Masters of Desaster: Besondere Umstände, Episode 14

Diese Folge machte dem Titel unseres Podcasts besondere Ehre, denn nachdem wir eine tolle Stunde geredet hatten, war nur eine halbe Stunde auf dem blöden Smartphone drauf. Anders als bei Episode 11 haben wir (unter Bennis Protest) dieses Fragment trotzdem gepostet, ergänzt um eine Viertelstunde … aber hört selbst.

16 Gedanken zu „Masters of Desaster: Besondere Umstände, Episode 14

  1. Als Deutsche, die in der Schweiz lebt und nun sehr schockiert über das gestrige Ergebnis ist, finde ich vor allem interessant, dass diese direkte Demokratie leider doch sehr anfällig für Populismus ist. Im Alltag empfinde ich die Schweizer als sehr unpolitisch, das politische Interesse begrenzt sich auf die eigene Gemeinde, höchstens den eigenen Kanton. Ich weiss nicht, ob eine Entscheidung, wie die gestrige, überhaupt in der Kompetenz des „Volkes“ liegen sollte. Die Schweiz hat sich da selber ein Ei gelegt. Das Problem finde ich, liegt in der fehlenden politischen Bildung und Kompetenz. Hier hat ganz klar kein mündiges Volk abgestimmt, es wurde nur auf tiefste Ängste reagiert. Keine gute Basis für weitblickende Entscheidungen.

  2. Wenn überwiegend in nationalen Kategorien gedacht wird, dann brauchen wir uns über das Abstimmungsergebnis der Schweizer_innen weder wundern noch empören. Ich hoffe, dass dieses Abstimmungsergebnis in allen Nationalstaaten zum Nachdenken und Neubegehren anregt.

    Und was das „Wasser predigen und Wein saufen“ betrifft, so bitte ich darum, dieses Thema doch im nächsten Podcast nochmal aufzugreifen und zu vertiefen.

  3. @Swissmaid
    mir stößt die Kritik an der Bildung der Wählerinnen und Wähler ehrlich gesagt immer etwas sauer auf. Ich finde, es geht den Staat nichts an, auf welcher Grundlage sich jemand eine Meinung bildet bzw. er hat nicht zu definieren, welche Meinungen nun „gebildet“ sind, wie gut sich jemand informieren muss, um eine qualifizierte Meinung zu bilden oder welche Ziele ich mit meiner Entscheidung verfolgen soll (Gemeinwohl, Eigenwohl oder wie auch immer). Aus Sicht des Staates darf es keine unterschiedlich kompetenten Meinungen geben, da das eine solche Unterscheidung eine Deutungshoheit des Staates impliziert.

    Für mich klingt dieses Argument gegen Abstimmungen immer so, als würde man sagen „wenn nur alle so gebildet wären wie ich, würden sie die richtige Entscheidung treffen, nämlich die meine“.

    Was Alice schwarzer betrifft, macht es sich Stefanowitsch etwas zu leicht, finde ich. Man kann nicht einen einzelnen Aspekt ausklammern und sagen „davon war aber nie die Rede“. Wenn man so spezifiziert, kann man alles rechtfertigen. Ich möchte darauf hinweisen, dass Alice schwarzer Folgendes sagte:

    „Der Motor meines ganzen Handelns ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit in meinem persönlichen Leben; in dem Land, in dem ich lebe; in der ganzen Welt. Ein Leben, in dem ich nicht alles in meiner Macht Stehende getan hätte, um dieses Ideal zu verwirklichen, wäre für mich ein verpasstes Leben.“

    So sagte sie`s und so trat sie auch immer auf. Das hat jetzt natürlich ein Geschmäckle.

  4. @Swissmaid – Denke nicht, dass es an der ‚direkten Demokratie‘ liegt, wenn Menschen sich anfällig für Populismus zeigen, sondern eher mit Ängsten zusammen hängt, worauf Sie ja auch verweisen. Die Verunsicherungen und Befürchtungen werden jedoch oft zu Zwecken instrumentalisiert um vom eigentlichen Problem abzulenken.
    Aufhorchen lässt mich , dass dieses Abstimmungsergebnis vor allem deshalb bejammert wird, weil es „der Wirtschaft“ schade. Genaugenommen heißt das doch nichts anderes, als dass „die Wirtschaft“ weiterhin billige(re) Arbeitskräfte anheuern will, was den bereits vorhandenen Konkurrenzdruck der erwerbstätigen Menschen noch weiter erhöht.
    Dieses Abstimmungsergebnis könnte also mit dazu verhelfen den nationalen Tunnelblick zu erweitern um zu erkennen, dass wir für das gute Leben aller weg kommen müssen von einer Konkurrenz/Profitmaximierungs-Wirtschaft, hin zu einer solidarischen Ökonomie. Siehe: http://www.bzw-weiterdenken.de/2014/02/von-bewusstheit-zur-aktion/

  5. @Wilhelm Will Helm – “Der Motor meines ganzen Handelns ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit in meinem persönlichen Leben; in dem Land, in dem ich lebe; in der ganzen Welt. Ein Leben, in dem ich nicht alles in meiner Macht Stehende getan hätte, um dieses Ideal zu verwirklichen, wäre für mich ein verpasstes Leben.“

    Wow – starke Worte von Alice Schwarzer! Wünschenswert, wenn sie sich wieder auf diese besinnt und den Worten Taten folgen lässt. Vielleicht startet sie ja bald einen Appell gegen Frauenarmut und zahlt jeder Frau, die aus der Prostitution aussteigen will ein bedingungsloses Grundeinkommen.;-)

  6. @ Ute Plass – In der Schweiz sind sehr viele Führungspositionen von Ausländern besetzt. Der Grund dafür ist nicht, dass Ausländer billiger sind. Die Schweiz hat einfach zu wenige Einwohner, um alle Führungspositionen mit Schweizern zu besetzen. Zudem werden auch, teils politisch beabsichtigt (bspl. Mediziner), zu wenige Personen für Führungspositionen ausgebildet. Die Schweizer Wirtschaft ist in grossem Maße auf gut ausgebildete Ausländer angewiesen. Das ist die eigentliche Sorge. Einige Krankenhäuser könnten ohne Ausländer ihren Betrieb einstellen.
    Ich denke sogar, das dieses Abstimmungsergebnis wieder bewusst die Leute in die CH lockt, die es allein aufs grosse, schnelle Geld der CH abgesehen haben. Wer geht freiwillig in ein Land, in dem er klar nicht willkommen ist. Die Idee eine solidarischen Ökonomie rückt eher in noch weitere Ferne…

    @Wilhelm Will Helm – ich denke, dass sich Wähler ihrer politischen Verantwortung bewusst sein müssen und dazu die Konsequenzen ihrer Meinung abwägen sollten. Es geht nicht um die Bildung der Menschen, es geht um deren Bewusstsein für ihre Verantwortung.

  7. @Swissmaid – ja das Argument „der Wirtschaft“ von den fehlenden, gut ausgebildeten Fachkräften kenne ich. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, dass aufgrund dieses Volksabstimmungsergebnisses die Schweiz
    nun ökonomisches Entwicklungsland wird. Es hängt, wie alle kapitalistisch wirtschaftenden Staaten, einer
    Wachstumsideologie an, das in zerstörerischer Weise um sog. Marktanteile konkurriert, also auch um
    die Arbeitskräfte, die „der Wirtschaft“ gerade dienlich erscheinen. Bis zur Umsetzung/Ausgestaltung dieses
    Volksabstimmungsergebnisses wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen, und ich halte mal an der Hoffnung fest, dass die weiter anhaltenden weltweiten Wirtschaftskrisen zum Umdenken zwingen.

    Was mir eher Sorge bereitet als ‚die fehlenden Fachkräfte für die Wirtschaft‘ ist die Xenophobie, die sich in diesem Votum der Schweizer_innen auch mit Ausdruck verschafft. Allerdings ist diese ja auch über die Schweizer Grenzen hinaus virulent und führt wiederum vor Augen wie notwendig wir alle einer kooperativen
    Wirtschaft der Fürsorge bedürfen. Da wäre doch die Einführung einer repressionsfreien Grundsicherung, über die in absehbarer Zukunft in der Schweiz abgestimmt werde soll, schon mal ein hoffnungsvoller Anfang.

  8. @ ClaudiaBerlin – wie kommst Du zu Deiner Einstellung? Es gibt sehr viele Schweizer, die sehr ausländerfeindlich sind… Es gibt hier sehr viele Immigranten, sehr richtig. Aber das ist kein Argument dafür, dass Schweizer nicht ausländerfeindlich seien. In meinem Alltag hier in CH wird sehr wohl zwischen guten und schlechten Ausländern unterschieden. Schlecht sind ganz offen ausgesprochen alle aus dem ehemaligen Jugoslawien, gut sind wir Deutschen, aber auch nicht alle. Ausländerfeindliche Anfeindungen auf dem Schulhof sind Alltag, und wir als Familie gelten hier im Dorf als „gut integriert“, trotzdem kein Schutz für die Kinder, Rassismus zu erleben. Die Schweiz hat ein ganz radikales Abschiebesystem, Ausländer, die straffällig werden oder sonst wie nicht passen, werden „ausgeschafft“, ohne mit der Wimper zu zucken… Mich verwunderts, die CH als ausländerfreundlich dargestellt zu sehen. Asylanten sind hier sowas von nicht gewollt, wie ich es aus D nicht kenne. Und Wirtschaftsflüchtlinge nimmt die CH nur auf, wenn sie was davon hat. Solidarität gegenüber Flüchtlingen gibt es hier so gut wie gar nicht. Bei Bedarf kann ich gerne Aufklärungsarbeit betreiben! Einen höheren Lebensstandard quer durch die sozialen Schichten kann ich auch nicht unterschreiben. Arm sein in der CH ist um Klassen härter als in D!

  9. Kurzer Nachschlag noch: Die Überlegung, wie eine solche Abstimmung in D ausgegangen wäre, die Überlegung ob Freizügigkeit tatsächlich realisierbar ist oder realisiert werden muss oder die Überlegung, ob das aktuell dominierende Wirtschaftssystem das Beste ist, sind wirklich lohnens- und lobenswert. Aber bei der Realität sollte man bleiben. Und die Realität kann man drehen und wenden, wie man will. Die Schweiz ist ausländerfeindlich. Schweizer haben ja sogar ein Problem mit den Einwohnern eines anderen Dorfes und erst recht mit denen aus einem anderen Kanton!

  10. @Claudia – ja, sehe ich auch so, dass die Schweizer_innen nicht ausländerfeindlicher sind als anderswo.
    Eine Analyse des Abstimmungsergebnisses verdeutlicht das Phänomen, welches wir hier in Deutschland auch kennen: Xenophobie ist oft da am ehesten vorzufinden ist, wo es die wenigsten ‚Fremden‘ gibt.

    Ich sehe, wie schon gesagt, in dem Abstimmungsergebnis auch eine Chance sich über Sinn und Unsinn des
    vorherrschenden Wirtschaftens Gedanken zu machen.
    „Die Infrastruktur im Tessin ist überlastet, die Sozialsysteme geraten unter Druck. Und im benachbarten Italien ist von einem Ende der Wirtschaftskrise nichts zu spüren. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter und mit ihr die Zahl der Menschen, die sich im Tessin um eine Anstellung bemühen. Die Schweizer Regierung wird Ideen entwickeln müssen, wie sie die Einwanderung in Zukunft regulieren will. Laut Volksinitiative hat sie dafür bis zu drei Jahre Zeit. Im Tessin hoffen die meisten, das es nicht so lange dauern wird.“

    http://www.deutschlandfunk.de/eu-freizuegigkeit-das-tessin-und-der-schweizer.795.de.html?dram:article_id=277158

  11. @Swismaid – „In meinem Alltag hier in CH wird sehr wohl zwischen guten und schlechten Ausländern unterschieden.“. Ja, das bestätigen auch FreundInnen und Bekannte von mir, die in der Schweiz leben bzw.
    gelebt haben.
    Denkst Du, dass sich diese ‚gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit‘ von der hier in Deutschland unterscheidet?

  12. @Ute Plass – was meinst Du mit „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“? Meinst Du Ausländerfeindlichkeit generell oder die Unterscheidung in „gute und schlechte“ Ausländer?
    Generell erlebe ich die Schweizer als viel „offener fremdenfeindlich“ als Deutsche. Soll heissen, in CH ist es viel alltäglicher, bestimmte Gruppen schlecht zu finden. Auch „gebildete“ Menschen haben Vorurteile und äussern die ganz hemmungslos. In D wäre das aufgrund unserer Vergangenheit völlig undenkbar, meine ich.
    Schweizer gehen klar davon aus, dass Ausländer nicht integriert werden. Nun, einige Ausländer versuchen es trotzdem, andere versuchen es erst gar nicht.
    Den Unterschied zu D kann ich aber nicht genau beschreiben, da ich ja in D kein Ausländer bin und nun auch seit einiger Zeit dort nicht mehr lebe.

  13. @Swissmaid – hier ein guter Link zur Frage: „Was ist Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“.
    https://www.uni-bielefeld.de/ikg/projekte/GMF/WasIstGMF.html
    Die darin aufgeführten Elemente des Syndroms Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit finden sich ja in Deinen Darstellungen wider, z.B. Demonstration von Etabliertenvorrechten gegenüber Neuankömmlingen.

    Du schreibst : “ Auch “gebildete” Menschen haben Vorurteile und äussern die ganz hemmungslos. In D wäre das aufgrund unserer Vergangenheit völlig undenkbar, meine ich.“
    Leider ist dem nicht so. Diese Vorurteile sind auch in D vorhanden. Sie kommen vielleicht nur in leiseren
    bis versteckteren Tönen daher (aus der sog. Mitte der Gesellschaft)!
    Dir sind aber sicherlich auch die gar nicht so leisen, ausländerfeindlichen Neo-Nazi-Parolen ein Begriff?! Darüber hinaus erlaubt sich hier die gewählte Volksvertretung (siehe Seehofer), zwecks Stimmenfang, vollmundige Sprüche wie z.B. „Wer betrügt, der fliegt“.

  14. Hallo Antje und hallo Benni!

    Wie schade dass die Technik gestreikt hat, aber super, dass Ihr das bisher aufgezeichnete trotzdem veröffentlicht habt.
    Ich war ja eine von denen (@m_spacegrrl), die beim letzten Podcast so etwas erschrocken ob des plötzlichen Endes war, und ich finde es ganz fein, dass Ihr noch einmal darauf eingegangen seid und es erklärt habt!
    Tatsächlich steige ich bei vielen Podcasts, die ich erst Jahre nach ihrem Start kennen lerne, irgendwo mittendrin ein, das war diesmal auch so.
    Ich hatte es einfach noch nicht geschafft, die Anfangsepisoden zu hören, dann hätte ich ja auch gewusst dass nach einer Stunde der Wecker klingelt.
    Habe jetzt aber gerade die erste Episode in der Playlist und weiss jetzt auch, warum Ihr so heisst wie Ihr heisst 😉
    Ich höre viele Podcasts, ich liebe lange Episoden, und ich höre sie tatsächlich gern in Etappen, wenn es sehr lange Folgen sind. Aber ich hab das auch mit Büchern. Bitte gerne mindestens 500 Seiten oder mehr.
    Wenn Ihr also mal ohne Wecker plaudern mögt…ich freu mich schon!
    Ich höre auch manche Folgen von manchen Podcasts mehrfach, weil ich nicht immer gleich alles verstehe und zwischendurch nachlese oder Leute frage, die mehr Ahnung haben.
    Tatsächlich habe ich das Glück, auch mal bei der Arbeit Podcasts hören zu können, da ich oft an langwierigen, aber monotonen Arbeitsvorgängen sitze am Werktisch und den Kopf frei habe.
    Da ist Futter für die Hirnwindungen immer höchst willkommen!
    Ausserdem finde ich es immer toll, etwas mehr „Mensch“ mitzukriegen als es beim Lesen von Blogs oder anderen Texten möglich ist.

    Inhaltlich zu dieser Episode:
    Die Schweiz kenne ich nicht, wenn es um politische Belange geht. Ich finde vom Bauch her diese Entscheidung schwierig, Ahnung von der Materie hab ich null. Aber es fühlt sich ungut an, dieses „Sortieren“ wer rein darf und wer nicht und die Begründungen, die dafür herangezogen werden.

    Alice Schwarzer….tja…
    Vielleicht zeigt sich an diesem Fall einmal mehr, dass man so etwas wie Moral oder moralischen Anspruch eben nicht einfach so von einem auf`s andere Thema übertragen kann.
    Das kann Frau Schwarzer offenbar genauso wenig wie die, die sie jetzt zerfleddern.

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