Diese Medien sind kaputt

Genau zehn Jahre ist es her, da schrieb Frank Schirrmacher seinen viel diskutierten Artikel „Männerdämmerung“ und sagte eine Übernahme der „Bewusstseinsindustrie“ durch die Frauen voraus: Von Sabine Christiansen bis Elke Heidenreich – in deutschen Medien gehe ohne Frauen bald gar nichts mehr, prophezeite Schirrmacher.

Passiert ist genau das Gegenteil: Die Medien sind so männerdominiert wie kaum noch eine andere gesellschaftliche Organisation. 98 Prozent Männeranteil in den Chefredaktionen von Tages- und Wochenzeitungen, das ist eine Dominanz wie im 19. Jahrhundert, vor der Frauenemanzipation. Beim Fernsehen, Online-Medien und Radio ist es nicht ganz so krass, aber auch da sind mehr als 80 Prozent der Redaktionen von Männern geleitet.

Dass das Problem ein generelles ist und nicht nur die obersten Führungsspitzen der Medien betrifft, zeigt nun das Programm der Medientage München im Oktober, die laut Programm „der bedeutendste Treff der Medien- und Kommunikationsbranche in Europa“ sein wollen: 82 bis 84 Prozent Männeranteil bei den Mitwirkenden ist ein deutlicher Befund. Wie gehen wir damit um?

Der Verein Pro Quote setzt sich für 30 Prozent Frauenanteil in den Chefredaktionen ein. Ich selbst sehe das skeptischer. Erstens sind 30 Prozent Frauenanteil immer noch eine Männerdominanz von mehr als zwei Dritteln, außerdem sind Quoten eh nur Scheinlösungen, die das eigentliche Problem eher verschleiern als beheben.  Habe ich hier zu gebloggt.

Mein Weg wäre eher, diese eklatante Differenz offen zu thematisieren. Unsere Medien, diejenigen, die für sich beanspruchen, „Qualitätsjournalismus“ zu machen und zu definieren, sind keine Institutionen, die für die Gesamtheit der Gesellschaft sprechen. Es sind Männermedien, nicht, weil sie Frauen explizit ausschließen würden, sondern weil sie faktisch  ohne Frauen auskommen und sich – wie aus dem Konzept der Medientage ganz offensichtlich wird – in ihrer Selbstanalyse auch für die Ansichten von Frauen nicht interessieren.

Und es ist ja nicht so, als ob sich diese Männerdominanz nicht auswirken würde. Es gibt in diesen Medien so gut wie keine Sachkenntnis in Hinblick auf die Geschlechterdifferenz, über Frauen und weibliche Freiheit wird fast immer unter Rückgriff auf dumme Klischees berichtet, Feminismus kommt praktisch in der Berichterstattung nicht vor, schon gar nicht dessen neuere Entwicklungen und Forschungsergebnisse  (als Ersatz wird Alice Schwarzer als Dauergast eingeladen), die Verwendung des generischen Maskulinums ist gängiger Usus und gilt ungebrochen als „professionell“ und alternativlos, und es herrschen keinerlei Skrupel, offen sexistische oder frauenfeindliche Werbung zu verbreiten oder sogar selbst solche Beiträge zu produzieren.

Diese Medien, so sehe ich es, sind kaputt, und zwar unrettbar. Sie gehen mich, da ich eine Frau bin, nur bedingt etwas an. Sie haben keine Autorität, mir die Welt zu erklären, weil sie die Welt, die mich interessiert, überhaupt nicht kennen. Es gibt ganz hin und wieder auch mal was anderes, aber das muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen.

Es hat aus meiner Sicht keinen Zweck, da noch Energie reinzustecken.

Stattdessen greife ich lieber eine Formel auf, die die italienischen Diotima-Phiosophinnen im Anschluss an eine Einladung von Carla Lonzi diskutieren, die sagte: „Die Differenz der Frauen besteht aus Jahrtausenden ihrer Abwesenheit von der Geschichte. Profitieren wir von dieser Abwesenheit.“

Dass die derzeitigen Medien viele grundsätzliche Probleme und Schwächen haben, ist ja offensichtlich, und das betrifft nicht nur ihre fehlende Sachkenntnis im Bezug auf Feminismus und Geschlechterdifferenz. Die Abwesenheit der Frauen ist nicht das eigentliche Problem, sondern nur ein Symptom für tiefer gehende Probleme, und dabei ist es egal, ob diese Abwesenheit durch einen Ausschluss der Frauen seitens der Männer verursacht ist, oder durch ein Desinteresse seitens der Frauen.

Dass Frauen bei den derzeitigen, noch aus dem Patriarchat stammenden Medien nicht so viele Eisen im Feuer haben wie Männer, ist aus meiner Sicht eine Chance. Umso freier sind wir nämlich, ganz unabhängig davon, was dort als „normal“ oder „selbstverständlich“ gilt, darüber nachzudenken, wie gesellschaftliche Kommunikation, Information, Transparenz, Auseinandersetzung, Debatte und Analyse unter postpatriarchalen Vorzeichen organisiert werden kann.

Männer, die das auch interessiert, können natürlich gerne mitmachen. Und den klassischen Medien schauen wir derweil beim Sterben zu. Nicht hämisch, bloß gleichgültig.

123 Gedanken zu „Diese Medien sind kaputt

  1. Volle Zustimmung! Einen Satz möchte ich besonders herausheben „Die Abwesenheit der Frauen ist nicht das eigentliche Problem, sondern nur ein Symptom für tiefer gehende Probleme …“

    Ich denke die klassichen Medien sind Kinder eines materialistischen, hierarchisch- und loyalitäts-basierten Gesellschaftsentwurfes, der überwiegend von Männern getaltet wurde. Vielleicht sind auch die Tage dieses Gesellschaftsentwurfs gezählt.

  2. „…… – in deutschen Medien gehe ohne Frauen bald gar nichts mehr, prophezeite Schirrmacher.“

    Nur weil in deutschen Medien Frauen zu sehen und zu hören sind, heißt das eben noch lange nicht, dass
    diese mit selbstbestimmten Ideen darin auftreten. Mein Eindruck ist, dass im medialen Geschäft Frauen als Sprecherinnen und Überbringerinnen von (meist schlechten) Nachrichten und Botschaften eingesetzt werden bzw. diese moderieren, und in dieser Weise als „gesellschaftliche Beruhigungspillen“ fungieren.
    Die Verwertung der „Humanressource Frau“ läuft auf Hochtouren!

  3. Unsere Gesellschaft ist ziemlich kaputt.
    Egal, in welches Nest du deine Nase reinsteckst, es kommt immer mehr Müll zum Vorschein.
    Letztlich sehe ich die Chance darin, dass Frauen und Männer endlich begreifen, dass die Manipulation so weit gediehen ist, dass wir nicht mehr erkennen können, warum wir immernoch aufeinander herumhacken.

    Es ist mir schlichtweg egal, ob er oder sie Müll redet, Hauptsache, es kommt noch jemand darauf, dass es Müll ist.

  4. Passiert ist genau das Gegenteil: Die Medien sind so männerdominiert wie kaum noch eine andere gesellschaftliche Organisation.

    Da die Medien keine Organisation sind, sondern eine Branche, sollten wir sie eigentlich mit anderen Wirtschaftszweigen vergleichen. Und da gibt es genug Beispiele mit ähnlichem Männeranteil.

    Diese Medien, so sehe ich es, sind kaputt, und zwar unrettbar.

    Rhetorisch erinnert mich das ein bisschen an die Ablehnung der Medien als „Systemmedien“, die in anderen Kreisen üblich ist.

    Dass Frauen bei den derzeitigen, noch aus dem Patriarchat stammenden Medien nicht so viele Eisen im Feuer haben wie Männer, ist aus meiner Sicht eine Chance. Umso freier sind wir nämlich (….)

    Wer ist „wir“, wenn es in deiner Sicht keine allgemeinen Fraueninteressen gibt und viele Frauen daran arbeiten, mehr Eisen im Feuer zu haben?

  5. Morgen gehen wir zu einer Wahl, von der ich überhaupt nicht erkennen kann, dass die geschlechterspezifisch unterschiedliche Wahrnehmung der Wirklichkeit seit Jahrtausenden eine Rolle spielt—-.
    Ich weiss nicht, ob eine Angela -, eine Andrea Nahles, eine Katrin Göring-Eckert oder eine Katja Kipping noch mitfühlen können mit allen den Frauen, die einen neuen Menschen geboren haben und die sich für lange Zeit ihres Lebens verantwortlich fühlen für ihre Kinder— die Zukunft—.
    Diese letzteren Drei haben ihre Verantwortung für ihre – und ihre Bindung zu ihren Kinder/n offenbar abgegeben— an Andere.

    Soll das der Weg in eine gute Zukunft sein?

  6. Mir ist diese monolithische Definition von „den Medien“ irgendwie zu kurz gegriffen. Zwischen Radio, Zeitung, Fernsehen und Internet gibt es doch enorme Unterschiede, auch bei der Sichtbarkeit von Frauen. Ebenso zwischen verschiedenen Sendern oder Publikationen.

    Viel interessanter ist es aber, was in den „neuen Medien“ los ist. Laut diverser Studien liegt etwa der Frauenanteil bei Bloggern bei 50% oder drüber – was man so nicht unbedingt erwarten würde, wenn man etwa auf Rivva oder 10000flies schaut. Gerade bei den dezentralen Blogs mit ihren kaum vorhandenen Einstiegshürden stellt sich dann die Frage, warum Frauen so wenig sichtbar sind, obwohl sie doch einen größeren Teil der Blogger stellen.

  7. @irene – dass die Medien kaputt sind, ist eine Beobachtung, nicht ein Werturteil. Ich bin ja nicht die einzige,die das beobachtet. (Und es sind nicht nur Feministinnen, die das beobachten).

    Das „wir“ sind alle Frauen, die keine Eisen bei diesen Medien im Feuer haben. Diesen Frauen (und Männern) mache ich einen Vorschlag für das, was nun politisch zu tun wäre, als Anstoß zu einer Diskussion. Um Interessen geht es in dem Zusammenhang gar nicht – im Gegenteil, dass uns mit diesen Medien keine Interessen verbinden, ist ja Grundlage für mehr Freiheit.

  8. Pingback: Filmmonster, bedingungsloses Grundeinkommen und Philipp „Breaveheart“ Rösler « Reality Rags

  9. Die Bewusstseinsindustrie ist lediglich eine Bühne, auf der die ungleichen Verhältnisse zwischen den Geschlechtern – wie alle anderen ungleichen Verhältnisse einer Gesellschaft – inszeniert werden.

    Es gilt also, diesen Dingen auf den Grund zu gehen bzw. sie zu thematisieren. Das könnte nämlich dazu führen, dass die Menschen sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern dieses Systsem verbesserungswürdig (kleiner Euphemismus, sorry), da ungerecht ist.

    Das klingt recht einfach, ist es aber nicht. Gegen eine Bewusstseinsindustrie im Sinne Enzensberger zu stehen, heißt eigentlich, gegen eine Übermacht anzutreten.

    Jedoch könnte diese Aufgabe leichter angegangen werden, wenn man Kräfte bündeln würde, z.B. indem man den kontraproduktiven Kampf für eine Quote in Frage stellt bzw. gleich ganz weglässt.

  10. Ich glaube nicht das Frauen, ganz allgemein kein Interesse daran haben Medien zu konsumieren oder kreativ zu gestalten. Frauen, die sich da wirklich herrauß nehmen sind wohl eher Seltenheit. Und dennoch sehen und hören und lesen alle (Frauen, wie Männer, wie Kinder) die Inhalte von Medien, die stark durch Männer geprägt sind und in denen Frauen kaum bis gar keine Mitspracherecht haben, noch dazu überbracht von Frauen. Ist ja nicht so als fehle es an Moderatorinnen oder Vorbildblondienen. Daher sehe ich die Medien weder sterben, noch sich verändern und eine Untätigkeit seitens der Frauen wird dies wohl kaum verbessern. Es wird viel mehr weiterhin ein Bild der Frau verbreitet und als gültig betrachtet, das steinzeitlich anmutet: Wie oft habe ich mich über Werbung geärgert in der die Frau den Haushalt schmeißt, was ihre größte und einzige Kompetenz zu sein scheint, oder über die zahllosen hübschen Mädchen, die unsinnigste „Nachrichten“ verlesen…

  11. @burakami – oh, ich wollte keineswegs für Untätigkeit plädieren, mir ging es um die Art und Weise der Tätigkeit. Ich glaube zum Beispiel, dass Frauen die Medien nicht so wichtig nehmen wie Männer, aber natürlich „konsumieren“ sie die auch. Aber an „zweiter“ Stelle sozusagen. Oder dieser Spruch, wonach etwas nur passiert ist, wenn die Medien darüber berichten. Oder dass man Politik im Hinblick auf die Medien „verkaufen“ muss. Ich glaube, das sind alles Dinge, die weniger Frauen als Männer wirklich glauben.

  12. „Diese Medien sind kaputt…“ kein Wunder…die meisten Berichten…insbesondre wenn um Außenpolitik geht, werden „a la carte“ verfasst, und passen sich die Wünsche bestimmten Kreisen an. Unsere Redakteure empören sich z.B. nicht, dass iranische Kanäle nicht mehr in Europa senden können, weil bestimmte Kreise so wollten. Ich habe mehrere Artikel darüber übersetzt. Ob die Frauen weniger korrupt als Männer sind, und die Wahrheit mehr ans Licht kommt, bin ich nicht so sicher.
    Ich teile die Meinung von bettinaberens völlig.
    mundderwahrheit WordPress.com

  13. @irene – dass die Medien kaputt sind, ist eine Beobachtung, nicht ein Werturteil. Ich bin ja nicht die einzige,die das beobachtet. (Und es sind nicht nur Feministinnen, die das beobachten).

    Unrettbar kaputt klingt nun mal endgültig.

    So endgültig ist sonst nur das Print-ist-tot-Geschrei von Leuten, die gerne hätten, dass ihr Blog wichtiger wird als die Tageszeitung. Oder die Haltung von radikalen Gruppen, die die Gesellschaft pauschal ablehnen, von der Revolution schwafeln und andere als Reformisten verachten.

    Was die Nichtfeministinnen angeht, die angeblich dasselbe sagen: In der Debatte um die Zukunft der Medien geht es um Probleme, die teilweise daraus entstehen, dass man bei der Umstellung von print auf digital viele Jahre lang zweigleisig produzieren und wirtschaften muss. Zu dieser Debatte gehören auch die Ausnahmen und Vorreiter, die zeigen, wie es eventuell doch gehen kann. Viele haben zwar über die Bezahlschranke von Welt.de gelästert, aber die brachte auf Anhieb ziemlich viel Geld. Springer kann Internetbusiness, ob man es denen nun gönnt oder nicht. Im Lokaljournalismus gibt es einige Blätter, die was anderes anstreben als den üblichen Bratwurstjournalismus und mehr in die Tiefe recherchieren. Und womöglich darüber nachdenken, auf Wochenzeitung umzusteigen, wenn die Abonnentenzahl für eine Tageszeitung zu niedrig ist. Es gibt neue lokale Blogs, die zusätzlich Print-Magazine rausbringen wie z.B. das Mucbook in München (von einem Mann gegründet, der früher bei der Süddeutschen war).

  14. @Irene – Ich meine mit „Medien kaputt“ nicht nur die Probleme, die sich durch das Digitale ergeben. Die Medien waren schon vorher kaputt, darüber hat Simone Weil schon 1942 geschrieben. Allein schon, dass zum Beispiel „Geld verdienen“ mit „Erfolg haben“ gleichgesetzt wird, zeigt ja, dass es bei den Medien nicht mehr wirklich um das eigentliche Thema ging (also Information, Kommunikation, Transparenz, politische Debatte) sondern eben um Geldverdienen. Das sind ja zwei völlig verschiedene Dinge. Aber es ist etwa der Grund, warum in den Medien völlig Nebensächliches aufgeblasen und Wichtiges an den Rand gedrängt wird (Ich sag nur : Veggie Day oder: Die Grünen sind für Sex mit Kindern!!!!!), was dann wiederum dazu führt, dass Menschen/Parteien/Organisationen ebenfalls das aufblasen, wovon sie glauben, dass die Medien es aufgreifen werden, anstatt sich mit Wesentlichem zu beschäftigen. Und so weiter. Ich sage nicht, dass irgendjemand hier was falsch macht oder ein böser Mensch ist, aber ich halte dieses Prinzip tatsächlich für unrettbar kaputt. Also Kaputt im Sinne, dass die Medien nicht mehr in der Lage sind, das zu tun, wofür sie eigentlich da sind. Das heißt nicht, dass sie nicht noch Macht und Einfluss haben oder auch viel Geld verdienen. Aber das ist es nicht, wozu wir Medien brauchen.

  15. Wie sähe denn in einer besseren Medien-Welt, mit einer Süddeutschen, die eine Feministin als Chefredakteurin hat, die Seite 1 aus? Welche Schlagzeilen würden den 21.9.2013 beschreiben? Fände ich interessant.

  16. Ich lese deinen Text so, dass mit den Journalistinnen (oder: Medienmacherinnen) vor allem die Themen Geschlechterdifferenz, Frauen an sich, weibliche Freiheit oder Feminismus fehlen. Aber ist es nicht so, dass auch alle anderen Themen durch die Homogenität der Journalisten leiden?

    Das wäre jedenfalls mein Ansatz, mit dem ich fordere, dass sich das ändern muss. Einerseits, weil sie jetztige Situation Frauen den Weg in die Medien verbaut und andererseits eben, weil ich davon ausgehe, dass der jeweils eigene verschiedene Hintergrund sich auch darauf auswirkt, wie und worüber geschrieben (gesprochen, gefilmt …) wird.

  17. Zitiere den FR-Journalist Schmale: „Nebensächliches, Schräges und Skurriles hat in diesem Wahlkampf mehr Aufmerksamkeit erregt als die wichtigen Themen. Viele Medien spielen dieses Spiel leider mit. “
    Das Fatale ist, dass seriöse Medien sich gezwungen sehen, auf diesen letztlich unpolitischen Unsinn einzusteigen, statt ihn zu entlarven als Mittel zur Entpolitisierung des politischen Betriebs. …….Und immer weniger Journalisten sehen sich in der Lage, solchem Herdentrieb zu trotzen. ….“
    http://www.fr-online.de/bundestagswahl—hintergrund/bundestagswahl-2013-wahlkampf-politik-im-twitter-format,23998104,24387908.html

    Was der FR-Journalist nicht thematisiert sind die tieferen Gründe für den unpolitischen Journalismus, auf die @Antje und andere hier im Blog hinweisen. Neben Simone Weils Aussage stelle ich noch ein Marx-Zitat: „Die erste Freiheit der Presse ist es kein Gewerbe zu sein“.

  18. Kommunikation und damit Medien spiegeln in jeder Gesellschaft das Ringen um gegenwärtige und künftige Sinnstiftung. Die Gruppen, die stärker sind, sagen an, was Sinn machen soll und was nicht.

    So war das zum Beispiel auch im Mittelalter als der Adel das Sagen hatte. Das (männliche) Bürgertum brauchte ein paar Jahrhunderte, bis es dem Adel ansatzweise Paroli bieten konnte – und langsam in dessen Gewaltmonopole und Monopole kommunikativer Orientierung und Sinnstiftung aufstieg. Sie haben auch beklagt, wie kaputt der Adel doch ist und machten genau das, was Antje wohl jetzt macht: Sie vernetzten sich in kleinen Grüppchen von Gleichgesinnten und diskutierten über ihre spannenden Ideale und deren Umsetzung. Und trotzdem brauchten sie ganz schön lange, bis der Adel hierzulande nicht mehr das Sagen hatte. Vor hundert Jahren (!) war Deutschland noch immer ein höfisches Kaiserreich, in dem die Verhaltens- und Denkweisen von Adel (und Militär) heftig auf das männliche und weibliche Bürgertum abfärbten. Gerade hierzulande können wir ein Lied davon singen, wie lange Wandlungsprozesse brauchen können, wie wenig selbstverständlich sie sind und dass es immer wieder heftige Gegenschübe geben kann.

    Ich weiß, dass eine solche Langfristperspektive für uns nur sehr bedingt tröstlich ist. Aber sie hilft doch ein bisschen weiter: das Gras wächst zwar auch nicht schneller, wenn man dran zieht, aber gerade deshalb bleibt nichts anderes übrig, als sich geduldig aber bestimmt in eigenen Netzwerken zu organisieren und die Entwicklung im diesem Sinne allmählich voranzutreiben.

    Problematisch ist aus meiner Sicht vielmehr, dass Frauen es – im Gegensatz zu Männern – bislang nicht geschafft haben, das Problem der generativen Weitergabe ihrer Ideale zu lösen – quasi die Staffelholzübergabe. Langfristige Wandlungsprozess laufen in Generationenketten. Die männlichen Spielregeln der Generativität verhindern aber bislang die Weitergabe abweichender Ideale recht effektiv. DAS ist meiner Meinung nach ein echtes Problem. Wie können Frauennetzwerke besser sicherstellen, dass sich die nächste Generation auf ihre Schultern stellen kann und den Stein nicht wie Sisyphos immer wieder von unten hochrollen muss?!

  19. @Ute Plass – Ja, das meinte ich, wenn ich oben schrieb, dass es nicht nur meine Beobachtung ist, dass diese Medien kaputt sind, sondern dass es in den Medien selber schon gewusst wird, aber sie sehen – im Rahmen ihrer Schemata – keine Möglichkeit, das zu ändern. Das ist so ähnlich, wie wenn ich mit Journalistinnen spreche und sie frage, warum sie im generischen Maskulinum schreibe. Fast alle sagen dann, sie finden das eigentlich auch falsch, aber sie könnten es nicht anders machen. Diese verbreitete Botschaft von Leuten aus dem Medienbetrieb: „Wir wissen, das es falsch ist, aber wir können es nicht anders machen“ bringt mich dazu, zu sagen, dass die unrettbar kaputt sind. Weil ich nicht sehe, wie sie da etwas ändern könnte. Und warum sollte ich Einfluss innerhalb einer Struktur suchen, wo ich dann höchstwahrscheinlich eh nichts ändern kann?

  20. @Edita – ja, wobei bei solchen Prozessen auch immer die Frage ist, wer wirklich „das Sagen“ hat. Also der Adel zum Beispiel hat noch sehr viel länger nach außen hin bestanden, obwohl er schon längst nicht mehr „das Sagen“ hatte (aber es sich immer noch einbildete). Ich glaube, so ähnlich ist das bei den Medien vielleicht auch.

  21. Antje: Allein schon, dass zum Beispiel “Geld verdienen” mit “Erfolg haben” gleichgesetzt wird, zeigt ja, dass es bei den Medien nicht mehr wirklich um das eigentliche Thema ging (also Information, Kommunikation, Transparenz, politische Debatte) sondern eben um Geldverdienen. Das sind ja zwei völlig verschiedene Dinge.

    Ja, schon. Aber beide sind wichtig, weil guter Journalismus irgendwie finanziert werden muss. Außer du setzt in erster Linie auf öffentlich-rechtlichen (und kirchlichen) Journalismus, der über Steuern finanziert wird und von Gremien kontrolliert. Und als Alternative gäbe es nur Blogs von Privatpersonen.

    (Das Allzweck-Argument Grundeinkommen hilft hier nicht weiter, weil das keine Reisekosten, Produktionskosten und Büros abdecken könnte, sondern nur für die Bezahlung genügsamer Journalisten.)

  22. Zeitungen, Fernsehen und Radio sind recht unterschiedliche Dinge. Ich gehe mal hauptsächlich auf Zeitungen ein.

    Die großen Tages- und Wochenzeitungen haben ein Problem, weil das Internet ihnen die Gatekeeper-Funktion zwischen nimmt und den Wettbewerb untereinander erhöht.

    Der klassische Zeitungsmarkt ist ein zweiseitiger Markt (Leser und Anzeigenkunden). Dadurch entstehen Netzwerkeffekte: wer mehr Leser hat, bekommt mehr Anzeigenkunden, wer mehr Anzeigenkunden hat, kann den Lesern mehr fürs gleiche Geld bieten und bekommt wieder mehr Leser. Außerdem gibt es den Effekt, dass es für Leser Vorteile bietet, das zu lesen, was auch viele andere lesen. Dadurch entsteht ein regionales Monopol. Die Größe dieser Region hängt davon ab, wie weit die Zeitung effizient und zu akzeptablen Kosten verbreitet werden kann. Im Laufe der Zeit hat die Technik dafür gesorgt, dass diese Gebiete immer größer wurden – das Zeitungssterben hat nicht mit dem Internet begonnen.

    Der zweiseitige Markt sorgt übrigens dafür, dass solche Monopole nur schwer zu brechen sind.

    Das Internet ändert mehrere Dinge. Zum einen vergrößert es die größe der Region: im Grunde stehen nun alle Zeitung in ganz Deutschland miteinander im Wettbewerb (außer bei regionalen Themen). Ich glaube, dass einige wenige Tages- und Wochenzeitungen (vielleicht 3 oder 4) überleben.

    Zum anderen ermöglicht das Internet den Autoren, ihre Artikel elektronisch praktisch umsonst zu verbreiten. Moderne Rechner und Software machen die Produktion billig. Autoren und Leser können so direkt zueinander finden und Zeitungen sind keine Gatekeeper mehr. Das bedeutet nicht, dass nun goldene Zeiten für den klassischen Journalisten einer Tages-/ oder Wochenzeitung (also Berichterstattung und Meinung zu aktuellen Themen) ausbrechen, denn es wird viel Konkurrenz geben. Selbst wenn nur 1% der Bevölkerung jeden Monat einen Artikel schreibt, wären das noch über 20.000 Artikel am Tag, die um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrieren.

    Ich glaube daher, dass wir hier eine klassische Hit-Ökonomie bekommen, also eine Verteilung, die einem Potenzgesetz folgt (http://en.wikipedia.org/wiki/Power_law). Das Internet ermöglicht im Gegensatz zur Zeitung auf Papier einen Long Tail (http://en.wikipedia.org/wiki/Long_tail), aber dennoch werden nur wenige davon leben können und nur wenige werden von vielen Menschen wahrgenommen werden.

    Die überlebenden Zeitungen und ihre Autoren werden dabei ganz vorne dabei sein. Die klasischen Medien zu ignorieren, halte ich deshalb für keine gute Idee.

    Viele Autoren werden das nur als Hobby betreiben, gerade auch die, die von vornherein Nischenthemen bedienen. Das heißt nicht schlechte Qualität – der Fachmann, der über sein Fachgebiet schreibt, liefert ja auch jetzt schon viel bessere Qualität als der „Qualitätsjournalismus“.

    Die aber, die klassischen Meinungsjournalismus machen wollen und Einfluss auf Politik und Gesellschaft nehmen wollen und daher sehr viele Leser benötigen, werden hoher Konkurrenz ausgesetzt sein und das als Beruf betreiben müssen. Die überwiegende Mehrrheit von Ihnen werden dennoch scheitern. Das erfordert viel persönliche Risikobereitschaft oder einen starken finanziellen Hintergrund. Das ist auch jetzt schon der Fall, nicht umonst kommen sicher mehr als 2/3 aller Journalisten der großen Zeitungen aus der gehobenen Mittelschicht.

    Außerdem: Die klassischen Medien beeinflussen noch lange, wer ein „Star“ wird. Im Internet kann man als engagierter Blogger relativ leicht ein paar zigtausend Menschen erreichen, das ist das neue, was früher so nicht möglich war. Aber die breite Öffentlichkeit zu erreichen, das ist etwas anderes. Wer diesen Sprung schaffen will, muss ins Fernsehen, in die großen Zeitungen oder zu Spiegel-Online. Und auch, was Themen angeht, ist es so. Ich glaube, das wird auch noch länger so sein.

    Dass die Medien uns kaputter als früher erscheinen, ein Gefühl, das meiner Erfahrung nach tatsächlich immer mehr Leute haben, liegt meiner Meinung nach daran, dass wir durch das Internet viele Behauptungen zum einen überprüfen können (bzw. andere das für uns tun), zum anderen viel mehr Informationsquellen haben. Wer hatte früher schon viel mehr als eine Tageszeitung und vielleicht eine Wochenzeitung?

  23. @wolfgang – ich würde da noch grundsätzlicher drangehen. Warum ist es denn gut viele Leute zu erreichen? Das ist doch kein Zeichen für Qualität. Und zu glauben, dass man dadurch Einfluss hätte, ist auch ein Irrtum, weil man ja den Preis inhaltlicher Konzessionen macht, UM diese Reichweite zu haben.

    Ich würde sagen, dass wir heute keinen professionellen meinungsjournalismus mehr brauchen. Meinungen veröffentlichen kann jeder_r. Wo es einen Bedarf gäbe, das wäre professionelle Recherche. Das kann man nämlich in der tat nicht privat machen, das muss finanziert sein. Da hat @irene recht. Aber auf die bezahlten „Meinungsmacher“ kann ich gut verzichten, und ich finde auch nicht, dass sie für die demokratische Kultur wichtig sind, eher im Gegenteil.

  24. @Antje: Im Prinzip stimme ich dir zu – ich habe sehr viele RSS-Feeds in meinem Reader. Viele natürlich viele fachlich oder zu meinen Interessen. Aber ich lesen auch viele zu Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht. Die Autoren sind meist vom Fach und keine Journalisten, und Sie versuchen nicht zu verbergen, dass ihre persönliche Meinung und Weltanschauen eine wichtige Rolle spielt. Mit vielen stimme ich übrigens eher selten überein, aber wenn Sie intelligent und gut schreiben? Und ich lese vieles auch einfach zur Unterhaltung.

    Aber wenn ich mit Bekannten spreche, dann ist das keine gemeinsame Basis. Sie müssten ja zufällig die gleichen Artikel lesen. Ich mache auch immer wieder die Erfahrung, dass die Massenmedien die Meinung der Menschen, auch intelligenter Menschen, prägen, selbst wenn sie durchschaubaren Mist schreiben. Vielen Menschen ist wohl wichtiger, eine gemeinsame Basis mit anderen zu haben, als korrekte Informationen zu haben. Oft denke ich auch, dass Leute, wenn sie eigentlich eine abweichende Meinung von der „öffentlichen Meinung“ haben, diese nicht mehr offen vertreten wollen.

    Wer den Mainstream beeinflussen will, muss in die großen Zeitungen und im Fernsehen präsent sein. Und umgekehrt: gegen das, was die Massenmedien schreiben, kommt man nur schwer an.

    Damit will ich nicht sagen, dass die Medien mächtiger als Regierung oder Wirtschaft sind – selten, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt. (Als Koch z.b. den Bender abserviert hat, da konnte man sehen, wo die Macht sitzt).

  25. @ antje Es hat durchaus Tradition das Höfisch-Adlige am Kaiserreich zu unterschätzen. Aber das Erbe militärisch-adeliger Verhaltens- und Empfindensstandards war doch recht haltbar, führte zunächst in den Ersten Weltkrieg und hat insgesamt auch heftig auf die Nachfolger abgefärbt. Nach dem Krieg die zunehmend heftige Demokratieverachtung, dann die mörderische Rassearistokratie der Nazis. Die Sehnsucht nach dem starken Mann – der nun auch die starke Frau sein darf – verblasst scheinbar nur allmählich – allein das Geschlecht verändert das Bedürfnis nach steil-geordneten Hierarchien scheinbar nicht.

    Zurück zu den Medien: Ich fürchte, es braucht einige Generationen bis sich die gender-hierarchischen Verhaltens- und Empfindensstandards im Agenda-Setting von Medien und ihren Strukturen ändern. Denn es führt kein Weg daneben, dass es für Generativität praktisch keine Beziehungsideale gibt, die Frauen die Entwicklung und generative Weitergabe anderer Ideale ermöglichen. Das spiegelt sich – nicht nur, aber auch – in den Medien wieder. Indirekt wird das ja auch in den Frauenbewegungen beklagt, dass es immer wieder Gegenschübe gibt und inhaltlich oftmals viel zu wenig an der weiblichen Vorgängergeneration angeknüpft werden kann.

  26. „Warum ist es denn gut viele Leute zu erreichen? Das ist doch kein Zeichen für Qualität. Und zu glauben, dass man dadurch Einfluss hätte, ist auch ein Irrtum, weil man ja den Preis inhaltlicher Konzessionen macht, UM diese Reichweite zu haben.“

    Wie passt das eigentlich mit den Bemerkungen zum wünschenswerten Mainstream neulich zusammen?

  27. Ach ja, und noch was:

    „Das ist doch kein Zeichen für Qualität.“

    Woher kommt eigentlich der „Qualitäts“begriff – bzw. was ist denn „Qualität“?

    Das ist doch noch nicht einmal beim „Recherchejournalismus“ klar, weil auch der die Dinge in mehr oder weniger Mitteilenswertes unterteilen muss und dabei ohne eine Meinung gar nicht auskommen kann.

  28. @Andreas – Beim Artikel zum Mainstream neulich habe ich ja nicht geschrieben, dass ich Teil des Mainstreams sein will, sondern dass ich es gut finde, dass es einen Mainstream gibt und dass dieser der Horizont meines eigenen Handelns ist. Verstehst du den Unterschied?

  29. Ich weiß nicht, ob das, so wie es hier steht, stimmt. Denn für die Themen, ihre Gewichtung und Auswahl, sind ja meist nicht die Chefs zuständig, sondern die „ausführenden“ Redakteure. Und die sind, jedenfalls in den Redaktionen, mit denen ich zu tun habe, überwiegend weiblich. Den Themen merke ich das aber nicht an!

  30. „Verstehst du den Unterschied?“

    Nein, denn Deine Aussage war ja ziemlich klar: Du willst den Mainstream überzeugen. Was doch voraussetzt, dass der Mainstream überhaupt schon einmal in der Lage ist, sich ein Urteil zu bilden. Wenn er das ist, dann muss aber „Masse“ eben auch „Qualität“ bedeuten – und dort, wo die Masse nicht vorhanden ist, muss man halt erstmal die Abwesenheit von Qualität vermuten.

    Das steht doch auch in Deinem Link:
    „Aber auch wenn an der Quantität orientierte Bewertungen allgegenwärtig sind, wissen Menschen eigentlich sehr genau, was für sie eine gute Qualität ausmacht.“

    Ansonsten, sorry, habe ich einige Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie ein Journalismus beschaffen sein muss, der meine offenbar vorhandene
    >>Sucht nach Mehr endet<>mir die Erfahrung des “Genug“<>Qualität ist etwas Unverfügbares, das entstehen kann, wenn Menschen, die sich an ihrem Begehren ausrichten, durch immer wieder neue Praktiken bemüht sind, Veränderungen zu erreichen, um dem näherkommen, was sie sich für ihr Leben und die gemeinsame Welt wünschen.<<

    kann ich in dem Zusammenhang wenig anfangen … auch die RAF hat nach der Definition qualitativ hochwertiges hervorgebracht.

  31. Ups – irgendwie scheint das Formatting nicht so zu funktionieren, wie ich es mir vorgestellt habe …

  32. Hm – schön, ich verstehe Dich nicht.

    Verstehst Du denn, dass es Fragen auftauchen lässt, wenn jemand einerseits schreibt, er möchte den Mainstream überzeugen, andererseits aber der Meinung ist, der „Meinungsjournalismus“ sei unnötig und nur „Rechercheournalismus“ hätte noch eine Daseinsberechtigung, dass alles untermauert mit einem Qualitätsbegriff, der sich einigermassen offensichtlich an künstlerischen oder literarischen Kategorien orientiert, deren Anwendbarkeit auf „journalistische Kommunkationissysteme“ einigermassen fragwürdig ist?

    Ich sage mal – man könnte ganz böse die Meinung vertreten, Du würdest hier einfach nur darüber rumjammern, nicht den Einfluss zu haben, den Du Dir wünscht, wobei Du die Leute, deren Applaus Du wünscht, klammheimlich verachtest, weil Sie Dir eben keinen Applaus spenden.

    Ich hoffe mit meinen Fragen ja immer Antworten zu provozieren, die zeigen, dass dem nicht so ist … schade, dass das nicht klappt.

  33. @Antje: Du willst mit deinem Kommentar (30) sagen, dass du den Mainstream als Bezugspunkt relativ zu deinen Thesen brauchst, weil man „leeren“ Raum keine Positionsbestimmung machen kann, richtig?

  34. @Ralph – Ja genau.

    @Andreas – Nein, ich verachte niemand, ich analysiere. Natürlich möchte ich den Mainstream überzeugen, aber das liegt doch nicht allein in meiner Hand. Ich kann mir Mühe geben, aber möglicherweise ist der Mainstream einfach so weit von mir entfernt, dass wir nicht zusammenkommen. Das wird die Zukunft zeigen. In Bezug auf die Medien bin ich der Ansicht, dass es auf diesem Weg sehr schwer bis unmöglich ist, den Mainstream zu überzeugen, weil die innere Logik der dort gültigen Mechanismen nicht kompatibel ist mit dem, was ich will. Oder anders: Wenn ich meine Ansichten ändern müsste, damit ich überhaupt eine Chance habe, in diese Medien zu kommen, dann führt das ja auch zu nichts.

    Ich jammere auch nicht rum, ich versuche nur, den sinnvollsten Weg zu finden. Außerdem habe ich ja gerade geschrieben, dass ich die Medien als Autoritäten nicht akzpetiere, deshalb habe ich logischerweise auch überhaupt keinen Grund, darüber zu jammern, dass sie mir keinen Applaus spenden. Das ist halt so.

  35. @Andreas – Ich sage mal – man könnte ganz böse die Meinung vertreten, Du würdest hier einfach nur darüber rumjammern, nicht den Einfluss zu haben, den Du Dir wünscht, wobei Du die Leute, deren Applaus Du wünscht, klammheimlich verachtest, weil Sie Dir eben keinen Applaus spenden.“

    Nee, Andreas, so verstehe ich Antjes Begehren nicht. Sehe es ähnlich wie @Ralph, der darauf hinweist,
    dass wir nicht im luftleeren Raum agieren, und sog. Mainstream als Bezugspunkt dient um eigene Denk- und Lebenshaltungen in die unterschiedlichsten Strömungen einfließen zu lassen. Also die bewusste Auseinandersetzung mit vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen und Gegebenheiten, die mannfrau im Sinne des guten Lebens für alle mitgestalten will.

    Und was mich besonders verwundert, @Andreas, ist, wie ‚man‘ auf diese von Dir formulierte ‚böse Meinung‘
    kommen kann, um darüber Antje zu unterstellen: „…nicht den Einfluss zu haben, den Du Dir wünscht, wobei Du die Leute, deren Applaus Du wünscht, klammheimlich verachtest, weil Sie Dir eben keinen Applaus spenden.“
    Könnte es sein, dass Du mit „die Leute“ dich selber meinst, was erklären würde, dass diese, deine böse Meinung viel mit Dir, aber nichts mit Antje zu tun hat.;-)

  36. @AntjeSchrupp:

    Ich würde ja gerne „frei und unabhängig davon, was als “normal” oder “selbstverständlich” gilt, darüber nachdenken, wie gesellschaftliche Kommunikation, Information, Transparenz, Auseinandersetzung, Debatte und Analyse […] organisiert werden kann.“ – gerne auch ohne den Fokus auf „Postpatriarchat“, denn das „Patriarchat“ hat ziemlich viele Dinge ziemlich gut gemacht.

    Hauptsächlich, weil ich glaube, dass wir unseren Kindern Probleme hinterlassen, die sie mit den Mitteln, mit denen wir noch unsere Probleme halbwegs lösen konnten ( z.B. meinetwegen auch journalistische Meinungsmache für einen irgendwie gearteten Mainstream ) , nicht mehr angehen können – es bedarf tatsächlch einer Weiterentwicklung und/oder Neuentwicklung politischer Verfahren und damit natürlich auch ein Neudenken, wie eben der Austausch organisiert werden kann. Meine Motivation ist jedenfalls nicht primär ein „Postpatriarchat“.

    Bloss, was soll jetzt ich als geneigter Leser damit anfangen, dass Du „klassische Medien“ ( zählst Du eigentlich auch die gefühlten 95.000 Frauenzeitschriften auf dem Markt, die anscheinend keineswegs ans Sterben denken, hierzu ?) doof findest?

  37. Frauen, die keinen Einfluss in den Medien haben – sind das Frau Springer und Frau Mohn? Und von der Konsumseite her: Wieso kaufen Frauen Männermedien?

  38. @Andreas – Ich finde klassische Medien nicht „doof“, ich glaube nur, es sind keine geeigneten Tools mehr für diesen Umbau. Ansonsten: Natürlich zähle ich die 95.000 Frauenzeitschriften dazu. Wozu denn sonst? Zur feministischen Revolution? Und nochmal zum Sterben: Sie sterben vielleicht nicht in dem Sinn, dass es sie bald nicht mehr gibt, aber sie sind schon tot in dem Sinne, dass sie nicht mehr die Aufgabe erfüllen, die Medien eigentlich erfüllen sollen. Wären sie weg, wäre nur ein Geschäftsmodell weg.

  39. @Tilman schreibt: „Wie sähe denn in einer besseren Medien-Welt, mit einer Süddeutschen, die eine Feministin als Chefredakteurin hat, die Seite 1 aus? Welche Schlagzeilen würden den 21.9.2013 beschreiben? Fände ich interessant.“
    Wie wäre es mit dieser Schlagzeile: DAS PATRIARCHAT IST ZU ENDE:-D

  40. Die Idee, dass Medien eine Aufgabe erfüllen, ist vielleicht selbst der Fehler? Wer hätte ihnen denn diese Aufgabe zugewiesen? Jedermann, der irgendwas von Medien will? Wenn man nachträglich in der Analyse herausfindet, dass Medien eine Funktion erfüllen, dann folgt daraus nicht, dass sie diese Aufgabe objektiv haben, und etwa unter veränderten Umständen weiter haben.

  41. Tipp: versuchen Sie es doch mal bei Frauenpublikation ZeitOnline, wo Männer als unerzogene Kinder dargestellt werden, die umerzogen werden müssen.

  42. @Andreas – „….denn das “Patriarchat” hat ziemlich viele Dinge ziemlich gut gemacht.“

    Hierzu zitiere ich eine Passage aus Gerda Lerners sehr empfehlenswerter Arbeit über die ‚ Die Entstehung des Patriarchats‘:
    „Es war eine vernünftige Entscheidung, wenn Frauen in der Bronzezeit unter den Bedingungen öffentlicher Machtlosigkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit für sich und ihre Kinder starke Beschützer wählten. Frauen hatten immer Anteil an den Klassenprivilegien der Männer ihrer Klasse, so lange, wie sie
    eines Mannes standen. Für Frauen, die nicht den unteren Klassen angehörten, lautete die so: Im Austausch für deine sexuelle, ökonomische, politische und intellektuelle Unterordnung unter einen Mann kannst du Anteil haben an der Macht der Männer deiner Klasse, Männer und Frauen der niederen Klasse auszubeuten. In einer Klassengesellschaft ist es für diejenigen, die – wie begrenzt auch immer – selbst einige Macht haben schwer, sich selbst gleichfalls als benachteiligt und untergeordnet zu begreifen“.

  43. Nachtrag: Vollständig muss es im o.a. Zitat heißen:
    „Frauen hatten immer Anteil an den Klassenprivilegien der Männer ihrer Klasse, so lange, wie sie unter dem Schutz eines Mannes standen.“

  44. Mal eine direkte Frage:

    Wenn Frauen behaupten, sie wären als Journalisten/Redakteure genauso gut wie Männer (oder besser), warum sind sie dann so scharf und versessen darauf, Plätze in den angeblich so partriarchalischen und unwissenden Männer-Medien zu bekommen?…

  45. @Hadmut – Ähm, also ich habe das eine eine nicht behauptet, und außerdem geschrieben, dass (und warum) ich gerade NICHT scharf drauf bin, in den Männermedien einen Platz zu bekommen. Daher habe ich den Rest deines Kommentar gelöscht, ich nehme an, du hast ihn im falschen Blog gepostet.

  46. @user unknown

    Ich finde Öffentlich rechtliche Medien sinnvoll um eine Funktion zu erfüllen. Und die wäre meiner Meinung nicht, wie es der Fall ist, das subjektive Interesse der Massen zu bedienen. Vielmehr sollte quotenunabhängig auch über die Interessen marginalisierter Bevölkerungsgruppen informiert werden. Ich sehe nach Aufkommen der frei empfangbaren Privatsender nicht mehr unbedingt eine Notwendigkeit zu unterhalten.

    Zur Veranschaulichung: Aufklärung über die Konstruktion von Rollenbildern statt Reproduktion derer in Daily Soaps.

    Sicherlich blende ich hiermit sowohl Print- als auch Internetmedien aus, aber über das Schicksal von Print ist schon viel gesagt worden und dass Internet vielleicht flexibel genug für ö.r. Bildung und Information halte ich nicht für ausgeschlossen. Blogs tun dann vielleicht den Rest die aussterbenden Zeitungen zu ersetzen, weshalb ich durchaus bei Antje bin zu hoffen dass DIE MEDIENLANDSCHAFT neu organisiert werden könnte.

  47. @Hadmut – Deine Frage zeigt, dass Du Dich (noch) nicht mit der Entstehung des Patriarchats und seinen
    Folgen für Frauen und Männer auseinander gesetzt hast – oder?

  48. Dein Artikel hinterlässt mich ratlos.
    Ich verstehe weder das Problem
    noch deine vorgeschlagene Lösung.

    Ich verstehe nicht wieso aufgrund des
    beschriebenen niedrigen Frauenanteils
    die Medien unrettbar kaputt sein sollen.
    Aus anderen Gründen vielleicht, aber die stehen nicht im Text.

    Kaputt bedeutet etwas funktioniert nicht mehr.
    Wie sollen die Medien denn deiner Meinung nach funktionieren?
    Bzw. was funktioniert nicht mehr?

  49. @Mesch – Ich habe ja geschrieben, dass der niedrige Frauenanteil nicht das Problem selbst ist, sondern ein Symptom für das Problem. Was die Aufgaben von Medien sein sollten, hab ich ja im Post geschrieben: „gesellschaftliche Kommunikation, Information, Transparenz, Auseinandersetzung, Debatte und Analyse“ zu organisieren. Und das funktioniert in diesen Medien nicht, finde ich.

  50. „…keine Sachkenntnis in Hinblick auf die Geschlechterdifferenz, über Frauen und weibliche Freiheit wird fast immer unter Rückgriff auf dumme Klischees berichtet, Feminismus kommt praktisch in der Berichterstattung nicht vor, schon gar nicht dessen neuere Entwicklungen und Forschungsergebnisse…“

    was sind denn die neueren forschungsergebnisse ?
    das ist auch nicht irgendwie zynisch-ironisch gemeint sondern aus bloßem interesse, da man(n) ja wirklich nicht so den kontakt/draht zu den quellen hat, aber sich eigentlich schon gern mal damit beschäftigen und kritisch auseinandersetzen wollen würde, um sich eine eigene und vor allem fundierte meinung dazu bilden zu können. daher wäre eine kleine auswahl an für „kenner“ wichtigen aktuellen sachen doch mal lesenswert…

  51. ausschnittsweise wäre auch gut. aber links zu guten papern bzw titel guter arbeiten würden auch vollkommen reichen

  52. @kokko – Das macht aber auch Arbeit 🙂 Ausschnittsweise kriegst du was mit, wenn du den Blog regelmäßig liest. Auch die Blogroll gibt vielleicht das eine oder andere her. Feminismus ist ja kein Lehrstoff, sondern eine politische Bewegung…

  53. Ich stimme der Analyse zu. Die Massenmedien schmoren weitgehend im eigenen Saft (und feiern sich bei solchen Medientagen am liebsten selber) und schaffen es schon lange nicht mehr, gesellschaftliche Diskurse anzustossen.

    Ursache ist die Kommerzialisierung, bei dem Auflage nicht über ein Sendungsbewußtsein oder aus einem aufklärerischen, humanistischem Grund heraus angepeilt wird, sondern lediglich im ökonomischen Sinn eine Rolle spielt. Hohe Auflage, hohe Werbeeinnahmen.

    Ursache ist aber auch eine stark fortgeschrittene Segregation der Gesellschaft. Sowenig wie es im Grunde noch „Die Gesellschaft“ gibt, sowenig kann es auch gesamtgesellschaftliche Leitmedien geben.

    Vielmehr ist die Gesellschaft ein Konglomerat aus vielen kleinen sozialen Milieus deren Gemeinsamkeiten jeden Tag kleiner werden. Massenmedien werden weitgehend nur zur Entspannung, als Bild- und Klangteppich und im inhaltlichen Sinne eher als Verlautbarungsorgan „der da oben“ gesehen.

    Also nicht als Diskursplattform, sondern um zu lesen was von ausserhalb an Zumutungen auf einen zukommen könnte. das ganze garniert mit viel Gossip.

    Selbst innerhalb der immer feiner aufgeteilten Milieus haben „Leitmedien“ kaum noch die Kraft für Diskurse. Oftmals werden einstige „Größen“ (taz, DIE ZEIT um mal zwei ehemalige Leitmedien aus verschiedenen Schichten und aus dem Printbereich zu nennen) nur noch aus Tradition oder als Statussymbol gekauft bzw im Abo gehalten.

    Kommunikation findet heute eher im Graswurzel-Sinne, also bidirektional statt, Facebook, Twitter und Whatsapp, alles in kleinen Zirkeln.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass diese neuen Medien kaum einen aktiven, gestaltenden Diskurs anstossen oder steuern können. Dominierend sind Selbstdarstellung und RE-aktion auf Ereignisse und dies immer schnell und immer nur kurzfristig, da morgen schon was neues passiert ist.

    Das verbindende Element zwischen alter und neuer Medienwelt ist der Gossip, weswegen dann GNTM, DSDS und Co. immer wieder Futterbrocken in den kleinen Kommunikationskreis werfen. Empörungs- und Erregungspotential für einen Tag.

  54. Kommunikation wird haupsächlich in eine Richtung funktionieren,
    von den Journalisten zu den Lesern. Für eine gegenseitige ist mE
    bisher noch das Internet das beste und freieste Medium.

    Information, Transparenz, Analyse
    Hier gibt es für mich mit Zeit, FAZ oder SZ ein Angebot auf hohem Niveau.
    Man denke auch an den Guradian, der die nichtoffiziellen Details zur
    Überwachung veröffentlicht hat!
    Wessen Welt von denen nicht ausreichend repräsentiert wird sucht
    sich andere, zB taz oder Junge Freiheit. Oder man macht was eigenes,
    wenn genug Leute mit Interesse da sind wird das funktionieren.
    Wenn nicht betrifft das Thema wahrscheinlich nur einige am Rande,
    das sollte man sich dann auch eingestehen.

    Debatte und Auseinandersetzung findet im Feuilleton ja auch statt,
    man zitiert auch von anderen Zeitungen oder lässt Leute mit Ahnung
    oder einer anderen Perspektive Artikel schreiben, das ist doch ok.

    Ich finde es ist noch ein ausreichendes Spektrum vorhanden und
    will keinen Totalschaden feststellen.
    Ich stimme zu, dass die ehemals üppige Medienlandschaft beschädigt ist,
    Stichworte sind Kommerzialisierung, Vereinheitlichung, Oberflächlickeit.
    Das ist aber dem Internet und damit dem Wandel der Zeit zuzuschreiben,
    nur eine konsequente Entwicklung und kein Grund das Totenlied
    aller Medien zu singen.

  55. „Feminismus kommt praktisch in der Berichterstattung nicht vor, schon gar nicht dessen neuere Entwicklungen und Forschungsergebnisse…”

    „Feminismus ist ja kein Lehrstoff, sondern eine politische Bewegung…“

    Ist Feminismus nun ein Forschungsgebiet oder eine politische Bewegung? Wenn es ein Forschungsgebiet ist, muss es dann nicht Lehrstoff über die Dinge geben, die bereits erforscht wurden? Wenn es aber eine politische Bewegung ist, kann es keine Wissenschaft sein, die grundsätzlich keine politischen Positionen vertreten, selbst die Politikwissenschaften nicht.

  56. @Meinersbur – Wieso kann es denn nicht beides sein? Allerdings hat sich durchgesetzt, dass man das, was „erforscht“ wird, nicht „Feminismus“ nennt, sondern (früher) Frauenforschung oder (heute) gender studies. Ich finde diese Trennung aber nicht so besonders gut.

  57. Ich habe bereits begründet warum es nicht beides sein kann. Politisch motivierte Wissenschaft ist keine Wissenschaft. Gender Studies nach ihrem Selbstverständnis untersucht Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Bedeutungen von Geschlechter(rollen), sollte aber Ergebnisoffen sein. Eigentlich wollte ich nur auf den offensichtlichen Widerspruch hinweisen, dass es Forschungsergebnisse geben soll aber keinen Lehrstoff über diese. Was wird denn in den Studiengängen Feminismus/Gender Studies ohne Lehrstoff gelehrt?

  58. @Meinersbur – Wer hat denn behauptet, es gäbe keine Forschungsergebnisse? Ich habe nur gesagt, dass ich in diesem Blog nicht das Thema habe, Forschungsergebnisse zusammenzufassen und vorzustellen. Wer sich darüber informieren will, wird in jeder Universitätsbibliothek fündig.

  59. naja es gibt 2 möglichkeiten wenn man sich in ein einem unbekanntes feld einlesen will

    1. man arbeitet sich selbst durch die uni-bibliothek bei einem unbekannten thema und kann womöglich erst nach lesen von 30-40publikationen einschätzen, was von dem gelesenen nun besser bzw schlechter gewesen ist – weiß dann aber wahrscheinlich immer noch nicht was aktuell von den experten als wichtig angesehen wird / bedeutung im entsprechenden feld hat bzw was von den meisten experten als eher schlecht / unwichtig / kaum neue erkenntnisse erbringend / schon längst überholt oder widerlegt eingestuft wird

    2. kann man leute fragen die sich auf dem gebiet bewegen (aka experten) ob sie einem 2-3gute aktelle sachen zu lesen empfehlen können sodass man sich nicht duch 10unwichtige sachen quält und mal auf ein bedeutenderes machwerk zu stoßen

    wenn man schlau ist macht man eben ersteinmal 2. um sich ein fundament zu bilden und liest sich das zeug durch, was von den experten als gut eingeschätzt wird. einfach nur um sich erstmal einen überblick zu verschaffen. denn in den sozialwissenschaften gibt es sehr viel schund und oftmals quält sich ein fachfremder mit technik 1. durch die schlimmste und praxisfremdeste literatur, die das komplette forschungsfeld hergibt und sein (unüberraschendes) fazit lautet dann: das ist ja alles nur gelaber
    Der „experte“ nickt dann nur wissentlich & mitfühlend und versucht seine verdrängten erinnerungen bezüglich dieser literatur (die er zwangsweise hat lesen müssen – und am ende das selbe fazit zog wie der laie) wieder so schnell wie möglich zu vergessen.

  60. um nochmal zum thema zurückzukommen:
    Die Printmedien verlieren ja heutzutage immer mehr an Bedeutung, wohingegen das Internet immer wichtiger wird. Wäre es da nicht ein Leichtes, wenn sich Frauen dort über qualitativ hochwertige Artikel profilieren und vielleicht sogar ihre eigene online-Zeitung gründen?

    Dort (im online-Bereich) könnte man dann ja nicht nur über einen anderen Blickwinkel sondern grade auch mit Qualität punkten, da Artikel der Etablierten zu vielen Themenbereichen mehr als oft zu wünschen übrig lassen (z.B. mangelhaft recherchiert sind und einseitig berichtet wird).

    Deshalb frage ich mich, warum Frauen nicht ihr eigenes Ding machen. Denn Qualität ist den meisten Leuten heutzutage sehr wichtig und wer etwas schreibt ist erstmal zweitrangig (der Inhalt zählt!). Natürlich könnte man jetzt meinen, dass weibliche Autoren diskriminiert / gar nicht erst gelesen werden. Aber dies widerspricht meiner Ehrfahrung und glaube auch der Lebenspraxis der meisten Menschen. Denn die wenigsten Leute, die ich kenne, schauen erst nach dem Autor, bevor sie etwas lesen (oft ist dieser auch leicht versteckt und nur klein geschrieben – also auch nur schwer aufzufinden, wenn er am Ende der Seite erst aufgeführt wird, werden sich die wenigsten die Mühe geben erstmal vor dem lesen runterzuscrollen). Eher umgedreht: wenn man mal was gutes ließt, will man gern wissen, wer dies geschrieben hat und ob es vom entsprechenden Autor / der Autorin noch mehr gibt.

    Daher ist es für mich etwas unverständlich -grade im Bereich Medien- dass da versucht wird Frauen lieber über eine Quote bei den Etablierten reinzubringen anstatt, dass die sich selbst was aufbauen… da kann man vielleicht in einer kleinen Gruppe anfangs nicht viele verschiedene Themenbereiche abdecken, aber das muss ja nicht unbedingt negativ sein….

  61. @unknwon User
    Frauen, die keinen Einfluss in den Medien haben – sind das Frau Springer und Frau Mohn? Und von der Konsumseite her: Wieso kaufen Frauen Männermedien?

    Sehr gute Frage, finde ich. Anstatt die Chefredakteur_innen zu betrachten, ist die mächtigere und nicht gut sichtbare Ebene dahinter auch intressant. Die Anteileigner_innen und Gesellschafter_innen die am richtigen Hebel sitzen.

    Axel Springer Verlag, Herausgeber der Bild über 50% weiblich in Persona Friede Springer, 6% direkt und 90% Beteilitung einer Gesellschaft die 51,4% hält.
    Spiegel: 6% weiblich, 6% transmensch, 12% männlich, 50,5 % Mitarbeitergesellschaft, 25,5% Gunter & Jahr Verlag
    Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, 50% Zeit usw…: 2 Gesellschafter 1Frau&1Mann, Verteilung weiss ich nicht

    Liz Mohn ist im Vorstand der Bertelsmann Stiftung: 2 M, 2 W im Vorstand. dem zu 77% die Bertelsmann KG gehört, der wiederrum der Gunter & Jahr Verlag gehört. Wenn man auf REchenspielchen steht, so könnte dem Spiegel, der zu 25,5% von Gunther Jahr gehört, widerrum 12% weiblichen Einfluss zurechnen.

    So könnte dies noch weiter durchleuchtet werden, allerdings ist dies gar nicht so einfach…. Aber bietet doch auch einen sehr intressanten weiteren Einblick ins Mediengeschehen….

  62. Ich habe mal wieder Verständnisprobleme. Warum ist es relevant, wer wo in irgendwelchen Medienfunktionen sitzt? Wenn Frauen irgend etwas bestimmtes Schreiben oder Filmen wollen, warum tun sie es dann nicht einfach – egal wieviele Männer irgendwo anders irgendwas machen?
    Es gibt vielleicht ein paar Medien mit Monopolstellung, hauptsächlich Fernsehsender und vielleicht sowas wie die Bildzeitung – wo ein grosses Publikum passiv und unkritisch alles frisst was ihm hingeworfen wird. Da kann man sich drüber ärgern dort keine Stimme zu haben, andererseits entscheiden die Menschen sowieso selber was sie konsumieren. Gerade heutzutage ist die Einstiegshürde doch sehr gering, selbst Fernsehen wird langsam irrelevant und durch YouTube & Co ersetzt. Aber selbst wenn man noch in alten Dimensionen denkt: die meisten Fernsehsender und Zeitungen sind Unternehmen, die irgendwann auch mal von irgend jemandem mit grossem Risiko gestartet wurden. Wenn es Frauen wichtig ist, können sie auch eine neue Zeitung oder sogar einen neuen Fernsehsender ins Leben rufen.
    Als Sonderfall bleiben noch die staatlich finanzierten Medien (ARD, ZDF,…). Diese sind in der Tat sehr dubios, und ich glaube theoretisch sind sie Verpflichtet alle Interessen der Gesellschaft zu bedienen. Wenn hier Unzufriedenheit herrscht wie das Umgesetzt wird wäre zu untersuchen wie eine Interessengruppe ihr Recht einfordern kann, dort vertreten zu werden. Ein Freund von mir der Pro-GEZ ist hat mir auch versichert daß man als unabhängiger Filmemacher gute Chancen hat, im öffentlichen Fernsehen gezeigt zu werden. Keine Ahnung – mir auch egal, da Fernsehen meiner Meinung nach ohnehin nur verdummt. Aber wenn man unbedingt Leute manipulieren will, ist das Fernsehen vermutlich ein probates Mittel.

  63. Noch eine Frage: was genau ist denn nun eigentlich das Problem bei den Medientagen. Nur die Männerquote? Wie wurden die Referenten denn ausgewählt. Entspricht die Quote dem Schnitt der Medienunternehmen? Hast Du Dich als Referentin beworben, und wenn nein, warum nicht?

  64. @Björn, zu „was genau ist denn nun eigentlich das Problem bei den Medientagen…“
    „Frauen sollten eingeladen werden, weil zu keinem beliebigen Thema der Welt sinnvoll diskutiert werden kann, wenn Männer dabei unter sich bleiben. Eine solche Veranstaltung ist ganz einfach nicht in der Lage, Allgemeinrelevantes hervorzubringen und wird deshalb unweigerlich eine schlechte Veranstaltung sein. Oder anders: Eine Gruppe, die (fast) ausschließlich aus Männern besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Männer in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell.“
    https://antjeschrupp.com/2012/10/01/kurz-meine-funf-zent-zum-mainzer-manner-medien-disput/
    außerdem noch:
    https://antjeschrupp.com/2013/04/23/50-prozent-uber-zahlen-und-mehr/
    https://antjeschrupp.com/2013/05/29/mal-ein-bisschen-mathe-warum-50-prozent-nicht-reichen/

  65. @allgemein
    Die eigene Umwelt und die vorhandenen Werte und Meinungen kritisieren. Schon Jugendliche machen das. Björn, warum liest du im Internet, siehst fern? Du erwartest doch auch etwas Neues, hier eine Auseinandersetzung, Antworten, oder wenigstens Denkanstöße die Massenmedien eigentlich bieten können. Wenn du aber nur Männer mit einer Meinung, die sie nie hinterfragen vor dir hast, woher sollst du dann als Mann eine andere Haltung einnehmen. Es ist nicht schwer sich ernsthaft mit einem anderen Menschen, etwa einem Menschen eines anderen Geschlechts auseinanderzusetzen, wenn du von unvoreingenommen auf dich selbst bezogen, handelst. Beobachte dich selbst. Findest du alles richtig?
    Ist es nicht wichtig, ob ein Mann, oder eine Frau eine Meinung vertritt, die Frauen benachteiligt?

  66. zum Kommentar von
    kokko schreibt: 24. September 2013 um 17:43

    Ich melde mich zu diesem Thema das erste Mal im Netz zu Wort. Den Kommentar von kokko kann ich nur unterstützen. „Den Medien“ Medien beim „Sterben“ zu schauen?
    Dabei und das passiert auch schon – zurecht!
    Würde ich mich von den „klass.“ Medien abwenden, wenn dort ein Frauenanteil, sagen wir bestens 50% und die derzeitige Propaganda weitergeführt wird?
    Auf jeden Fall.
    Das Internet ist eine Möglichkeit. Crowdfunding z.B.

    Dort kann man dann Angebote, die bestimmte Gruppen interessieren, mit Thema wie Feminismus in Verwendung des generischen Feminins platzieren. Andere Frauen bieten diese Themen nicht an, da ihre Leser anderen Interessen haben.

    Diese Angebote gibt es bereits, ich „kaufe“ weil die jeweilige Thematik mich interessiert, weil er oder sie gut er/nachforscht (investigativ). Ist die Anbieterin weiblich? Gut, why not?

    „Lassen wir“ die klassischen Medien sterben …

  67. @Björn schreibt: 25. September 2013 um 13:08
    „Noch eine Frage: was genau ist denn nun eigentlich das Problem bei den Medientagen. Nur die Männerquote? “ –
    Zusatzfrage:
    Oder auch die Tatsache, daß
    die großen wie die kleinen, die Printer wie die Elektronischen, Boulevard wie „seriöse“, die Öffentlich-Rechtlichen wie die Privaten – und in diesen allen sowohl die Männer wie die Frauen als Beitrag zur Sinnstiftung (ein Kommentator) oder informatorischen Daseinsfürsorge bzw. Grundversorgung
    für die Neuigkeiten und Wichtigkeiten des Tages
    stets identische Wortwahlen, Redewendungen, Aufmacher und Satzbaue
    bevorzugen
    und, von diesem scheinbar nur formal wesentlichen Aspekt abgesehen,
    damit längst das Prinzip der Meinungsvielfalt kalt unterlaufen haben, indem sie es einfach nicht anwenden, FRAUEN und MÄNNER !
    Ob das eventuell die wichtigere Fragestellung für feministisches Denken und Handeln und für „Medientage“ sein sollte?

    Einige solcher Medientage hatte ich mir selber mal übergeholfen, voller Enthusiasmus, und dann mit vorstehender Frage als Erkenntnis abgelassen.
    Wer macht das so?
    Ich denke, verehrte Antje Schrupp, daß genau dieser abstoßende lähmende Zustand der wahre Grund dafür ist, daß du da etwas als „tot“ empfindest, daß du dich als Frau von den Medien nicht mehr angesprochen fühlst.
    Allerdings kenne ich nicht nur Frauen, denen das so geht, sondern auch viele Männer, die angewidert sind von diesem Einheitsverlautbarungsjournalismus, der inzwischen schon die Fragestellungen der Moderatoren wie Maischberger, Anne Will, Jauch, Beckmann, und (etwas geringer) Plaßberg, und fast aller anderen direkt oder indirekt wie eine Schere im eigenen Kopf prägt.
    Als ich mich mal mit DDR-Medien beschäftigte, störten mich ähnliche Erscheinungen: Was wie an welcher Stell mit welcher Schußrichtung (welchem tuch) aufzuführen war, erschien da auch wie einheitlich festgelegt.
    Was lobe ich mir den (fast) letzten großen Journalisten in unserem Land: Hansjoachim Friedrichs. Von ihm hat und hätte nie jemand verlangt, Frau korrekt zu plazieren, durchdacht und sachlich annehmbar.
    Was da wohl vor uns liegt?
    Wären diese Medien tatsächlich „tot“ wie du sagst, ginge es noch, nur sie sind es nicht und ballern stündlich die Birnen der Konsumenten zu – in ihrer inzwischen überkommerzialisierten Selbstverstehensbarrierre und entfremden Menschen an der Lust zur demokratischen Teilhabe damit.

    Jüngste Beispiele: Seltsam rustikale Pädophiliekampagne gegen Grüne – angeleiert von journalistischen Symphatisanten einer im Sterben liegenden anderen Partei, die von allen anderen lechzend mit gleicher Wortwahl erst zu dem gemacht wurde, was scheinbar der sterbenden durch Stimmenbashing bei anderen helfen sollte (wie kalt geht man nur mit den menschlichen Problemen der Betroffenen um?), Zweitstimmenkampagne der Frau Merkel gegen die des Herrn Rösler und umgekehrt, fast obtuierende Formulierungen der Medien zur Koalitionsbildung ohne den Willen der Parteien abzuwarten und zu respektieren usw. usw.
    Auch das ach so freie Internet hilft da nicht ab, da für dortige Publikationen aller Art noch immer eben diese von dir als „kaputt“ bezeichneten Medien die fast ALLEINIGEN STICHWORT- und THEMENGEBER sind und das Internet damit indirekt in ihrem Gestus prägen, da es sich kein politisches oder anders aktuelles blog erlauben kann, diese Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird von den „kaputten“ Medien, zu ignorieren …
    Das Dumme dabei: Ist die Sau raus, Fliegt die Zeitung weg oder Kanal wird um-/ abgeschaltet, aber im Internet bleibt jede Übertreibung, Verfälschung und Unanständigkeit erhalten – Das Internet wird damit zum Konservator dieser „kaputten“ Mediensoße, ob es will oder nicht.

    Medien „tot“ – also nicht, allerdings mit deinem Begriff „Medien kaputt“ kann ich einverstanden sein, nur ob und wieviel dies mit zu geringer Frauenzahl zu tun hat, vermag ich hier nicht zu schätzen, da ich diesen Eindruck gleichermaßen von Medien-Frau wie -Mann gewinne und kein gegenteiliges Beispiel kenne, einzelne und unbekannte Abweichungen ausgenommen.

  68. Das lob ich mir am Blog von Antje Schrupp, dass ich hier, wie bspw. zu einem Thema wie „Diese Medien sind kaputt“ immer mit dem Gefühl lese: wo eine Tür ins Schloss fällt, geht anderswo eine auf. Ich profitiere hier gern von der Abwesenheit der völligen negativen Weltsicht. Und ich lasse die Aufforderung auf mich wirken, „darüber nachzudenken, wie gesellschaftliche Kommunikation, Information, Transparenz, Auseinandersetzung, Debatte und Analyse unter postpatriarchalen Vorzeichen organisiert werden kann.“

  69. …dabei zielt die Aufmerksamkeit von Marketingstrategien vornehmlich auf Frauen. Es gibt einen ganzen Haufen Produkte für Frauen. Es gibt nicht nur die Sendung „FrauTV“ sondern ganze Frauensender, Frauenzeitungen, Frauenbücher, Ferrero-Überraschungseier nur für Frauen. Mehr als die Hälfte der Filmproduktion richtet sich nur an Frauen. Praktisch alle Telenovelas, Liebesfilme und überhaupt alle Filme und Berichte, in denen es nur um die Frage geht, „ob die sich kriegen“, „wer mit wem gesehen wurde“, der ganze Klatsch um Prominente und Adlige interessiert Männer zum großen Teil überhaupt nicht, genausowenig wie Diäten, Esoterik, Kuchenrezepte. Dieser ganze Schund wird praktisch ausschließlich für Frauen produziert. Feminismus ist da noch das wertvollste, was man Frauen anbietet.

    Es gibt zwar auch Angebote, die sich speziell an Männer richten: Fußball, Autos und Computer, Western und Karate. Das ist zwar auch alles Schund. Aber von allem, was irgendeinen geistigen Wert besitzt, sei es Wissenschaft und Technik, Tierfilme, Berichte von fernen Bergvölkern etc., halten sich Frauen konsequent fern.

  70. Das die alten Medien, die gemeint sind, kaputt sind, da sind sich viele einig. Qualitätsjournalismus gibt es eigentlich nicht mehr. Es geht nur noch darum hohe Klickraten / Verkaufszahlen zu erreichen.
    Die neuen Medien liefern ja aber die Möglichkeit ein Gegenangebot zu schaffen. So wie dieser Blog, so wie andere Blogs auch. Auch gibt es unterdessen Crowdfunding zur Finanzierung grösserer Angebote. Man kann sich also problemlos zusammenschliessen und eine grössere Seite gemeinsam betreiben.

    Ich verstehe also nicht so ganz das Problem welches hier angesprochen wird.
    Ist das jetzt Gejammer darüber das es in den alten Medien zu wenig Frauen und feministische Themen gibt? Das liegt offensichtlich daran das in einer rein auf Klickraten / Verkaufszahlen fixierten Medienlandschaft solche Themen zu wenig interessierte anziehen.
    Wenn ich es in den Kommentaren richtig verstanden habe geht es ja aber auch nicht um Quantität sondern um Qualität.
    Also ist das dann ein Aufruf an weitere Autoren sich zusammenzutun und eben eine grössere Seite gemeinsam zu betreiben?
    Wird dann da auch was getan oder wird nur darüber philosophiert das man etwas tun müsste?
    Ich meine, nochmal zusammengefasst, Leute suchen die ähnlich denken und Lust haben zu schreiben, mittels Crowdfunding Geld einsammeln, Struktur aufbauen, Spenden einsammeln a la Paywahl und wenn es gut läuft weiter ausbauen, vielleicht mir einer App für Tablets oder Print-on-Demand-angeboten für Leute, die lieber Papier haben.
    Das alles ist möglich heutzutage. Man muss es halt einfach nur machen.

  71. @onlinemeier Bei der von Antje selbst mitorganisierten Denkumenta ist es aber OK wenn fast nur Frauen teilnehmen: https://antjeschrupp.com/2013/07/25/von-sich-selbst-ausgehen-und-die-anderen/
    Ich weiss nichts über die Medientage, wer sie veranstaltet, was sie bezweckt, etc. Vielleicht haben sie gar nicht den Anspruch Frauen und Männer zu vertreten. Vermutlich geht es nur darum wie man mit Fernsehen am besten Geld verdienen kann oder wie man am besten ein Studio ausleuchtet.

    @Marius Du unterstellst daß Männer ihre Meinung nie hinterfragen. Warum sollten sie das nicht tun. Hinterfragen Frauen ihre Meinung öfter als Männer? Zudem ist der Ansatz schon falsch zu fordern eine bestimmte Meinung müsse in bestimmten Medien vertreten sein. Wer soll das überprüfen, kontrollieren und sicherstellen? Diese Instanz wäre dann zwingendermassen Autoritär und undemokratisch. Stattdessen ist es doch besser wenn jeder Schreiben und Filmen kann was er will und es veröffentlichen kann wie er will, und willige Geister sich ihre Informationen selber suchen.

  72. Das sich Frauen von allem, was irgendeinen geistigen Wert besitzt, fernhalten kann ich nicht bestätigen. Im Fernsehen nenne ich nur Nano, Kulturzeit (3sat) und Zapp (NDR).

    @onlinemeier:

    Oder anders: Eine Gruppe, die (fast) ausschließlich aus Männern besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Männer in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell.”

    Eine Gruppe die (fast) ausschließlich aus Gesunden besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Gesunde in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell?”

  73. Ich verstehe nicht was daran schlecht sein soll dass Frauen in irgendwelchen Branchen in irgendeinem Prozentsatz mehr oder weniger repräsentiert sind. Es ist schlicht und ergreifend: völlig egal! Sie stellen im Schulwesen die absolute Mehrheit der Lehrkräfte – na und? Im Verlagswesen stellen sie in vielen kleinen und mittleren Unternehmen die Mehrheit der Lektorinnen, Redakteurinnen und Chefredakteurinnen – na und? Im ZDF-Morgenmagazin – 100 % Frauenquote! Na und? Das ist doch egal! Warum sollte das falsch sein? Und wenn Frauen irgendwo in der Minderheit sind – ist das auch völlig egal.

  74. Eins vorweg, Medien sterben nicht. Manche Zeitungen schließen oder gehen insolvent, andere bleiben bestehen und übernehmen deren Marktanteile. Leider werden einige immer größer und konzentrieren sich in immer mächtiger werdenden Verlagen. Deswegen denke ich auch, das die Medien allgemein kaputt sind.

    Wir leben in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem mit Märkten, wo das Angebot und Nachfrage sich in der Produktion und den Preisen abbildet. Dies kann fundamental kritisiert werden, aber so lange es nicht gekippt ist, wirken diese Regeln… Die Nachfrage von Männern ist meiner Meinung tatsächlich anders und richtet sich eher auf Politik, Ausland und Sport. Und gerade diese Themen haben Einfluss auf die Politik.

    Natürlich schafft sich das Angebot auch die eigene Nachfrage. Was gerade im Aspekt des Altersgefälle intressant ist. Ich lebe in einem kleinen Ort, es gibt fast nur Familien und Witwen. Der Dorfladen bietet fast nur SuperIllu, Bunte, usw. an. Das schafft Angebot, sowie Nachfrage. Dies ist schwer im Augenblick zu durchbrechen.

    Ich habe jetzt meine Sicht der Probleme und Ursachen aufgezeigt und ich sehe auch keine allgemeine Lösung. Nur könnte der Fokus auf die Medien gerichtet werden, die Ihre Anforderungen schon umsetzen. Mir würden allgemein die „TAZ“ und „Der Freitag“ einfallen, diese zu abonieren und weiter zu verbreiten. Wenn die stärker werden, übt das einen gewissen Druck aus.

  75. “ 98 Prozent Männeranteil in den Chefredaktionen von Tages- und Wochenzeitungen“
    Das ist eine sehr interessante Aussage. Wo ist denn die Quelle für diese Zahlen zu finden?
    Leider konnte ich keine Quelle für de Anzahl der Beschäftigten inTages und Wochenzeitungen finden, geschweige denn zu der Besetzung von Chefredaktionen nach Geschlecht, Alter und anderen demografischen Merkmalen.
    Vielleicht könnten Sie hier ein link angeben, das wäre nett.

  76. @dummerjan – da gab es kürzlich eine Erhebung zu, vielleicht kannst du sie googeln oder jemand anders kann es in die Kommentare schreiben, ich komme grade nicht dazu.

  77. @ Antje Schrupp wg. 26. September 2013 um 06:10 :
    Nein, so ist es eben nicht! Sonst dürfte doch auch keine Gruppe von Frauen – über „Männer in den Medien“ schreibt, nur weil Frauen davon gar keine Ahnung haben können!

    Dass würde ja bedeuten: der Beitrag „Diese Medien sind kaput“ – wäre qua Definition weitgehend Unsinn. Soweit er sich über Männer in Medien auslässt.

    Oder messen wir etwa mit zweierlei Maß? Frau kann über alles schreiben, auch über Männer in Medien, aber Mann darf das nicht?
    Bitte um Aufklärung!

  78. @romberg
    „Solange Männer glauben, daß ihre Erfahrungen, ihre Standpunkte und ihre Ideen die gesamte menschliche Erfahrung, das gesamte menschliche Denken repräsentieren, so lange sind sie nicht nur unfähig, im Bereich der Abstraktion korrekt zu definieren, sondern auch unfähig, die Wirklichkeit genau zu beschreiben.

    Der androzentrische Irrtum, von dem das gesamte Denken der westlichen Zivilisation zutiefst geprägt ist,
    kann nicht einfach durch das „Hinzufügen der Frauen“ korrigiert werden. Zur Richtigstellung ist eine radikale
    Umstrukturierung des Denkens und der Analyse erforderlich, mit der ein für allemal die Tatsache anerkannt wird, daß die Menschheit zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen besteht und daß die Erfahrungen, Gedanken und Einsichten beider Geschlechter in jeder verallgemeinernden Aussage über menschliche Wesen repräsentiert sein müssen.“
    Zitiert aus: Die Entstehung des Patriarchats – v. Gerda Lerner

  79. @ Ute Plass:
    Sehr interessant, das Zitat von Gerda Lerner. Sie fordert also ein qualitatives Umstrukturieren von Denken und Analyse. Das bedeutet::Argumente von Männern und Frauen müssen inhaltlich beurteilt werden. Nicht das Geschlecht dessen der sie vertritt ist entscheidend. Struktur von Denken und Analyse sind entscheidend!

    Lerner argumentiert für (inhaltiche) Qualität von Argumenten und damit natürlich gegen jegliche Quote. Was macht es folglich schon aus ob einige, wenige oder gar keine Frauen (oder Männer) in bestimmten Branchen wirken? Wenn es um Argumente, Logik, Einsicht geht – nichts! Die statistischen Verteilung von Männlein und Weiblein auf Posten und Pöstchen in „den Medien“ ist völllig irrelevant.

  80. ich weiß ja nicht, sind nicht gerade feministische Themen in den Zeitungen der große Renner? Ich hab eher das Gefühl, das die Printmedien (damit sind bei mir auch die online versionen der zeitungen mitgegemeint;)) auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen wollen. Zum einen wird viel und auch zunehmend differenzierter über sexismus und co. geschrieben, andererseits bedienen sie durch Bilder usw. wieder den Sexismus.

  81. @ dummerjan
    Hier ist der Link: http://meedia.de/print/98-aller-zeitungschefs-sind-maenner/2013/09/07.html

    @kersolq
    Ich denke, die Printmedien bringen so etwas als reine polarsierende Provokation, um Aufmerksamkeit, Auflage und Klick zu generieren. Da auch der über die Bildersprache transportierte Sexismus Aufmerksamkeit, Auflage und Klicks generiert, wird das ganze nicht als Widerspruch sondern als Addition gesehen.

    Und deswegen haben Medien wie z.B ZEIT online ja auch gar keine Probleme, im Gesellschaftsteil krankmachende Körperideale anzuprangern um dann im Modeteil genau diese dann zu bejubeln…

  82. Hier die Quelle auf der die Aussage beruht:
    http://www.pro-quote.de/statistiken/.
    Die Aussage 98 % aller Chefredakteursstellen sind mit Frauen besetzt und 98% aller Chefredakteurstellen von 16 großen Tages- und Wochenzeitungen sidn jedoch eine sehr unterschiedliche Aussage.
    Alleinder Verband der Süddeutschen Zeitungsverlage hat mehr Zeitungen im Verband.
    Wie ist eigentlich die Geschlechterverteilugn bei den anderen Mitarbeitern?
    Denn wenn dort weniger Frauen arbeiten als Männer dann sind doch Frauen als Geschlecht bei den Chefredakteursposten bevorzugt oder?

  83. @Dummerjan – Es geht nicht darum, ob Frauen „bevorzugt“ oder „benachteiligt“ sind im Vergleich zu Männern, sondern ob Zeitungen bzw. Medien generell die Gesellschaft umfassend abbilden oder nur eine Teilperspektive daraus. Ansonsten ist aber bestimmt in den unteren Rängen der Frauenanteil deutlich höher als 2 Prozent 🙂

  84. @Romberg – „Die statistische Verteilung von Männlein und Weiblein auf Posten und Pöstchen in “den Medien” ist völlig irrelevant.“ – Sehe ich auch so. Antje hat es gerade nochmal auf den Punkt gebracht
    (26.Sept.- 18.31)

  85. “Die statistische Verteilung von Männlein und Weiblein auf Posten und Pöstchen in “den Medien” ist völlig irrelevant.” (Ute Plass)

    „Die Medien sind so männerdominiert wie kaum noch eine andere gesellschaftliche Organisation. 98 Prozent Männeranteil in den Chefredaktionen von Tages- und Wochenzeitungen, das ist eine Dominanz wie im 19. Jahrhundert, vor der Frauenemanzipation.“ (Antje Schrupp)
    Ich erlaube mir, der Autorin des zu folgen. Zwar wird im Artikel kein Zusammenhang behauptet – das sehe ich auch so. Aber ein Zusammenhang wird nahegelegt und der Verein ProQUote behauptet einen Zusammenhang zwischen Teilhabe von Frauen an Chefredaktionen und Gleichberechtigung.
    Oder wieso gibt es den Verein proQUote denn sonst?

    „Es geht nicht darum, ob Frauen “bevorzugt” oder “benachteiligt” sind im Vergleich zu Männern, sondern ob Zeitungen bzw. Medien generell die Gesellschaft umfassend abbilden oder nur eine Teilperspektive daraus. “
    Wird denn nicht in dem Beitrag auf einen Zusammenhang von Geschlecht und Abbildung der Gesellschaft in den Medien abgestellt?
    Also der größte Teil der Zeitschrifen im Zeitungskiosk am Bahnhof sind Frauenzeitschriften(Neue Post, Neues Blatt, Meine Woche Woche der Frau usw) gefolgt von Auto-Und Motorradzeitschriften. Nun ja, ich habe nicht gezählt. Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger ist geerade webtechnisch nciht erreichbar für Auflagenstatistiken,

  86. Dann halte ich mal als ein Ergebnis der Diskussion fest: eine „Quote“ bei der Besetzung von Posten und Pöstchen ist großer Unsinn! Medien brauchen keine Quote, sondern fähige Journalisten.

  87. @Romberg – „Medien brauchen keine Quote, sondern fähige Journalisten“.
    Genauer gesagt: Medien brauchen keine Quote, sondern Journalist_innen, die fähig sind, die Erfahrungen, Gedanken und Einsichten beider Geschlechter in jeder verallgemeinernden Aussage über menschliche Wesen zu repräsentieren. 🙂

  88. @ Ute Plass wg. „Genauer gesagt….“

    Hä?
    „Genauer“???
    Journalisten mögen Erfahrungen von Geschlechtern in ihren Aussagen repräsentieren? Was für ein Unsinn. Darum gehts doch gar nicht.
    Journalisten sollen ne gute Schreibe haben, interessante Themen finden, gut recherchieren, mutig sein, neugierig sein, beharrlich sein, verständlich sein, und und und und….
    Meine Aussage ist da schon genau genug:
    wIr brauchen keine Quote, sondern fähige Journalisten.
    Punkt.

    Wir sind uns jedenfalls einig:
    Nieder mit der unsinnigen Quote!

  89. @romberg – zu dem genauen Journalismus gehört aber auch, dass man nicht von sich selbst auf andere schließt, das heißt, dass man die eigenen Gewohnheiten und das, was für einen selbst Normal ist, nicht für einen allgemeinen Maßstab hält, der für alle gilt. Wenn nun Journalisten überwiegend zu ein und demselben „Sorte“ gehören, ist diese Gefahr sehr groß, und auch die, dass sie von den „anderen“ kein realistisches, sondern kischerhaftes Bild malen, weil sie von der Realität keine Ahnung haben. Das genau ist es, was passiert (nicht Neuron Bezug auf Frauen, sondern auch in Bezug auf andere „andere“).

  90. Hm.
    Ich denk mal darüber nach. Aber ich fürchte das werde ich nicht nachvollziehen können.
    Weil das so absolut überhaupt nicht einleuchtend ist.

    Wer mir den Wetterbericht präsentiert und wie er das macht oder meinetwegen wie „sie“ das macht soll sich mit männerorientierten Erfahrungen lieber extrem zurückhalten. Und mit Frauenerfahrungen auch. Soll gar nicht erst versuchen einen gendergerecht abgewogenen Wetterbericht zu bringen.

    Wenn ich mir die Spiele der Fußballnationalmannschaft angucke dann will ich in der Pause Analysen, grafische Darstellungen, Statistiken, aber bleib mir vom Leib mit Männer-Perspektiven. Und lass mich da in Ruhe mit Frauenansichten! Blos das nicht!

    Das gilt so für viele andere journalistische Erscheinungsformen. Reportagen über Vulkanismus in der Südsee, das Leben der Katzenhaie in der Nordsee, Bericht vom letzten Trecker-Treff in der Nachbarstadt, die Verkehrslage auf den Autobahnen, evtl auch die aktuellen „Blitzer“ an den Hauptverkehrsstraßen – ich brauche da nirgendwo Männererfahrungen. Und auch keine Frauensichtweisen. Im Gegenteil! Alleine die Vorstellung sowas da reinzumischen st gruselig!

    Ebenso in Printmedien die ich derzeit konsumiere. Viele Fachbücher: Kompendien über den Anbau von historischen Obstsorten, Firmengeschichten von deutschen Traktorenherstellern usw…. Nirgendwo brauche ich und vermisse ich eine zeitgenössiche aufgeklärte und abgeklärte oder gendergerechte Verfärbung all dieser Medien. Im Gegenteil: jegliche Einmischung von „Frauensichtweisen“ und/oder von spezifischen „Männererfahrungen“ wäre nichts als übel übel übel.

    Männer- und Frauenerfahrungen haben in zu vielen Bereichen der Medien einfach Null Relevanz!
    Im Gegenteil: gerade die Abwesenheit von geschlechtsspezifischen Erfahrungen und Ansichten ist eine Grundvoraussetzung für guten Journalismus!

  91. „Wenn nun Journalisten überwiegend zu ein und demselben “Sorte” gehören, ist diese Gefahr sehr groß, und auch die, dass sie von den “anderen” kein realistisches, sondern kischerhaftes Bild malen, weil sie von der Realität keine Ahnung haben.“

    Gib doch mal ein konkretes Beispiel – für Frauen in der westlichen Welt?

  92. @Björn – Ein Beispiel war etwa eine Sendung im Schweizer Fernsehen zum Grundeinkommen, wo nur die männliche Perspektive zur Sprache kam. Eine Frau hat dagegen geklagt, und es ist tatsächlich eine Rüge deshalb gegen den Sender ausgesprochen worden – https://antjeschrupp.com/2013/03/13/zwei-argumente-die-furs-grundeinkommen-nicht-taugen/

    Generell ist „Wirtschaft“ ein klassisches Beispiel, weil hier regelmäßig die unbezahlte Haus- und Fürsorgearbeit in den Analysen nicht berücksichtigt wird.

    Ansonsten: An Beispielen für eine klischeehafte Darstellung der Geschlechterdifferenz in den Medien besteht nun wirklich kein Mangel, im Gegenteil fällt mir gerade zum Beispiel nicht eine einzige Fernsehsendung ein, in der die Geschlechterdifferenz überhaupt thematisiert wird, in der das nicht unter Rückgriff auf Klischees passiert.

  93. @Romberg – Ja, genau, das ist gruselig, und deswegen gibt es den Feminismus, weil der nämlich festgestellt hat, dass die Männer ständig überall ihre Männerperspektive hineinbringen, ohne dass ihnen das überhaupt auffällt. Und bevor man damit aufhören kann, die eigene Männer- oder Frauen-Perspektive überall reinzubringen (wenn sie da nicht hingehört), muss man sich doch erstmal darüber im Klaren sein, dass man das macht. Männer sind sich das sehr selten drüber im klaren, that is the point.

  94. @ Antje Schrupp 12:35:

    Ich kann mir sehr gut vorstellen dass „der Feminismus“ (man verzeihe mir hier diese sehr allgemeine und oberflächliche Verwendung des Begriffs) eher nicht kompetent ist um männliche Erfahrungswelten und männliche Sichtweisen zu identifizieren, zu erfassen, geschweige denn zu verstehen.

    Ich kann mir das auch nicht vorstellen, wie der Feminismus festgestellt haben will in wie weit in „den Medien“ Blitzerwarnungen, Wetterberichte, Reportagen über Vulkane in der Südsee und Berichte vom letzten Oldtimer-Traktoren-Fest von unangemessenen und unreflektierten Männerperspektiven (negativ) geprägt sind.

    Zum Glück – sind solche „Männerperspektiven“ nur Theorie. Sie bestimmen die Medien (ich bezieh mich auf die von mir vorhin genannten und von mir konsumierten Beispiele): nicht! Gott sei Dank. Kein Grusel! Medien nicht kaputt!

    Im Übrigen, zu „that´s the point“:
    Männer sind sich sehr wohl bewusst dass sie aus sich selbst heraus und in sich ruhend handeln und wandeln und kommunizieren – als Mann! Was sonst? Viell, nicht immer im vollen reflektierten Bewusstsein dieser Tatsache, aber Männer bemerken das immer wieder die Männlichkeit ihrer Existenz – spätestens dann wenn Frauen mal wieder so ganz anders sind…. Na und? Ist doch spannend!
    Als Mann kann ich den Reichtum meiner eigenen Existenz einbringen in das Leben rund um mich herum. Das ist eine Menge! Und da gibts nichts zu entschuldigen, sondern im Gegenteil: völlig in Ordnung so!
    Ich persönlich tue das offen und mit Freude. ich lebe gerne als Mann, macht Spaß, und ich nehme andere gerne mit und lasse sie daran teilhaben. Männerperspektiven sind durchaus eine große Bereicherung für diese Welt!
    Hm. Das ging jetzt ein wenig vom Thema weg, musste aber mal gesagt werden. Sry dafür!

  95. @antje interessantes Beispiel aber mir ist nicht klar weshalb Sorgearbeit ein spezifisch weibliches Thema sein soll. Es gibt doch jede Menge Männer die Sorgearbeit leisten.

  96. onlinemeier schreibt:
    25. September 2013 um 14:49

    „Frauen sollten eingeladen werden, weil zu keinem beliebigen Thema der Welt sinnvoll diskutiert werden kann, wenn Männer dabei unter sich bleiben. Eine solche Veranstaltung ist ganz einfach nicht in der Lage, Allgemeinrelevantes hervorzubringen und wird deshalb unweigerlich eine schlechte Veranstaltung sein. “

    ich hoffe es ist bekannt dass dies ein fehlschluss ist
    genau wie: wenn man keine kinder hat weiß man auch nicht was gute kindererziehung ist etc pp

    und männern zu unterstellen sie würden nur fürs eigene wohl arebeiten und für das anderer blind sein – man bräuchte schon frauen um frauenthemen zu diskutieren ->sowas zu behaupten ist einfach nur eklig. das spricht männern jedes einfühlungsvermögen (dh sich in die lage anderer zu versetzen ab) und würde bedeuten dass männer gewollt gegen die interessen ihrer mütter, frauen, freundinnen, töchter und enkeltöchter arbeiten oder für deren belange/probleme zumindest blind seien ….

  97. @kokko – Nein, es unterstellt Männern überhaupt nichts. Es kann schon sein, dass sie sich bemühen, im Sinne und zum Wohl von Frauen und Kindern zu arbeiten. Aber sie KÖNNEN nun einmal nicht deren Perspektive vertreten. Ich finde es sehr bemerkenswert, wie schwierig es für viele zu sein scheint, diese Unterscheidung nachzuvollziehen.

  98. @Romberg – Auch “ Kompendien über den Anbau von historischen Obstsorten, Firmengeschichten von deutschen Traktorenherstellern …” bedürfen der Sichtbarmachung der Erfahrungen, Gedanken, Einsichten beider Geschlechter, handelt es sich doch um Menschheitsgeschichte, und diese wurde bis in die jüngste Vergangenheit von Männern geschrieben und interpretiert. Solche Aufzeichnungen befass(t)en sich im wesentlichen mit den Taten, Verhaltensweisen und Zielen von Männern. Kann natürlich sein, dass die oben genannten Abhandlungen diesen historischen Prozess bereits geschlechterdifferenziert beschreiben. Wenn nicht, dann hielte ich das für übel, weil dies die jahrtausendealte patriarchale Praxis der Unsichtbarmachung von Frauen weiter fort schreiben würde.
    „…… aber Männer bemerken immer wieder die Männlichkeit ihrer Existenz – spätestens dann wenn Frauen mal wieder so ganz anders sind…. Na und? Ist doch spannend!“
    Ja stimmt. Diese befruchtende Einsicht der Verschiedenheit fehlt(e) eben zu oft. Statt dessen wurden Klischees (von der Minderwertigkeit der Frau und der Höherstellung des Mannes) erfunden, die bis heute ungut nachwirken.

  99. „Aber sie KÖNNEN nun einmal nicht deren Perspektive vertreten.“

    wieso eigentlich nicht? du nimmst ddoch gerade auch eine andere perspektive ein, nämlich die der männer, und behauptest, was männer können bzw. nicht können. wie das?

  100. „sondern Journalist_innen,“
    Ich bin erstaunt über diesen expliziten Ausschluss transsexueller Menschen aus diesem Bereich der gesellschaftlichen Präsenz, der in dieser Form der Bezeichnung impliziert ist.
    Diese sind häufiger als die meisten vermuten aber eben meist gar nicht so auffällig wie viele denken (ca. 1:1000000).

  101. “ beider Geschlechter“
    Ich muss schon darauf bestehen, dass es ein soziales Kontinuum der Geschlechter gibt. Wenn es um Zeugung und Geburt geht, spielt natürlich die geschlechtliche Binarität die zentrale Rolle – aber wie oft haben Menschen damit in Ihrem Leben zu tun?
    Wesentlich häufiger haben Menschen doch die Erfahrung mit sich als Individuum und weniger mit sich als Mann oder Frau zu tun. Das Mann- oder Frausein ist doch immer nur ein Teil der Identität.
    Genauso gut könnte man doch verlangen, daß Journalisten ihren Beruf aufgeben, denn sie können doch immer nur als Journalist berichten.

  102. „“sondern Journalist_innen,”
    Ich bin erstaunt über diesen expliziten Ausschluss transsexueller Menschen (…)“

    nun, gerade die verwendung der gender_gap schließt ausdrücklich menschen mit ein, die sich weder eindeutig als frau noch eindeutig als mann sehen. der unterstrich steht für das dazwischen-sein. wenn ute plass das hier verwendet, schließt sie diese menschen explizit mit ein. als trans*-mensch fühle ich mich da ausdrücklich mitgemeint. ute plass eine ausschließende schreibweise vorzuwerfen zeugt da meines erachtens von unkenntnis in dieser frage.

    im übrigen, lieber dummerjan, gibt es auch bei menschen vor und kurz nach der geburt mehr als nur die geschlechtliche binarität. bei intersex-personen ist das am offensichtlichsten. konsequenz: das kontinuum des geschlechts (einzahl) ist nicht nur sozial, sondern auch biologisch. die binarität der geschlechter (plural) ist dagegen historisch und auch eine frage der hierarchie, und damit auch teil der verhandlung von rollen im alltag. das spielt eine große rolle. es ist nicht nur teil einer identität.

    und nein, sich als männlich verstehende journalisten müssen nicht ihren beruf aufgeben. es reicht, wenn sie sich der prägung und färbung ihrer perspektive bewusst werden – wie sie in der verhandlung von geschlechterrollen im alltag immer wieder neu in szene gesetzt wird. oft durch sie selbst. und schön wäre auch, wenn sie schlussfolgerungen für ihre berichterstattung ziehen und eben nicht aus gewohnheit männerwelten abbilden, sondern sich zu perspektivenwechseln befähigen.

  103. Antje Schrupp schrieb „Es geht nicht darum, ob Frauen “bevorzugt” oder “benachteiligt” sind im Vergleich zu Männern, sondern ob Zeitungen bzw. Medien generell die Gesellschaft umfassend abbilde…“

    Können Medien denn die Gesellschaft umfassend abbilden?
    Kinder, Jugendliche , Pensionäre, Behinderte und weniger Intellektuelle Sind ja auch stark unter vertreten.

  104. Pingback: Perlen der Woche (weekly) » punktefrau

  105. Ich möchte mich bedanken für den Artikel und auch über einige lesenswerten Kommentare von Frauen.
    Ich muss gestehen, daß ich bei dieser ganzen Genderdiskussion oft erlebt habe, daß nur an dem jeweils anderen herumgekrittelt wird – und das bringt nix!
    Folgende Erkenntnis: Jeder und Jede, die dies hier liest, ist das Produkt einer Frau UND eines Mannes. Beides!
    Das eine der wenigen wirklichen Tatsachen, die wir als Grundlage voraussetzen können.
    Jede Entwicklung hatte immer was mit BEIDEN zu tun.
    Wer das andere Geschlecht nicht wertschätzt, bekommt früher oder später Stress mit sich selbst.

    Zitat:“
    Diese Medien, so sehe ich es, sind kaputt, und zwar unrettbar. Sie gehen mich, da ich eine Frau bin, nur bedingt etwas an. Sie haben keine Autorität, mir die Welt zu erklären, weil sie die Welt, die mich interessiert, überhaupt nicht kennen.“ Zitat Ende.
    Moment mal!!! Das sehe ich als Mann aber genauso!!!

    Es gibt noch einen anderen Grund, warum z.B. Frauen in „gehobenen Positionen“ seltener als Männer sind:
    Vielleicht ist es ihnen einfach zu doof!!!
    Ich kann sagen, daß ich an jedem einzelnen Tag (von 4 Jahren) als Hausmann und Bezugsperson für meine Kinder, mehr SINN gemacht habe, als in meiner gesamten Zeit als gutbezahlter PR-Fuzzy.

    Ich lese:
    “Die Differenz der Frauen besteht aus Jahrtausenden ihrer Abwesenheit von der Geschichte.“
    Sorry, das halte ich für Unsinn. Die Frauen waren NIE weg, sondern im Background jeder einzelnen Situation präsent!
    Ich glaube nicht, daß Frauen jemals irrelevant waren! (Ihr Beitrag wurde vielleicht weniger oft verschriftlicht)

    Danke auch für die Anmerkung, daß
    „die Medien keine Organisation sind, sondern eine Branche“
    WICHTIG WICHTIG WICHTIG! Danke für die Erinnerung. „Die Medien“ können gar nicht als Ganzes agieren – es sieht nur manchmal so aus als ob!
    (Die „Achse des Bösen“ ist schließlich ebenfalls keine Organisation, vor der man als Ganzer Angst haben müsste, weil es sie als ganze nicht gibt.)
    Es gibt „die Medien“ nicht!
    Was es aber definitiv gibt ist: „Mein persönlicher MedienInput“ und den kann ich eigentlich selbst bestimmen, oder?

    Mir fällt noch ein Zitat von Brene Brown ein, was ich zum Genderthema spektakulär finde:
    „Wenn wir nichts für Jungs und Männer tun, tun wir nichts für Mädchen und Frauen“. Das hier erklärt mir unser Dilemma auf friedliche Art:

    (deutsche Untertitel zuschaltbar)

    Danke vom Sohn einer Frau!

  106. @Saippuakivikauppias
    Natürlich nehmen nicht nur Frauen wahr, dass die Medien korrupt sind. Natürlich betrifft besonders der gekaufte Journalismus von Thinktanks, Stiftungen und Lobbyisten und deren unterschwelligen politischen Strömungen, Männer genauso wie Frauen.
    Und dennoch gibt es besonders schützendwerte Fraueninteressen, die sich durch Abwesenheit der Frauen nicht etablieren können.
    Natürlich waren Frauen niemals unwichtig, sonst gäbe es uns ja nicht. Aber das heißt ja gerade nicht, dass Frauen immer Selbstbestimmung und Respekt zugestanden wurde. Gerade wegen ihre Wichtigkeit in der Funktion der Gebärenden, wurde sie lange fast nur auf diese Funktion reduziert und so unsichtbar gemacht und be“herr“scht.
    Ich sehe hier zwei sehr unterschiedliche, sich auch beißende Fraueninteressen (in einer utopischen, freien Gesellschaft wären diese Interessen durchaus vereinbar).
    Das eine ist die Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Belangen, gesellschaftliche Teilhabe und totale Gleichstellung – das andere die Anerkennung der reproduktiven Leistung, die vorallem Frauen und besonders Mütter erbringen (wobei ich natürlich auch Väter, Pflegende, insbesondere Hausmänner aber auch Unterhaltleistende miteinschließe).
    Wenn wir uns heute die gelenkten Medien (gelenkt egal ob von Eigenintressen oder von Lobbys) ansehen, begegnen wir zwar dem Zeitgeistthema Gleichstellung, aber außer Auslagerung und ökonomische Rationalisierung der Reproduktion auf Kosten von Geringverdienern (in der Regel – weiblich) und Kindern (oder Pflegebedürftiger) fällt ihnen dazu nichts ein.
    Weil Reproduktion und Gleichstellung mit Fraueninteressen einhergehen und in allen fast allen Bereichen zu finden sind, wäre es im Interesse aller die verschiedenen Frauenperspektiven medial mehr zu berücksichtigen.

  107. Evtl. für Menschen aus Frankfurt/Umgebung interessant:
    Samstag, 12.10.13 16:30, Kneipe
    Linke Medienpolitik vs. Mainstream
    Zeitungssterben, Printkrise, kritischer Journalismus in Gefahr?
    Am Beispiel von neues deutschland diskutieren der Journalist Hans-Gerd Öfinger und nd-Geschäftsführer Olaf Koppe über die Möglichkeiten und Grenzen einer modern gehaltenen sozialistischen Tageszeitung, die an diesem Tag mit einem inhaltlich und optisch neuen Profil an den Start geht und dadurch bei ihren Abonnenten, am Kiosk und natürlich Neulesern punkten möchte.
    Veranstalter: neues deutschland
    Eintritt frei!
    verein club voltaire e.V.
    kleine hochstraße 5
    60313 frankfurt am main

    clubvoltaire@t-online.de
    http://www.club-voltaire.de

  108. Pingback: Information und Wissen: Nochmal über Journalismus | Aus Liebe zur Freiheit - Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz

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