„Wow let women in hacker/anarchist space, next thing you know there is harassment policy in place….“
Das ist der erste Kommentar unter einem Artikel von Hannah Grimm, in dem sie von den Entwicklungen berichtet, die in einem anarchistischen Hackerspace dazu geführt haben, dass bestimmte Anti-Harassment-Regeln dort eingeführt wurden. Der ganze Artikel ist auch interessant (für alle, die sich noch nicht mit dem Thema gut auskennen, die sich damit auskennen, werden das ein oder andere Deja Vu haben).
Ich möchte aber nicht über das Thema von Alltagssexismus schreiben und was gemischte politische Gruppen dagegen tun können oder sollten. Was mich vielmehr angesprungen hat, war die Haltung, die hinter diesem spontanen Kommentar steht, und die meiner Ansicht nach ein grundlegendes Problem zeigt, das unsere Kultur noch immer mit der „Frauenfrage“ hat.
Dass es nämlich offenbar immer noch Männer gibt, die das Ganze für eine Frage halten, ob sie Frauen „reinlassen“ sollen oder nicht.
Deshalb verrate ich hier mal ein kleines Geheimnis: Wir müssen gar nicht reingelassen werden, wir sind nämlich schon da. Wir waren schon immer da. Das ist nämlich unsere Welt genauso wie eure.
Ich glaube, dass viele Probleme in den Diskussionen zwischen Frauen und Männern nicht wirklich an inhaltlichen Differenzen liegen (obwohl es viele inhaltliche Differenzen gibt), sondern daran, dass diese Bewusstwerdung, die der Feminismus gebracht hat – dass Frauen freie Subjekte sind und dass dies ihre Welt ganz genauso ist – von zahlreichen Männern noch nicht verstanden wurde. Dass da immer noch im Hinterköpfchen die Idee vor sich hinschlummert, das wäre IHRE Welt, und sie hätten irgendeine Befugnis oder Verantwortung oder Möglichkeit, darüber zu entscheiden, ob Frauen „reingelassen“ werden oder nicht.
Solange dieser „Klick“ nicht stattgefunden hat, das wäre meine These, braucht man gar nicht zu diskutieren.
Um es an dem konkreten Fall deutlich zu machen: Das in politischer Hinsicht Entscheidende ist nicht, ob die betreffenden Männer in dem Hackerspace davon überzeugt werden können, dass es eine Anti-Harassment-Policy braucht. Das Entscheidende ist, dass ihnen klar wird, dass da andere sind, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Und zwar ganz unabhängig davon, ob sie selbst die Anliegen der anderen einsehen, verstehen, nachvollziehen können, gut oder schlecht finden. Einfach nur deshalb, weil die anderen da sind und man mit ihnen zu tun hat und man daran auch nichts ändern kann.
Und erst wenn diese selbstverständliche Akzeptanz einer freien weiblichen Subjektivität vorhanden ist – erst dann kann man ernsthaft miteinander darüber diskutieren, wie wir die Welt machen wollen, welche gemeinsamen Regeln wir finden. Und erst dann kann ich Gegeneinwände, die von Männern zu meinen Vorschlägen gemacht werden (wie zum Beispiel, dass eine Anti-Harassment-Policy auch negative Auswirkungen haben kann) ernsthaft in Betracht ziehen.
Man könnte es auch noch einfacher sagen: Bevor man einen Konflikt austragen kann, müssen erst mal alle Beteiligten verstanden haben, dass es da wirklich einen Konflikt gibt. Eine Differenz, die nicht aus der Welt zu schaffen ist. Weil es keine Option ist, die anderen einfach wieder vor die Tür zu setzen.
(Foto: Flickr.com/az1172)

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