Das in diesem Tweet von Anne Roth (vermutlich aus Anlass dieses Blogposts) ironisch konstatierte „Naturgesetz“ ist leider wohl eine traurige Wahrheit. Auch an dieser Stelle waren die besserwisserischen Männerkommentare in feministischen Blogs ja schon häufiger Thema, ebenso wie das Phänomen der Trolle.
Aber es lässt sich was dagegen unternehmen. Dass es sich für feministische Blogs empfiehlt, eine relativ strikte Kommentarmoderation zu haben, hat sich inzwischen herauskristallisiert. Und zwar ist das nicht wichtig, um sich unliebsame Kommentare vom Leib zu halten oder sie gar zu „zensieren“, wie dann ein schnell geäußerter Vorwurf oft lautet. Sondern es ist wichtig, um den Raum der Diskussion frei zu halten für die wirklich interessanten Debatten und attraktiv für diejenigen, die gerne konstruktiv mitdiskutieren wollen, aber keine Lust auf langweilige oder sich im Ton vergreifende Diskussionsstile haben.
Bei manchen Punkten ist es leicht, sich dafür zu entscheiden, einen Kommentar gleich in den Papierkorb zu leiten: Wenn er sich im Ton vergreift, wenn er nicht zum Thema ist, wenn er andere diffamiert, wenn er pauschale Klischees und Meinungen über „die Frauen“ oder „den Feminismus“ enthält.
Inzwischen bin ich zu der Auffassung gelangt, dass das nicht reicht. Es gibt nämlich Fälle, in denen die üblichen Regeln der „Netiquette“ nicht greifen.
Ein „Trick“, wenn man so will (auch wenn es vielleicht gar kein bewusster oder absichtlicher Trick ist), besteht darin, dass ein Kommentator immer das letzte Wort behalten will und dadurch die Diskussion in eine bestimmte Richtung drängt und auf ungute Weise dominiert. So dass das eigentliche Thema dabei unter die Räder kommt. Der Trick ist, dass jeder Kommentar mit einem neuen Vorwurf oder einer neuen Frage beendet wird, was mich dazu animiert, wieder zu antworten und etwas richtig zu stellen, was dem anderen wiederum Gelegenheit gibt, noch einmal zu antworten und so weiter. In diesen Fällen ist der einzelne Kommentar für sich genommen nicht „Papierkorbwürdig“, sondern er wird es erst in der Zusammenschau. Ich handhabe das inzwischen so, dass ich nach der zweiten „Runde“ weitere Kommentare des Betreffenden dann nicht mehr freischalte.
Eine weitere Unsitte, wie ich finde, ist es, das eigene Anliegen bei jedem neuen Thema erneut vorzubringen. Also zum Beispiel die Meinung, dass es heutzutage gar nicht die Frauen, sondern die Männer sind, die benachteiligt werden, oder dass feministische Analysen nur dann Relevanz und Bedeutung haben, wenn es gelingt, Männer von ihrer Richtigkeit zu überzeugen. In einem Blog wie diesem, der sich mit Notizen zur sexuellen Differenz in unterschiedlichen Themenfeldern beschäftigt, ist es relativ leicht, in fast jedem Post irgendeinen Anknüpfungspunkt zu finden, an dem sich dieses „Argument“ erneut einbringen lässt.
Auch hier gibt es auf den ersten Blick meist keine „objektiven“ Gründe, den Kommentar nicht freizuschalten. Auf die Dauer macht aber auch das die Diskussion langweilig und nervt. Deshalb schalte ich sowas nicht mehr frei.
Jedenfalls meistens nicht. Eine Zeitlang dachte ich, ich sollte vielleicht an irgendeiner Stelle eine Art Regelwerk posten, sodass nachvollziehbar ist, wann und warum ein Kommentar freigeschaltet wird und wann nicht. Inzwischen denke ich, das ist nicht praktikabel. Ich entscheide das lieber von Fall zu Fall, in der konkreten Situation. Kriterium ist, ob ich der Ansicht bin, dass ein Kommentar die aktuelle Diskussion bereichert oder nicht.
Und allen, die dann „Zensur“ rufen, sage ich: Das Internet ist ja zum Glück groß. Ihr könnt also jederzeit ein eigenes Blog aufmachen. Hier aber entscheide ich.



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