Mehr als Erwerbsarbeit gibt es bei den Parteien nicht

Bald ist Bundestagswahl, und auch wenn ich eine der Big Ugly Five wählen werde, noch genauer die Grünen, wie ich Buzzfeed schon erzählt habe, so prangere ich doch an, überhaupt keine Auswahl zu haben – jedenfalls nicht bei den Themen, die ich wichtig finde.

Die Gruppe Care Revolution Rhein Main hat an die hiesigen Kandidatinnen und Kandidaten einen Fragebogen verschickt, um ihre Ansichten zu dem Themen komplex abzufragen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ulli Nissen (SPD) schreibt:

Die SPD lehnt ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Es entwertet die Leistung der arbeitenden Menschen. (Ulli Nissen, SPD)

Wieso das so ist, bleibt ihr Geheimnis. Noch besser ist Matthias Zimmer, CDU. Er antwortet auf die Frage, für welche Maßnahmen er sich einsetzen möchte, um Menschen finanziell zu unterstützen, die unbezahlte Sorgearbeit leisten:

Verstehe ich nicht. Ich soll Menschen finanziell unterstützen, die unbezahlte Sorgearbeit leisten? (Matthias Zimmer, CDU)

Etwas netter formuliert sind die Antworten von Linke, Bündnis 90/Grüne und FDP, aber es wird doch ganz deutlich, dass niemand über die Erwerbsarbeit als alleinige und einzige Quelle für soziale Absicherung hinausdenkt. Das höchste der Gefühle sind eine Bürgerversicherung, mehr Kitaplätze und mehr professionelle Pflegekräfte.

Hier die Links zu allen Antworten.

4 Gedanken zu „Mehr als Erwerbsarbeit gibt es bei den Parteien nicht

  1. Motzen war mir zu wenig http://arnold-schiller.de/buendnis-grundeinkommen-gegruendet/ . Klar ist es einfach die Schuld immer auf die Parteien zu schieben und sich nur als Stimmvieh zu betrachten. Wenn man sich nicht vertreten fühlt, dann hat man die Möglichkeit sich an der Demokratie zu beteiligen. Ich sehe ja ein, dass das schwer ist. Aber wenn ich als HartzIV-Empfänger das schaffe, dann kann mir keiner erzählen, dass es unmöglich wäre. Wenn ich nur ein bisschen nur ein kleines bisschen mehr Geld hätte, dann könnte daraus auch was grösseres werden. Im Gegensatz zu AfD habe ich keinen Mövenpickspender und es musste ohne Geld gehen. Einfach nur durch Engagement vieler toller Menschen. Keiner gründet selbstverständlich eine Partei alleine und der Dank gilt auch den 32.000 Menschen, die für das Bündnis Grundeinkommen unterschrieben haben und den 281 engagierten Parteimitgliedern die gesammelt haben. Dennoch motzen ist mir nicht genug.

  2. Was ist mit denen, die niemanden haben, der sie versorgen kann oder möchte? Anstatt diejenigen zu finanzieren, die solche Kontakte haben, sollte man das Geld doch besser in allgemein verfügbare, also kommerzielle, Möglichkeiten der Versorgung investieren. So könnte das Geld allen helfen, die auf Pflege angewiesen sind, und nicht nur denen, die jemanden haben. Ich weiß nämlich nicht, ob Familie solche Kontakte heutzutage noch sicherstellt angesichts hoher Scheidungsraten etc. pp. gibt es dazu denn zahlen?

  3. Pingback: Mehr als Erwerbsarbeit gibt es bei den Parteien nicht – Ökonomie 2040

  4. Als arbeitslose Akademikerin, die momentan wegen Status des Verheiratetseins auch keine finanzielle Grundsicherung vom Staat bekommt (ja, mein Mann ist gerade Alleinverdiener und kümmert sich um mich mit – muss er ja auch), sehe ich mich in vielen Bereichen von den Big Ugly Five nicht unterstützt. Die Antworten, die du beschreibst sind so symptomatisch, dass es eins einfach wütend macht. Es geht aber nicht nur um Carearbeit, die keine Rolle spielt. Menschen wie ich, die eben keine Arbeit haben, aber auch nicht weiterqualifiziert werden müssen, weil es „keine höhere Qualifikation für Sie gibt“ (O-Ton Jobcenter), spielen weder bei der SPD, noch bei den Grünen oder Linken eine Rolle. Die anderen Parteien interessieren mich sowieso nicht, aber bei denen ist die beste Antwort noch: „Hätten Sie halt etwas anderes studiert.“

    Ich frage mich ernsthaft wie ich dann (werde dieses Jahr 30) über Kinder nachdenken soll (Akademiker*innnen bekommen zu wenig Nachwuchs!!!11), wenn ich mich noch nicht einmal selbst finanziell versorgen kann und wenn ich dann als Alternative habe, Mutter zu werden, unbezahlte Carearbeit zu leisten und noch abhängiger vom finanziellen Erfolg meines Ehemannes zu sein (viele meiner Freund*innen machen das so). Ich bin seit 2 Jahren arbeitslos, alles was ich bekomme sind unbezahlte Praktika. Besser als nichts, aber eben kein Geld.

    Mittlerweile frage ich mich ernsthaft, was in der Gesellschaft falsch läuft. Aber generell kann ich dir nur zustimmen. Und ohne polemisch werden zu wollen: Soziale Gerechtigkeit spielt gerade für die SPD nur für Krankenschwestern und harte Malocher eine Rolle und vielleicht noch dann, wenn es um die Qualifizierung von Flüchtlingen geht. Menschen wie ich sind allen Parteien scheißegal. Wir haben ja ein Studium geschafft, der Rest liegt dann bei jedem Einzelnen. So kann man es auch machen. Und wenn man dann eben keine Erwerbsarbeit hat und nicht in irgendwelchen Maßnahmen drangsaliert werden kann, dann fällt man eben ganz raus. Mittlerweile fühle ich mich gesellschaftlich gesehen unsichtbar.

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