanken beschreibst und hier nicht für eine Gruppe auftrittst.

  7. Liebe Antje,

    vielen Dank für deine Beobachtungen, die ich für diese re:publica so unterschreiben würde (als eine, die da war).

    Was mir allerdings etwas negativ aufstößt, ist die Heraufbeschwörung von Zweigeschlechtlichkeit in diesem Fall. Klar wurde auch viel gegen „weibliche Panels“ gewettert, zumindest da, wo *Frauen* das Wort ergriffen, waren sie meinem Empfinden nach kritischeren Blicken und Urteilen ausgesetzt. Dennoch: die negative Stimmung richtete sich nicht ausschließlich gegen sprechende Frauen, sondern vor allem gegen gewisse Themen. Das waren zum einen feministische Perspektiven auf – ich nenne es mal so banal – Aspekte der Digitalisierung und solche Themen, die als „weich, nicht faktenbasiert“ konnotiert sind. Natürlich gab es auch hier geschlechtsspezifische Biases in der Wahrnehmung der Teilnehmenden, dennoch bin ich der Meinung, dass es nicht darum gehen sollte Weiblichkeit oder Frauen aufzuwerten (wer auch immer das sein soll), denn es gibt sie ja schon. Die Frauen, die eben nicht diesen Blicken ausgesetzt sind bzw. diese ganz anders wahrnehmen, einfach weil sie bereits über ausreichend kulturelles Kapital verfügen.

    Insofern kann ich die Kritik von deBaer insofern nachvollziehen, als dass ein Blick weniger auf Geschlecht, denn mehr auf Geschlechterverhältnis, Normen oder Konzepte wie hegemoniale Männlichkeit einfach dem Thema in diesem Fall gerechter wird. Eine Überkulturalisierung von Geschlecht kann nämlich leicht essentialistische Züge tragen, wobei es am Ende egal wird, ob wir von Biologie oder Kultur sprechen.

    Voll zustimmen muss ich dir allerdings bei dem Aspekt, dass Androzentrismus auch auf der re:publica vollends gepflegt wird. Nicht nur von *Männern*.

    Grüße

  8. Ich frage mich gerade, ob vor einem Jahr in Zeitungen und auf Konferenzen ebenso intensiv über Feminismus diskutiert wurde, oder ob ich das nur nicht wahrgenommen habe, weil ich dir damals nicht auf Twitter folgte…

  9. @lantzschi – Ich bin auch gegen Zweigeschlechtlichkeit, da ich ja Frausein gerade nicht im Bezug auf Mannsein verstehe – also weder als Komplementarität, noch als Gegenteil, noch als Gleichheit. „Asymmetrische Differenz“ nennen das die Italienerinnen, ein Ausdruck, der mir gefällt. Oder anders: Es geht mir nicht einfach „um Frauen“ (schon gar nicht um ihre „Aufwertung“), sondern um die Themen. Zum Beispiel hängt doch die Unterscheidung in „harte, faktenbasierte“ und „weiche, nicht faktenbasierte“ Themen, von der du sprichst, ganz klar mit der Geschlechterdifferenz zusammen. Das ist kulturell so eng verwoben, dass man das eine nicht ohne das andere diskutieren kann. Und – und das ist wohl der Punkt, an dem wir uns dann unterscheiden – diese kulturelle Spaltung durchkreuzt unweigerlich die Körper der Sprechenden. Das „Thema“, wenn man so will, lässt sich nicht neutral oder „von außen“ analysieren, weil ich, wenn ich mich dazu auf irgend eine Weise äußere, eben eine Frau bin. Ich habe keine andere mögliche, quasi unabhängige Sprechposition.
    Hier ein Satz von Luisa Muraro, der das für mich sehr treffend auf den Punkt bringt (und den du wahrscheinlich fürchterlich findest :): „Wir haben nicht gewählt, als Frauen geboren zu werden, und gerade diese Tatsache macht es unabdingbar, das Frausein zu akzeptieren.“

  10. Hallo Antje,

    ich finde es gut, dass Du meinen – selbstverständlich total überspitzen – Beitrag gelesen und hier erwähnt hast. Ich persönlich habe überhaupt gar nichts gegen Frauen (warum auch?), ich arbeite sehr gerne mit Ihnen zusammen und habe eine tolle Chefin, von der ich täglich lerne. Für mich war wirklich das Problem, dass ich es leid bin, über das Thema zu diskutieren. (Nein, ich will hier keine Diskussion anstoßen, sondern lediglich meinen Standpunkt einmal weniger zynisch klären).

    In meiner persönlichen Perspektive gibt es im täglichen Miteinander keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Alles andere finde ich albern und beängstigend. Und es ist wirklich so, dass ich es nicht mehr hören kann. Dazu kommt, dass ich aus der Erfahrung der letzten Jahre nicht darauf vorbereitet war, dass so viele Vorträge – ohne dass dies von Außen erkennbar waren – sich diesem Thema widmen. Und als dann diese bereits im Post erwähnten Argumente (Blog Top100) auftauchten, oder über die Frauenquote bei Wikipedia gesprochen wurde, habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Ich kann diese „unsichtbare Mauern“, von denen so häufig gesprochen wird, einfach nicht sehen. Ich denke einfach:

    Liebe Frauen, einfach machen, ich halte Euch sicher nicht auf! Blogt, publiziert, arbeitet bei Wikipedia mit, macht was ihr wollt. Geht einfach mit gutem Beispiel voran!

    just my 2 cents
    elcario

  11. @elcario

    Und in meiner persönlicher Perspektive gibt es sehr wohl Unterschiede im täglichen Miteinander der Geschlechter. Und ich würde auch gerne darüber diskutieren. (Wobei das nicht heißt, dass ich, wie oben ja schon erwähnt, jeden Beitrag zu dem Thema toll oder gelungen finden muss)

    Und jetzt? Machen wir für die nächste Re:publica einfach zwei Veranstaltungen? Eine mit Gendergedöns drin und eine ohne, elcario?

  12. Antje:

    „Dieser Mechanismus bringt Frauen in ein ernstes Dilemma und ist meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe dafür, warum sich viele nicht mit der Frauenbewegung und dem Feminismus identifizieren möchten. Denn wenn sie in ihren Fachgebieten einflussreich sein möchten, ist es faktisch kontraproduktiv, das Frausein zum Thema zu machen. Helga Hansen bringt das Dilemma in einem Rückblick zur Republica auf den Punkt, wenn sie fragt: „Muss ich in Zukunft verschweigen, dass ich Feministin bin, damit mich auch ZDFneo ernst nimmt, oder vielleicht gleich als Mann auftreten, damit meine Themen endlich als hart angesehen werden?““

    Mit diesem Absatz hast du etwas angesprochen, was ich mich in bezug auf meine eigene publizistische Tätigkeit schon lange frage, und zwar:

    In meinem eigenen Blog (und meinen sehr wenigen gedruckten Veröffentlichungen) äußere ich mich fast ausschließlich zu Themen, die gelinde gesagt umstritten sind, und scheue dabei keine Polemik, die ich in einem konkreten Fall für angebracht halte. Meine Texte sind auch der Haltung nach geeignet, mich in vielen Kreisen ziemlich unbeliebt zu machen. Ich identifiziere mich ganz unverhohlen als Feministin und interessiere mich sogar sehr für Themen, die damit in Verbindung stehen. Ich nehme mir auch immer und immer wieder vor, was dazu zu schreiben, weil ich solche Themen für sehr wichtig halte und ich in diesen Fragen auch ganz ausgeprägte Ansichten habe, die so nicht überall vertreten werden.

    Aber es kommt so gut wie nie (also, im letzten Jahr z.B. überhaupt nie) zu einem Artikel. Ich frage mich schon lange, wieso ich mich in meinem Blog, wo ich schreiben kann, was ich will, fast niemals zu diesen Themen äußere. Mit dem oben zitierten Absatz hast du ein für mich ganz neues Licht auf die Frage geworfen.

  13. Kleines update: Anne Roth schreibt auf Twitter:
    „Die Fakten: bei der re:publica XI waren 378 Speaker: 297 Männer, 81 Frauen, davon haben 14 über Feministisches geredet, konservativ gezählt.“

  14. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » re:publica 2011 – ein feministischer Rückblick

  15. Lieben Dank, Anke.
    du bringst so vieles in deinem Text auf den Punkt und stellst genau die richtigen Dilemmata in den Raum.
    hierzu noch ein Beitrag von mir, der wie die Faust aufs Auge passt und demonstriert, entlang welcher Bewertungen und Zuschreibungen sich der Diskurs bewegt:
    http://blog.katrin-roenicke.net/?p=204
    „Opfer“
    well.
    es gibt noch viel zu tun! das ist und bleibt die Diagnose.

    Tatsächlich aber gibt es schon auch vieles gutes zu berichten. Twitter ist ein sehr sehr negativ konnotiertes Netzwerk, um diese Reaktionen zu erfassen.
    Vor Ort habe ich mit vielen Leuten geredet – ich glaube sogar mit elcario – bin mir aber nicht sicher. Von Seiten der meisten „Alphablogger“ gibt es sehr großes Interesse UND auch eine Bereitschaft, das Thema zu integrieren. (höhö – mal sehen, was das für eine „Integrationsdebatte“ in der sogenannten Netzwelt mit sich bringen wird).
    Also: wie auch in deinem Artikel angeklungen, gibt es schon eine fruchtbarere Grundlage für feministische Anliegen. Dass einige „wir sind ja so post-gender“-Nerds da nicht mitmachen wollen, ist irgendwo – ja: in meiner Wahrnehmung ein Nebenschauplatz.

    Das Glas ist in meiner Wahrnehmung halb voll. (ich spreche jetzt nur von „diesem Internet“ und dieser Netzpolitik) – es gibt so viel Offenheit und Lust, das Thema zu machen.

    Deine Conclusio zum Thema „Differenzen und Auseinandersetzung“ spricht mir voll aus der Seele! Danke.

  16. Pingback: Externe Zuschreibung an Feminismen – ein Twitter-Beispiel - Katrin Rönicke

  17. @Antje

    ok, dann sind wir in diesem Fall wohl doch (fast) einer Meinung. Natürlich ist meine Sprecher_innenposition nie nur von außen, nie unabhängig von gesellschaftlichen Positionierungen, von kulturellen Verwobenheiten, von Macht, von Projektionen. Ich kann das nie selbst entscheiden oder frei wählen. Insofern würde ich dir zustimmen. Ich würde jedoch in der Analyse genau von dieser Mehrdimensionalität aus arbeiten und nicht einfach eine Geschlechterdifferenz (sei sie kulturell oder biologisch) voraussetzen, ganz egal, ob sie in meinem Untersuchungsgegenstand (von anderen) hergestellt wurde oder nicht. Oder nur kulturalistisch argumentieren. Wie Geschlechter miteinander agieren, hat ja nicht nur kulturelle/habituelle Aspekte, sondern ist eben auch ein Produkt „gesellschaftlicher Vermachtung“, wie es ein re:publica-Besucher so toll formulierte.

    Ich glaube aber, dass du das auch mitmeintest. Kam nur bei mir nicht so an. Meine Augenlider fangen immer so an zu zucken, wenn ich „die Frauen“ und „die Männer“ lese, kann sein, dass ich das ein oder andere dann nicht mehr so genau erfasst habe 🙂

    Danke für den Text.

  18. Im Stream, der zugegeben nur einen Bruchteil des Programms abgedeckt hat, hab ich eigentlich nur Männer gesehen. Da war wohl auch mal irgendwo ne Frau, aber…
    Liegt halt daran, daß halt so viele Alphamännchen rumturnen – seien es jetzt Lobo oder Dueck oder Beckedahl mit seiner Digitalen Gesellschaft. Ich finds halt irgendwie scheiß langweilig.

  19. @Julius:

    Ich versteh nicht, warum du enttäuschst bist, die Leute leben ja in derselben Welt und nicht in einer Matrix, wo es andere Strukturen und Verhaltensweisen gibt.

  20. Ich finde, das eigene Frausein zu benennen und als Feministin zu sprechen ist nicht das Gleiche, zumal es so viele verschiedene Spielarten von Feminismus gibt. Für mich sind in Antjes Artikel zwei verschiedene Punkte miteinander verwurschtelt, auch wenn sie eng miteinander zusammenhängen:

    Erstens, wie Antje sagt, dass viele Männer sich und die traditionelle männliche Denk- und Handlungsweise für die Allgemein Menschliche halten. Dies Problem ist vielen Männern schwer begreiflich, so lange sie so wenig über sich selbst nachdenken – was vermutlich mit Angst verbunden ist, vor allem wenn es um eine freie Bedeutung des Männlichen geht und nicht um neue Normen.

    Der zweite Punkt ist, dass traditionelle männliche Denk- und Handlungsmuster sich zu einem erheblichen Teil für ein gutes Leben als einseitig und z.T. auch sehr schädlich erweisen. Aber dieser Punkt bedeutet natürlich Kritik an traditioneller männlicher Kultur und dabei kann jeder Mann, der das möchte, sich in seinem Mannsein als solches angegriffen fühlen. Und das führt ebenfalls zu diesem Abwinken, wenn die Geschlechterdifferenz benannt wird: wir wollen nicht schon wieder eine Debatte über die guten Frauen und die bösen Männer – können wir nicht mal über was anderes reden?

    Deswegen finde ich es erstens gut, wenn Frauen ihr Frausein beim Sprechen benennen und sich auch auf andere Frauen beziehen, egal, ob sie nun eine Kritik an männlicher Gestaltung vorhaben oder über was anderes reden.

    Zweitens brauchen einseitige traditionell männliche Denk- und Verhaltensweisen zusätzliche Namen, die es Männern erleichtern, sich davon zu distanzieren (z.B. von den „harten Fakten“ im Unterschied zum „Gedöns“ , von der „Notwendigkeit des Wachstums“… ).

    Drittens fände ich Foren gut, auf denen ein ausdrücklicher Dialog zwischen Frauen und Männern stattfände, der „postpatriarchal“ ist, wie Ina Praetorius es nennt, bei dem also klar ist, dass es nicht rückwärtsgewandt um Vorwürfe, sondern um das Kennenlernen von Vorstellungen der verschiedensten Frauen und Männer geht.

  21. Pingback: space shuttle #11 | m.e.t.r.o.n.o.m.

  22. „Denn wie sollte man etwas überwinden, das man gar nicht thematisieren darf, sondern als nebensächlich betrachten muss?“

    und

    „Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit liegen so gut wie allen Themen zugrunde, sie strukturieren unsere Vorstellungen von Politik, von Kunst, von Gerechtigkeit, von Natur, von Wissenschaft, von Liebe, und auch von Internet.“

    Ich glaube kaum, dass die „Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit“ dabei in jedem Fall die dominanten strukturierenden Merkmale sind – sehr oft sind es ziemlich nebensächliche Merkmale, auf die die „Vorstellung“ auch gut verzichten kann und das Problem ist nicht, dass sie überwunden werden müßten, sondern dass da manche Leute aus Mücken Elefanten machen.

  23. Pingback: Kindisch 2.0: die Feminismusdebatte nach der re:publica XI 2011 – eine Linksammlung #rp11 | dieGoerelebt – Dörtes Zettelkasten

  24. Dieses Auseinanderdriften von faktischer und gefühlter Frauenpräsenz ist typisch für eine Gesellschaft, die zwar Gleichberechtigung befürwortet, aber doch symbolisch männlich bleibt. Denn dreißig Prozent heißt: Der Frauenteil ist nicht mehr gar so arg niedrig, dass ganz offensichtlich irgendwas im Argen liegt. Und dann kann man es damit ja bewenden lassen.

    Was bedeutet denn, daß eine Gesellschaft symbolisch männlich bleibt oder ist? Könnten Sie dies mal in kurzen Worten erläutern? Zweitens: Was ist das Problem an einer symbolisch männlichen Gesellschaft? Also wo liegen die Kritikpunkte und was haben diese konkret mit Männlichkeit zu tun?

    Ich verstehe nicht, was dies mit dem Moment der Geschlechtlichkeit zu tun haben soll. Warum also Männlichkeit die Ursache von Problemen sein soll.

  25. @James T. Kirk – Ich weiß nicht, ob es ein „objektives“ Problem mit symbolischer Männlichkeit gibt, ich habe damit ein Problem, weil ich eine Frau bin. Also diese symbolisch männliche Welt nicht meine Welt ist.

  26. Was ist denn an unserer Welt symbolisch männlich? Und wie stellt man dies fest?

    Ich habe meine Zweifel an der Begründetheit solcher Einordnungen und würde deshalb gerne genauer verstehen, was Sie damit meinen.

    Ich hinterfrage diese Dinge einfach und würde gerne Begründungen erfahren, die über den bloßen Behauptungsstatus hinausgehen.

    Wenn symbolische Männlichkeit tatsächlich existiert und diese für Sie aufgrund Ihres Frauseins ein Problem ist, warum haben nicht alle Frauen diese Probleme oder teilen Ihre Einschätzung? Dies sind nur ein paar Fragen, die man sich meines Erachtens stellen muß.

    Ich denke, daß Sie Probleme auf eine Ebene verlagern, wo diese nicht hingehören.

    Deshalb sagen Sie mir doch einmal, warum unsere Welt symbolisch männlich ist und was daran konkret schlecht oder kritikwürdig ist. Wie kommen Sie zu der Einschätzung, daß negative Zustände etwas mit Männlichkeit zu tun haben sollen?

    Ich verstehe wie gesagt nicht, warum Männlichkeit an sich ein Problem sein sollte. Dies liefe darauf hinaus, daß auch eine symbolisch halbmännliche Welt nicht in Ordnung wäre. Denn diese Hälfte wäre ebenfalls männlich.

  27. @James – Symbolische Männlichkeit bedeutet, dass zum Beispiel ein Mann, der Vorstandsvorsitzender eines großen Konzerns wird, ein besonders „männlicher“ Mann ist, eine Frau, die Vorstandsvorsitzende eines großen Konzerns wird, aber keine besonders „weibliche“ Frau. Eine Frau, die dieselben Dinge tut, wie man sie im allgemeinen Männern zuschreibt, gilt leicht als „unweiblich“. Das in Zusammenhang damit, dass man nur auf diese Weise in Positionen kommt, die mit viel Einkommen, mit viel gesellschaftlichem Status, mit großem Einfluss und Entscheidungsbefugnissen verbunden sind, bedeutet – zum Beispiel – symbolische Männlichkeit. Wenn ich dann schreibe „ich habe damit ein Problem“, dann nicht im Sinne von „ich habe Schnupfen“, sondern im Sinne von „meinem Urteil nach ist das ein Problem“. Das heißt, es ist eine subjektive Komponente im Spiel, ich (eine Frau, aber eben auch eine individuelle Person) entscheide, etwas in die politische Diskussion zu bringen. Und warum sollten alle Frauen zu denselben Urteilen kommen wie ich? Frauen sind ebenso unterschiedlich wie Männer unterschiedlich sind.
    Ich bin nicht der Meinung, dass negative Zustände per se etwas mit Männlichkeit zu tun haben. Manche negativen Zustände haben auch etwas mit Weiblichkeit zu tun. Ich beurteile aber als negativ, wenn ein Geschlecht (und sei es auch nur „symbolisch“) über dem anderen steht. Also: Männlichkeit an sich ist natürlich überhaupt kein Problem. Männlichkeit ist nur ein Problem, wenn sie – symbolische wie reale – Dominanz in der Welt beansprucht.

  28. Pingback: Digitale Scheuklappen / Gedanken nach der re:publica XI | Klirrr

  29. @Cornelia: „Drittens fände ich Foren gut, auf denen ein ausdrücklicher Dialog zwischen Frauen und Männern stattfände, der „postpatriarchal“ ist, wie Ina Praetorius es nennt, bei dem also klar ist, dass es nicht rückwärtsgewandt um Vorwürfe, sondern um das Kennenlernen von Vorstellungen der verschiedensten Frauen und Männer geht.“

    Ich frage mich, ob es möglich ist, in einer patriarchalen Gesellschaft einen postpatriarchalen Dialog zu veranstalten. Denn um postpatriarchal zu sein, müßten die patriarchalen Machtverhältnisse nicht mehr existieren – und wenn sie noch in der Gesellschaft vorhanden sind, wird es m.E. ziemlich schwer, innerhalb dieser Gesellschaft einen Dialog unter Angehörigen dieser Gesellschaft zu veranstalten, in der die realen Verhältnisse, die in der Gesellschaft existieren irgendwie nicht mehr gelten.

  30. @Elise: Ich finde gerade das spannend: „Was wäre, wenn..?“ Einen Blick gewinnen, der einen nicht im Bestehenden verharren läßt. Und das Bestehende ist überhaupt nicht mehr zu vergleichen mit vor vierzig Jahren. Es ist vor allem auf der Ebene der Wertigkeiten patriarchal, weswegen z.B. das schlecht bezahlt wird, was symbolisch nicht wertgeschätzt wird, wie Pflege usw. – nicht weil Frauen per se diskriminiert werden. Also Frauen und Männer in ein Gespräch bringen. Erstens, um aus den seit der zweiten Frauenbewegung auch schon wieder eingewöhnten gegenseitigen Zuschreibungen auszusteigen („Typisch patriarchal“ – „Quatsch – Du, mit Deinem ewigen Frauen- und Freundinnenfimmel“). Aber zweitens auch mal schauen, welche Sicht und welchen Dialog verschiedene Frauen und Männer haben, die die zweite Frauenbewegung nicht bewußt erlebt haben, weil sie heute Mitte Dreissig sind.

  31. „Männlichkeit ist nur ein Problem, wenn sie – symbolische wie reale – Dominanz in der Welt beansprucht.“

    Seh‘ ich eigentlich auch nicht so – Männlichkeit ist ja dominant nicht in der Welt per se, sondern nur in der von Männlichkeit selbstgeschaffenen Welt.

    Es gab eigentlich schon immer weite Bereiche des Lebens, wo Frauen dominant waren und sind – sehr zum Unwohlsein von Männern, übrigens, wenn ein Mann sich eben in diesen Bereich „verirrt“:

    Mann muss nur einmal als Vater etwa ein paar Wochen Erziehungsurlaub nehmen und einen das eifersüchtige Gerede der Damen, die ihre Pfründe in Gefahr sehen, und zu denen eventuell noch die eigene Gattin gehört, geniessen!

    Aber die Kritik daran kann aus meiner Warte ja nicht sein „Hach, wie schrecklich ist die weibliche Dominanz im Erziehungsbereich …“, sondern ich schaffe mir halt eine Welt, in der ich erziehe, und die mir genehm ist.

    Das geht leider nicht von heute auf morgen, aber es geht … ebenso verstehe ich auch nicht die Kritik an männlicher Dominanz. Wie gesagt, Männer verteilen den Kuchen nicht nur, sie backen ihn auch ( zumindest solange aus den Schulen noch nicht die neuen männlichen Analphabeten den Markt überschwemmen ).

  32. Ich wäre ungern ein „feministischer Mann“, wie auch immer der definiert ist, aber ich würde mich schon zu den Männer zählen, denen es ein Anliegen ist, „Geschlechterdifferenz kritisch [zu] thematisieren“, deshalb darf ich das vielleicht aufgreifen:

    Als jemand, der durchaus mit den Alpha-Rüden um das Futter streitet, kann ich vermutlich schlecht auf ein „Frau-sein“ reduziert werden. Ich habe eher den Eindruck, dass ich in solchen Gesprächen einfach aufhören zu existieren. Ein Dialog findet nicht statt, aber mehr noch: ein Verstehen dessen, was ich sage, findet auch nicht statt. Und letztlich ist das Thema meist einfach beendet, mit einem Hauch von allgemeiner Ratlosigkeit darüber, was man von mir halten soll vielleicht. Mein Status hinterher scheint mir dann ungeklärt, bis ich mich wieder geschlechtsspezifisch verhalte. (Beispielsweise über Fußball rede, so albern das auch klingt.) Wie sich das Entwickeln würde, wenn ich z.B. ein viel beachtetes (Pro-)Feminismus-Buch veröffentlichen würde, wäre vielleicht eine interessante Erfahrung, aber ich glaube, dass das gar nicht so ohne weiteres möglich wäre als Mann.

    Und auf die Gefahr, etwas banales zu sagen: Ich habe den Eindruck, dass es für die meisten Menschen einfach nicht denkbar ist, was hinter diesem ganzen Gerede von Feminismus eigentlich steckt. Und ich halte das auch für nicht so überraschend, denn tatsächlich fällt es den meisten Menschen ja schwer, die gewohnte Welt zu reflektieren und sich dann auch noch eine andere (halbwegs objektiv) vorzustellen. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der Frauen da besser funktioniert. Aber es ist natürlich leichter, für etwas zu sein, was einem als Gewinn angekündigt wird.

  33. @Michael – Ja, so ähnliche Erzählungen habe ich auch schon von befreundeten Männern gehört. Ich denke, dass das ein gutes Feld für gemeinsame Diskussionen ist.

  34. Geschlechterdifferenzen kritisch zu beleuchten ist sicher nicht falsch. Wenn sich aber viele Männer davon wenig bis gar nicht angesprochen fühlen, dann ist es u.a die ewige Verantwortungsabschiebung, die von feministischer Seite so oft betrieben wird.
    Nach 40 Jahren der Dekonstruktion von Männlichkeit wäre jetzt mal der kritische Blick auf die Konstruktion von Weiblichkeiten angesagt. Wenn bei Wikipedia nur wenig Frauen schreiben, dann könnte das – ein ungeheuerlicher Gedanke – zuallererst an den Frauen selbst liegen.

  35. Pingback: Parabel der Polygone – ein Blog-Spiel-Lehrstück | herzteile

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