Christian Siefkes stellt im Keimform-Blog das Buch The Origin of Capitalism: A Longer View von Ellen Meiksins Wood vor, in dem sie die These von der Naturnotwendigkeit des Kapitalismus bestreitet und aufzeigt, wie diese Wirtschaftsform vielmehr in einer historisch konkret bestimmbaren Situation – im 16. Jahrhundert in England – entstanden ist. Das ist sehr lesenswert.
Daran schließt er eigene Überlegungen dazu an, welche Aspekte bei Versuchen, den Kapitalismus zu überwinden, notwendig sind. Er identifiziert drei, eine davon ist die Aufhebung der Trennung in Produktionssphäre und Privatssphäre/Haushalt.
Und dann schreibt er einen Satz, der mir symptomatisch erscheint für die merkwürdig ignorante Weise, mit der linke Männer sehr häufig mit feministischen Ideen umgehen. Und zwar schreibt er:
„Die Aufhebung der Sphärentrennung spielt in vielen linken Debatten kaum eine Rolle. Stattdessen wird die Umgestaltung des politischen Systems oder der Wirtschaft oder von beiden, aber als separate Sphären betrachtet; die Reproduktionssphäre kommt dabei außerhalb feministischer Ansätze selten in den Blick.“
Sind also feministische Ansätze kein Teil der linken Debatten? Offenbar nicht, denn würde Siefkes sie als solche verstehen, könnte er nicht mehr schreiben, dass die Reproduktionssphäre in linken Debatten selten vorkomme.
Richtig hätte der Satz lauten müssen:
„Die Aufheben der Sphärentrennung spielt in linken feministischen Debatten seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle. Dabei sind schon Trillionen von höchst interessanten Vorschlägen dazu gemacht worden, was daraus für linke Politik und linken Aktivismus folgen könnte – die leider von nicht feministischen linken Männern bisher vollkommen ignoriert werden.“
Und dann hätte der Artikel zum Beispiel irgendwie so weitergehen können:
„Ich stelle hier mal die wichtigsten Debattenlinien vor und empfehle die zentralen Bücher, damit alle, die an linker Ökonomiekritik interessiert sind, sich damit auseinandersetzen und darauf aufbauen können, wenn sie eigene und neue Ansätze vorschlagen. Denn wir müssen ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden.“
Allerdings.
Wenn er das gemacht hätte, könnte er das Rad ja nicht selber neu erfinden. Und das wäre doch schade, nicht wahr?
——–Update:
Um Bennis Einwand aus den Kommentaren aufzugreifen: Formal betrachtet sagt Siefkes in der Tat nicht, dass feministische Ökonomiekritik kein Bestandteil linker Debatten sei, was er sagt, ist, dass sie kein relevanter Bestandteil linker Debatten sei. Also keiner, der ihn von seinem generellen Urteil, die Reproduktionsarbeit spiele in linken Analysen im Großen und Ganzen keine Rolle, abbringen müsste.

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