Zohran Mamdani und seine Politik

Zohran Mamdani ist nun Bürgermeister von New York und gleich bei seinen ersten Amtshandlungen ist klar geworden, dass er eine neue Art von „linker“ Politik versucht, nämlich eine, die den Politikstil der autoritären Rechten kopiert. Genau wie Donald Trump fast ein Jahr zuvor hat er gleich in den ersten Stunden seiner Amtszeit per Dekret (executive order) viele Entscheidungen seines Vorgängers rückgängig gemacht, darunter die Anerkennung der (weitergehenden) IHRA-Definition von Antisemitismus durch die Stadtverwaltung und das Boykottverbot gegen Israel – diese beiden Dekrete haben für besonders viel Diskussion gesorgt.

Interessanter aber als Mamdanis demonstrativen Antizionismus finde ich seinen Politikstil generell. Er zelebriert, genau wie Trump, seine Macht – in gewisser Weise ist das ein Gegenentwurf zum Politikstil von Angela Merkel, die ihre Macht eher versteckt hat und auch tatsächlich vor allem an Kompromissen gearbeitet hat (darüber schreibt sie viel und en Detail in ihren Memoiren).

Mamdani hingegen beruft sich, genau wie Trump, auf die Tatsache, dass eine (knappe) Mehrheit der Bevölkerung hinter ihm steht: „Wir haben die Wahl GEWONNEN! _ Die anderen haben die Wahl VERLOREN“. Damit unternimmt er letztlich das Experiment, die Faschisten mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Die Interessen des „Volks“ zu vertreten bedeutet bei Mamdani genau wie bei Trump, dass die 51 Prozent alles dürfen, die 49 Prozent hingegen nichts. Die knappe Mehrheit einer polarisierten Gesellschaft hinter sich zu haben, genügt als Legitimation dafür, das eigene Programm ohne Kompromisse durchzuziehen.

Tatsächlich ist diese Art des Durchregierens das Gegenteil von eigentlicher Politik, deren Wesen ja darin liegt, angesichts der menschlichen Pluralität zu tragbaren Regeln zu finden.

Trotzdem finde ich gut, dass das mal jemand probiert, und ich bin gespannt darauf, ob es funktioniert. Denn der vermittelnde und konsens-suchende Weg im Stile Merkels ist mir zwar sympathischer. Aber sie ist damit ja nun leider auch gescheitert.

3 Antworten

  1. Hallo, ich bin das erste mal hier auf dem Blog und danke erst mal für den Artikel, der der erste deutschsprachige ist, den ich zu dem Thema gelesen habe.

    Die Annahme (zumindest für Trump), dass die Gesellschaft in zwei Lager geteilt und mit 51% durchregiert wird, teile ich nicht. Umfragen zu politischen Einstellungen bestätigen immer wieder, dass keine Mehrheit menschenverachtende Einstellungen teilt.

    Aber zermürbt sind die Menschen, viele sehen keine Möglichkeit mehr etwas zu verändern, hören weg, haben genug. Die Politik der EU zeigt sich heute bei der Entführung Maduros unglaublich beschwichtigend gegenüber Trump. Man muss Maduro in keiner Weise gut oder legitim finden, um diese Form der Agression durch einen ehemals demokratischen Staat zu verurteilen. Die EU tut sich bisher schwer (da kommt bestimmt noch was aber zunächst ist es verdächtig sanft alles).

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  2. Ich schätze deine Gedanken sehr, aber dies hier scheint mir ein echter hot take zu sein. Weil er am ersten Tag executive orders unterzeichnet, ist Mamdani also wie Trump? Naja…

    Richtig ist, dass Mamdani (anders als Mainstream-Demokraten) selbstbewusst zu seiner Plattform steht. Richtig ist auch, dass er im Vorfeld der Amtsübernahme viele Gespräche geführt hat, auch mit Bänkern, Industriellen etc., die seine Politik überhaupt nicht teilen (finde den NYT-Artikel dazu gerade nicht). Ob er überhaupt Kompromisse eingehen wird und wenn, wie viele Zugeständnisse er machen muss, das kann einfach niemand wissen. Als Bürgermeister ist er einfach ganz anders abhängig etwa von der Landesebene, Staat New York, als es ein Präsident jemals sein kann.

    Sprich: nach drei Tagen im Amt Begriffe wie „durchregieren“ oder „ohne Kompromisse“ rauszuhauen finde ich wirklich etwas zu breitbeinig.

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  3. Ja, ein Hottake ist das auf jeden Fall, wie eigentlich die meisten meiner Blogposts (die gut abgewogen-durchdachten Texte kommen auf andere Plattformen). Ist bisschen breitbeinig, ja, aber ich schrieb ja, dass ich das Experiment gut finde, wir werden ja sehen, wie es weitergeht.

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Foto: Heike Rost

Antje Schrupp

Ich bin Journalistin und Politikwissenschaftlerin und lebe in Frankfurt am Main. Mein Thema ist besonders weibliche politische Ideengeschichte. Aktuelles Buch: „Unter allen Umständen frei“ über revolutionären Feminismus am Ende des 19. Jahrhunderts – Victoria Woodhull, Lucy Parsons und Emma Goldman. Am 10. Februar 2025 erscheint „Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern“ (Aufbau Verlag)

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